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Titelbild zur anonymen Risikovoranfrage: ein Fragebogen ohne Namen unter einer Lupe und drei Rückmeldekarten, eine davon mit goldenem Häkchen.

Anonyme Risikovoranfrage: Ablauf, Unterlagen, HIS

Samira HarkatSamira HarkatStand: 7. Oktober 2026

Mit einer anonymen Risikovoranfrage erfährst du, ob und zu welchen Bedingungen dich ein Versicherer nehmen würde, bevor du einen Antrag mit deinem Namen stellst. Sie ist der Probelauf vor dem echten Antrag. Er kostet dich nichts, verpflichtet dich zu nichts und hinterlässt keine Spur.

Das klingt nach Formalie. Es ist aber oft der Moment, der über deinen Schutz für die nächsten dreißig Jahre entscheidet. Ein Rückenleiden, eine Psychotherapie, eine Diagnose, an die du dich gar nicht erinnerst: Jeder Versicherer bewertet so etwas anders. Wer direkt einen Antrag stellt und abgelehnt wird, trägt diese Ablehnung in jeden weiteren Antrag mit.

Hier liest du, wie die Voranfrage abläuft, welche Unterlagen du brauchst, warum deine Patientenakte und die Abrechnungsdiagnosen deiner Krankenkasse so wichtig sind, was es mit dem Hinweis- und Informationssystem der Versicherer auf sich hat und welche Ergebnisse möglich sind.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Bei der anonymen Risikovoranfrage prüfen mehrere Versicherer deine Gesundheits- und Berufsangaben ohne Namen und Anschrift. Du bekommst eine Einschätzung, keinen Vertrag.
  • Mögliche Ergebnisse sind normale Annahme, Annahme mit Zuschlag, Annahme mit Ausschluss, Zurückstellung oder Ablehnung. Dieselben Angaben können bei verschiedenen Versicherern sehr unterschiedlich ausgehen.
  • Einen abgelehnten echten Antrag musst du in späteren Anträgen meist angeben. In der Lebens- und Berufsunfähigkeitsversicherung kann er zudem zu einem Eintrag im Hinweis- und Informationssystem HIS führen. Die Voranfrage vermeidet beides.
  • Grundlage sind deine echten Unterlagen: Patientenakten deiner Ärztinnen und Ärzte und die Auskunft deiner Krankenkasse mit den abgerechneten Diagnosen.
  • Üblich ist sie bei Berufsunfähigkeit, Risikoleben, privater Krankenversicherung und allen Verträgen mit ausführlichen Gesundheitsfragen.
Inhalt
  1. Was ist eine anonyme Risikovoranfrage?
  2. Was passiert, wenn du ohne Voranfrage direkt einen Antrag stellst?
  3. Was das Hinweis- und Informationssystem HIS der Versicherer speichert
  4. Welche Unterlagen du für die Risikovoranfrage brauchst
  5. Abrechnungsdiagnosen lesen und falsche Einträge klären
  6. So läuft eine anonyme Risikovoranfrage Schritt für Schritt ab
  7. Welche Ergebnisse die Versicherer zurückmelden
  8. Vom Votum zum echten Antrag und was im Leistungsfall zählt
  9. Für welche Versicherungen die Voranfrage üblich ist
  10. Was die Risikovoranfrage kostet
  11. Was bei der anonymen Risikovoranfrage als Nächstes zählt
  12. Häufig gestellte Fragen

Was ist eine anonyme Risikovoranfrage?

Die kurze Antwort: Eine anonyme Risikovoranfrage ist eine unverbindliche Anfrage bei einem oder mehreren Versicherern, ob sie dich mit deiner Gesundheit, deinem Beruf und deinen Hobbys versichern würden. Name und Anschrift fehlen dabei. Der Versicherer sieht nur, was er zur Bewertung braucht: Geburtsdatum, Beruf, gewünschte Absicherung und deine Angaben zur Gesundheit.

Geprüft wird sie von der Risikoprüfung, der Abteilung beim Versicherer, die über Anträge entscheidet. Risikoprüferinnen und Risikoprüfer arbeiten mit Annahmerichtlinien und statistischen Erfahrungswerten. Sie sagen nichts darüber, wie es dir in zehn Jahren geht. Sie schätzen nur ein, wie hoch das Risiko für den Versicherer im Schnitt ist.

