Die Waschmaschine gibt auf, die Werkstatt ruft mit einer Rechnung an, oder dein Arbeitgeber kündigt Kurzarbeit an. In solchen Momenten zeigt sich, ob du einen Notgroschen hast. Gemeint ist Geld, das nur für das Unerwartete da ist und das du sofort erreichst.
Ohne dieses Polster wird aus einer Rechnung schnell ein Kredit. Der Dispo springt ein, die Ratenzahlung lockt, oder du verkaufst Wertpapiere zum falschen Zeitpunkt. Das liegt selten an fehlender Disziplin. Unser Alltag ist auf ein Gehalt pro Monat gebaut, nicht auf Überraschungen.
Hier liest du, wie hoch dein Notgroschen in deiner Lebenslage sein sollte, wo er sicher liegt, was er dich an Rendite kostet und wie du ihn aufbaust, nutzt und wieder auffüllst. Mit Werten für 2026.
Betrifft dich, wenn du Vermögen aufbauen willst du dich selbstständig machst ein Kind kommt du eine Auszeit nimmst
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Notgroschen ist eine Rücklage für ungeplante Ausgaben und Einkommenslücken. Er ist kein Sparziel und kein Investment.
- Als Richtwert gelten zwei bis sechs Nettogehälter. Wer allein verdient, Kinder hat, Eigentum besitzt oder selbständig ist, plant eher mehr.
- Der beste Ort ist ein eigenes Tagesgeldkonto. Bis 100.000 Euro je Person und Bank schützt dich die gesetzliche Einlagensicherung, Stand: Oktober 2026.
- Erst der Notgroschen, dann das Investieren. So musst du im Notfall kein Depot im Kurstief verkaufen.
- Hast du ihn genutzt, füllst du ihn als Erstes wieder auf. Geplante Auszeiten wie Elternzeit oder Sabbatical bekommen einen eigenen Spartopf.
Inhalt
- Was ist ein Notgroschen?
- Was passiert ohne Notgroschen?
- Wie hoch sollte dein Notgroschen sein?
- Warum Selbständige einen größeren Notgroschen brauchen
- Wo du deinen Notgroschen am besten parkst
- Wie sicher ist dein Notgroschen auf dem Konto?
- Was kostet ein Notgroschen?
- Erst der Notgroschen, dann das Investieren
- So baust du deinen Notgroschen auf
- Wenn du deinen Notgroschen brauchst: so nutzt du ihn und füllst ihn wieder auf
- Notgroschen bei Kurzarbeit, Jobverlust, Elternzeit und Sabbatical
- Was beim Notgroschen als Nächstes zählt
- Häufig gestellte Fragen
Was ist ein Notgroschen?
Die kurze Antwort: Ein Notgroschen ist Geld, das du ausschließlich für unvorhersehbare Ausgaben und für Zeiten mit weniger Einkommen zurücklegst. Er liegt sicher, schwankt nicht im Wert und ist innerhalb von ein bis zwei Tagen auf deinem Girokonto.
Andere Namen sind Notreserve, eiserne Reserve oder Liquiditätsreserve. Liquidität heißt Verfügbarkeit: wie schnell du an dein Geld kommst. In unserem Kurs sprechen wir von Rücklagen und sehen sie als eigenen Raum im Fundament deiner Finanzen, direkt neben den Versicherungen für die großen Risiken.
Wichtig ist die Abgrenzung. Ein Sparziel hat einen Betrag und ein Datum, zum Beispiel ein Urlaub, ein neues Auto oder eine Weiterbildung. Vermögensaufbau ist Geld, das du viele Jahre nicht brauchst und darum in Aktien oder Fonds anlegen kannst. Der Notgroschen ist keins von beiden. Er wartet einfach, bis etwas passiert.
Es gibt zwei Arten von Notfällen, die er abfedert. Erstens die einmalige Rechnung: der kaputte Kühlschrank, die Autoreparatur, eine Selbstbeteiligung bei der Versicherung, eine Nebenkostennachzahlung. Zweitens die Einkommenslücke: Krankheit über sechs Wochen hinaus, Kurzarbeit, Jobverlust oder eine Phase, in der weniger Geld hereinkommt.
Was er nicht leisten kann: ein großes Lebensrisiko dauerhaft tragen. Wenn du über Jahre nicht arbeiten kannst, reicht kein Polster. Dafür gibt es die Berufsunfähigkeitsversicherung. Notgroschen und Absicherung ergänzen sich, sie ersetzen sich nicht.
Was passiert ohne Notgroschen?
