Britische Policen sind Lebens- und Rentenversicherungen von Versicherern aus Großbritannien oder aus britischen Versicherungsgruppen. Viele wurden in Deutschland ab den 1990er-Jahren verkauft, mit einem Versprechen: mehr Aktien und damit mehr Rendite als bei der klassischen deutschen Police, dazu ein Polster gegen Börsencrashs.
Das Polster heißt Glättung, der Lohn am Ende Schlussbonus. Beides ist nicht garantiert. Und wer vorzeitig aussteigt, kann durch eine Marktpreisanpassung Geld verlieren, das schon sicher schien. Seit dem Brexit kommt die Frage dazu, wer den Versicherer beaufsichtigt und was im Ernstfall schützt.
Hier liest du, wie das With-Profit-Prinzip funktioniert, welche Garantien es wirklich gibt, wie die Verträge in Deutschland versteuert werden und worauf du bei einem Bestandsvertrag achten solltest.
Betrifft dich, wenn du an die Rente denkst die Rente näher rückt du deine Finanzen im Blick behalten möchtest du erbst
Das Wichtigste in Kürze
- Britische Policen arbeiten meist nach dem With-Profit-Prinzip: Alle Beiträge fließen in einen gemeinsamen Topf mit hoher Aktienquote, der Versicherer glättet die Schwankungen und verteilt Boni.
- Sicher sind nur die zugeteilten jährlichen Boni und die vertragliche Mindestgarantie. Der Schlussbonus kann jedes Jahr gesenkt werden, bei vorzeitigem Ausstieg droht eine Marktpreisanpassung.
- Die Steuer richtet sich nach deutschem Recht wie bei deutschen Policen: Ertragsanteil bei lebenslanger Rente, hälftige Besteuerung bei Kapital nach zwölf Jahren und ab 62.
- Seit dem Brexit dürfen Versicherer aus Großbritannien keine neuen Verträge mehr in Deutschland schließen. Bestehende Verträge gelten weiter, viele wurden auf Gesellschaften in der EU übertragen.
- Der deutsche Sicherungsfonds für Lebensversicherer schützt britische Policen nicht. Welcher Schutz greift, hängt davon ab, wo dein Versicherer heute sitzt.
Inhalt
- Was sind britische Policen?
- So funktioniert das With-Profit-Prinzip
- Glättung: wie der Versicherer Schwankungen ausgleicht
- Jährlicher Bonus und Schlussbonus: was sicher ist und was nicht
- Die Marktpreisanpassung: wann bei vorzeitigem Ausstieg Geld abgezogen wird
- Welche Garantien britische Policen geben
- Was du im Alter ohne britische Police hast
- Britische Policen nach dem Brexit: Aufsicht und Bestandsverträge
- Was passiert, wenn der Versicherer pleitegeht?
- Euro oder Pfund: das Währungsrisiko bei britischen Policen
- So werden britische Policen in Deutschland versteuert
- Was britische Policen kosten und wo die Kosten stecken
- So läuft der Abschluss eines With-Profit-Vertrags heute ab
- Wenn der Vertrag endet: so bekommst du dein Geld
- Bestandsverträge prüfen: behalten, beitragsfrei stellen oder kündigen
- Was bei britischen Policen als Nächstes zählt
- Häufig gestellte Fragen
Was sind britische Policen?
Die kurze Antwort: Britische Policen sind kapitalbildende Lebens- und Rentenversicherungen nach britischem Vorbild, die ihr Geld vor allem in einem gemeinsamen With-Profit-Fonds anlegen. Das ist ein Sammeltopf des Versicherers, in dem die Beiträge aller Kundinnen und Kunden zusammen angelegt werden.
Sie gehören zur dritten Schicht der Altersvorsorge. Der Staat fördert die Beiträge nicht, du zahlst aus deinem Netto. Dafür bist du frei bei Kündigung, Kapitalauszahlung und Erben. Wie die Schichten zusammenhängen, liest du unter Die drei Schichten der Altersvorsorge.
Am Markt gab es zwei Grundformen. Die erste ist die With-Profit-Police, auch in der Variante Unitised With Profit, um die es auf dieser Seite vor allem geht. Die zweite ist die britische Fondspolice. Sie funktioniert im Kern wie eine deutsche fondsgebundene Rentenversicherung: Du wählst Fonds, dein Guthaben steigt und fällt mit deren Kurs, eine Glättung gibt es nicht.