Ihre Antwort heißt Votum. Das ist die Einschätzung, zu welchen Bedingungen ein Antrag angenommen würde. Ein Votum ist noch kein Vertrag. Es wird erst verbindlich, wenn du danach einen echten Antrag mit denselben Angaben stellst.

Abzugrenzen ist die Voranfrage von drei ähnlichen Wegen. Der Direktantrag geht sofort mit Namen an einen Versicherer. Ein Probeantrag ist ein echter Antrag, den du nach dem Ergebnis nicht annehmen musst, er läuft aber mit deinem Namen. Und viele Versicherer bieten digitale Sofortprüfungen an, die einfache Fälle in Minuten bewerten. Bei mehreren oder älteren Diagnosen bringen sie oft kein klares Ergebnis.

Gestellt wird die Voranfrage in der Praxis über Maklerinnen und Makler, Versicherungsberaterinnen und Versicherungsberater oder spezialisierte Dienstleister. Der Grund ist schlicht: Sie können dieselbe Anfrage parallel an viele Gesellschaften schicken und kennen deren Annahmepraxis. Die Verbraucherzentrale empfiehlt die anonyme Voranfrage ausdrücklich für Menschen mit Vorerkrankungen, Stand Januar 2025.

Was passiert, wenn du ohne Voranfrage direkt einen Antrag stellst?

Ohne Voranfrage stellst du einen echten Antrag, und der Versicherer entscheidet über dich mit Namen. Einen staatlichen Ersatz gibt es nicht. Kein Gesetz zwingt einen Lebens- oder Berufsunfähigkeitsversicherer, dich zu nehmen. Eine Ausnahme ist der Basistarif in der privaten Krankenversicherung, für den Annahmezwang gilt.

Geht der Direktantrag gut, ist alles in Ordnung. Wird er abgelehnt oder nur mit Zuschlag oder Ausschluss angenommen, hat das Folgen über diesen einen Versicherer hinaus. Fast jeder Antrag fragt: Wurde schon einmal ein Antrag auf eine solche Versicherung abgelehnt, zurückgestellt oder nur zu erschwerten Bedingungen angenommen? Diese Frage musst du wahrheitsgemäß mit Ja beantworten. Der nächste Versicherer schaut dann besonders genau hin.

Dazu kommt das Gesetz. Nach § 19 Versicherungsvertragsgesetz, kurz VVG, musst du alle dir bekannten Umstände angeben, nach denen der Versicherer in Textform fragt. Stellt er nach deiner Unterschrift, aber vor der Annahme noch Nachfragen, gilt die Pflicht auch für diese. Das ist die vorvertragliche Anzeigepflicht. Ein Fehler in einem schnell ausgefüllten Direktantrag lässt sich später kaum reparieren. Mehr dazu steht auf unserer Seite zu Gesundheitsfragen und vorvertraglicher Anzeigepflicht.

Verletzt du die Anzeigepflicht, darf der Versicherer je nach Verschulden zurücktreten, kündigen oder den Vertrag rückwirkend anpassen, etwa mit Zuschlag oder Ausschluss. Er muss das innerhalb eines Monats tun, nachdem er davon erfahren hat. Seine Rechte erlöschen nach fünf Jahren ab Vertragsschluss, bei Vorsatz oder Arglist nach zehn Jahren, so § 21 VVG, Stand Oktober 2026. Wer arglistig getäuscht hat, riskiert zudem die Anfechtung nach § 22 VVG.

Was das Hinweis- und Informationssystem HIS der Versicherer speichert

Das HIS ist eine zentrale Auskunftsdatei der deutschen Versicherer. Ein Dienstleister betreibt sie im Auftrag der Branche, die Regeln dazu hat der Gesamtverband der Versicherer GDV veröffentlicht. Das HIS soll vor allem Versicherungsbetrug erschweren und Risiken sichtbar machen, die ein Versicherer sonst nicht erkennen könnte.

Lebens- und Berufsunfähigkeitsversicherer melden laut GDV Personen mit erhöhtem Risiko an das HIS, etwa wegen eines riskanten Berufs oder wegen Vorerkrankungen. Das betrifft Anträge, die abgelehnt oder nur zu erschwerten Bedingungen angenommen werden. Gespeichert wird nur, dass es eine Besonderheit gab. Die Krankheit oder der Beruf stehen nicht drin. Gesundheitsdaten werden dort nicht abgelegt, Stand Oktober 2025.