Ohne Rücklage bezahlst du jede Überraschung mit geliehenem Geld oder mit deinem Vermögen. Der Dispokredit ist schnell da, aber teuer. Seine Zinsen liegen meist weit über dem, was dir ein Tagesgeldkonto bringt. Ratenkäufe verteilen das Problem nur auf die nächsten Monate.
Die zweite Falle ist das Depot. Wer kein Polster hat, muss Fondsanteile verkaufen, wenn die Rechnung kommt. Das kann genau in einem Kurstief sein. Ein Verlust, der auf dem Papier nur vorübergehend war, wird dann endgültig.
Die dritte Folge ist leiser: Abhängigkeit. Wer nicht flüssig ist, fragt Eltern, Partnerin oder Partner. Das nimmt Spielraum, etwa bei einer Trennung oder einem Jobwechsel.
Und der Staat? Er hilft bei Einkommenslücken, aber nicht in voller Höhe und oft mit Verzögerung. Das Arbeitslosengeld beträgt 60 Prozent deines pauschal berechneten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent, Stand: Oktober 2026 laut Bundesagentur für Arbeit. Kündigst du selbst, ruht es meist zwölf Wochen lang, die sogenannte Sperrzeit.
Bist du länger als sechs Wochen krank, zahlt die Krankenkasse Krankengeld. Es liegt unter deinem Netto. Für einmalige Ausgaben wie die kaputte Waschmaschine gibt es keine staatliche Leistung. Die zahlst du immer selbst.
Lisa Logisch ist unsere Beispielperson. Sie ist erfunden, ihr Verlauf ist alltagsecht. Lisa ist 31, Projektmanagerin in Vollzeit und verdient 2.500 Euro netto im Monat. Wird sie länger krank, bekommt sie rund 1.980 Euro Krankengeld netto. Ihr fehlen also rund 520 Euro im Monat. Krankengeld gibt es nach der Lohnfortzahlung bis zu 72 Wochen, also rund 18 Monate. Im ungünstigsten Fall fehlen ihr damit rund 9.400 Euro, Stand: 2026.
Wie hoch sollte dein Notgroschen sein?
Die kurze Antwort: zwischen zwei und sechs Nettogehältern, je nach Lebenslage. Die Verbraucherzentralen nennen zwei bis drei Nettogehälter als Richtwert, Stand: September 2026.
Beide Zahlen sind Faustregeln. Genauer wird es, wenn du von deinen Fixkosten ausgehst, also von dem, was jeden Monat sicher abgeht: Miete, Strom, Versicherungen, Mobilität, Kredite. Dazu kommt ein Betrag zum Leben. Ein Notgroschen auf Basis deiner Ausgaben ist oft kleiner als einer auf Basis deines Nettogehalts, weil du im Notfall nicht mehr sparst.
Zieh danach ab, was im Notfall sicher hereinkommt. Umgekehrt gilt: Je mehr Verantwortung du allein trägst, desto größer sollte das Polster sein.
| Lebenslage | Richtwert Notgroschen | Warum |
|---|---|---|
| Single, Angestellte oder Angestellter, ohne Kinder, Mietwohnung | 3 Monatsausgaben, eher 3 Nettogehälter | Alle Fixkosten liegen bei dir allein, aber Arbeitslosengeld und Krankengeld greifen |
| Paar mit zwei Einkommen, ohne Kinder | 3 Monatsausgaben des Haushalts | Fällt ein Einkommen weg, trägt das andere einen Teil |
| Familie mit einem Hauptverdienst oder Alleinerziehende | 4 bis 6 Monatsausgaben | Mehr Fixkosten, weniger Ausweichmöglichkeiten, mehr Verantwortung |
| Hausfrauen und Hausmänner ohne eigenes Einkommen | eigener Notgroschen auf eigenen Namen, 3 Monatsausgaben | Schützt die eigene Handlungsfähigkeit, etwa bei einer Trennung |
| Eigentümerinnen und Eigentümer einer Immobilie | 3 bis 6 Monatsausgaben plus Instandhaltung | Dach, Heizung oder Rohrbruch kommen ohne Vorwarnung |
| Beamtinnen und Beamte | 2 bis 3 Monatsausgaben | Sehr sicheres Einkommen, Besoldung läuft bei Krankheit weiter |
| Selbständige | 6 bis 12 Monatsausgaben, privat und betrieblich getrennt | Kein Lohn bei Krankheit, schwankende Einnahmen, Steuernachzahlungen |
| Studierende und Auszubildende | 1.000 bis 2.000 Euro als Startbetrag | Kleines Budget, aber Laptop oder Kaution kommen trotzdem |
Die Spannen sind unsere Einordnung auf Basis der Faustregeln, keine amtlichen Werte. Du addierst nicht alle denkbaren Notfälle, sondern sicherst den größten realistischen Einzelfall ab.
