Wie groß deine Rücklage sein muss, verrät dir keine Faustregel. Die üblichen Spannen reichen von drei bis sechs Monatsgehältern. Das ist zu grob für dein Leben.
Hier rechnest du deine eigene Zahl. Mit einer einzigen Frage: Welches Ereignis würde dich am meisten kosten?
Betrifft dich, wenn du deine Finanzen im Blick behalten möchtest oder du ins Berufsleben startest.
Fokus
Dieser Artikel zeigt, wie du die Höhe deiner Rücklage bestimmst. Wo sie liegt und wie du sie aufbaust, steht im Artikel Notgroschen. Dieser Artikel ist keine Anlageberatung.
Das Wichtigste in Kürze
- Deine Rücklage richtet sich nach dem teuersten realistischen Ereignis, nicht nach der Summe aller Ereignisse.
- Du misst sie in Nettogehältern. So passt die Zahl zu deinem Leben und wächst mit deinem Einkommen.
- Pro Ereignis rechnest du: Lücke im Monat mal Dauer, plus einmalige Kosten.
- Für unsere Beispielperson Lisa ist eine lange Krankheit am teuersten. Ihre Rücklage: 4 Nettogehälter, also 10.000 €.
- Die Rücklage zählt nur, wenn sie allein auf einem Konto liegt und nicht schwankt. Urlaubsgeld und Depot gehören nicht dazu.
So gehst du vor
- Ereignisse sammeln. Schreib zwei bis vier Ereignisse auf, die dich realistisch treffen können. Wie du Risiken sortierst, zeigt der Artikel Risiken absichern, puffern oder bewusst ignorieren.
- Lücke rechnen. Pro Ereignis: Wie viel fehlt im Monat, wie lange, und was kostet es einmalig?
- In Nettogehälter umrechnen. Teile jede Summe durch dein Nettogehalt.
- Den größten Wert nehmen und aufrunden. Das ist deine Zielgröße.
- Echte Rücklage prüfen. Zieh vom Kontostand ab, was schon für Urlaub oder Auto verplant ist. Wie du Konten trennst, zeigt das Kontenmodell mit vier Konten.
Inhalt
- Wie groß muss meine Rücklage sein?
- Wie rechne ich ein Ereignis in Nettogehälter um?
- Warum zählt nur das teuerste Ereignis?
- Beispiel: So sieht das bei Lisa aus
- Wie viele Nettogehälter braucht Lisa?
- Woran scheitert eine Rücklage, die groß genug ist?
- Wann muss ich meine Rücklage neu rechnen?
- Reicht meine Rücklage oder muss ich nachlegen?
- Häufig gestellte Fragen
Wie groß muss meine Rücklage sein?
Die kurze Antwort: So groß wie das teuerste Ereignis, das dich realistisch treffen kann und das keine Versicherung trägt. Gemessen in Nettogehältern.
Faustregeln geben dir nur eine Spanne. Die Verbraucherzentrale nennt drei bis sechs Monatsgehälter als Notgroschen. Quelle: Verbraucherzentrale, Stand 10.09.2025.
Die BaFin, die staatliche Finanzaufsicht, schreibt: Fachleute nennen häufig drei Monatseinkommen. Quelle: BaFin, Das kleine Einmaleins der Geldanlage.
Beide Angaben haben dasselbe Problem. Sie sagen dir nicht, wo du selbst in der Spanne stehst.
Samiras Methode dreht die Frage um. Nicht: Wie viel legen andere zurück? Sondern: Was würde mich am meisten kosten?
Gemessen wird in Nettogehältern. Ein Nettogehalt ist das, was nach Steuern und Sozialabgaben auf deinem Konto ankommt. Was eine Versicherung zahlt, rechnest du nicht mit.
Wie rechne ich ein Ereignis in Nettogehälter um?
Die kurze Antwort: Mit drei Fragen: Was fehlt im Monat? Wie lange? Was kostet es einmalig? Die Summe teilst du durch dein Netto.
Die Formel lautet: Lücke im Monat mal Monate, plus einmalige Kosten. Das Ergebnis teilst du durch dein Nettogehalt.
Drei Arten von Ereignissen kommen infrage:
- Plötzliche Rechnungen: die Waschmaschine, die Autoreparatur, die Nachzahlung. Einmalig, aber sofort fällig.