Ein HIS-Eintrag ist keine schwarze Liste. Er führt laut GDV nicht automatisch zu einer Ablehnung. Er bedeutet aber, dass der nächste Versicherer bei einem Antrag den Hinweis sieht und genauer nachfragt. Für dich heißt das: mehr Prüfung, mehr Zeit, schwächere Ausgangslage.

Die Daten werden regulär vier Jahre gespeichert, höchstens zehn Jahre. In der Sparte Leben werden Daten zu Verträgen, die nicht zustande gekommen sind, am Ende des dritten Jahres nach der ersten Speicherung gelöscht. Rechtsgrundlage ist das berechtigte Interesse nach Art. 6 Abs. 1 Buchstabe f der Datenschutz-Grundverordnung DSGVO, Stand Oktober 2025.

Die private Krankenversicherung nimmt am HIS nicht teil. Für Zahnzusatz, Krankentagegeld oder private Vollversicherung spielt das HIS also keine Rolle. Die Frage nach früheren Ablehnungen im nächsten Antrag bleibt aber auch dort. Deshalb lohnt die Voranfrage auch in der Krankenversicherung.

Ob über dich etwas gespeichert ist, kannst du selbst prüfen. Nach Art. 15 DSGVO hast du ein Recht auf Selbstauskunft. Du stellst sie online oder schriftlich beim Betreiber des HIS und erfährst, ob, von wem und wann du gemeldet wurdest. Eine Antwort muss nach Art. 12 DSGVO in der Regel innerhalb eines Monats kommen.

Welche Unterlagen du für die Risikovoranfrage brauchst

Du brauchst die Unterlagen, die zeigen, was über dich dokumentiert ist. Nicht das, was du erinnerst. Denn im Leistungsfall prüft der Versicherer genau diese Dokumente und vergleicht sie mit deinem Antrag. Gefragt wird je nach Thema nach den letzten drei bis zehn Jahren, bei stationären Aufenthalten oft länger als bei Arztbesuchen.

Die Auskunft deiner Krankenkasse und die Patientenquittung

Am wichtigsten ist die Versichertenauskunft deiner Krankenkasse. Nach § 305 Abs. 1 SGB V muss sie dich auf Antrag über die Leistungen informieren, die du in Anspruch genommen hast. In der Praxis enthält die Auskunft die Diagnosen, die deine Ärztinnen und Ärzte abgerechnet haben, mit ICD-Code und Quartal. Du beantragst sie formlos oder über die App deiner Kasse.

Die Patientenquittung im engeren Sinn ist etwas anderes. Nach § 305 Abs. 2 SGB V müssen Praxen, Zahnarztpraxen und Krankenhäuser dir auf Verlangen sagen, welche Leistungen sie zu Lasten der Kasse erbracht haben und was diese vorläufig kosten. Das geht direkt nach der Behandlung oder gesammelt bis vier Wochen nach Quartalsende. Für die schriftliche Quartalsquittung zahlst du 1 Euro plus Porto, Stand Oktober 2026. Im Alltag nennen viele auch die Kassenauskunft Patientenquittung.

Seit 2025 geht es oft schneller über die elektronische Patientenakte, kurz ePA. Die ePA für alle startete am 15. Januar 2025 in Modellregionen und am 29. April 2025 bundesweit. Seit 1. Oktober 2025 müssen Praxen sie nutzen. Die Krankenkassen stellen laut Verband der Ersatzkassen die Diagnosen und Medikamente aus der Abrechnung mit etwas Verzögerung automatisch ein, die Kosten der Behandlung aber nicht. Du siehst sie in der App deiner Kasse, Stand April 2026. Wer der ePA widersprochen hat, nutzt den Weg über die schriftliche Auskunft.

Die Patientenakten deiner Ärztinnen und Ärzte

Die Kassenauskunft zeigt Codes, aber keine Verläufe. Für Diagnosen, die eine Rolle spielen, brauchst du die Patientenakte der Praxis: Befunde, Behandlungen, Arztbriefe. Nach § 630g BGB darfst du sie einsehen und Kopien verlangen. Die erste Kopie ist kostenlos. Das hat der Europäische Gerichtshof am 26. Oktober 2023 entschieden, Aktenzeichen C-307/22, gestützt auf Art. 15 Abs. 3 DSGVO.

