Du willst dich selbstständig machen. Ab dem ersten Tag bist du dein eigener Arbeitgeber. Das heißt: Du kümmerst dich selbst um Steuern, Kranken- und Rentenversicherung.
Das klingt nach viel. In der richtigen Reihenfolge ist es gut zu schaffen.
Hier siehst du, was du vor dem Start klärst, was danach kommt und wo die teuren Fehler lauern.
Betrifft dich, wenn du dich selbstständig machen willst du aus der Anstellung gehst du dein Geld neu ordnen willst
Das Wichtigste in Kürze
- Melde deine Tätigkeit an. Gewerbe beim Gewerbeamt, freie Berufe beim Finanzamt.
- Das Finanzamt schickt dir den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. Fülle ihn zeitnah aus.
- Die Krankenversicherung muss ab dem ersten Tag stehen.
- Prüfe, ob du rentenversicherungspflichtig bist. Das betrifft auch Yogalehrerinnen und Coaches.
- Lege Geld für Steuern zurück. Das ist nicht dein Geld.
- Plane eine größere Rücklage als in der Anstellung.
Inhalt
- Beispiel: So startet Lisa
- Schritt 1: Tätigkeit anmelden
- Schritt 2: Umsatzsteuer und Kleinunternehmerregel
- Schritt 3: Krankenversicherung klären
- Schritt 4: Rentenversicherung prüfen
- Schritt 5: Geld für Steuern zurücklegen
- Schritt 6: Die Rücklage planen
- Welche Werte gelten 2026 und 2027?
- Welche Absicherung passt dazu?
- Was tust du, je nachdem, was du findest?
- Was als Nächstes zählt
- Häufig gestellte Fragen
Beispiel: So startet Lisa
Lisa Logisch ist unsere Beispielperson. Sie ist erfunden, ihr Verlauf ist alltagsecht.
Lisa arbeitet als Texterin in einer Agentur. Sie kündigt und startet allein. Im ersten Monat stellt sie 3.000 Euro in Rechnung.
Dieses Geld ist noch nicht ihr Gehalt. Davon gehen Steuern, Krankenversicherung, Rente und Betriebsausgaben ab. Was übrig bleibt, ist ihr Einkommen.
Lisa legt deshalb vor dem ersten Rechnungstermin ein eigenes Konto für Steuern an. Und sie klärt ihre Absicherung, bevor sie das erste Angebot schreibt.
Schritt 1: Tätigkeit anmelden
Gewerbetreibende melden ihr Gewerbe beim Gewerbeamt an. Freiberuflerinnen wie Texterinnen, Beraterinnen oder Designerinnen melden sich direkt beim Finanzamt.
Danach schickt dir das Finanzamt den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. Dort gibst du deinen erwarteten Gewinn an. Schätze ehrlich. Davon hängen deine Vorauszahlungen ab.
Ob du Freiberuflerin oder Gewerbetreibende bist, entscheidet das Finanzamt. Das ist wichtig für Gewerbesteuer und Buchführung.
Melde dich außerdem kurz nach dem Start bei der Berufsgenossenschaft. Die gesetzliche Unfallversicherung für Unternehmen ist in vielen Fällen Pflicht. Bei Gewerbe leitet das Amt die Daten oft weiter. Frag nach, ob das bei dir so ist.
Schritt 2: Umsatzsteuer und Kleinunternehmerregel
Als Kleinunternehmerin darfst du auf Rechnungen keine Umsatzsteuer ausweisen. Das spart Aufwand. Die Grenzen sind 25.000 Euro Umsatz im Vorjahr und 100.000 Euro im laufenden Jahr.
Das hat zwei Seiten. Du holst dir keine Vorsteuer zurück. Und Geschäftskundinnen können dir mit Umsatzsteuer manchmal besser zahlen. Rechne beides durch, bevor du dich entscheidest.
Schritt 3: Krankenversicherung klären
Mit dem Start endet oft deine Pflichtversicherung als Angestellte. Du bist danach freiwillig gesetzlich oder privat versichert. Eine Lücke darfst du nicht lassen.