Von der klassischen deutschen privaten Rentenversicherung unterscheidet sich die With-Profit-Police vor allem in der Anlage. Deutsche Versicherer müssen das Sicherungsvermögen vorsichtig anlegen, der Aktienanteil ist dort klein. Britische Versicherer sind freier. Dafür sind die Garantien weicher.
Von der Indexpolice trennt sie die Mechanik. Die Indexpolice koppelt die Gutschrift an einen Börsenindex. Die With-Profit-Police legt selbst an und entscheidet jährlich, wie viel sie gutschreibt.
So funktioniert das With-Profit-Prinzip
Dein Beitrag geht nach Abzug der Kosten in den With-Profit-Fonds. Du bekommst keine eigenen Fondsanteile mit Tageskurs. Stattdessen führt der Versicherer für dich einen Vertragswert und erhöht ihn jedes Jahr um einen jährlichen Bonus, auch laufender Bonus oder Wertzuwachs genannt. Am Ende kann ein Schlussbonus dazukommen.
Bei der Variante Unitised With Profit wird dieser Wert in Anteilen ausgedrückt. Jeder Beitrag kauft Anteile am With-Profit-Fonds. Ihr Preis steigt durch den jährlichen Bonus. Er folgt aber nicht direkt der Börse, sondern einem geglätteten Kurs, den der Versicherer festlegt. Für dich sieht das aus wie ein Fondsdepot, funktioniert aber wie ein gemeinsamer Topf.
Du nimmst so auf zwei Wegen an Gewinn und Verlust des Fonds teil. Indirekt über die Glättung, die gute und schlechte Jahre verteilt. Direkt über den Schlussbonus, der am Ende ausgleicht, wenn der echte Wert der Anlage über dem geglätteten Wert liegt. Eine eigene Fondsauswahl hast du nicht.
Wie viel Bonus es gibt und wie groß die Reserven sind, entscheidet der Versicherer nach eigenen Grundsätzen. Britische Versicherer legen sie in einem Dokument offen, oft Principles and Practices of Financial Management genannt, kurz PPFM. Du kannst es beim Versicherer anfordern.
Glättung: wie der Versicherer Schwankungen ausgleicht
Glättung, auf Englisch Smoothing, heißt: In guten Börsenjahren gibt der Versicherer nicht den ganzen Ertrag weiter, sondern legt einen Teil in Reserven zurück. In schlechten Jahren löst er diese Reserven auf und schreibt trotzdem einen Bonus gut. Über die Laufzeit soll so eine ruhige, stetige Wertentwicklung entstehen.
Ein Beispiel mit angenommenen Zahlen zeigt das Prinzip. Die Zahlen sind keine Werte eines echten Vertrags.
| Jahr | Ertrag des With-Profit-Fonds | Gutgeschriebener Bonus | Was mit der Differenz passiert |
|---|---|---|---|
| 1 | plus 14 Prozent | plus 5 Prozent | 9 Prozentpunkte gehen in die Reserve |
| 2 | minus 10 Prozent | plus 3 Prozent | Reserve gleicht 13 Prozentpunkte aus |
| 3 | plus 6 Prozent | plus 4 Prozent | 2 Prozentpunkte gehen in die Reserve |
| 4 | minus 18 Prozent | plus 1 Prozent | Reserve reicht kaum, Bonus sinkt deutlich |
Das letzte Jahr zeigt die Grenze. Glättung funktioniert, solange die Reserven groß genug sind. Folgen mehrere schwache Jahre aufeinander, sinken erst die Boni, dann greift der Versicherer zu Schlussbonus-Kürzungen und Marktpreisanpassungen. Genau das ist nach dem Börsenabsturz ab 2000 vielen Kundinnen und Kunden passiert. Ein großer britischer Versicherer musste Anfang der 2000er-Jahre sogar das Neugeschäft einstellen, weil er zu hohe Garantien versprochen hatte.
Glättung verschiebt also Erträge zwischen den Jahren und zwischen Kundengenerationen. Sie zaubert keine Rendite herbei.
Jährlicher Bonus und Schlussbonus: was sicher ist und was nicht
Der jährliche Bonus ist der Teil, auf den du dich verlassen kannst. Ist er einmal zugeteilt, darf er dir in der Regel nicht mehr genommen werden. Er gilt aber meist nur zu festen Zeitpunkten als garantiert: zum vereinbarten Ablauf oder Rentenbeginn und im Todesfall. Steigst du vorher aus, kann eine Marktpreisanpassung auch ihn schmälern.
