Ein Sprung vom Sofa, ein Knacken im Knie, und der Hund läuft nur noch auf drei Beinen. Eine Tierkrankenversicherung soll genau dann die Rechnung der Tierarztpraxis übernehmen. Ob sie das wirklich tut, entscheidet sich an Stellen, die beim Abschluss kaum jemand liest.
Seit November 2022 gilt eine neue Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte. Viele ältere Verträge passen nicht mehr zu den Rechnungen von heute. Dazu kommen Wartezeiten, Jahresgrenzen, Altersgrenzen und ein Kündigungsrecht nach jedem Schaden.
Hier liest du, wie Tierarztrechnungen entstehen, worin sich OP-Versicherung und Vollschutz unterscheiden und wann eine eigene Rücklage die bessere Wahl ist. Danach weißt du, welche Fragen du einem Vertrag stellen musst.
Betrifft dich, wenn du deine Finanzen im Blick behalten möchtest ihr zusammenzieht ihr euch trennt
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Tierkrankenversicherung zahlt Tierarztkosten für Hunde, Katzen oder Pferde. Die OP-Versicherung zahlt nur Operationen, der Vollschutz auch ambulante Behandlungen. Laut Verbraucherzentrale kostet der Vollschutz etwa dreimal so viel, Stand: Januar 2025.
- Tierärztinnen und Tierärzte rechnen nach der GOT ab, gültig seit 22.11.2022, vom einfachen bis zum dreifachen Satz. Im Notdienst kommen mindestens der zweifache Satz und eine Notdienstgebühr von 50 Euro netto dazu. Ein guter Vertrag erstattet bis zum dreifachen, im Notdienst bis zum vierfachen Satz.
- Für Krankheiten gilt meist eine Wartezeit von drei Monaten, für Unfälle nicht. Versichert werden in der Regel nur gesunde Tiere, bei Hunden über sieben Jahren wird das Angebot knapp.
- Nach jedem Schadenfall dürfen beide Seiten kündigen, so regelt es § 92 Versicherungsvertragsgesetz. Ein Verzicht des Versicherers auf dieses Recht ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal.
- Eine Rücklage auf dem Tagesgeldkonto kann die Versicherung ergänzen oder ersetzen. Gegen sehr teure Operationen hilft sie nur, wenn sie groß genug ist.
Inhalt
- Was ist eine Tierkrankenversicherung?
- Was gilt ohne Tierkrankenversicherung?
- Wie Tierärztinnen und Tierärzte abrechnen: die Gebührenordnung GOT
- OP-Versicherung oder Vollschutz: welcher Schutz zu deinem Tier passt
- Worauf es im Vertrag einer Tierkrankenversicherung ankommt
- Alter, Rasse und Vorerkrankungen: wann ein Tier noch versichert wird
- Was eine Tierkrankenversicherung kostet und wovon der Preis abhängt
- Versicherung, Rücklage oder beides: ein Rechenbeispiel
- So läuft der Abschluss einer Tierkrankenversicherung ab
- Wenn dein Tier krank wird: so bekommst du die Tierarztkosten erstattet
- Kündigung und Beitragserhöhung: welche Rechte du und der Versicherer haben
- Typische Fälle aus dem Alltag und welcher Schutz zahlt
- Katzen mit Freigang, Pferde, Reisen und Trennung
- Was bei der Tierkrankenversicherung als Nächstes zählt
- Häufig gestellte Fragen
Was ist eine Tierkrankenversicherung?
Die kurze Antwort: Sie ist eine private Versicherung, die Tierarztkosten für dein Haustier ganz oder teilweise erstattet, wenn es krank wird oder einen Unfall hat. Du zahlst die Rechnung in der Praxis und reichst sie danach beim Versicherer ein.
Es gibt zwei Grundformen. Die OP-Versicherung, auch Operationskostenversicherung genannt, zahlt nur, wenn das Tier operiert werden muss. Der Vollschutz, oft Tierkrankenvollversicherung genannt, zahlt zusätzlich Untersuchungen, Medikamente und Behandlungen ohne Operation. Manche Verträge enthalten außerdem einen Betrag für Vorsorge wie Impfungen oder Wurmkuren.
Versichert werden vor allem Hunde und Katzen, bei vielen Versicherern auch Pferde. Kleintiere wie Kaninchen sind nur selten versicherbar.