Für freiwillig Versicherte richtet sich der Beitrag nach deinem Einkommen. Es gibt eine Untergrenze, die auch gilt, wenn du wenig verdienst. Plane sie fest ein.
Wichtig: In der freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung gibt es für Selbstständige in der Regel kein Krankengeld. Du brauchst dafür einen Wahltarif oder ein privates Krankentagegeld.
Ob gesetzlich oder privat besser passt, hängt von Alter, Familie und Einkommen ab. Lass dich nicht allein vom Preis leiten. Mehr dazu im Beitrag Krankenversicherung für Selbständige.
Schritt 4: Rentenversicherung prüfen
Viele Selbstständige sind rentenversicherungspflichtig, ohne es zu wissen. Dazu zählen Lehrende wie Yogalehrerinnen, Nachhilfelehrerinnen oder Coaches, Hebammen und Personen mit nur einem Auftraggeber.
Bist du pflichtversichert, zahlst du den Beitrag allein. Eine Nachforderung reicht vier Jahre zurück. Bei Vorsatz bis zu dreißig.
Das Wichtigste dazu steht im Beitrag Die Rentenfalle für Selbstständige. Dort findest du auch die Künstlersozialkasse und die Frage nach Rürup.
Schritt 5: Geld für Steuern zurücklegen
Auf deinem Konto landet der Rechnungsbetrag. Die Einkommensteuer wird später fällig, oft mit Vorauszahlungen. Wer das Geld ausgibt, hat im Herbst ein Problem.
Lege nach jeder Zahlung einen festen Anteil auf ein eigenes Steuerkonto. Nach dem ersten Jahresabschluss setzt das Finanzamt oft Vorauszahlungen fest. Dann werden mehrere Beträge auf einmal fällig. Als grobe Faustregel hört man oft rund 30 Prozent. Wie viel es bei dir ist, hängt von deinem Gewinn ab. Frag dazu eine Steuerberaterin.
Das passt zum Kontenmodell. Das Geschäftskonto bekommt zusätzlich ein Unterkonto für Steuern.
Schritt 6: Die Rücklage planen
Als Selbstständige hast du kein festes Gehalt. Es gibt gute und schlechte Monate. Deine Rücklage fängt das auf.
Dein Puffer für diese Phase
7.500 bis 30.000 Euro
Das sind drei bis zwölf Nettogehälter, bei Lisa 7.500 bis 30.000 Euro. Wer selbstständig ist, plant eher am oberen Ende. Die Rücklage bleibt getrennt vom Alltag.
Rechne außerdem fest mit Monaten, in denen weniger reinkommt. Ein Budget hilft dir dabei. Der Budgetplaner zeigt dir, wie.
Welche Werte gelten 2026 und 2027?
Alle Angaben stehen mit Stand Oktober 2026.
| Was | 2026 | 2027, kann sich noch ändern |
|---|---|---|
| Kleinunternehmer: Umsatz Vorjahr | bis 25.000 Euro | unverändert |
| Kleinunternehmer: Umsatz laufendes Jahr | bis 100.000 Euro | unverändert |
| Einlagensicherung je Person und Bank | 100.000 Euro | unverändert |
| Rücklage als Richtwert | drei bis zwölf Nettogehälter | unverändert |
Welche Absicherung passt dazu?
- Berufsunfähigkeitsversicherung: Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente ersetzt sie nicht. Sie fragt nicht nach deinem Beruf.
- Berufshaftpflicht: Sie schützt dich, wenn ein Kunde dir einen Fehler in der Arbeit vorwirft.
- Betriebshaftpflicht: Sie schützt, wenn bei deiner Tätigkeit ein Schaden entsteht.
- Krankentagegeld: Als Selbstständige hast du keine Lohnfortzahlung. Fällst du aus, fehlt dein Einkommen.
- Gesetzliche Unfallversicherung über die Berufsgenossenschaft: In vielen Fällen Pflicht. Melde dich kurz nach dem Start.
- Absicherung für Selbständige: Hier siehst du, was Pflicht ist und was zählt.
Was tust du, je nachdem, was du findest?