Der Schlussbonus, auf Englisch Terminal Bonus, kommt erst ganz am Ende. Er entsteht, wenn der tatsächliche Wert der Anlage bei Vertragsende über dem geglätteten Vertragswert liegt. Bei langen Laufzeiten kann er ein großer Teil der Auszahlung sein. Er ist aber nicht garantiert. Der Versicherer legt ihn jedes Jahr neu fest und kann ihn senken oder streichen.
Das hat Folgen für Modellrechnungen. Die Ablaufleistung in alten Hochrechnungen enthält fast immer einen Schlussbonus, der so nie zugesagt war. Lies in den jährlichen Standmitteilungen darum zuerst, wie hoch der garantierte Wert ist, und dann, wie viel davon aus nicht garantierten Boni stammt.
Die Marktpreisanpassung: wann bei vorzeitigem Ausstieg Geld abgezogen wird
Die Marktpreisanpassung, englisch Market Value Reduction oder kurz MVR, ist eine Kürzung bei vorzeitigem Ausstieg. Liegt der echte Marktwert des With-Profit-Fonds unter dem geglätteten Wert, den du in deiner Mitteilung siehst, darf der Versicherer die Differenz abziehen. Sie heißt in deutschen Bedingungen auch Marktwertanpassung.
Der Grund ist Fairness gegenüber den anderen im Topf. Würde der Versicherer allen Aussteigenden in einem Börsentief den geglätteten Wert auszahlen, bezahlten die Bleibenden die Differenz. Die MVR soll das verhindern. Für dich heißt das aber: Der Wert in der Standmitteilung ist bei einer Kündigung nicht sicher.
Ein Beispiel mit angenommenen Zahlen: Dein Vertrag zeigt einen geglätteten Wert von 40.000 Euro. Nach einem Kurseinbruch liegt der Marktwert des Fonds 10 Prozent darunter. Kündigst du jetzt, kann der Versicherer bis zu 4.000 Euro abziehen. Wartest du bis zum vereinbarten Ablauf, darf er das in der Regel nicht.
Die meisten Verträge nennen Termine, an denen keine Marktpreisanpassung erhoben wird. Typisch sind der Tod der versicherten Person, der vereinbarte Ablauf und der vereinbarte Rentenbeginn. Manche Verträge haben zusätzlich garantierte Termine während der Laufzeit, etwa bestimmte Jahrestage. Welche Termine bei dir gelten, steht in den Versicherungsbedingungen. Diese Termine sind der wichtigste Schlüssel, wenn du über eine Kündigung oder Teilauszahlung nachdenkst.
Welche Garantien britische Policen geben
Die Garantien sind weicher als bei der klassischen deutschen Police. In der Regel ist eine Mindestwertentwicklung des Guthabens zugesagt, oft nur zum Ende der Laufzeit. Dazu kommen die einmal zugeteilten jährlichen Boni. Eine Garantie auf eine bestimmte Rendite über die ganze Laufzeit wie beim deutschen Rechnungszins gibt es so meist nicht.
Neue klassische Verträge deutscher Lebensversicherer dürfen seit dem 1. Januar 2025 höchstens 1 Prozent Zins auf den Sparanteil garantieren, Stand: Oktober 2026. Die laufende Verzinsung lag dort im Branchenschnitt 2026 bei 2,62 Prozent, Stand: September 2026. Britische With-Profit-Verträge sind an diesen Höchstzins nicht gebunden, weil die Gesellschaften nicht der deutschen Deckungsrückstellungsverordnung unterliegen.
| Merkmal | Klassische deutsche Police | Britische With-Profit-Police | Britische Fondspolice |
|---|---|---|---|
| Anlage | Sicherungsvermögen, wenig Aktien | gemeinsamer Fonds, oft 30 bis 60 Prozent Aktien | Fonds nach deiner Wahl |
| Garantie | Rechnungszins auf den Sparanteil | Mindestwert und zugeteilte Boni, oft nur zum Ablauf | meist keine, außer bei Zusatzbausteinen |
| Schwankung | gering | geglättet | voll |
| Am Ende | Schlussüberschuss, nicht garantiert | Schlussbonus, nicht garantiert | Wert der Fondsanteile |
| Vorzeitiger Ausstieg | Rückkaufswert nach § 169 VVG | Rückkaufswert, mögliche Marktpreisanpassung | Wert der Anteile minus Abzüge |
Wer seinen Vertrag nicht bis zum vereinbarten Termin durchhält, verzichtet also auf einen Teil der Garantie. Das ist der wichtigste Unterschied zur deutschen klassischen Police, bei der die Garantie für jede Kündigung über den Rückkaufswert wirkt.