Und so sieht es bei Lisa aus. Ihre Fixkosten liegen bei 1.600 Euro im Monat, ihr Netto bei 2.500 Euro. Drei Monate Fixkosten ergeben 4.800 Euro. Drei Nettogehälter ergeben 7.500 Euro. Weil Lisa allein lebt und eine längere Krankheit ihr bis zu rund 9.400 Euro kosten könnte, setzt sie ihr Ziel bei 7.500 Euro an. Wird sie länger krank, reicht das für den größten Teil der Krankengeld-Lücke.
Warum Selbständige einen größeren Notgroschen brauchen
Selbständige tragen Risiken, die bei Angestellten der Arbeitgeber oder die Sozialversicherung abfängt. Es gibt keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Krankengeld bekommen freiwillig gesetzlich versicherte Selbständige nur, wenn sie es mit einer Wahlerklärung abgeschlossen haben, und dann meist erst ab dem 43. Tag. Über die Künstlersozialkasse Versicherte bekommen Krankengeld ab der siebten Woche.
Arbeitslosengeld gibt es nur, wenn du dich freiwillig in der Arbeitslosenversicherung weiterversichert hast. Dazu kommen Einnahmen, die schwanken, Kundinnen und Kunden, die spät zahlen, und Steuervorauszahlungen, die sich nach guten Jahren erhöhen.
Darum rechnen wir für Selbständige mit sechs bis zwölf Monatsausgaben. Wichtig ist die Trennung in drei Töpfe. Der private Notgroschen deckt deine Lebenshaltung. Eine betriebliche Reserve deckt Miete für Büro oder Praxis, Software, Leasing und andere laufende Betriebskosten.
Der dritte Topf ist das Steuerkonto. Umsatzsteuer und Einkommensteuer-Rücklagen sind nie Teil des Notgroschens. Dieses Geld gehört dir nur auf dem Papier. Wer es im Notfall verbraucht, hat ein Jahr später ein zweites Problem.
Wo du deinen Notgroschen am besten parkst
Die kurze Antwort: auf einem eigenen Tagesgeldkonto. Ein Notgroschen braucht drei Eigenschaften. Er muss sofort verfügbar sein, er darf nicht schwanken, und er soll getrennt von deinem Alltagsgeld liegen, damit du ihn nicht nebenbei ausgibst.
Ein Tagesgeldkonto erfüllt alle drei. Es ist ein Sparkonto ohne feste Laufzeit, du kannst jeden Tag Geld abheben, und es bringt Zinsen, die die Bank jederzeit ändern darf. Geld überweist du in der Regel nur auf dein hinterlegtes Girokonto, das Referenzkonto. Mehr Details findest du auf unserer Seite zu Tagesgeld und Festgeld.
| Ort | Verfügbar | Wertschwankung | Eignung für den Notgroschen |
|---|---|---|---|
| Tagesgeldkonto | meist am nächsten Bankarbeitstag | keine | erste Wahl |
| Unterkonto beim Girokonto | sofort | keine | gut, wenn du es konsequent trennst |
| Girokonto | sofort | keine | schwach, das Geld verschwimmt mit dem Alltag |
| Bargeld zu Hause | sofort | keine, aber Diebstahl und Feuer | nur ein kleiner Betrag für wenige Tage |
| Festgeld | erst am Ende der Laufzeit | keine | nur für einen Teil über dem Kernbetrag |
| Geldmarktfonds | nach Verkauf in wenigen Tagen | gering | möglich als Ergänzung, keine Einlagensicherung |
| Aktien, Aktienfonds, ETF | nach Verkauf in wenigen Tagen | hoch | ungeeignet |
| Kryptowerte, Gold | unterschiedlich | hoch | ungeeignet |
| Bausparvertrag, Lebensversicherung | nur mit Kündigung und Verlust | keine bis gering | ungeeignet |
Achte bei einem neuen Tagesgeldkonto auf den Zins nach dem Lockangebot. Viele Neukundenzinsen gelten nur wenige Monate.
Seit Oktober 2025 müssen Banken im Euroraum Echtzeitüberweisungen anbieten, und zwar nicht teurer als normale Überweisungen. Das ist eine EU-Regel. Ob du sie vom Tagesgeldkonto aus nutzen kannst, hängt von der Bank ab. Frag danach, wenn dir schneller Zugriff wichtig ist.