- Du startest in den nächsten Wochen: Melde die Tätigkeit an, klär die Krankenversicherung und lege ein Steuerkonto an.
- Du bist schon selbstständig, aber unsicher bei der Rente: Prüfe die Rentenversicherungspflicht und melde dich selbst, bevor die Rentenversicherung es tut.
- Du hast keine Rücklage: Starte mit einem festen Betrag pro Zahlung. Dein Ziel sind drei Nettogehälter.
- Du hast Kinder oder planst welche: Prüfe Krankentagegeld, Berufsunfähigkeit und Kindererziehungszeiten. Das sind die größten Lücken.
Was als Nächstes zählt
Nimm dir diese Woche eine Stunde. Melde die Tätigkeit an und kläre die Krankenversicherung. Das sind die zwei Dinge, die nicht warten können.
Danach kommt die Rente. Lies dazu die Rentenfalle für Selbstständige.
Lass uns gemeinsam klären, was du zum Start brauchst.
Die Prüfung ist unabhängig davon, ob am Ende ein neuer Vertrag steht. Oft ist der alte Vertrag mit Lücken besser als ein neuer mit neuen Gesundheitsfragen.
Beratung durch die FemininFinance GmbH & Co. KG, Versicherungsmaklerin nach § 34d Abs. 1 GewO, Register-Nr. D-TAJS-4I8JO-48, und ihre Kooperationspartner:innen mit eigener Erlaubnis und eigener Registrierung bei der IHK.
Häufig gestellte Fragen
Ja. Freiberuflerinnen melden sich direkt beim Finanzamt. Gewerbetreibende melden zuerst beim Gewerbeamt an. Das Finanzamt schickt danach den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung.
Freie Berufe sind zum Beispiel Beratende, Texterinnen oder Designerinnen. Sie zahlen keine Gewerbesteuer. Ob deine Tätigkeit dazugehört, entscheidet das Finanzamt.
Du darfst sie nutzen, wenn dein Umsatz im Vorjahr bis 25.000 Euro lag und im laufenden Jahr unter 100.000 Euro bleibt. Du weist dann keine Umsatzsteuer aus.
Das kann sein. Das betrifft zum Beispiel Lehrende, Hebammen und Menschen mit nur einem Auftraggeber. Prüfe es früh. Das Wichtigste steht im Beitrag zur Rentenfalle.
Die gesetzliche Unfallversicherung für Unternehmen ist in vielen Fällen Pflicht, auch für Freiberuflerinnen in manchen Berufen. Frag bei der zuständigen Berufsgenossenschaft nach und melde dich kurz nach dem Start.
Als Richtwert gelten drei bis zwölf Nettogehälter. Wer selbstständig ist, plant eher am oberen Ende.
Sie ist freiwillig, aber oft sinnvoll. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente ersetzt sie nicht, weil sie nicht nach deinem Beruf fragt.
Quellen: gesetze-im-internet.de: § 19 UStG Besteuerung der Kleinunternehmer, Stand Oktober 2026, geprüft am 07.10.2026 · gesetze-im-internet.de: § 2 SGB VI Selbständig Tätige, Stand Oktober 2026, geprüft am 07.10.2026 · gesetze-im-internet.de: § 138 AO Anzeigepflicht, Stand Oktober 2026, geprüft am 07.10.2026 · gesetze-im-internet.de: § 8 EinSiG Umfang der Entschädigung, Stand Oktober 2026, geprüft am 07.10.2026
Was sich geändert hat: 07.10.2026 – erste Fassung.
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Tipps unter Fachkolleg:innen: Selbstständigkeit
Für Versicherungsvermittlerinnen und -vermittler, Finanzberaterinnen und -berater mit IHK-Registrierung
- Frag zuerst nach Krankenversicherung, Rente und Rücklage, nicht nach Produkten.
- Prüfe die Rentenversicherungspflicht früh. Die Nachforderung ist der häufigste teure Fehler.
- Weise auf fehlende Lohnfortzahlung hin. Krankentagegeld ist für viele die größte Lücke.
- Trenne Privat- und Geschäftsgeld von Anfang an.