Wie sich Tierkrankenversicherung und Tierhalterhaftpflicht unterscheiden
Die Tierkrankenversicherung zahlt für dein eigenes Tier. Die Tierhalterhaftpflicht zahlt, wenn dein Tier anderen einen Schaden zufügt, etwa wenn dein Hund einen Radfahrer zu Fall bringt. Für Hunde und Pferde ist die Haftpflicht der wichtigere Schutz, weil hier Forderungen in Millionenhöhe möglich sind.
Die Verbraucherzentrale empfiehlt dafür mindestens fünf Millionen Euro Deckung, Stand: Januar 2025. In einigen Bundesländern ist die Hundehaftpflicht Pflicht, in Nordrhein-Westfalen etwa für gefährliche Hunde und für Hunde ab 40 Zentimetern Schulterhöhe oder 20 Kilogramm Gewicht. Katzen sind meist über die private Haftpflicht mitversichert. Mehr dazu liest du auf unserer Seite zur Tierhalterhaftpflicht.
Was gilt ohne Tierkrankenversicherung?
Ohne Tierkrankenversicherung zahlst du jede Tierarztrechnung selbst. Eine staatliche Hilfe für Behandlungskosten von Haustieren gibt es nicht. Gleichzeitig verpflichtet dich § 2 Tierschutzgesetz, dein Tier seiner Art entsprechend zu ernähren, zu pflegen und unterzubringen. Ein krankes Tier unbehandelt zu lassen, ist keine Option.
Wie hoch die Rechnung ausfällt, regelt die Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte. Sie gibt einen Rahmen vor, keine Festpreise. Nachts, am Wochenende und an Feiertagen wird es deutlich teurer. Die Notdienstgebühr beträgt 50 Euro netto zusätzlich zur Behandlung, Stand: Oktober 2026 nach dem Merkblatt der Bundestierärztekammer.
Wer kein Polster hat, steht im Ernstfall vor einer harten Wahl. Darum ist die Frage nicht nur, ob sich eine Versicherung rechnet. Sie lautet auch: Könntest du eine große Rechnung morgen bezahlen, ohne dass es wehtut?
Wie Tierärztinnen und Tierärzte abrechnen: die Gebührenordnung GOT
Tierarztpraxen dürfen nicht frei abrechnen. Grundlage ist die Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte, kurz GOT. Die aktuelle Fassung gilt laut Bundestierärztekammer seit dem 22. November 2022 bundesweit. Jede Leistung hat dort einen Grundbetrag, den einfachen Satz.
Die Praxis darf diesen Betrag bis zum Dreifachen steigern, stufenlos. Höhere Sätze sind gerechtfertigt durch medizinische Gründe, besonderen Zeitaufwand oder besondere Umstände. Die Kriterien stehen beispielhaft in § 2 GOT.
Für den Notdienst gelten seit dem 14. Februar 2020 eigene Regeln. Nach dem Merkblatt der Bundestierärztekammer rechnet die Praxis dann mindestens den zweifachen und höchstens den vierfachen Satz ab. Dazu kommt die pauschale Notdienstgebühr von 50 Euro netto. Auf Tierarztrechnungen fällt außerdem Umsatzsteuer an.
Für deinen Vertrag ist das der wichtigste Punkt überhaupt. Die Verbraucherzentrale beobachtet, dass Praxen häufig den dreifachen Satz berechnen, Versicherer aber oft nur bis zum zweifachen Satz erstatten, Stand: Januar 2025. Den Rest zahlst du. Ältere Verträge, die noch vor der GOT-Reform 2022 entstanden sind, decken teils sogar nur den einfachen Satz.
| Situation | Was die GOT erlaubt | Was ein guter Vertrag erstattet |
|---|---|---|
| Normale Sprechstunde | einfacher bis dreifacher Satz | bis zum dreifachen Satz |
| Notdienst nachts, am Wochenende, an Feiertagen | zweifacher bis vierfacher Satz plus 50 Euro Notdienstgebühr netto | bis zum vierfachen Satz und die Notdienstgebühr |
| Medikamente und Material | werden zusätzlich berechnet | vollständig, auch nach der Operation |
Stand der Tabelle: Oktober 2026, nach Angaben der Bundestierärztekammer zur GOT 2022 und zum Notdienst.