Was du im Alter ohne britische Police hast
Ohne private Vorsorge bleibt Angestellten vor allem die gesetzliche Rente. Wer 45 Jahre lang genau durchschnittlich verdient hat, bekommt eine Standardrente von 1.913,40 Euro brutto im Monat, Stand: Juli 2026. Das Rentenniveau liegt bei 48 Prozent und ist bis 2031 gesetzlich gehalten.
„Lisa Logisch ist unsere Beispielperson. Sie ist erfunden, ihr Verlauf ist alltagsecht.“ Lisa ist 31, Projektmanagerin in Vollzeit, und verdient 3.850 Euro brutto und 2.500 Euro netto im Monat. Ihre Renteninformation schätzt ihre gesetzliche Rente auf 1.333 Euro brutto. Will sie im Alter mit 2.500 Euro in heutigem Geld leben, fehlen ihr rund 1.167 Euro im Monat. Wie man das genau rechnet, steht unter Rentenlücke berechnen.
Lisa spart bisher nur auf dem Tagesgeld und hat lange gezögert, mehr zu tun. Ein Bekannter erzählt ihr von seiner britischen Police, die bei Kursstürzen kaum schwankt. Das klingt für sie nach dem Mittelweg zwischen Sparbuch und Börse. Bevor sie unterschreibt, will sie verstehen, was hinter Glättung und Schlussbonus steckt. Genau darum geht es in den nächsten Abschnitten.
Britische Policen nach dem Brexit: Aufsicht und Bestandsverträge
Mit dem Ende der Übergangsphase am 31. Dezember 2020 haben Versicherer mit Sitz in Großbritannien den EU-Pass verloren. Sie dürfen seitdem in Deutschland keine neuen Verträge mehr schließen, außer über eine eigene Niederlassung mit deutscher Erlaubnis. Für bestehende Verträge gab es eine Übergangsregel im Versicherungsaufsichtsgesetz, damit sie ordentlich weitergeführt werden konnten.
Die Versicherer haben zwei Wege gewählt. Viele britische Gruppen haben ihre Verträge mit Kundinnen und Kunden in der EU auf eine Tochtergesellschaft in einem EU-Land übertragen. Solche Bestandsübertragungen brauchen in Großbritannien die Zustimmung eines Gerichts und einer Aufsichtsbehörde. Andere Gesellschaften führen ihren deutschen Bestand als reinen Abwicklungsbestand weiter, ohne Neugeschäft.
Für dich gilt in beiden Fällen: Dein Vertrag bleibt gültig. Der Brexit ist kein Grund für eine Kündigung durch den Versicherer, und deine Rechte aus dem Vertrag bleiben bestehen. Was sich ändern kann, sind der Name des Vertragspartners, die Anschrift und die zuständige Aufsicht.
Wer heute zuständig ist, hängt vom Sitz deiner Gesellschaft ab. Sitzt sie in einem anderen EU-Land, beaufsichtigt sie die Behörde dieses Landes. Die BaFin achtet dann nur darauf, dass deutsches Recht zum Schutz der Kundinnen und Kunden eingehalten wird. Hat die Gesellschaft eine Niederlassung in Deutschland mit eigener Erlaubnis, ist die BaFin direkt zuständig. Sitzt sie weiter nur in Großbritannien, sind die britischen Behörden zuständig, also die Prudential Regulation Authority für die Finanzkraft und die Financial Conduct Authority für das Verhalten gegenüber Kundinnen und Kunden.
Welche Variante bei dir gilt, steht in der letzten Standmitteilung oder im Schreiben zur Bestandsübertragung. Fehlt beides, frag schriftlich beim Versicherer nach, wer heute dein Vertragspartner ist und wo er sitzt.
Was passiert, wenn der Versicherer pleitegeht?
Die kurze Antwort: Das hängt vom Sitz der Gesellschaft ab. Der deutsche Sicherungsfonds für Lebensversicherer übernimmt Verträge, wenn ein Mitglied in Schieflage gerät. Mitglied sind die Lebensversicherer mit Erlaubnis in Deutschland. Gesellschaften aus Großbritannien oder aus anderen EU-Ländern, die von dort aus in Deutschland tätig sind, gehören nicht dazu.
Für Gesellschaften mit Sitz in Großbritannien gibt es den britischen Entschädigungsfonds, das Financial Services Compensation Scheme, kurz FSCS. Bei langfristigen Versicherungen wie Lebensversicherungen, Rentenversicherungen und Renten zahlt er 100 Prozent berechtigter Ansprüche, ohne Obergrenze, wenn die Gesellschaft am oder nach dem 3. Juli 2015 ausgefallen ist, Stand: Oktober 2026. Voraussetzung ist, dass die Gesellschaft von der britischen Prudential Regulation Authority beaufsichtigt wurde.