Ein Geldmarktfonds schwankt wenig, ist aber ein Wertpapier. Er fällt nicht unter die Einlagensicherung, sondern ist als Sondervermögen geschützt. Für den Kern deines Notgroschens bleibt Tagesgeld die ruhigere Lösung.
Wenn dein Polster größer ist als das, was du kurzfristig je brauchen wirst, kannst du einen Teil als Festgeld mit kurzer Laufzeit anlegen. So bekommst du für diesen Teil oft etwas mehr Zins. Der Kernbetrag für die ersten Wochen bleibt täglich verfügbar.
Wie sicher ist dein Notgroschen auf dem Konto?
Die kurze Antwort: sehr sicher, bis 100.000 Euro je Person und Bank. Geht eine Bank in der Europäischen Union pleite, zahlt die gesetzliche Einlagensicherung dein Guthaben bis zu dieser Grenze zurück. Das gilt für Girokonto, Tagesgeld, Festgeld und Sparbuch, Stand: Oktober 2026 laut BaFin, der Finanzaufsicht.
Die Auszahlung muss innerhalb von sieben Arbeitstagen erfolgen. Bei einem Gemeinschaftskonto ist jede Kontoinhaberin und jeder Kontoinhaber mit 100.000 Euro geschützt, ein Paar also zusammen mit bis zu 200.000 Euro.
In besonderen Lebenslagen steigt der Schutz für sechs Monate auf bis zu 500.000 Euro. Das betrifft zum Beispiel Geld aus dem Verkauf einer privat genutzten Immobilie, aus Heirat, Scheidung, Geburt oder Ruhestand oder aus bestimmten Versicherungsleistungen. Das ist im Einlagensicherungsgesetz geregelt.
Gut zu wissen
Die 100.000 Euro gelten je Bank, nicht je Konto. Manche Banken treten unter mehreren Markennamen auf. Dann zählen alle Guthaben unter diesen Marken zusammen. Prüfe im Informationsbogen für Einleger, welche Bank hinter deinem Konto steht. Den Bogen muss dir jede Bank geben.
Bei Banken aus anderen EU-Ländern greift die Einlagensicherung des jeweiligen Landes. Die Grenze ist überall 100.000 Euro, aber im Ernstfall zahlt der Fonds dieses Landes. Wie gut der ausgestattet ist, hängt auch von der Finanzkraft des Staates ab. Für den Notgroschen ist eine Bank mit Sitz in Deutschland darum die unkompliziertere Wahl.
Ein steuerlicher Unterschied kommt dazu. Eine Bank ohne Sitz in Deutschland zieht keine Abgeltungsteuer ab und nimmt keinen Freistellungsauftrag an. Dann musst du deine Zinsen selbst in der Steuererklärung angeben.
Darüber hinaus gibt es freiwillige Sicherungssysteme der privaten Banken sowie die Institutssicherung der Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Für einen Notgroschen unter 100.000 Euro brauchst du diese Ebene nicht.
Was kostet ein Notgroschen?
Die kurze Antwort: Er kostet dich keine Gebühr, aber entgangene Rendite. Geld auf dem Tagesgeld bringt weniger als Geld, das langfristig in breit gestreuten Aktienfonds liegt. Diesen Unterschied nennt man Opportunitätskosten, also den Ertrag, auf den du zugunsten der Sicherheit verzichtest.
Ein Rechenbeispiel mit Annahmen, keine Prognose: Lisa parkt 7.500 Euro als Notgroschen. Angenommen, das Tagesgeld bringt über zehn Jahre im Schnitt 2 Prozent im Jahr und ein weltweit gestreuter Aktienfonds 6 Prozent. Dann wären aus dem Tagesgeld rund 9.140 Euro geworden, aus dem Fonds rund 13.430 Euro. Der Unterschied liegt bei rund 4.300 Euro vor Steuern.
Dazu kommt die Inflation. Bei 2 Prozent Teuerung im Jahr sind 10.000 Euro nach zehn Jahren nur noch so viel wert wie heute rund 8.200 Euro. Ein Tagesgeldzins in Höhe der Inflation hält die Kaufkraft gerade stabil.
Der Gegenwert ist trotzdem hoch. Ohne Notgroschen zahlst du Dispozinsen, oder du verkaufst dein Depot womöglich mit Verlust. Ein einziger Verkauf im Kurstief kann mehr kosten als viele Jahre entgangene Rendite auf das Polster. Darum sehen wir den Notgroschen als Versicherungsprämie für deine Ruhe, nicht als schlechte Geldanlage.