OP-Versicherung oder Vollschutz: welcher Schutz zu deinem Tier passt
Die OP-Versicherung deckt das große Risiko. Sie zahlt die Operation selbst, die Narkose, meist auch den Aufenthalt in der Klinik und die Nachbehandlung in einem festgelegten Zeitraum. Untersuchungen, die zur Diagnose führen, sind dagegen oft nicht eingeschlossen. Das Röntgenbild, das den Kreuzbandriss erst zeigt, kann also an dir hängen bleiben.
Der Vollschutz zahlt auch, wenn keine Operation nötig ist: bei Durchfall, Allergien, Ohrenentzündungen, chronischen Erkrankungen und den dazugehörigen Medikamenten. Gerade chronische Krankheiten wie Diabetes oder Arthrose bei älteren Tieren kosten über Jahre viel Geld. Dafür ist der Beitrag deutlich höher.
| Merkmal | OP-Versicherung | Vollschutz |
|---|---|---|
| Was gezahlt wird | Operation, Narkose, Klinik, Nachsorge rund um die Operation | Operationen und ambulante Behandlungen, Diagnostik, Medikamente |
| Vorsorge wie Impfungen | nein | oft ein fester Jahresbetrag, je nach Vertrag |
| Beitrag | niedriger | laut Verbraucherzentrale etwa dreimal so hoch, Stand Januar 2025 |
| Grenzen | teils Jahreshöchstbetrag | oft Jahreshöchstbetrag, Selbstbeteiligung, Grenzen je Diagnose |
| Passt, wenn | du laufende Kosten selbst tragen kannst, aber keine große Operation | du planbare Kosten willst oder das Tier zu einer Rasse mit häufigen Erkrankungen gehört |
Die Verbraucherzentrale hält eine reine OP-Versicherung für eine mögliche sinnvolle Lösung gegen teure Eingriffe. Kleinere Rechnungen lassen sich aus einer Rücklage zahlen. Beim Vollschutz lohnt der genaue Blick, ob der Beitrag in einem gesunden Jahr nicht höher ist als das, was er zurückbringt.
Worauf es im Vertrag einer Tierkrankenversicherung ankommt
Tarife unterscheiden sich stärker, als die Namen vermuten lassen. Die Verbraucherzentrale spricht von enormen Beitrags- und Leistungsunterschieden. Diese Punkte entscheiden, ob am Ende die ganze Rechnung erstattet wird.
| Punkt | Worauf du achtest | Warum es zählt |
|---|---|---|
| GOT-Satz | bis zum dreifachen, im Notdienst bis zum vierfachen Satz | sonst bleibt bei jeder Rechnung ein Teil an dir hängen |
| Erstattung in Prozent | 100 Prozent oder eine feste, niedrige Selbstbeteiligung | üblich sind laut Verbraucherzentrale 80 Prozent |
| Jahreshöchstbetrag | unbegrenzt oder hoch genug für eine große Operation | manche Verträge begrenzen etwa auf 2.500 Euro im Jahr |
| Diagnostik | Untersuchungen vor der Operation eingeschlossen | Röntgen, Ultraschall und Labor kosten extra |
| Nachbehandlung | Zeitraum nach der Operation, Medikamente, Physiotherapie | Heilung dauert oft Wochen |
| Klinikaufenthalt | Unterbringung und Verpflegung in der Tierklinik | bei großen Eingriffen bleibt das Tier mehrere Tage |
| Kündigungsverzicht | Versicherer verzichtet auf sein Kündigungsrecht nach dem Schaden | sonst droht nach der ersten teuren OP das Vertragsende |
| Leistung im Alter | keine Kürzung der Erstattung ab einem bestimmten Alter | manche Verträge senken die Erstattung für ältere Tiere |
| Ausschlüsse | rassetypische Erkrankungen, Zähne, Fehlstellungen | gerade diese Fälle sind teuer |
| Auslandsschutz | Schutz auf Reisen, Dauer und Länder | wichtig, wenn dein Tier mit in den Urlaub fährt |
Ein Wort zur Selbstbeteiligung. Sie senkt den Beitrag, kann aber auf zwei Arten gestaltet sein: als fester Betrag je Jahr oder je Behandlung, oder als Prozentsatz jeder Rechnung. Ein Prozentsatz trifft dich bei einer großen Operation viel härter als ein fester Betrag.