Ob der FSCS auch für Kundinnen und Kunden in Deutschland greift, hängt vom einzelnen Vertrag ab. Wurde dein Vertrag auf eine EU-Gesellschaft übertragen, greift der britische Fonds in der Regel nicht mehr. Dann gilt das System des neuen Sitzlandes. Nicht jedes EU-Land hat einen eigenen Sicherungsfonds für Lebensversicherungen.
Eine Grundsicherung gibt es aber überall in der EU. Versicherer müssen ein Sicherungsvermögen getrennt vom übrigen Vermögen führen, und im Insolvenzfall haben die Ansprüche der Versicherten Vorrang vor anderen Gläubigerinnen und Gläubigern. Wie stark eine Gesellschaft dasteht, zeigt ihr jährlicher Bericht über Solvabilität und Finanzlage.
| Wo dein Versicherer heute sitzt | Wer beaufsichtigt | Was im Ernstfall schützt |
|---|---|---|
| Deutschland, mit deutscher Erlaubnis | BaFin | deutscher Sicherungsfonds für Lebensversicherer |
| anderes EU-Land, Vertrag übertragen | Aufsicht des Sitzlandes, BaFin für deutsches Verbraucherrecht | System des Sitzlandes, Vorrang der Versicherten im Insolvenzfall |
| nur Großbritannien, Abwicklungsbestand | Prudential Regulation Authority und Financial Conduct Authority | FSCS nach britischen Regeln, im Einzelfall prüfen |
Euro oder Pfund: das Währungsrisiko bei britischen Policen
Die meisten britischen Policen, die in Deutschland verkauft wurden, laufen in Euro. Die Versicherer haben dafür eigene Euro-Fonds aufgelegt. Dann trägst du kein direktes Währungsrisiko, auch wenn ein Teil des Fonds in Pfund oder Dollar angelegt ist.
Es gibt aber Verträge in britischen Pfund, vor allem bei Menschen, die eine Zeit lang in Großbritannien gelebt oder gearbeitet haben. Dann schwankt der Wert in Euro mit dem Wechselkurs. Ein schwaches Pfund zum Rentenbeginn kann einen guten Schlussbonus auffressen. Ein starkes Pfund kann umgekehrt helfen. Prüfe in der Police, in welcher Währung Beiträge, Garantien und Auszahlung vereinbart sind.
So werden britische Policen in Deutschland versteuert
Lebst du in Deutschland, versteuerst du die Auszahlung nach deutschem Recht. Es macht keinen Unterschied, ob der Versicherer in Deutschland, in Irland, in Luxemburg oder in Großbritannien sitzt. Es gelten dieselben Regeln wie für eine deutsche Rentenversicherung. In der Ansparphase zahlst du keine Steuer auf die Erträge im Vertrag.
Als lebenslange Rente: nur der Ertragsanteil
Bei einer lebenslangen Rente versteuerst du nur den Ertragsanteil nach § 22 Einkommensteuergesetz. Er hängt allein vom Alter bei Rentenbeginn ab. Beginnt die Rente mit 67, sind 17 Prozent steuerpflichtig, mit 65 sind es 18 Prozent, Stand: Oktober 2026. Der Rest bleibt steuerfrei.
Als Kapital: die Hälfte-Regel nach zwölf Jahren
Nimmst du Kapital, wird der Ertrag versteuert, also die Auszahlung minus deiner Beiträge. Für Verträge ab 2005 gilt § 20 Absatz 1 Nummer 6 Einkommensteuergesetz: Läuft der Vertrag mindestens zwölf Jahre und bist du bei Auszahlung mindestens 62, wird nur die Hälfte des Ertrags mit deinem persönlichen Steuersatz besteuert. Bei Verträgen, die von 2005 bis Ende 2011 geschlossen wurden, reicht das 60. Lebensjahr. Sonst gilt die Abgeltungsteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag.
Altverträge vor 2005 und der Unterschied beim Steuerabzug
Verträge bis zum 31. Dezember 2004 sind bei Kapitalauszahlung steuerfrei, wenn sie mindestens zwölf Jahre gelaufen sind und du mindestens fünf Jahre laufend Beiträge gezahlt hast. Gerade viele britische Policen stammen aus dieser Zeit. Eine Vertragsänderung kann diesen Status kosten, darum vorher prüfen lassen.