- Lebensveränderungen: Jobverlust, Trennung, Schwangerschaft oder Pflege für Angehörige. Hier kann über Monate Geld fehlen.
- Lange Krankheit: Krankengeld ersetzt nicht dein volles Netto. Die Lücke trägst du selbst, wenn keine Versicherung sie schließt.
Damit du nichts übersiehst, schau auf jedes Ereignis von vier Seiten. Was ändert sich am Einkommen? Was an der Organisation, etwa bei Betreuung oder Wohnung?
Was kostet die Belastung, etwa durch Beratung? Und wie lange dauert das Ganze?
Du brauchst keine perfekte Zahl. Eine ehrliche Größenordnung reicht.
Warum zählt nur das teuerste Ereignis?
Die kurze Antwort: Weil deine Rücklage nicht alles gleichzeitig tragen muss. Sie muss das größte Loch füllen können. Danach füllst du sie wieder auf.
Addierst du alle Ereignisse, landest du bei einer Zahl, die lähmt. Du sparst dann jahrelang auf ein Ziel, das größer ist als nötig.
Dazu kommt: Die Folgen können sich überschneiden. Bei Jobverlust und bei Trennung wird zum Beispiel beide Male das Geld im Monat knapper.
Wer das teuerste Ereignis tragen kann, kann auch jedes kleinere tragen. Das ist Samiras Methode. Sie ist keine Statistik, sondern eine Entscheidungsregel.
Beispiel: So sieht das bei Lisa aus
Lisa Logisch ist unsere Beispielperson. Sie ist erfunden, ihr Verlauf ist alltagsecht.
- Mit 24 Lisa startet als Projektmanagerin. Sie schließt eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit 1.500 € Monatsrente ab.
- Mit 24 bis 30 Sie spart auf Tagesgeld. Urlaub, Auto und Notfall liegen auf demselben Konto.
- Im Beispiel jetzt · 31 Sie verdient 2.500 € netto und hat 1.600 € Fixkosten. Sie will wissen, wie viel davon wirklich Rücklage ist.
Lisa schreibt drei Ereignisse auf. Die Krankheit rechnet sie nach Gesetz. Die anderen beiden sind Annahmen, damit du die Methode siehst.
Stell dir vor, Lisa wird lange krank. Nach sechs Wochen Lohnfortzahlung zahlt die Krankenkasse Krankengeld. Es beträgt 70 Prozent vom Brutto, höchstens 90 Prozent vom Netto. Quelle: § 47 SGB V.
Davon gehen noch Beiträge zur Sozialversicherung ab. Lisa fehlen so 542,50 € im Monat. Den Rechenweg zeigt der Artikel Krankengeld-Lücke berechnen.
Krankengeld gibt es für dieselbe Krankheit höchstens 78 Wochen in drei Jahren. Die Lohnfortzahlung zählt mit. Quelle: § 48 SGB V. Nach den sechs Wochen bleiben also bis zu 72 Wochen.
Stell dir außerdem vor, Lisa verliert ihren Job. Arbeitslosengeld beträgt ohne Kind 60 Prozent eines pauschal berechneten Nettos. Quelle: § 149 SGB III.
Wie viel es bei ihr genau wäre, berechnet die Agentur für Arbeit. Angenommen, es sind rund 1.500 € im Monat. Und angenommen, sie findet nach sechs Monaten eine neue Stelle.
Stell dir zuletzt vor, Waschmaschine und Auto gehen im selben Monat kaputt. Angenommen, das kostet zusammen 2.000 €.
Wie viele Nettogehälter braucht Lisa?
Die kurze Antwort: Für die Krankheit rund 3,6 Nettogehälter. Aufgerundet sind das 4 Nettogehälter, also 10.000 €.
Rechenbeispiel, grob gerechnet. Steuern sind nicht berücksichtigt. 72 Wochen sind 504 Tage. Mit 30 Tagen pro Monat sind das 16,8 Monate.
| Ereignis | Rechnung | Summe | Nettogehälter |
|---|---|---|---|
| Lange Krankheit, 72 Wochen | 542,50 € × 16,8 Monate | rund 9.100 € | 3,6 |
| Jobverlust, angenommen 6 Monate | 1.000 € × 6 Monate | 6.000 € | 2,4 |
| Waschmaschine und Auto, angenommen | einmalig | 2.000 € | 0,8 |
Am teuersten ist die Krankheit. Lisa rundet auf 4 Nettogehälter auf. Das sind 10.000 €.