Zur Steuer: Zinsen sind Kapitalerträge. Bis zum Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro im Jahr, für zusammen veranlagte Paare 2.000 Euro, bleiben sie steuerfrei, wenn du deiner Bank einen Freistellungsauftrag gibst, Stand: 2026. Darüber fallen 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer an. Lisas Zinsen auf 7.500 Euro liegen bei 2 Prozent bei 150 Euro im Jahr, also weit unter der Grenze. Mehr dazu auf unserer Seite zu den Steuern auf Kapitalerträge.
Erst der Notgroschen, dann das Investieren
Die kurze Antwort: Baue zuerst den Notgroschen auf und investiere erst danach. Der Grund ist der Zeithorizont. Geld in Aktien braucht viele Jahre Ruhe, um Schwankungen auszusitzen. Diese Ruhe hast du nur, wenn du für den Alltag nicht an das Depot musst.
Ganz starr ist die Reihenfolge nicht. Hast du teure Schulden, etwa im Dispo oder auf der Kreditkarte, tilge diese zuerst. Ein kleiner Startbetrag von einem Monatsnetto ist trotzdem sinnvoll, damit der nächste Notfall nicht direkt neue Schulden auslöst.
Auch eine Absicherung der großen Risiken gehört nach vorne. Eine private Haftpflicht kostet wenig und deckt Schäden, die kein Notgroschen tragen kann. Die Absicherung deiner Arbeitskraft ist günstiger, je jünger und gesünder du bist. Bietet dein Arbeitgeber einen Zuschuss zur Betriebsrente, verschenkst du Geld, wenn du ihn wegen des Notgroschens aufschiebst.
Bei Lisa sieht die Reihenfolge so aus. Sie hat 10.000 Euro auf ihrem Tagesgeldkonto liegen und hat lange gezögert, mehr damit zu machen. Mit ihrem Ziel von 7.500 Euro ist der Notgroschen schon voll. Die restlichen 2.500 Euro und ihre künftigen Sparraten kann sie mit ruhigem Gewissen langfristig anlegen, zum Beispiel über einen ETF-Sparplan. Das Zögern hatte also einen guten Kern. Es war nur zu lang.
So baust du deinen Notgroschen auf
Die kurze Antwort: mit einem eigenen Konto und einem Dauerauftrag direkt nach dem Gehaltseingang. Wer wartet, was am Monatsende übrig bleibt, spart meist wenig. Wer sich zuerst selbst bezahlt, spart verlässlich.
1
Zielbetrag aus deinen echten Ausgaben ableiten
Schau in deine Kontoauszüge der letzten drei Monate. Addiere, was wirklich abgeht, nicht was du schätzt. Jährliche Beiträge teilst du durch zwölf. Multipliziere das mit der Zahl an Monaten, die zu deiner Lebenslage passt.
2
Ein eigenes Konto nur für den Notgroschen eröffnen
Ein Tagesgeldkonto oder ein klar benanntes Unterkonto. Gib ihm einen Namen, der dich erinnert, wofür es da ist. Eine Karte für Einkäufe hat dieses Konto nicht.
3
Einen Dauerauftrag kurz nach dem Gehaltseingang einrichten
Ein fester Betrag am zweiten oder dritten Tag nach dem Gehalt. Schon 100 Euro im Monat ergeben nach zwei Jahren 2.400 Euro. Sonderzahlungen wie Steuererstattung, Bonus oder Urlaubsgeld beschleunigen den Aufbau.
4
Den Dauerauftrag stoppen, wenn das Ziel erreicht ist
Ist der Notgroschen voll, leitest du die Rate um, zum Beispiel in einen Sparplan oder in ein Sparziel. Einmal im Jahr prüfst du, ob der Betrag noch zu deinem Leben passt.
Ein Monatsnetto ist ein gutes Zwischenziel. Hätte Lisa bei null angefangen, hätte sie mit 300 Euro im Monat nach gut acht Monaten ein Monatsnetto zusammen und nach gut zwei Jahren die vollen 7.500 Euro. Ihr Budget gibt das her: 2.500 Euro netto minus 1.600 Euro Fixkosten lassen 900 Euro für Alltag und Sparen.
Wenn du deinen Notgroschen brauchst: so nutzt du ihn und füllst ihn wieder auf
Die kurze Antwort: Nutze ihn ohne schlechtes Gewissen, wenn ein echter Notfall da ist, und fülle ihn danach als Erstes wieder auf. Dafür ist er da. Ein Notgroschen, den du aus Angst nie anfasst, verfehlt seinen Zweck genauso wie einer, den du für den Urlaub plünderst.
