Das Wichtigste
Deine Berufsunfähigkeitsversicherung läuft in der Elternzeit unverändert weiter, solange der Beitrag gezahlt wird.
Eine laufende Meldepflicht gibt es nicht. Entscheidend ist aber die Elternzeitklausel in deinen Bedingungen – und die steht nicht in jedem Vertrag.
Wenn du kündigst oder beitragsfrei stellst, kommst du ohne neue Gesundheitsprüfung oft nicht zurück.
Es ist eine der häufigsten Fragen, die uns Frauen in der Schwangerschaft stellen: Muss ich meiner Versicherung sagen, dass ich in Elternzeit gehe?
Die kurze Antwort ist nein. Die lange Antwort ist interessanter, weil sie zeigt, wo in dieser Zeit wirklich etwas kaputtgehen kann.
Die Meldepflicht
Du musst nichts melden
Weder Elternzeit noch reduzierte Stunden noch einen Berufswechsel.
Das Versicherungsvertragsgesetz kennt eine Anzeigepflicht. Sie steht in Paragraf 19 und knüpft an den Zeitraum bis zur Abgabe deiner Vertragserklärung an. Sie betrifft also den Antrag, nicht dein späteres Leben.
In den Musterbedingungen des Gesamtverbands der Versicherer steht keine laufende Meldepflicht bei Berufswechsel, Stundenreduzierung oder Elternzeit. Die einzige Mitteilungspflicht mit Berufsbezug greift erst im Leistungsfall.
Viele Versicherer schreiben es sogar ausdrücklich in ihre Bedingungen. Die Alte Leipziger formuliert in Paragraf 7 ihrer Bedingungen, dass du nicht informieren musst, wenn sich während der Vertragsdauer gefahrerhebliche Umstände ändern. Der Volkswohl Bund schreibt, dass ein Wechsel oder ein Ende der beruflichen Tätigkeit nicht angezeigt werden muss.
Melden musst du nichts. Nachweisen musst du später womöglich einiges.
Denn wer sich im Leistungsfall auf eine Elternzeit- oder Teilzeitklausel beruft, muss belegen, dass er in Elternzeit war. Der Volkswohl Bund verlangt dafür eine Bescheinigung des Arbeitgebers nach dem Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz.
Tipp
Leg die Elternzeitbescheinigung deines Arbeitgebers zu den Versicherungsunterlagen. Nicht weil du sie melden musst, sondern weil du sie in zehn Jahren vielleicht brauchst.
Die eigentliche Frage
Welcher Beruf zählt, wenn es passiert
Der zuletzt ausgeübte Beruf – oder die Tätigkeit zu Hause? Daran hängt alles.
Die Berufsunfähigkeitsversicherung prüft den zuletzt ausgeübten Beruf. Wer während der Elternzeit erkrankt, übt gerade keinen aus. Genau hier entsteht der Streit.
Mit Elternzeitklausel
Geprüft wird der Beruf, den du vor der Elternzeit ausgeübt hast. Mit deinen Qualifikationen, deinem Stundenumfang, deiner Lebensstellung.
Ohne Elternzeitklausel
Der Versicherer kann argumentieren, maßgeblich sei die Tätigkeit im Haushalt. Du müsstest dann beweisen, dass du auch die nicht mehr schaffst.
Die guten Bedingungswerke regeln das ausdrücklich. Die Alte Leipziger schreibt in Paragraf 8 ihrer Bedingungen, dass bei Eintritt der Berufsunfähigkeit während der gesetzlichen Eltern-, Pflege- oder Familienpflegezeit der vor dieser Zeit tatsächlich ausgeübte Beruf beurteilt wird. Derselbe Paragraf regelt Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit genauso.
Der Volkswohl Bund geht einen anderen Weg und legt innerhalb der ersten 36 Monate nach einer Reduzierung den zeitlichen Umfang der ursprünglichen Vollzeittätigkeit zugrunde.
Achtung
In den Musterbedingungen des Gesamtverbands steht keine Elternzeitklausel. Sie ist eine freiwillige Leistung einzelner Häuser, kein Branchenstandard. Wer sie nicht im Vertrag hat, hat sie nicht.
Die Gerichte stützen Versicherte bisher. Das Kammergericht Berlin hat am 8. August 2023 entschieden, dass eine vorübergehende Unterbrechung der Berufstätigkeit durch Arbeitslosigkeit und Elternzeit die bisherige Lebensstellung nicht verändert. Das Oberlandesgericht Saarbrücken hatte 2014 ähnlich geurteilt.
Wichtig dabei: Das sind Entscheidungen von Oberlandesgerichten, keine höchstrichterliche Rechtsprechung. Eine BGH-Entscheidung speziell zur Elternzeit gibt es nicht. Verlass dich lieber auf deine Bedingungen als auf ein Urteil, das du im Zweifel erst erstreiten musst.
Eine Klausel im Vertrag ist besser als ein Urteil, das du selbst erkämpfen musst.
Wenn es eng wird
Drei Wege, und nur einer ist harmlos
In der Elternzeit fällt das Einkommen. Der Beitrag bleibt. Das sind deine Optionen.
| Weg | Was mit dem Schutz passiert | Der Haken |
|---|---|---|
| Stundung | Schutz bleibt vollständig erhalten | Du zahlst später nach, meist zinsfrei |
| Beitragsfreistellung | Rente sinkt dauerhaft, oft erheblich | Rückkehr meist nur mit neuer Prüfung |
| Kündigung | Schutz ist weg | Neuabschluss mit heutiger Gesundheit |
Die Stundung ist der Weg, den fast niemand kennt. Du setzt den Beitrag aus, der Schutz läuft in voller Höhe weiter, und du zahlst später nach.