Einen Unterschied gibt es beim Abzug. Ein Versicherer ohne Sitz oder Niederlassung in Deutschland behält in der Regel keine Kapitalertragsteuer ein. Dann musst du steuerpflichtige Erträge selbst in der Steuererklärung angeben, in der Anlage für Kapitalerträge. Das ist kein Nachteil, solange du es nicht vergisst. Mehr zu Abgeltungsteuer und Freibeträgen steht unter Steuern auf Kapitalerträge.
Ein Rechenbeispiel: Stell dir vor, Lisa hätte einen Vertrag und bekommt mit 67 daraus eine private Rente von 200 Euro im Monat. Steuerpflichtig sind 17 Prozent, also 34 Euro im Monat oder 408 Euro im Jahr. Diese 408 Euro werden mit ihrem persönlichen Steuersatz besteuert. Ob der Versicherer britisch oder deutsch ist, spielt dafür keine Rolle.
Was britische Policen kosten und wo die Kosten stecken
Einen festen Preis gibt es nicht, den Beitrag legst du selbst fest. Die Frage ist, wie viel davon für dich arbeitet. Auch hier gibt es Abschluss- und Vertriebskosten, laufende Verwaltungskosten und Kosten der Kapitalanlage. Bei With-Profit-Verträgen kommt etwas Unsichtbares dazu: die Kosten der Glättung und der Garantien.
Diese Garantiekosten werden selten als eigener Posten ausgewiesen. Sie zeigen sich darin, dass der Versicherer Erträge zurückhält, Reserven bildet und weniger ausschüttet, als der Fonds verdient hat.
Wurde dein Vertrag nach deutschem Recht geschlossen, was bei in Deutschland verkauften Policen die Regel war, gelten die Schutzregeln des Versicherungsvertragsgesetzes. Bei einer Kündigung muss der Rückkaufswert nach § 169 Versicherungsvertragsgesetz so berechnet werden, als wären die Abschlusskosten auf die ersten fünf Jahre verteilt. Der Versicherer darf einen Stornoabzug nur machen, wenn er vereinbart, beziffert und angemessen ist.
Bei neuen Verträgen zeigt dir das Basisinformationsblatt, um wie viel die Kosten die Rendite pro Jahr senken. Vergleiche diesen Wert immer bei gleicher Laufzeit. Bei einem Altvertrag kannst du die Kosten beim Versicherer erfragen.
So läuft der Abschluss eines With-Profit-Vertrags heute ab
Neue Verträge von Gesellschaften mit Sitz in Großbritannien gibt es in Deutschland seit 2021 nicht mehr. Angeboten werden heute With-Profit-Verträge von EU-Gesellschaften britischer Gruppen oder ähnliche Produkte mit Glättung.
Am Anfang steht deine Lücke: wie viel dir im Alter fehlt und wie lange du sparen kannst. Vor dem Antrag bekommst du das Basisinformationsblatt, die Bedingungen und eine Modellrechnung. Achte darauf, welche Werte garantiert sind und welche nur angenommen, und lass dir die Termine ohne Marktpreisanpassung zeigen. Frag auch nach dem Dokument mit den Grundsätzen für Boni und Glättung.
Bei einer reinen Rentenversicherung fragt der Versicherer meist nicht nach deiner Gesundheit. Anders ist es, wenn du einen Todesfallschutz oder eine Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung einschließt. Nach dem Abschluss hast du ein Widerrufsrecht von 30 Tagen nach § 152 Versicherungsvertragsgesetz, wenn der Vertrag deutschem Recht unterliegt. Die Frist beginnt erst, wenn du alle Unterlagen und eine korrekte Belehrung bekommen hast.
Für Lisa heißt das: Mit 31 Jahren und mehr als 35 Jahren bis zur Rente steht ein Topf mit weichen Garantien und versteckten Glättungskosten nicht an erster Stelle. Für lange Laufzeiten ist ein breit gestreutes Depot oder eine kostengünstige Fondspolice meist renditestärker. Eine geglättete Anlage kann später sinnvoll sein, wenn sie Schwankungen kurz vor der Rente nicht mehr aushalten will.
Wenn der Vertrag endet: so bekommst du dein Geld
Einige Monate vor Ablauf oder Rentenbeginn schreibt dir der Versicherer. Er nennt dir den garantierten Wert, die zugeteilten Boni, den aktuellen Schlussbonus und die Frist für dein Wahlrecht zwischen Rente und Kapital. Zum vereinbarten Termin gilt in der Regel keine Marktpreisanpassung, der Wert ist dann also verlässlich.