Achte auch auf die Bedingungen rund um Impfungen. Manche Verträge setzen voraus, dass dein Tier nach den empfohlenen Plänen geimpft ist. Erkrankt es an etwas, wogegen es hätte geimpft sein sollen, kann der Versicherer die Leistung verweigern.

Samiras Blick
Samira Harkat
„Verträge werden nach dem Abschluss fast nie geprüft.“
Bei der Tierkrankenversicherung hat das eine besondere Folge. Wer vor November 2022 abgeschlossen hat, sollte nachsehen, bis zu welchem GOT-Satz der Vertrag erstattet. Ein Wechsel ist allerdings nur sinnvoll, solange das Tier noch jung und gesund genug für einen neuen Vertrag ist.
Alter, Rasse und Vorerkrankungen: wann ein Tier noch versichert wird
Versichert werden grundsätzlich nur gesunde Tiere. Das ist die Grundregel, die die Verbraucherzentrale beschreibt. Was beim Abschluss schon bekannt oder angelegt war, bleibt in der Regel ausgeschlossen. Das gilt auch für Folgen einer früheren Erkrankung.
Beim Alter gibt es zwei Grenzen. Nach unten werden Tiere meist erst ab etwa zwei Monaten aufgenommen. Nach oben wird es schwierig: Für Hunde, die älter als sieben Jahre sind, finden sich laut Verbraucherzentrale nur noch wenige Angebote, Stand: Januar 2025. Bei älteren Tieren verlangen Versicherer oft einen tierärztlichen Bericht über den Gesundheitszustand. Bei der OP-Versicherung sind die Altersgrenzen meist großzügiger als beim Vollschutz.
Auch die Rasse spielt eine Rolle. Manche Rassen neigen zu Erbkrankheiten, etwa Fehlbildungen der Hüft- oder Ellenbogengelenke bei großen Hunden oder Atemproblemen bei kurzköpfigen Rassen. Versicherer reagieren darauf mit höheren Beiträgen, mit Ausschlüssen bestimmter Krankheiten oder lehnen die Rasse ganz ab. Einige teilen Hunde dazu nach Größe oder Rasse in Beitragsgruppen ein.
Daraus folgt eine einfache Regel: Wenn du eine Versicherung willst, schließe sie ab, solange dein Tier jung und gesund ist. Später ist sie teurer, enthält mehr Ausschlüsse oder ist gar nicht mehr zu bekommen.
Was eine Tierkrankenversicherung kostet und wovon der Preis abhängt
Eine OP-Versicherung für einen jungen, kleinen Hund kostet nach Zahlen von Finanztest, die die Verbraucherzentrale nennt, rund 160 bis knapp 550 Euro im Jahr, Stand: Januar 2025. Für größere Hunde wird es teurer. Ein Vollschutz kostet nach derselben Quelle etwa das Dreifache einer OP-Versicherung.
Der Preis hängt vor allem von diesen Dingen ab: Tierart, Rasse und Größe, Alter beim Abschluss, Wohnort und dem gewählten Leistungsumfang. Bei Katzen kann auch der Freigang eine Rolle spielen, weil Katzen draußen öfter verletzt werden. Mit dem Alter des Tieres steigen bei vielen Verträgen die Beiträge, manchmal in festen Altersstufen.
Steuerlich spielt die Tierkrankenversicherung für ein privates Haustier keine Rolle. Das Einkommensteuergesetz zählt in § 10 die Versicherungen auf, die als Sonderausgaben gelten, und Tierversicherungen gehören nicht dazu. Die Tierhalterhaftpflicht dagegen ist eine Haftpflichtversicherung und kann im Rahmen der Höchstbeträge zählen.
Versicherung, Rücklage oder beides: ein Rechenbeispiel
„Lisa Logisch ist unsere Beispielperson. Sie ist erfunden, ihr Verlauf ist alltagsecht.“ Lisa ist 31, Projektmanagerin und verdient 2.500 Euro netto im Monat. Nach ihren Fixkosten von 1.600 Euro bleiben ihr 900 Euro. Sie liebt Natur und lange Spaziergänge.
