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Warum Frauen 433 Euro weniger Rente bekommen: Illustration zum Thema

Warum Frauen 433 Euro weniger Rente bekommen

Samira HarkatSamira HarkatStand: 15. Oktober 2026

Das Wichtigste

Frauen mit mindestens 35 Versicherungsjahren bekamen 2024 im Schnitt 1.459 Euro Altersrente, Männer 1.892 Euro. Das sind 433 Euro Unterschied. Jeden Monat.

Der Grund ist nicht weniger Arbeit. Der Grund ist unbezahlte Arbeit – und ein System, das nur bezahlte zählt.

Wer das versteht, hört auf, sich selbst die Schuld zu geben, und fängt an zu rechnen.

Stell dir vor, du arbeitest dein ganzes Berufsleben. Vierzig Jahre, vielleicht fünfundvierzig. Und am Ende steht auf deinem Rentenbescheid ein Betrag, der deutlich unter dem deines männlichen Kollegen liegt.

Das ist keine Ausnahme. Das ist der Normalfall.


Die Zahlen

Wie groß die Lücke wirklich ist

Es gibt drei verschiedene Zahlen, und sie werden oft durcheinandergeworfen.

Was gemessen wirdFrauenMänner
Altersrente ab 35 Versicherungsjahren, 20241.459 €1.892 €
Alle Altersrenten im Bestand, 2025994 €1.449 €
Gesamte Alterseinkünfte inklusive Betriebs- und Privatrenterund 1.820 €rund 2.400 €

Die dritte Zeile ist die ehrlichste, weil sie alles zusammenzählt. Sie ergibt einen Gender Pension Gap von 24,2 Prozent.

22,1

Jahre lang beziehen Frauen im Schnitt ihre Rente. Männer 18,9 Jahre. Weniger Geld, über einen längeren Zeitraum – die Lücke öffnet sich also noch weiter.


Das System

Warum dein Konto kein Konto ist

Viele glauben, ihre Beiträge landen auf einem persönlichen Konto und warten dort. Das stimmt nicht.

Die gesetzliche Rente läuft im Umlageverfahren. Wer heute arbeitet, bezahlt die Renten derer, die heute im Ruhestand sind. Dein Geld fließt sofort weiter.

Was du bekommst, hängt an Rentenpunkten. Einen Punkt gibt es für ein Jahr mit dem deutschen Durchschnittsverdienst – 2026 sind das 51.944 Euro brutto.

42,52 €

ist ein Rentenpunkt seit Juli 2026 monatlich wert

1.913 €

bekommt, wer 45 Jahre genau den Durchschnitt verdient hat

48 %

beträgt das Rentenniveau, 1990 waren es 55 Prozent

Punkte gibt es nur für Einzahlungen: Arbeit, Kindererziehung, Pflege, Arbeitslosengeld I, Krankengeld, freiwillige Beiträge. Für alles andere gibt es keine.

Das System belohnt eine Sache: eine durchgehende, gut bezahlte Vollzeitbiografie. Genau die ist für Frauen seltener.


Die vier Ursachen

Woher die 433 Euro kommen

1. Teilzeit

48,7 Prozent der erwerbstätigen Frauen arbeiten in Teilzeit. Bei Männern sind es 12,2 Prozent.

Bei Eltern wird der Abstand größer: 68 Prozent der Mütter mit minderjährigen Kindern arbeiten in Teilzeit, aber nur 8 Prozent der Väter. Mit einem Kind unter sechs sind es 73,7 gegenüber 9,1 Prozent.

Was 60 Prozent Teilzeit kosten

Rentenpunkte pro Jahr in Vollzeit1,0

Rentenpunkte pro Jahr bei 60 Prozent0,6

Fehlbetrag pro Jahr Teilzeit, monatliche Rente– 17 €

Nach 20 Jahren Teilzeit– 340 € im Monat

Gerechnet mit dem Rentenwert von 42,52 Euro. 0,4 fehlende Punkte pro Jahr mal 42,52 Euro ergeben rund 17 Euro monatliche Rente weniger – für jedes Jahr in Teilzeit, für den Rest des Lebens.

2. Kinder und der Teilzeitknick

Für Kindererziehung gibt es Rentenpunkte: drei Jahre pro Kind, das ab 1992 geboren wurde. Für frühere Kinder sind es bisher zweieinhalb Jahre – ab 2027 werden auch das drei.

Das gleicht den Verlust nicht aus. Wer aussteigt und in Teilzeit zurückkommt, kommt beim Gehalt nicht dort weiter, wo er aufgehört hat. Beförderungen kommen später oder gar nicht.

27 %

niedriger sind die Rentenansprüche westdeutscher Mütter gegenüber kinderlosen Frauen. Bei drei und mehr Kindern sind es 34 Prozent. In Ostdeutschland liegen Mütter dagegen 20 Prozent höher.

3. Pflege und Sorgearbeit

Frauen leisten 44,3 Prozent mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer. Auch hier: Stunden runter, Karriere langsamer, Rente kleiner.

Immerhin zählt Pflege seit Jahren als Pflichtbeitragszeit – ab Pflegegrad 2 und mindestens zehn Stunden pro Woche.