Hätte sie alles addiert, käme sie auf rund 17.100 €. Das sind fast 7 Nettogehälter. Über 7.000 € davon bräuchte sie als Rücklage nicht.
Diese Differenz kann in andere Ziele fließen. Welche das sind, entscheidet Lisa selbst.
Tipp
Öffne heute dein Sparkonto. Schreib neben den Kontostand, was davon schon verplant ist: Urlaub, Auto, Geschenke. Nur der Rest ist deine Rücklage.
Woran scheitert eine Rücklage, die groß genug ist?
Die kurze Antwort: Daran, dass sie nicht frei ist. Entweder ist sie schon verplant, oder sie schwankt mit der Börse.
In der Beratung sehe ich zwei Muster. Beide lassen eine Rücklage größer aussehen, als sie im Notfall ist.
Ein Topf für alles. Urlaub, Auto und Notfall liegen auf demselben Konto. Der Kontostand wirkt beruhigend. Aber der Sommerurlaub ist schon gebucht, und das Auto braucht bald neue Reifen.
Im Notfall ist dann weniger da, als die Zahl verspricht. Die Lösung ist schlicht: ein eigenes Konto nur für die Rücklage. Sparziele bekommen ein anderes. Wie das aussieht, zeigt das Kontenmodell.
Rücklage im Depot. Das Notgeld liegt in Fonds oder Aktien. Dann schwankt es mit der Börse.
Die BaFin schreibt, dass Fondsanteile und Aktien keine geeignete Notfallrücklage sind. Niemand sollte gezwungen sein, Aktien im Kurstief zu verkaufen. Quelle: BaFin, Das kleine Einmaleins der Geldanlage.
Eine Rücklage soll nicht wachsen. Sie soll da sein, wenn du sie brauchst.

Samiras Blick
Samira Harkat
Eine Rücklage ist für mich keine Zahl, die man irgendwo abliest. Sie ist die Antwort auf die Frage, was mein Leben am stärksten erschüttern würde. Wer diese Frage einmal ehrlich beantwortet, spart nicht mehr gegen ein diffuses Gefühl an. Deshalb bestehe ich darauf, dass die Rücklage allein liegt. Ein Topf, aus dem auch der Urlaub kommt, beruhigt nur auf dem Papier. Ein Depot, das gerade im Minus steht, beruhigt gar nicht. Ruhe entsteht erst, wenn die Zahl stimmt und das Geld frei ist.
Wann muss ich meine Rücklage neu rechnen?
Die kurze Antwort: Immer dann, wenn sich dein Netto oder dein teuerstes Ereignis ändert.
- Dein Netto ändert sich. Gehaltserhöhung, Teilzeit, neuer Job. Ein Nettogehalt ist dann ein anderer Betrag.
- Deine Verantwortung ändert sich. Ein Kind, eine eigene Wohnung, ein Auto oder Pflege für Angehörige. Dann kann ein anderes Ereignis das teuerste werden.
- Deine Absicherung ändert sich. Schließt eine Versicherung eine Lücke, kann die Rücklage kleiner sein. Fällt eine weg, muss sie größer werden.
- Du hast sie benutzt. Dann füllst du sie zuerst wieder auf, bevor neues Geld in andere Ziele fließt.
Ändert sich nichts, reicht ein fester Termin im Jahr.
Der häufigste Denkfehler: „Je größer die Rücklage, desto sicherer bin ich.“ Das stimmt nur bis zu dem Punkt, an dem sie dein teuerstes Ereignis trägt. Mehr Sicherheit bringt jeder Euro darüber nicht. Er fehlt aber deinen anderen Zielen. Und auf dem Tagesgeld kann die Inflation den Wert schneller senken, als Zinsen ihn erhöhen.
Reicht meine Rücklage oder muss ich nachlegen?
Die kurze Antwort: Das hängt davon ab, wie deine echte Rücklage zur Zielgröße steht.
- Das kannst du so lassen: Deine Rücklage liegt allein auf einem Konto, schwankt nicht und trägt dein teuerstes Ereignis. Prüfe sie einmal im Jahr.
- Wenn alles auf einem Konto liegt: Trenne Rücklage und Sparziele. Erst dann siehst du, ob sie reicht.