Stell dir vor: Lisa holt einen jungen, mittelgroßen Hund aus dem Tierheim. Sie überlegt, ob sie eine OP-Versicherung braucht. Ein Angebot kostet sie angenommen 25 Euro im Monat, also 300 Euro im Jahr. Das liegt in der Spanne, die die Verbraucherzentrale nennt.
Zwei Jahre später reißt beim Toben das Kreuzband. Wir rechnen mit angenommenen Zahlen, netto und ohne Umsatzsteuer: Die Gebühren der Klinik liegen beim dreifachen Satz bei 1.800 Euro. Medikamente und Material kommen mit 300 Euro dazu. Zusammen 2.100 Euro.
Mit einem Vertrag, der bis zum dreifachen Satz voll erstattet, bekommt Lisa die 2.100 Euro zurück. Mit einem Vertrag, der nur bis zum zweifachen Satz und zu 80 Prozent zahlt, sieht es anders aus. Die Gebühren werden auf 1.200 Euro heruntergerechnet, plus 300 Euro Material sind 1.500 Euro. Davon 80 Prozent sind 1.200 Euro. Lisa zahlt 900 Euro selbst, genau das, was ihr in einem ganzen Monat bleibt.
Und ohne Versicherung? Dann kommt alles aus ihrem Tagesgeld. Die Verbraucherzentrale empfiehlt für Notfälle zwei bis drei Nettogehälter als Rücklage, bei Lisa also 5.000 bis 7.500 Euro. Die Kreuzband-OP würde ihr Polster spürbar schrumpfen lassen. Hat sie das Polster aber und legt die 25 Euro im Monat zusätzlich zurück, ist sie für kleine Rechnungen gut gerüstet.
Lisa entscheidet sich für einen Mittelweg. Sie nimmt eine OP-Versicherung mit vollem GOT-Satz und ohne prozentuale Selbstbeteiligung. Impfungen und kleinere Behandlungen zahlt sie aus einem eigenen Unterkonto für den Hund. Wie du so ein Polster aufbaust, liest du auf unserer Seite zum Notgroschen.
So läuft der Abschluss einer Tierkrankenversicherung ab
Der Abschluss beginnt mit Angaben zum Tier: Tierart, Rasse, Geburtsdatum, Geschlecht und ob es kastriert ist. Viele Versicherer verlangen, dass dein Hund oder deine Katze per Mikrochip gekennzeichnet ist. So lässt sich im Schadenfall eindeutig zuordnen, welches Tier behandelt wurde.
Dann folgen Gesundheitsfragen. Beantworte sie genau und vollständig, am besten mit dem Impfpass und den Unterlagen der letzten Tierarztbesuche neben dir. Nach § 19 Versicherungsvertragsgesetz musst du alles angeben, wonach der Versicherer in Textform fragt. Verschweigst du etwas, kann er vom Vertrag zurücktreten, kündigen oder den Vertrag nachträglich anpassen.
Bei älteren Tieren fordern Versicherer oft eine tierärztliche Untersuchung vor Vertragsbeginn. Die Kosten dafür trägst in der Regel du. Der Bericht schützt dich aber auch: Was dort als gesund dokumentiert ist, kann der Versicherer später nicht als Vorerkrankung werten.
Ab dem Vertragsbeginn läuft die Wartezeit. Für Krankheiten beträgt sie laut Verbraucherzentrale meist drei Monate, Stand: Januar 2025. Für Unfälle gilt sie nicht, hier besteht sofort Schutz. Was in der Wartezeit beginnt, bleibt meist dauerhaft ausgeschlossen, auch wenn die Behandlung erst später kommt. Manche Verträge haben für bestimmte Eingriffe längere Wartezeiten.
Lies vor der Unterschrift die Versicherungsbedingungen zu GOT-Satz, Höchstbeträgen, Ausschlüssen und Kündigungsrecht. Ein Vergleich nach Kriterien hilft mehr als der Blick auf den Beitrag allein.
Wenn dein Tier krank wird: so bekommst du die Tierarztkosten erstattet
Im Leistungsfall zahlst du die Rechnung zuerst selbst und reichst sie danach ein. Manche Tierkliniken rechnen bei großen Eingriffen direkt mit dem Versicherer ab, wenn er vorab zugesagt hat. Frag danach, bevor du unterschreibst.