Die Praxis muss in der Regel innerhalb eines Monats antworten. Praxen bewahren Akten mindestens zehn Jahre nach Ende der Behandlung auf, so § 630f Abs. 3 BGB. Ältere Unterlagen können fehlen, wenn eine Praxis geschlossen hat. Dann hilft oft die zuständige Ärztekammer bei der Suche.

Dazu kommen je nach Fall Entlassungsberichte aus Klinik oder Reha, Therapieberichte, Medikamentenpläne, bei höheren Renten auch ein Einkommensnachweis. Für die anonyme Anfrage werden Name, Anschrift und Versichertennummer auf allen Kopien geschwärzt.

Abrechnungsdiagnosen lesen und falsche Einträge klären

Abrechnungsdiagnosen sind die Diagnosen, die eine Praxis an die Krankenkasse meldet, damit sie ihre Leistung abrechnen kann. Sie stehen als Code nach der internationalen Klassifikation ICD-10. Der Buchstabe am Anfang verrät das Gebiet, F steht zum Beispiel für psychische Diagnosen, M für Muskeln und Skelett.

Hinter dem Code steht ein Zusatzkennzeichen für die Sicherheit der Diagnose. G heißt gesichert, V Verdacht, Z Zustand nach, also abgeheilt, aber dokumentiert, A ausgeschlossen. Nur A ist in der Regel nicht angabepflichtig. Auch Verdachtsdiagnosen und Zustand-nach-Einträge fragen viele Versicherer ab.

Abrechnungsdaten sind kein Tagebuch deiner Gesundheit. Sie folgen der Logik der Abrechnung. Eine Diagnose wird manchmal Quartal für Quartal weitergeführt, obwohl sie längst erledigt ist. Ein Gespräch über Stress landet als F-Code in der Akte. Das trifft Frauen oft, zum Beispiel bei Dauerdiagnosen aus der gynäkologischen Praxis.

Wichtig ist: Sobald du einen Eintrag kennst, musst du ihn bei passender Frage angeben. Wegschauen verletzt die Anzeigepflicht. Du kannst aber klarstellen. Eine kurze ärztliche Bescheinigung oder eine eigene Stellungnahme erklärt, was hinter dem Code steckt. Das reicht der Risikoprüfung oft.

Ist der Eintrag falsch, kannst du ihn berichtigen lassen. Die Praxis korrigiert ihre Akte, wobei nach § 630f Abs. 1 BGB der ursprüngliche Inhalt erkennbar bleiben muss. Bei der Krankenkasse stellst du einen Berichtigungsantrag mit ärztlichem Nachweis. Über ihn muss sie nach § 305 Abs. 1 SGB V innerhalb von vier Wochen entscheiden. Die Praxis erfährt davon nichts. Dazu kommt das Recht auf Berichtigung nach Art. 16 DSGVO.

Lisa Logisch ist unsere Beispielperson. Sie ist erfunden, ihr Verlauf ist alltagsecht. Lisa ist 31, Projektmanagerin, verdient 3.850 Euro brutto und 2.500 Euro netto im Monat. Stell dir vor: Lisa will mit ihrem Partner eine Wohnung kaufen, und beide wollen sich gegenseitig mit einer Risikolebensversicherung absichern. In ihrer Kassenauskunft findet sie zwei Einträge. M54.5 G, Kreuzschmerz, 2023 mit sechs Einheiten Physiotherapie. Und F43.2 G, Anpassungsstörung, aus einem Quartal 2024, als ein Projekt sie zwei Wochen aus der Bahn warf.

An die Physiotherapie erinnert sie sich. Den F-Code hatte sie nie gesehen. Sie holt sich die Akte ihrer Hausarztpraxis und eine Bescheinigung, dass nach drei Gesprächen keine Behandlung mehr nötig war. Erst mit diesen Unterlagen geht die Voranfrage raus.

So läuft eine anonyme Risikovoranfrage Schritt für Schritt ab

Die Voranfrage dauert vom ersten Gespräch bis zu den Voten meist einige Wochen. Den größten Teil davon brauchen die Unterlagen. Die Versicherer selbst antworten oft schneller, schwierige Fälle mit Rückfragen dauern länger.

1

Bedarf klären, bevor die Gesundheit auf den Tisch kommt

Zuerst steht fest, was du absichern willst und in welcher Höhe. Eine BU-Rente von 1.500 Euro wird anders geprüft als eine von 3.000 Euro. Auch Beruf, Tätigkeitsanteile am Schreibtisch, Personalverantwortung und Hobbys wie Klettern, Tauchen oder Kampfsport gehören in die Anfrage.