Du schickst die unterschriebene Erklärung, deine Bankverbindung und deine Steuer-Identifikationsnummer zurück. Bei einer Gesellschaft im Ausland kann ein Nachweis deiner Identität verlangt werden, etwa eine beglaubigte Ausweiskopie. Die Auszahlung dauert meist einige Wochen. Liegt dein Vertrag in Pfund, frag vorher, zu welchem Kurs und an welchem Tag umgerechnet wird.
Stirbt die versicherte Person, brauchen die Bezugsberechtigten Versicherungsschein, Sterbeurkunde und Kontodaten. Auch im Todesfall gilt meist keine Marktpreisanpassung. Wer das Geld bekommt, regelt das Bezugsrecht im Vertrag, nicht das Testament. Die Auszahlung an Hinterbliebene ist einkommensteuerfrei, sie kann aber Erbschaftsteuer auslösen.
Bestandsverträge prüfen: behalten, beitragsfrei stellen oder kündigen
Viele britische Policen laufen seit 20 Jahren und mehr. Stell dir vor: Lisas Vater hat 2003 eine britische With-Profit-Rentenversicherung abgeschlossen, in Euro, mit 100 Euro im Monat. Er ist inzwischen 63 und überlegt, ob er weiterzahlen soll. Was davon garantiert ist, versteht er nicht.
Für ihn zählen drei Fragen: Ist die Kapitalauszahlung als Vertrag von vor 2005 steuerfrei? Wann ist der nächste Termin ohne Marktpreisanpassung? Und wer ist nach dem Brexit sein Vertragspartner?

Samiras Blick
Samira Harkat
„Verträge werden nach dem Abschluss fast nie geprüft.“
Bei einem Bestandsvertrag hast du grundsätzlich vier Wege. Du kannst weiterzahlen, wenn der Vertrag gute Garantien und niedrige laufende Kosten hat. Du kannst ihn beitragsfrei stellen. Dann bleibt das Guthaben im Topf und nimmt weiter an den Boni teil, eine Marktpreisanpassung fällt dabei in der Regel nicht an, weil kein Geld fließt. Du kannst eine Teilauszahlung nehmen, wenn die Bedingungen das erlauben. Oder du kündigst.
Die Kündigung ist bei With-Profit-Verträgen besonders heikel. Neben dem Rückkaufswert kann eine Marktpreisanpassung greifen, und der Schlussbonus fällt oft ganz oder teilweise weg. Bei einem Altvertrag von vor 2005 kann zudem die Steuerfreiheit verloren gehen, wenn er vor zwölf Jahren Laufzeit endet. Frag vor jeder Entscheidung schriftlich nach dem Rückkaufswert, der Höhe einer möglichen Marktpreisanpassung und dem nächsten Termin ohne Abzug.
Wird in Elternzeit, Teilzeit oder einem Sabbatical das Geld knapp, ist eine Beitragspause oder Beitragsfreistellung meist besser als eine Kündigung. Wer seinen Vertrag mit uns durchgehen will, findet den Weg in der Beratung.
Was bei britischen Policen als Nächstes zählt
Bei einem bestehenden Vertrag zählt zuerst, was davon wirklich sicher ist. Der garantierte Wert und die zugeteilten jährlichen Boni sind deine Untergrenze. Der Schlussbonus ist eine Hoffnung, kein Versprechen. Die Termine ohne Marktpreisanpassung entscheiden, wann ein Ausstieg ohne Abzug möglich ist.
Danach zählt, wer dein Vertragspartner heute ist. Der Brexit hat viele Verträge in andere Länder verschoben. Mit dem Sitz der Gesellschaft ändern sich Aufsicht und Schutz im Ernstfall. Bei Altverträgen von vor 2005 kommt die Steuerfreiheit dazu, die mit einer unbedachten Änderung verloren gehen kann.
Bei einem neuen Vertrag zählt, ob dir Glättung den Preis wert ist. Weiche Garantien, eine Topfanlage ohne Fondsauswahl und schwer sichtbare Kosten stehen ruhigeren Kursverläufen gegenüber. Ob das zu deiner Lücke und deiner Zeit bis zur Rente passt, klärst du vor der Tarifwahl.
Lass uns deine britische Police einmal durchgehen.
Die Prüfung ist unabhängig davon, ob am Ende ein neuer Vertrag steht. Oft ist der alte Vertrag mit Lücken besser als ein neuer mit neuen Gesundheitsfragen.