Ob etwas ein Notfall ist, prüfst du mit drei Fragen. Kam die Ausgabe unerwartet? Ist sie nicht aufschiebbar? Kannst du sie nicht aus deinem laufenden Monatsbudget zahlen? Lautet die Antwort dreimal ja, ist es ein Fall für den Notgroschen.
- Typische Notfälle: eine defekte Waschmaschine, eine Autoreparatur, eine Nebenkosten- oder Steuernachzahlung, die Selbstbeteiligung nach einem Schaden, ein Umzug nach einer Trennung, eine Einkommenslücke durch Krankheit, Kurzarbeit oder Jobverlust.
- Keine Notfälle: Urlaub, ein neues Smartphone ohne Defekt, ein Schnäppchen, Weihnachtsgeschenke, die Kfz-Versicherung, die jedes Jahr im selben Monat fällig ist. Dafür gibt es Sparziele.
Bei einer Einkommenslücke hilft eine Reihenfolge. Beantrage zuerst alle Leistungen, die dir zustehen, also Krankengeld, Arbeitslosengeld oder Kurzarbeitergeld. Melde dich bei absehbarem Jobverlust spätestens drei Monate vorher arbeitsuchend, sonst droht eine Sperrzeit. Prüfe dann, welche Ausgaben du pausieren kannst, etwa einen Sparplan. Erst dann nimmst du monatlich nur so viel aus dem Notgroschen, wie wirklich fehlt.
Das Wiederauffüllen planst du wie den Aufbau: Dauerauftrag wieder aktivieren, gegebenenfalls höher als vorher. Ein laufender ETF-Sparplan darf dafür eine Weile pausieren. Das Aussetzen ist bei den meisten Anbietern kostenlos und jederzeit möglich. Sonderzahlungen fließen zuerst in den Notgroschen, bis er wieder voll ist.
Denk auch an die Steuer im Folgejahr. Krankengeld, Arbeitslosengeld, Kurzarbeitergeld und Elterngeld sind zwar steuerfrei. Sie erhöhen aber den Steuersatz auf dein übriges Einkommen, das nennt sich Progressionsvorbehalt. Hast du mehr als 410 Euro solcher Leistungen im Jahr bekommen, musst du eine Steuererklärung abgeben, und oft folgt eine Nachzahlung. Plane dafür einen Teil des Polsters ein.
Notgroschen bei Kurzarbeit, Jobverlust, Elternzeit und Sabbatical
Die kurze Antwort: Ungeplante Einschnitte wie Kurzarbeit oder Jobverlust trägt der Notgroschen. Geplante Auszeiten wie Elternzeit oder ein Sabbatical finanzierst du besser aus einem eigenen Sparziel, damit der Notgroschen in dieser Zeit unangetastet bleibt. Gerade dann ist er besonders wertvoll.
Kurzarbeit: wenn die Arbeitszeit plötzlich sinkt
Bei Kurzarbeit zahlt die Agentur für Arbeit Kurzarbeitergeld. Es ersetzt 60 Prozent des ausgefallenen pauschalierten Nettolohns, mit Kind 67 Prozent, Stand: Oktober 2026 laut Bundesagentur für Arbeit. Gesetzlich gibt es Kurzarbeitergeld bis zu zwölf Monate. In Krisen kann die Bundesregierung die Dauer per Verordnung verlängern. Manche Tarifverträge sehen eine Aufstockung durch den Arbeitgeber vor.
Stell dir vor: Lisas Arbeitgeber schickt ihr Team für ein halbes Jahr in Kurzarbeit mit halber Arbeitszeit. Grob gerechnet fehlen ihr dann rund 500 Euro im Monat. Ihre Fixkosten von 1.600 Euro sind gedeckt, aber für Alltag und Sparen wird es eng. Über sechs Monate nimmt sie rund 3.000 Euro aus dem Notgroschen. Danach füllt sie ihn wieder auf.
Jobverlust: die Zeit bis zum neuen Job überbrücken
Das Arbeitslosengeld beträgt 60 Prozent des pauschalierten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent. Für Lisa wären das grob geschätzt rund 1.500 Euro im Monat, also weniger als ihre Fixkosten. Die erste Zahlung kommt oft erst einige Wochen nach der Meldung. Bei einer Eigenkündigung oder einem Aufhebungsvertrag ruht der Anspruch meist zwölf Wochen. Mehr dazu auf unserer Seite, wenn du deinen Job verlierst.