2

Unterlagen sammeln und in Ruhe lesen

Kassenauskunft, Patientenakten, Klinikberichte. Lies sie möglichst wertungsfrei. Abrechnungsdaten wirken oft dramatischer, als es dir ging. Die Bewertung kommt später, gemeinsam mit deiner Beraterin oder deinem Berater.

3

Den Fragebogen vollständig und genau ausfüllen

Der Fragebogen fragt nach Vorversicherungen, früheren Ablehnungen, Sonderrisiken und Gesundheit. Jede Ja-Antwort braucht fünf Angaben: die Diagnose so, wie sie in der Akte steht, den Zeitraum mit Monat und Jahr, die Behandlung, die Dauer samt Krankschreibungen und den heutigen Stand. Nicht „Rücken“, sondern „Bandscheibenvorfall L5/S1, September 2022, zehn Einheiten Physiotherapie, zwei Wochen krankgeschrieben, seit Oktober 2022 beschwerdefrei“.

4

Anonymisieren und an passende Versicherer schicken

Die Anfrage geht ohne Namen und Anschrift an mehrere Gesellschaften. Gut vorbereitet heißt: die Diagnosen sauber beschrieben, Atteste beigelegt, Versicherer ausgewählt, die bei diesem Krankheitsbild erfahrungsgemäß offen sind. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass dieselbe Person bei einem Versicherer normal, beim nächsten mit Zuschlag und beim dritten gar nicht angenommen werden kann.

5

Voten vergleichen, nachverhandeln und erst dann entscheiden

Die Voten kommen zurück und werden verglichen, nicht nur nach Beitrag, sondern nach Bedingungen. Ein Ausschluss lässt sich manchmal mit einem aktuellen Befund abschwächen oder zeitlich begrenzen. Erst wenn du weißt, wo du stehst, stellst du einen echten Antrag, und zwar nur bei einem Versicherer.

Für Lisa bedeutet das: Ihre Voranfrage für die Risikolebensversicherung geht an mehrere Gesellschaften. Weil der F-Code mit Bescheinigung erklärt ist und der Rücken seit 2023 ruhig ist, sind normale Annahmen gut möglich. Ohne Bescheinigung hätte derselbe Code vielleicht Rückfragen oder einen Zuschlag ausgelöst.

Welche Ergebnisse die Versicherer zurückmelden

Ein Versicherer kann auf fünf Arten antworten. Welche Antwort kommt, hängt von seinen Annahmerichtlinien ab, nicht von einem einheitlichen Maßstab. Darum lohnt der Vergleich mehrerer Voten.

VotumWas es bedeutetWorauf du achtest
Annahme zu normalen BedingungenVoller Schutz zum regulären BeitragBestes Ergebnis. Antrag mit identischen Angaben stellen.
Annahme mit RisikozuschlagVoller Schutz, aber ein höherer Beitrag. Die Höhe legt jeder Versicherer selbst fest.Fragen, ob der Zuschlag später auf Antrag überprüft werden kann
Annahme mit LeistungsausschlussEine Erkrankung oder ein Körperteil ist vom Schutz ausgenommenWie weit der Ausschluss formuliert ist. „Wirbelsäule“ ist viel breiter als „Bandscheibe L5/S1“.
ZurückstellungJetzt keine Entscheidung, etwa weil eine Behandlung läuft oder erst kurz zurückliegtNach der genannten Frist, oft einige Monate, neu anfragen
AblehnungDieser Versicherer bietet keinen Schutz anBei anonymer Anfrage ohne Folgen. Andere Versicherer oder andere Produkte prüfen.

Ein Zuschlag ist nicht immer schlechter als ein Ausschluss. Bei einer Diagnose, die gerade die häufigsten Ursachen einer Berufsunfähigkeit betrifft, etwa Psyche oder Rücken, kann ein Zuschlag der bessere Weg sein. Denn ein breiter Ausschluss nimmt genau das Risiko heraus, gegen das du dich versichern willst.

Manche Verträge erlauben, dass ein Ausschluss oder Zuschlag nach einigen beschwerdefreien Jahren auf Antrag überprüft wird. Eine Pflicht dazu gibt es nicht. Frag danach, bevor du unterschreibst.