- Wenn deine Rücklage im Depot liegt: Kläre, welcher Teil Notgeld sein soll. Dieser Teil gehört nach Ansicht der BaFin nicht in Fonds oder Aktien.
- Wenn sie kleiner ist als die Zielgröße: Richte einen festen Dauerauftrag ein. Wie du sie aufbaust, steht im Artikel Notgroschen.
- Wenn sie deutlich größer ist: Lass das Geld darüber nicht ungeplant liegen. Gib ihm ein eigenes Ziel.
- Wenn das teuerste Ereignis zu groß für eine Rücklage ist: Dann gehört es abgesichert, nicht gepuffert. Lass prüfen, ob deine Verträge die Lücke schließen.
Passt deine Rücklage zu deiner Absicherung?
Wir schauen mit dir, welche Lücken deine Verträge offen lassen und welches Ereignis deine Rücklage tragen muss. Die Prüfung ist unabhängig davon, ob am Ende ein neuer Vertrag steht. Oft ist der alte Vertrag mit Lücken besser als ein neuer mit neuen Gesundheitsfragen.
Beratung durch die FemininFinance GmbH & Co. KG, Versicherungsmaklerin nach § 34d Abs. 1 GewO, Register-Nr. D-TAJS-4I8JO-48, und ihre Kooperationspartner:innen mit eigener Erlaubnis und eigener Registrierung bei der IHK.
Häufig gestellte Fragen
So viele, wie dein teuerstes realistisches Ereignis kostet. Für unsere Beispielperson Lisa sind es 4. Bei dir kann es mehr oder weniger sein.
Weil die Zahl dann mit deinem Leben mitgeht. Steigt dein Netto, steigt auch deine Zielgröße in Euro.
Nein. Was schon verplant ist, steht im Notfall nicht zur Verfügung. Zieh es vom Kontostand ab.
Die BaFin hält Fondsanteile und Aktien nicht für eine geeignete Notfallrücklage. Ihr Wert kann gerade dann niedrig sein, wenn du das Geld brauchst.
Nein. Du rechnest jedes Ereignis einzeln und nimmst das teuerste. Nach einem Ereignis füllst du die Rücklage wieder auf.
Quellen: § 47 SGB V, Höhe des Krankengeldes, Fassung ab 01.01.2026, geprüft am 17.10.2026 · § 48 SGB V, Dauer des Krankengeldes, geprüft am 17.10.2026 · § 149 SGB III, Höhe des Arbeitslosengeldes, geprüft am 17.10.2026 · BaFin: Das kleine Einmaleins der Geldanlage, Stand ohne Datum, geprüft am 17.10.2026 · Verbraucherzentrale: Finanzielle Unabhängigkeit, Stand 10.09.2025, geprüft am 17.10.2026. Alle geprüft am 17.10.2026.
Geldanlage-Hinweis: Dieser Artikel informiert allgemein über Geldanlage. Er ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung für ein bestimmtes Produkt. Alle Beispiele dienen nur der Erklärung. Wir haben keine Erlaubnis nach § 34f GewO.
Haftungsausschluss: Dieser Artikel ist allgemeine Information und ersetzt keine persönliche Beratung. Welche Lösung zu dir passt, hängt von deiner Situation ab. Darüber sprechen wir am besten direkt. Alles Weitere steht im Haftungsausschluss.
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Unsere Beratung: Wir sind Versicherungsmaklerin. Vermitteln wir dir einen Vertrag, bekommen wir vom Versicherer eine Vergütung, die Courtage. Sie steckt im Beitrag. Vermittelt eine unserer Kooperationspartner:innen, bekommt sie die Courtage. Ob wir davon einen Anteil bekommen, ist unterschiedlich. Die Prüfung deines Vertrags ist unabhängig davon, ob am Ende ein neuer Vertrag steht. Mehr dazu: So verdienen wir Geld.
Tipps unter Fachkolleg:innen: Rücklage nach dem teuersten Ereignis
Für Versicherungsvermittlerinnen und -vermittler, Finanzberaterinnen und -berater mit IHK-Registrierung
- Die Rücklage in Nettogehältern auszudrücken, macht sie greifbar und bei jeder Gehaltsänderung leicht anpassbar.
- Vor der Zielgröße lohnt die Frage, was vom Tagesgeld schon verplant ist.
- Sprengt das teuerste Ereignis jede Rücklage, ist das ein Hinweis auf eine Lücke in der Absicherung.