Diese Unterlagen braucht der Versicherer in der Regel:
- die Rechnung mit den einzelnen GOT-Positionen und dem jeweiligen Satz
- die Diagnose und, bei einer Operation, den Behandlungsbericht
- die Chipnummer deines Tieres, damit die Rechnung zugeordnet werden kann
- bei einem Unfall eine kurze Schilderung, wann und wie er passiert ist
Steht eine planbare Operation an, lohnt sich vorher ein Kostenvoranschlag der Praxis und eine Leistungszusage des Versicherers. So weißt du vor dem Eingriff, was du selbst trägst. Im Notfall geht die Behandlung natürlich vor, die Meldung kommt danach.
Halte die Fristen in deinen Bedingungen ein. Wer Pflichten im Schadenfall verletzt, etwa einen Schaden viel zu spät meldet, riskiert nach § 28 Versicherungsvertragsgesetz Kürzungen. Den vollen Verlust der Leistung gibt es nur bei Vorsatz. Bei grober Fahrlässigkeit kürzt der Versicherer nach der Schwere des Verschuldens. Und er muss zahlen, wenn die Verletzung keinen Einfluss auf den Schaden oder seine Prüfung hatte.
Kürzt der Versicherer, prüfe die Abrechnung Zeile für Zeile. Häufige Gründe sind ein Satz über der Vertragsgrenze, eine angebliche Vorerkrankung oder eine Leistung, die nicht versichert ist. Bei einer Vorerkrankung lohnt sich die Frage, worauf der Versicherer seine Einschätzung stützt.
Kündigung und Beitragserhöhung: welche Rechte du und der Versicherer haben
Die Tierkrankenversicherung ist rechtlich eine Schadenversicherung. Darum gilt § 92 Versicherungsvertragsgesetz: Nach jedem Versicherungsfall dürfen beide Seiten den Vertrag kündigen. Das geht bis einen Monat nach Abschluss der Verhandlungen über die Erstattung. Der Versicherer muss dabei eine Frist von einem Monat einhalten.
Für dich heißt das: Nach einer teuren Operation oder einer neuen chronischen Diagnose kann der Versicherer den Vertrag beenden. Einen neuen Vertrag bekommst du dann kaum, denn die Krankheit ist jetzt eine Vorerkrankung. Manche Versicherer verzichten deshalb nach einer Laufzeit von drei Jahren auf ihr Kündigungsrecht. Andere verzichten von Anfang an. Das ist eines der wichtigsten Merkmale beim Vergleich.
Erhöht der Versicherer den Beitrag, ohne dass der Schutz besser wird, kannst du nach § 40 Versicherungsvertragsgesetz kündigen. Du hast dafür einen Monat Zeit ab Zugang der Mitteilung. Der Versicherer muss dich mindestens einen Monat vor Wirksamwerden informieren und auf dein Kündigungsrecht hinweisen. Wechsle aber erst, wenn ein neuer Vertrag sicher ist, denn für ein älteres Tier ist das oft schwer.
Typische Fälle aus dem Alltag und welcher Schutz zahlt
Die folgenden Fälle zeigen, wo die Grenzen zwischen den Formen verlaufen. Ob tatsächlich gezahlt wird, entscheiden immer deine Bedingungen.
Ein Hund tritt beim Spaziergang in eine Scherbe und durchtrennt sich eine Sehne am Hinterlauf. Die Sehne muss genäht werden. Das ist ein Unfall mit Operation. OP-Versicherung und Vollschutz zahlen, auch in der Wartezeit, sofern der Vertrag schon begonnen hat.
Ein Hund verletzt sich beim Stöckchenspiel im Garten, das Kreuzband im Knie ist gerissen. Er wird in einer Klinik operiert und braucht danach Physiotherapie. Beide Formen zahlen die Operation. Ob die Physiotherapie dazugehört, hängt davon ab, wie lange der Vertrag die Nachbehandlung abdeckt.
Ein Kater hat verklebte Augen, Husten und Fieber, die Diagnose lautet Katzenschnupfen. Die Behandlung wirkt, dauert aber Wochen. Hier zahlt nur der Vollschutz, denn es gibt keine Operation. Fehlt die empfohlene Impfung, kann der Versicherer die Leistung ablehnen.