Vom Votum zum echten Antrag und was im Leistungsfall zählt

Ein Votum hilft dir nur, wenn der echte Antrag genau dieselben Angaben enthält. Weicht der Antrag ab, ist das Votum hinfällig. Darum wird der Antrag direkt aus den Unterlagen der Voranfrage ausgefüllt, mit denselben Formulierungen und denselben Attesten. Hat sich seitdem etwas geändert, eine neue Diagnose, ein neuer Arztbesuch, gehört das in den Antrag.

Ein Votum gilt in der Regel nur befristet. Wie lange, nennt der Versicherer im Votum selbst. Lass zwischen Votum und Antrag darum nicht viel Zeit verstreichen.

Mit dem Antrag gibst du meist eine Schweigepflichtentbindung ab. Nach § 213 VVG darf der Versicherer Gesundheitsdaten bei Ärztinnen und Ärzten, Kliniken oder Pflegeeinrichtungen nur mit deiner Einwilligung erheben. Er muss dich vorher informieren, und du kannst verlangen, dass jede Abfrage einzeln von dir freigegeben wird. Gesundheitsdaten sind nach Art. 9 DSGVO besonders geschützt.

Der Leistungsfall ist der Grund, warum die Sorgfalt so wichtig ist. Beantragst du eine BU-Rente, fordert der Versicherer Akten an und vergleicht sie mit dem Antrag. Fehlt dort eine Diagnose, nach der gefragt war, prüft er Rücktritt oder Anpassung. Tritt er nach dem Versicherungsfall zurück, muss er nach § 21 Abs. 2 VVG trotzdem leisten, wenn der verschwiegene Umstand weder für den Eintritt noch für den Umfang der Leistung ursächlich war. Bei Arglist gilt das nicht.

Eine sorgfältige Voranfrage ist deshalb auch ein Beleg. Sie zeigt, welche Unterlagen vorlagen und wie jede Diagnose beschrieben wurde. Bewahre den Fragebogen, die Voten und alle Atteste zusammen mit deiner Police auf.

Samira Harkat, Versicherungsmaklerin

Samiras Blick

Samira Harkat

„Gesundheitsfragen werden oft im Termin beim Abschluss ausgefüllt und gleich unterschrieben. Im Leistungsfall droht dann Leistungsfreiheit, also 0 Euro.“

Das betrifft auch Verträge, die du schon hast. Lisa hat ihre Berufsunfähigkeitsversicherung 2019 mit 24 abgeschlossen, mit 1.500 Euro Monatsrente. Wurden die Gesundheitsfragen damals schnell ausgefüllt, lohnt jetzt ein Abgleich mit ihrer Kassenauskunft. Seit Vertragsschluss sind mehr als fünf Jahre vergangen. Die Rechte des Versicherers sind deshalb nach § 21 Abs. 3 VVG erloschen, außer bei Vorsatz oder Arglist. Dann gilt die Frist von zehn Jahren.

Will Lisa ihre BU-Rente wegen des Wohnungskaufs erhöhen, braucht sie dafür oft gar keine neue Gesundheitsprüfung. Viele Verträge haben eine Nachversicherungsgarantie, die bei Ereignissen wie Heirat, Geburt eines Kindes oder Immobilienkauf eine Erhöhung ohne neue Gesundheitsfragen erlaubt, meist innerhalb einer Frist von wenigen Monaten. Was genau gilt, steht in ihren Bedingungen. Mehr dazu auf der Seite zur Berufsunfähigkeitsversicherung.

Für welche Versicherungen die Voranfrage üblich ist

Üblich ist die Voranfrage überall dort, wo ausführliche Gesundheitsfragen gestellt werden und eine Ablehnung dich lange begleitet. Das sind vor allem Verträge, die deine Arbeitskraft, dein Leben oder deine Gesundheitskosten über Jahrzehnte absichern.

VersicherungGesundheitsprüfungMeldung an das HIS möglichVoranfrage
Berufsunfähigkeit, DienstunfähigkeitSehr ausführlichJaStandard bei jeder Vorerkrankung
RisikolebensversicherungAusführlich, stark abhängig von der SummeJaÜblich bei Vorerkrankungen
Grundfähigkeit, Erwerbsunfähigkeit, schwere KrankheitenAusführlichJaÜblich, oft als Ausweichweg nach BU-Ablehnung
Private KrankenvollversicherungSehr ausführlichNein, die PKV nimmt nicht teilStandard, weil der Vertrag lebenslang läuft
Krankentagegeld, Pflegezusatz, ZahnzusatzKurz bis mittelNeinBei Vorerkrankungen sinnvoll
Private UnfallversicherungMeist wenige FragenJaSelten nötig