4. Der Gender Pay Gap

Selbst in Vollzeit verdienen Frauen im Schnitt 16 Prozent weniger pro Stunde. Rechnet man Beruf, Karrierestufe und Arbeitszeit heraus, bleiben immer noch 6 Prozent.

Weniger Lohn heißt weniger Rentenpunkte. Der Gehaltsunterschied von heute ist der Rentenunterschied von morgen.


Am Ende

Was das im Alter bedeutet

21,3 Prozent der Frauen ab 65 gelten als armutsgefährdet. Bei Männern sind es 17,3 Prozent. Jede fünfte Frau also.

Die Grundsicherung im Alter liegt 2026 bei 563 Euro im Monat plus anerkannte Wohnkosten. Das ist der Boden.

Der stille Teil

Rund 60 Prozent der anspruchsberechtigten älteren Haushalte nehmen die Grundsicherung nicht in Anspruch. Aus Scham, aus Unwissen. Altersarmut bleibt damit weitgehend unsichtbar.

Das ist kein persönliches Versagen. Das ist ein Systemergebnis – und es ist berechenbar.


Was sich ändert

Die Reformen, die schon beschlossen sind

  • Haltelinie bis 2031. Das Rentenniveau bleibt bei 48 Prozent. Danach ist offen, was kommt.
  • Mütterrente III ab 2027. Für Kinder vor 1992 steigen die Erziehungszeiten von zweieinhalb auf drei Jahre. Ausgezahlt wird ab 2028, rückwirkend.
  • Aktivrente seit Januar 2026. Wer nach der Regelaltersgrenze weiterarbeitet, kann bis zu 2.000 Euro im Monat steuerfrei verdienen.
  • Frühstartrente. Zehn Euro im Monat vom Staat für Kinder von 6 bis 18 in ein Depot. Der Entwurf ist im Kabinett, das Gesetz noch nicht in Kraft.

Die Alterssicherungskommission hat im Juni 2026 weitergehende Vorschläge gemacht, unter anderem die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Jahren. Das sind Empfehlungen, kein geltendes Recht.


Was jetzt

Vier Schritte, die dir gehören

  1. Deine Zahl kennenRenteninformation lesen und die Lücke einmal ausrechnen.
  2. Konto klärenEine Kontenklärung bei der Rentenversicherung deckt fehlende Zeiten auf. Kostenlos.
  3. Teilzeit bewusst entscheidenDie Entscheidung kann richtig bleiben. Du sollst nur wissen, was sie kostet.
  4. Über Geld redenWer zu Hause weniger verdient, sollte den Ausgleich verhandeln. Nicht aus Misstrauen, sondern aus Rechnung.

Zum Rechnen

Unser Rentenlückenrechner bildet Teilzeit, Kinder und Pausen ab – also genau die Dinge, die diese Lücke verursachen.

Rentenlückenrechner öffnen

Häufige Fragen

Wie groß ist der Gender Pension Gap in Deutschland?

Bezogen auf die gesamten Alterseinkünfte liegt er bei 24,2 Prozent. Bei den Altersrenten mit mindestens 35 Versicherungsjahren sind es 433 Euro im Monat, also rund 23 Prozent.

Gleichen Kindererziehungszeiten den Verlust aus?

Nein. Drei Jahre Rentenpunkte pro Kind sind viel wert, aber sie ersetzen nicht die Jahre in Teilzeit danach und nicht die langsamere Gehaltsentwicklung. Westdeutsche Mütter haben trotzdem rund 27 Prozent geringere Ansprüche als kinderlose Frauen.

Warum ist die Lücke in Ostdeutschland kleiner?

Weil dort deutlich mehr Frauen durchgehend in Vollzeit gearbeitet haben. Ostdeutsche Mütter haben im Schnitt sogar 20 Prozent höhere Ansprüche als kinderlose Frauen.

Was kostet mich ein Jahr Teilzeit konkret?

Bei 60 Prozent einer Vollzeitstelle sammelst du 0,6 statt 1,0 Rentenpunkte. Das sind rund 17 Euro monatliche Rente weniger – für jedes einzelne Jahr, dauerhaft.

Ist die Rente überhaupt noch sicher?

Das Niveau ist gesetzlich bis 2031 bei 48 Prozent gesichert. Was danach kommt, ist politisch offen. Sicher ist nur: Wer sich allein auf die gesetzliche Rente verlässt, hat für die eigene Planung zu wenig Spielraum.

Du willst wissen, wie dein eigener Abstand aussieht?

Wir rechnen ihn mit dir durch – mit deiner Renteninformation, deinen Arbeitszeiten und deiner Familienplanung. Ohne Produktverkauf im ersten Termin.

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Erst selbst rechnen

Quellen: Deutsche Rentenversicherung, Rentenatlas 2025, Statistisches Bundesamt zur Rente, Statistisches Bundesamt zum Gender Pay Gap 2025, Statistisches Bundesamt zu Teilzeit bei Eltern, DIW Wochenbericht 12/2025, Statistisches Bundesamt zum Gender Care Gap, BMAS zum Rentenpaket 2025, Rentenanpassung 2026. Zuletzt geprüft am 20.09.2026.

Dieser Beitrag vermittelt allgemeines Finanzwissen über das gesetzliche Rentensystem. Er ist keine persönliche Anlageempfehlung und keine Rentenberatung.

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