Die Alte Leipziger erlaubt eine Stundung von bis zu 24 Monaten und berechnet dafür keine Zinsen. Die LV 1871 nennt 24 Monate ohne Angabe von Gründen und bis zu 36 Monate in der Elternzeit.
Der teure Fehler
Die Alte Leipziger schließt aus, dass du während einer Beitragspause die Nachversicherungsgarantie nutzt. Wer stundet und im selben Zeitraum ein Kind bekommt, verliert unter Umständen genau die Option, für die das Kind der Anlass gewesen wäre.
Die Beitragsfreistellung klingt harmloser, als sie ist. Der Vertrag bleibt bestehen, aber die versicherte Rente wird herabgesetzt – und zwar dauerhaft. Die LV 1871 verlangt nach sechs Monaten eine erneute Risikoprüfung, wenn du zurück auf das alte Niveau willst.
Stiftung Warentest fasst den Unterschied so zusammen: Bei der Stundung bleibt der Versicherungsschutz vollständig erhalten, bei der Beitragsfreistellung verringert er sich zum Teil extrem.
- Rechne den Jahresbeitrag ausOft ist er kleiner als gedacht, wenn man ihn neben das Elterngeld legt.
- Frag nach Stundung, nicht nach KündigungSchriftlich, mit Zeitraum. Die meisten Häuser haben ein Formular dafür.
- Prüf vorher die NachversicherungWenn du wegen der Geburt erhöhen willst, tu das, bevor du stundest.
Die Chance
Die Geburt ist ein Anlass
Und sie hat eine Frist, die niemand von sich aus erwähnt.
Fast alle Tarife erlauben nach der Geburt eine Erhöhung der Rente ohne neue Gesundheitsfragen. Der Volkswohl Bund nennt zwölf Monate Frist und eine Erhöhung um bis zu 500 Euro, höchstens bis zu einer Gesamtrente von 3.000 Euro im Monat.
Andere Häuser setzen sechs Monate. Die Bandbreite am Markt liegt bei sechs bis zwölf Monaten nach dem Ereignis.
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Monate hast du typischerweise nach der Geburt, um ohne Gesundheitsprüfung zu erhöhen. Danach ist die Tür zu, bis zum nächsten Anlass.
Ein Hinweis, der in der Werbung untergeht: Viele Versicherer verzichten auf die Gesundheitsprüfung, aber nicht auf die gesamte Risikoprüfung. Beruf, Hobbys und die finanzielle Angemessenheit werden weiter geprüft.
Was jetzt
Vier Stellen in deinem Bedingungswerk
- Suche nach Elternzeit, Elterngeld oder Familienpflegezeit. Steht dort, welcher Beruf geprüft wird?
- Suche nach Stundung. Wie viele Monate, und kostet sie Zinsen?
- Suche nach Nachversicherung. Welche Frist gilt nach der Geburt, und um wie viel darfst du erhöhen?
- Suche nach Anzeige oder mitteilen. Verzichtet dein Versicherer ausdrücklich auf die Meldung von Änderungen?
Häufige Fragen
Muss ich meiner Versicherung die Elternzeit melden?
Nein. Die Anzeigepflicht nach Paragraf 19 VVG betrifft nur den Zeitraum bis zur Abgabe deiner Vertragserklärung. In den Musterbedingungen und in den von uns geprüften Bedingungswerken gibt es keine laufende Meldepflicht.
Werde ich in der Elternzeit als Hausfrau eingestuft?
Bei guten Bedingungen nicht. Es gibt Klauseln, die ausdrücklich auf den vor der Elternzeit ausgeübten Beruf abstellen. Ohne solche Klausel kann der Versicherer anders argumentieren; die Oberlandesgerichte haben bisher zugunsten der Versicherten entschieden, eine BGH-Entscheidung dazu gibt es nicht.
Soll ich den Vertrag in der Elternzeit beitragsfrei stellen?
Nur im Notfall. Die versicherte Rente sinkt dauerhaft, und eine Rückkehr auf das alte Niveau verlangt häufig eine neue Gesundheitsprüfung. Die Stundung ist der bessere Weg, weil der Schutz in voller Höhe bestehen bleibt.
Kann ich die Rente nach der Geburt erhöhen?
In der Regel ja, ohne neue Gesundheitsfragen. Die Frist liegt meist bei sechs bis zwölf Monaten nach der Geburt, die Erhöhung oft bei bis zu 500 Euro. Prüfe vorher, ob dein Tarif die Erhöhung während einer Beitragspause ausschließt.
Was passiert, wenn ich nach der Elternzeit in Teilzeit zurückkehre?
Dann kommt die Teilzeitfrage dazu: Ob der Versicherer die reduzierte oder die frühere Arbeitszeit als Maßstab nimmt, steht in der Teilzeitklausel. Das ist ein eigenes Thema und gehört in dieselbe Prüfung.
Du weißt nicht, was in deinen Bedingungen steht?
Schick uns deine Police. Wir lesen die Klauseln, die in der Familienphase zählen, und sagen dir in einem Satz, wo du stehst.
Quellen: GDV, Musterbedingungen für die Berufsunfähigkeits-Versicherung, Alte Leipziger, Allgemeine Bedingungen PM2300, LV 1871 zu Schwangerschaft und Elternzeit, Stiftung Warentest, Berufsunfähigkeitsversicherung im Test, Kammergericht Berlin vom 08.08.2023, Aktenzeichen 6 U 32/22, Oberlandesgericht Saarbrücken vom 28.05.2014, Aktenzeichen 5 U 355/12, Paragraf 19 VVG. Zuletzt geprüft am 20.09.2026.