Einige Gruppen haben Besonderheiten. Für Beamtinnen und Beamte gibt es in der privaten Krankenversicherung die Öffnungsaktion. Innerhalb der ersten sechs Monate nach der ersten Verbeamtung darf ein teilnehmender Versicherer sie wegen Vorerkrankungen nicht ablehnen und keine Leistungen ausschließen. Ein Zuschlag ist auf höchstens 30 Prozent des Tarifbeitrags begrenzt, laut PKV-Verband, Stand September 2022. Bei kleineren Vorerkrankungen kann eine normale Voranfrage trotzdem günstiger sein. Beides zu vergleichen lohnt sich.

Selbständige fragen für die Berufsunfähigkeit oft nicht nur nach der Gesundheit an, sondern auch nach der Einordnung ihres Berufs. Hausfrauen und Hausmänner, Studierende und Menschen in Elternzeit oder Sabbatical bekommen häufig nur begrenzte Renten. Auch das klärt die Voranfrage gleich mit, zusammen mit der finanziellen Angemessenheit, also der Frage, wie hoch die Rente im Verhältnis zum Einkommen sein darf.

Bei Kindern, Auszubildenden und Studierenden lohnt die Voranfrage genauso. Gerade junge Menschen haben oft Einträge zu Allergien, Asthma, ADHS oder Psychotherapie in der Schulzeit, die sie selbst nicht mehr auf dem Schirm haben.

Was die Risikovoranfrage kostet

Bei Maklerinnen und Maklern ist die Voranfrage für dich in der Regel kostenlos und unverbindlich. Sie werden über die Courtage bezahlt, wenn am Ende ein Vertrag zustande kommt. Versicherungsberaterinnen und Versicherungsberater arbeiten gegen Honorar, dann zahlst du die Vorbereitung direkt.

Kleine Kosten können bei den Unterlagen entstehen. Die erste Kopie deiner Patientenakte ist kostenlos, weitere Kopien dürfen etwas kosten. Die schriftliche Quartals-Patientenquittung der Praxis kostet 1 Euro plus Versand nach § 305 Abs. 2 SGB V, Stand Oktober 2026. Ärztliche Atteste und Befundberichte sind keine Kassenleistung. Die Praxis darf sie privat nach der Gebührenordnung abrechnen. Frag vorher nach dem Preis.

Teuer wird eher der Weg ohne Voranfrage. Ein Zuschlag von beispielsweise 20 Prozent auf einen Vertrag, der dreißig Jahre läuft, summiert sich. Ein unnötig breiter Ausschluss kann im Ernstfall die ganze Rente kosten.

Was bei der anonymen Risikovoranfrage als Nächstes zählt

Am Anfang steht nicht der Antrag, sondern der Blick in deine eigenen Daten. Die Kassenauskunft oder die ePA zeigen dir, was über dich abgerechnet wurde. Das ist keine Bewertung deiner Gesundheit, sondern eine Bestandsaufnahme. Manches davon wird dich überraschen. Das ist normal und lässt sich meistens klären.

Danach entscheidet die Sorgfalt. Eine Voranfrage, die Diagnosen genau beschreibt und Atteste mitliefert, bringt oft ein besseres Votum als eine knappe. Und ein Antrag, der genau auf dieser Grundlage steht, hält im Leistungsfall. Wenn du schon Verträge mit Gesundheitsfragen hast, lohnt derselbe Abgleich auch für sie.

Lass uns deine Risikovoranfrage gemeinsam vorbereiten.

Die Prüfung ist unabhängig davon, ob am Ende ein neuer Vertrag steht. Oft ist der alte Vertrag mit Lücken besser als ein neuer mit neuen Gesundheitsfragen.

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Beratung durch die FemininFinance GmbH & Co. KG, Versicherungsmaklerin nach § 34d Abs. 1 GewO, Register-Nr. D-TAJS-4I8JO-48, und ihre Kooperationspartner:innen mit eigener Erlaubnis und eigener Registrierung bei der IHK.

Häufig gestellte Fragen

Ich war vor drei Jahren wegen Burnout krankgeschrieben. Bekomme ich überhaupt eine BU?