Eine Katze bricht sich kompliziert den Vorderlauf. Der Bruch wird mehrfach operiert, sie bleibt stationär und bekommt Medikamente. Die OP-Versicherung zahlt die Eingriffe und die Nachsorge im vereinbarten Rahmen. Bei einem niedrigen Jahreshöchstbetrag kann das Geld vor der letzten Operation aufgebraucht sein.
Ein Hund hustet nach einem Spaziergang, ein Fremdkörper steckt in der Luftröhre und wird operativ entfernt. Danach braucht er zwei Wochen Medikamente. Die Operation zahlen beide Formen, die Medikamente danach oft nur, wenn die Nachbehandlung eingeschlossen ist.
Ein Fohlen hat eine Magendrehung, wird in der Klinik untersucht und operiert und bleibt zehn Tage dort. Bei Pferden gehen solche Rechnungen schnell in große Beträge. Eine Pferde-OP-Versicherung ist hier der übliche Schutz.
Katzen mit Freigang, Pferde, Reisen und Trennung
Katzen mit Freigang haben ein höheres Unfallrisiko. Manche Versicherer verlangen dafür einen Zuschlag. Gib den Freigang beim Abschluss richtig an, denn er gehört zu den Fragen, die den Beitrag bestimmen.
Für Pferde gibt es eigene OP-Versicherungen und seltener einen Vollschutz. Häufige Gründe für Eingriffe sind Koliken und Verletzungen an den Beinen. Achte auf die Leistung für Klinikaufenthalt und Transport. Eine gesetzliche Pflicht zur Pferdehaftpflicht gibt es laut Verbraucherzentrale in keinem Bundesland, empfehlenswert ist sie trotzdem.
Reisen mit Tier brauchen einen Blick in die Bedingungen. Viele Verträge zahlen im europäischen Ausland für eine begrenzte Zeit, manche weltweit und einschließlich eines medizinisch nötigen Rücktransports. Plane auch deine eigene Absicherung auf Reisen, mehr dazu auf unserer Seite zu Reiseversicherungen.
Bei einer Trennung stellt sich die Frage, wer das Tier behält. Der Vertrag läuft auf die Person, die ihn abgeschlossen hat. Bleibt das Tier beim anderen Partner oder der anderen Partnerin, sprich mit dem Versicherer über einen Wechsel des Vertragspartners. Kündige nicht vorschnell, denn ein neuer Vertrag ist für ein älteres Tier schwerer zu bekommen.
Ein Wechsel des Versicherers ist bei der Tierkrankenversicherung heikel. Der neue Vertrag schließt alles aus, was das Tier schon hatte, und beginnt mit einer neuen Wartezeit. Prüfe den bestehenden Vertrag darum zuerst und frag, ob der eigene Versicherer in einen besseren Tarif umstellen kann.
Was bei der Tierkrankenversicherung als Nächstes zählt
Bei der Tierkrankenversicherung zählt zuerst eine ehrliche Rechnung: Wie viel könntest du morgen für dein Tier zahlen, ohne dass dein Notgroschen leer ist? Reicht das für eine große Operation, kann eine eigene Rücklage genügen. Reicht es nicht, ist eine OP-Versicherung der günstigste Schutz gegen das große Risiko.
Danach zählen die Bedingungen mehr als der Beitrag. Ein Vertrag, der nur den zweifachen GOT-Satz erstattet, nach dem ersten Schaden kündigen darf und bei 80 Prozent endet, schützt im Ernstfall deutlich weniger, als er verspricht. Und wer schon einen Vertrag hat, sollte ihn mit der Gebührenordnung von heute vergleichen. Über die Haftpflicht für dein Tier und die Frage, welche Versicherungen du wirklich brauchst, sprechen wir gern mit dir in der Beratung.
Lass uns den Schutz für dein Tier einmal durchgehen.
Die Prüfung ist unabhängig davon, ob am Ende ein neuer Vertrag steht. Oft ist der alte Vertrag mit Lücken besser als ein neuer mit neuen Gesundheitsfragen.
Beratung durch die FemininFinance GmbH & Co. KG, Versicherungsmaklerin nach § 34d Abs. 1 GewO, Register-Nr. D-TAJS-4I8JO-48, und ihre Kooperationspartner:innen mit eigener Erlaubnis und eigener Registrierung bei der IHK.