Elternzeit: eine Auszeit, die du planen kannst
Elternzeit ist kein Notfall, sondern eine Entscheidung, oft eine sehr schöne. Das Elterngeld ersetzt meist 65 Prozent des Nettoeinkommens vor der Geburt, mindestens 300 und höchstens 1.800 Euro im Monat. Beide Eltern zusammen bekommen bis zu 14 Monate Basiselterngeld, Stand: Oktober 2026 laut Bundesfamilienministerium. Den Antrag stellst du nach der Geburt. Rückwirkend gibt es Elterngeld nur für die letzten drei Monate vor dem Antrag.
Stell dir vor: Lisa bekommt ein Kind und nimmt zwölf Monate Elternzeit. Ihr Elterngeld läge bei rund 1.625 Euro. Das deckt ihre Fixkosten knapp, aber nicht ihr bisheriges Leben. Ihr fehlen rund 875 Euro im Monat. Diese Lücke plant sie als Sparziel ab dem Moment, in dem der Kinderwunsch konkret wird. Der Notgroschen bleibt daneben voll, denn mit Kind kommen eher mehr unerwartete Ausgaben als weniger. Das gilt für Mütter und Väter gleichermaßen.
Zur Absicherung in dieser Zeit: Berufsunfähigkeitsversicherung in der Elternzeit.
Sabbatical: die gewollte Pause gut vorbereiten
Ein Sabbatical ist eine bewusst gewählte Auszeit, für Reisen, Familie, Weiterbildung oder einfach Luft. Am einfachsten finanzierst du es über ein Zeitwertkonto, falls dein Arbeitgeber eines anbietet. Dann sparst du vorher Gehalt oder Überstunden an und bekommst in der Auszeit weiter ein Gehalt. Die Sozialversicherung läuft weiter.
Bei unbezahltem Urlaub endet die Pflichtversicherung in der Krankenkasse nach einem Monat. Danach musst du dich familienversichern oder freiwillig versichern. Freiwillig Versicherte zahlen mindestens einen Beitrag auf rund 1.318 Euro im Monat. Mit durchschnittlichem Zusatzbeitrag und Pflegeversicherung sind das ohne Kinder grob 280 Euro im Monat, Stand: 2026. Diesen Betrag rechnest du in dein Sabbatical-Budget ein.
Lisa liebt Reisen und denkt über drei Monate Auszeit nach. Sie rechnet: drei Monate Fixkosten, also 4.800 Euro, dazu ein Reisebudget und rund 560 Euro Krankenversicherung für den zweiten und dritten Monat. Das spart sie als eigenes Ziel an. Ihre 7.500 Euro Notgroschen nimmt sie nicht mit auf die Reise. Wer nach der Rückkehr einen Job sucht oder krank wird, braucht ihn dann vielleicht.
Was beim Notgroschen als Nächstes zählt
Ein Notgroschen ist unspektakulär, und genau das ist seine Stärke. Er macht aus Notfällen Rechnungen und aus Entscheidungen echte Wahlmöglichkeiten. Wer ihn hat, kann ruhiger investieren, ruhiger verhandeln und ruhiger neu anfangen. Das gilt in der Elternzeit genauso wie in der Selbständigkeit oder nach einer Trennung.
Entscheidend ist nicht die perfekte Zahl, sondern ein Betrag, der zu deinem Leben passt, ein eigenes Konto und eine feste Regel, was ein Notfall ist. Ändert sich dein Leben, ändert sich auch der Notgroschen. Ein Kind, eine eigene Immobilie, ein höheres Gehalt oder der Schritt in die Selbständigkeit sind gute Anlässe, ihn neu zu rechnen. Wenn du dabei Begleitung möchtest, schauen wir es uns gemeinsam an.
Lass uns deinen Notgroschen gemeinsam durchrechnen.
Die Prüfung ist unabhängig davon, ob am Ende ein neuer Vertrag steht. Oft ist der alte Vertrag mit Lücken besser als ein neuer mit neuen Gesundheitsfragen.
Beratung durch die FemininFinance GmbH & Co. KG, Versicherungsmaklerin nach § 34d Abs. 1 GewO, Register-Nr. D-TAJS-4I8JO-48, und ihre Kooperationspartner:innen mit eigener Erlaubnis und eigener Registrierung bei der IHK.
Häufig gestellte Fragen
Ja. Eine kaputte Waschmaschine ist ein typischer Notfall: unerwartet, nicht aufschiebbar und meist zu teuer für das laufende Monatsbudget. Nimm den Betrag aus dem Notgroschen und richte danach einen Dauerauftrag ein, der ihn in den nächsten Monaten wieder auffüllt.