Beratung durch die FemininFinance GmbH & Co. KG, Versicherungsmaklerin nach § 34d Abs. 1 GewO, Register-Nr. D-TAJS-4I8JO-48, und ihre Kooperationspartner:innen mit eigener Erlaubnis und eigener Registrierung bei der IHK.
Häufig gestellte Fragen
In der Regel nein. Dein Vertrag läuft mit denselben Rechten weiter, nur der Vertragspartner und die Aufsicht ändern sich. Hebe das Schreiben gut auf, prüfe die neue Bankverbindung für Beiträge und notiere den neuen Namen der Gesellschaft. Der deutsche Sicherungsfonds für Lebensversicherer gilt danach weiterhin nicht, es greift das System des neuen Sitzlandes.
Wahrscheinlich greift eine Marktpreisanpassung. Liegt der Marktwert des With-Profit-Fonds unter dem geglätteten Wert, darf der Versicherer bei vorzeitigem Ausstieg die Differenz abziehen. Dazu kann der Schlussbonus wegfallen. Frag nach dem nächsten Termin ohne Marktpreisanpassung. Oft ist es besser, bis dahin zu warten oder den Vertrag beitragsfrei zu stellen.
Meldet den Todesfall schriftlich beim Versicherer mit Sterbeurkunde, Versicherungsschein und Kontodaten der Bezugsberechtigten. Wer das Geld bekommt, steht im Bezugsrecht des Vertrags, nicht im Testament. Im Todesfall gilt meist keine Marktpreisanpassung. Ist die Gesellschaft heute in einem anderen Land, steht die aktuelle Anschrift in der letzten Standmitteilung.
Wahrscheinlich nicht, wenn du Kapital nimmst. Verträge bis Ende 2004 sind steuerfrei, wenn sie mindestens zwölf Jahre gelaufen sind und du mindestens fünf Jahre laufend Beiträge gezahlt hast. Wählst du eine lebenslange Rente, zahlst du auf den Ertragsanteil Steuern. Ändere den Vertrag nicht, ohne die Folgen prüfen zu lassen.
Nein. Der Schlussbonus wird jedes Jahr neu festgelegt und kann gesenkt oder gestrichen werden. Garantiert sind nur die vertragliche Mindestleistung und die bereits zugeteilten jährlichen Boni, und diese meist nur zum vereinbarten Ablauf, zum Rentenbeginn oder im Todesfall.
Lebst du in Deutschland, versteuerst du die Auszahlung nach deutschem Recht. Beiträge und Auszahlung werden dafür in Euro umgerechnet. Der Wert in Euro schwankt mit dem Wechselkurs. Hebe Belege mit Datum und Kurs auf. Ein Versicherer ohne Sitz in Deutschland behält meist keine Steuer ein, du gibst steuerpflichtige Erträge selbst in der Steuererklärung an.
Quellen:Financial Services Compensation Scheme: Insurance protection, Stand Oktober 2026, geprüft am 07.10.2026
Was sich geändert hat: 07.10.2026 – erste Fassung.
Haftungsausschluss: Dieser Artikel ist allgemeine Information und ersetzt keine persönliche Beratung. Welche Lösung zu dir passt, hängt von deiner Situation ab. Darüber sprechen wir am besten direkt. Alles Weitere steht im Haftungsausschluss.
Werbung: Dieser Artikel kann Werbelinks enthalten. Sie sind mit * markiert. Schließt du darüber etwas ab, bekommen wir vielleicht eine Provision. Für dich ändert sich der Preis nicht.
Unsere Beratung: Wir sind Versicherungsmaklerin. Vermitteln wir dir einen Vertrag, bekommen wir vom Versicherer eine Vergütung, die Courtage. Sie steckt im Beitrag. Vermittelt eine unserer Kooperationspartner:innen, bekommt sie die Courtage. Ob wir davon einen Anteil bekommen, ist unterschiedlich. Die Prüfung deines Vertrags ist unabhängig davon, ob am Ende ein neuer Vertrag steht. Mehr dazu: So verdienen wir Geld.
Tipps unter Fachkolleg:innen: Britische Policen
Für Versicherungsvermittlerinnen und -vermittler, Finanzberaterinnen und -berater mit IHK-Registrierung
- Fragt Bestandskundinnen und -kunden aktiv nach britischen Policen. Viele wissen nicht, ob ihr Vertrag nach dem Brexit übertragen wurde.
- Bietet vor einer Kündigung von euch aus an, die Termine ohne Marktpreisanpassung gemeinsam herauszusuchen.
- Sprecht bei Verträgen von vor 2005 früh über Steuerfreiheit und Auszahlungstermin.