Oft ja, aber nicht bei jedem Versicherer und nicht immer ohne Bedingungen. Psychische Diagnosen bewerten die Gesellschaften sehr unterschiedlich. Entscheidend sind Dauer, Behandlung und wie lange du schon stabil bist. Eine anonyme Voranfrage mit Therapiebericht zeigt, wer dich normal, mit Zuschlag oder mit Ausschluss nimmt, ohne dass eine Ablehnung an dir hängen bleibt.

In meiner Kassenauskunft steht eine Depression, die nie jemand mit mir besprochen hat. Was mache ich?

Nicht ignorieren. Sobald du den Eintrag kennst, musst du ihn bei passender Frage angeben. Hol dir die Akte der Praxis und bitte um eine kurze Bescheinigung, was tatsächlich behandelt wurde. Ist der Code falsch, kannst du ihn bei der Praxis und mit ärztlichem Nachweis bei der Krankenkasse berichtigen lassen. Für die Voranfrage reicht oft schon die Erklärung mit Attest.

Ich wurde letztes Jahr bei einer BU direkt abgelehnt. Bringt eine Voranfrage jetzt noch etwas?

Ja. Die frühere Ablehnung musst du in neuen Anträgen angeben, wenn danach gefragt wird, und sie kann im HIS vermerkt sein. Mit einer Voranfrage findest du trotzdem heraus, welche anderen Versicherer dich nehmen würden, ohne eine weitere Ablehnung zu riskieren. Eine HIS-Selbstauskunft zeigt dir, ob ein Eintrag besteht.

Ich gehe zweimal im Jahr zur Physiotherapie wegen Nackenverspannungen. Muss ich das angeben?

Wenn der Fragebogen nach Behandlungen im Bewegungsapparat oder nach Heilmitteln fragt, ja, auch ohne schwere Diagnose. In der Voranfrage beschreibst du genau, wann, wie viele Einheiten und dass du dazwischen beschwerdefrei bist. So eine klare Beschreibung führt oft zu einer normalen Annahme oder einem eng gefassten Ausschluss.

Ist die Voranfrage wirklich anonym?

Name, Anschrift und Versichertennummer werden nicht übermittelt und auf allen Unterlagen geschwärzt. Der Versicherer sieht Geburtsdatum, Beruf und Gesundheitsangaben, kann dich daraus aber nicht zuordnen. Deshalb entsteht aus einer Voranfrage kein Eintrag im HIS und keine Ablehnung, die du später angeben müsstest.

Ich habe eine Knie-OP in drei Monaten. Soll ich vorher noch anfragen?

Meist bringt das wenig. Bei einer geplanten Operation stellen viele Versicherer die Entscheidung zurück, bis die Behandlung abgeschlossen ist und ein Abschlussbericht vorliegt. Sinnvoll ist es, die Unterlagen jetzt zu sammeln und nach der Reha mit dem Bericht anzufragen. Die geplante OP musst du in einem Antrag in der Regel ohnehin angeben.

Wie lange gilt ein Votum aus der Voranfrage?

Das legt jeder Versicherer selbst fest und schreibt es ins Votum. Es gilt nur, solange deine Angaben unverändert stimmen. Kommt zwischen Votum und Antrag eine neue Diagnose oder Behandlung dazu, gehört sie in den Antrag, und der Versicherer prüft neu.

Quellen: GDV: Hinweis- und Informationssystem der deutschen Versicherer HIS, Stand 01.10.2025, geprüft am 07.10.2026 · Verbraucherzentrale: Berufsunfähigkeit: Wie Sie sich gegen Verlust des Einkommens absichern, Stand 02.01.2025, geprüft am 07.10.2026 · Versicherungsvertragsgesetz: §§ 19, 21, 22 und 213 VVG, geltende Fassung, geprüft am 07.10.2026 · Sozialgesetzbuch V: § 305 SGB V Auskünfte an Versicherte, geltende Fassung, geprüft am 07.10.2026 · Verband der Ersatzkassen: Fragen und Antworten zur elektronischen Patientenakte, Stand 28.04.2026, geprüft am 07.10.2026 · Deutsches Ärzteblatt: Wann Patienten Anspruch auf Kopie ihrer Akte haben, zum EuGH-Urteil C-307/22, Stand 10.04.2025, geprüft am 07.10.2026 · PKV-Verband: Merkblatt für Beamtenanfänger mit Vorerkrankungen, Stand September 2022, geprüft am 07.10.2026

Was sich geändert hat: 07.10.2026 – erste Fassung.

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