Rechne die monatliche Lücke aus. Das Kurzarbeitergeld ersetzt 60 Prozent des ausgefallenen pauschalierten Nettolohns, mit Kind 67 Prozent. Teile deinen Notgroschen durch die Lücke, dann weißt du, wie viele Monate er reicht. Pausiere solange Sparpläne und prüfe, ob dein Arbeitgeber aufstockt.
Tilge zuerst den Dispo, denn seine Zinsen sind meist viel höher als jeder Tagesgeldzins. Lege parallel einen kleinen Startbetrag zurück, damit der nächste Notfall nicht direkt wieder im Dispo landet. Danach baust du den vollen Notgroschen auf.
Nein. Ein ETF kann in einem Börsentief deutlich im Minus stehen, genau dann, wenn du das Geld vielleicht brauchst. Der Notgroschen gehört auf ein Konto ohne Wertschwankung, am besten Tagesgeld. Das Depot ist für Geld da, das du viele Jahre nicht brauchst.
Für den Haushalt kann ein gemeinsamer Notgroschen reichen. Trotzdem lohnt es sich, wenn jede und jeder zusätzlich ein kleines eigenes Polster auf eigenen Namen hat. Das schützt deine Handlungsfähigkeit, zum Beispiel bei einer Trennung. Bei einem Gemeinschaftskonto ist jede Person mit 100.000 Euro durch die Einlagensicherung geschützt.
Rechne mit sechs bis zwölf Monatsausgaben für dein Privatleben. Dazu kommt eine Reserve für die laufenden Betriebskosten und ein separates Steuerkonto für Umsatzsteuer und Einkommensteuer. Das Steuergeld ist nie Teil des Notgroschens.
Ist dein Notgroschen noch nicht voll, ist die Erstattung ein guter Turbo dafür. Ist er voll, kann das Geld in ein Sparziel oder in deinen Vermögensaufbau fließen. Hast du im Vorjahr Krankengeld, Elterngeld oder Kurzarbeitergeld bekommen, rechne eher mit einer Nachzahlung und halte dafür etwas zurück.
Quellen:BaFin: Einlagensicherung, Stand 2026, geprüft am 07.10.2026 · Bundesagentur für Arbeit: Arbeitslosengeld, Stand 2026, geprüft am 07.10.2026 · Bundesagentur für Arbeit: Kurzarbeitergeld, Stand 2026, geprüft am 07.10.2026 · Bundesfamilienministerium: Elterngeld, Stand 2026, geprüft am 07.10.2026 · Verbraucherzentrale: Empfehlung zur Rücklage von zwei bis drei Nettogehältern, übernommen aus unserem Faktencheck, Stand 20.09.2026, geprüft am 07.10.2026 · Rechengrößen der Sozialversicherung 2026: Bezugsgröße, Beitragssätze und Abgeltungsteuer laut unserem Faktencheck, Stand 20.09.2026, geprüft am 07.10.2026
Was sich geändert hat: 07.10.2026 – erste Fassung.
Haftungsausschluss: Dieser Artikel ist allgemeine Information und ersetzt keine persönliche Beratung. Welche Lösung zu dir passt, hängt von deiner Situation ab. Darüber sprechen wir am besten direkt. Alles Weitere steht im Haftungsausschluss.
Werbung: Dieser Artikel kann Werbelinks enthalten. Sie sind mit * markiert. Schließt du darüber etwas ab, bekommen wir vielleicht eine Provision. Für dich ändert sich der Preis nicht.
Unsere Beratung: Wir sind Versicherungsmaklerin. Vermitteln wir dir einen Vertrag, bekommen wir vom Versicherer eine Vergütung, die Courtage. Sie steckt im Beitrag. Vermittelt eine unserer Kooperationspartner:innen, bekommt sie die Courtage. Ob wir davon einen Anteil bekommen, ist unterschiedlich. Die Prüfung deines Vertrags ist unabhängig davon, ob am Ende ein neuer Vertrag steht. Mehr dazu: So verdienen wir Geld.
Tipps unter Fachkolleg:innen: Notgroschen
Für Versicherungsvermittlerinnen und -vermittler, Finanzberaterinnen und -berater mit IHK-Registrierung
- Nach Elternzeit, Kurzarbeit oder Krankheit ist der Notgroschen oft leer. Eine kurze Nachfrage, ob er wieder aufgefüllt ist, öffnet ein gutes Gespräch über Prioritäten.
- Bei Selbständigen lohnt der gemeinsame Blick auf drei getrennte Töpfe: privat, betrieblich und Steuern.