Häufig gestellte Fragen
In der Regel ja, wenn die Operation medizinisch nötig ist und der Vertrag schon läuft. Viele Bedingungen werten das Verschlucken eines Fremdkörpers als Unfall, dann gilt keine Wartezeit. Die Untersuchungen vor der Operation zahlt eine OP-Versicherung aber nicht immer.
Im Notdienst rechnet die Praxis mindestens den zweifachen und höchstens den vierfachen GOT-Satz ab, dazu kommt eine Notdienstgebühr von 50 Euro netto. Muss die Wunde genäht werden, zahlt die OP-Versicherung, sonst nur der Vollschutz. Wie viel erstattet wird, hängt davon ab, bis zu welchem Satz dein Vertrag zahlt.
Das hängt davon ab, ob der Versicherer den Riss als Unfall oder als Krankheit wertet. Für Unfälle gilt keine Wartezeit, für Krankheiten meist drei Monate. Einige Verträge haben für Kreuzbandrisse und Gelenkerkrankungen eigene, längere Wartezeiten. Lies dazu deine Bedingungen genau.
Ja, nach § 92 Versicherungsvertragsgesetz dürfen nach jedem Schadenfall beide Seiten kündigen, der Versicherer mit einer Frist von einem Monat. Manche Versicherer verzichten auf dieses Recht, teils nach drei Jahren Laufzeit. Achte beim Abschluss auf diesen Verzicht.
Oft ist ein neuer Vertrag dann kaum noch zu bekommen oder sehr teuer. Laut Verbraucherzentrale wird das Angebot bei Hunden über sieben Jahren knapp. Bestehende Erkrankungen sind ausgeschlossen. Für ältere Tiere ist eine eigene Rücklage meist der realistischere Weg.
Für ein privates Haustier nicht. Tierversicherungen gehören nicht zu den Versicherungen, die § 10 Einkommensteuergesetz als Sonderausgaben aufzählt. Die Tierhalterhaftpflicht kann dagegen als Haftpflichtversicherung im Rahmen der Höchstbeträge zählen.
Sprecht gemeinsam mit dem Versicherer über einen Wechsel des Vertragspartners. Viele Versicherer machen das mit, wenn beide zustimmen. Kündigt nicht einfach und schließt neu ab, denn ein neuer Vertrag beginnt mit Wartezeit und schließt bekannte Erkrankungen aus.
Quellen: Verbraucherzentrale: Krankenversicherungen für Haustiere – sinnvoll oder überflüssig?, Stand 22.01.2025, geprüft am 07.10.2026 · Verbraucherzentrale: Haftpflichtversicherung für Haustiere, Stand 22.01.2025, geprüft am 07.10.2026 · Bundestierärztekammer: Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte, Informationen für Tierhalter, Fassung gültig seit 22.11.2022, geprüft am 07.10.2026 · Bundestierärztekammer: Merkblatt Notdienst und Notdienstgebühr, Stand ohne Datumsangabe, Notdienstregel laut Bundestierärztekammer seit 14.02.2020, geprüft am 07.10.2026 · dejure.org: Versicherungsvertragsgesetz § 19, § 28, § 40 und § 92, geltende Fassung, geprüft am 07.10.2026 · dejure.org: Tierschutzgesetz § 2, geltende Fassung, geprüft am 07.10.2026 · dejure.org: Einkommensteuergesetz § 10, geltende Fassung, geprüft am 07.10.2026
Was sich geändert hat: 07.10.2026 – erste Fassung.
Haftungsausschluss: Dieser Artikel ist allgemeine Information und ersetzt keine persönliche Beratung. Welche Lösung zu dir passt, hängt von deiner Situation ab. Darüber sprechen wir am besten direkt. Alles Weitere steht im Haftungsausschluss.
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Tipps unter Fachkolleg:innen: Tierkrankenversicherung
Für Versicherungsvermittlerinnen und -vermittler, Finanzberaterinnen und -berater mit IHK-Registrierung
- Fragt im Jahresgespräch nach Haustieren. Viele Kundinnen und Kunden haben Tierverträge aus der Zeit vor der GOT-Reform 2022 und freuen sich über einen kurzen Abgleich.
- Sprecht Kündigungsverzicht und Altersgrenzen früh an, solange das Tier jung ist. Später gibt es oft keine Wahl mehr.
- Denkt die Tierhalterhaftpflicht immer mit, gerade bei Hunden und Pferden.
