Handyversicherung und Berufsunfähigkeit auf derselben Liste. Beide wirken gleich wichtig. Dabei kostet das eine ein paar hundert Euro und das andere dein Einkommen.
Die drei Risikotypen helfen beim Sortieren: existenziell, lebensverändernd, Notfall. Hier lernst du, wie du jedes Risiko in einen Typ einordnest. Mit drei Fragen und Beispielen aus dem Alltag.
Betrifft dich, wenn du deine Finanzen ordnen willst, ins Berufsleben startest oder sich gerade dein Leben verändert, etwa durch eine Trennung.
Das Wichtigste in Kürze
- Existenziell ist ein Risiko, das dein Einkommen trifft. Zum Beispiel lange Krankheit oder Berufsunfähigkeit.
- Lebensverändernd ist ein Risiko, nach dem deine bisherige Geldordnung nicht mehr passt. Zum Beispiel Jobverlust oder Trennung.
- Ein Notfall kostet plötzlich Geld, ändert aber dein Leben nicht. Zum Beispiel eine kaputte Waschmaschine.
- Jeder Typ braucht ein anderes Werkzeug: Absicherung, einen Plan oder eine Rücklage.
- Ein Risiko kann den Typ wechseln. Ein kleiner Haftpflichtschaden ist ein Notfall. Ein schwerer Personenschaden kann dein ganzes Leben verändern.
So gehst du vor
- Liste schreiben. Schreib alles auf, was dir Sorgen macht. Auch die kleinen Dinge.
- Drei Fragen stellen. Trifft es mein Einkommen? Passt danach meine Geldordnung nicht mehr? Oder kostet es nur einmal Geld? Die erste passende Antwort bestimmt den Typ.
- Größe messen. Wie groß ein Risiko in Nettogehältern ist und ob du es absicherst, pufferst oder bewusst trägst, steht im Artikel Risiken absichern, puffern oder bewusst ignorieren.
- Verträge abgleichen. Welche Versicherung zu welchem Risiko gehört, zeigt der Überblick Welche Versicherungen brauche ich?.
Inhalt
Was sind die drei Risikotypen?
Die kurze Antwort: Ein Risiko trifft entweder dein Einkommen, deine Lebensordnung oder dein Konto. Danach richtet sich der Typ.
Existenzielle Risiken greifen dein Einkommen an. Du kannst nicht mehr so arbeiten wie heute. Dann fehlt Monat für Monat Geld.
Lebensverändernde Risiken greifen dein Lebensmodell an. Einkommen, Ausgaben oder Verantwortung verschieben sich. Deine bisherige Aufteilung passt nicht mehr.
Finanzielle Notfälle sind plötzliche Ausgaben, die du nicht aufschieben kannst. Sie sind ärgerlich und teuer. Dein Leben bleibt aber, wie es ist.
Wir schauen hier nur auf die finanzielle Seite. Krankheit oder Trennung wiegen menschlich viel schwerer. Gerade deshalb hilft es, wenn das Geld dann vorbereitet ist.
Wie ordne ich ein Risiko einem Typ zu?
Die kurze Antwort: Stell drei Fragen in fester Reihenfolge. Die erste Frage, auf die du mit Ja antwortest, bestimmt den Typ.
- Trifft es mein Einkommen? Kann ich danach nicht mehr so arbeiten wie heute? Dann ist es existenziell.
- Passt danach meine Geldordnung nicht mehr? Ändern sich Einkommen, Miete, Zuständigkeiten oder Verantwortung auf Dauer? Dann ist es lebensverändernd.
- Kostet es nur einmal Geld? Ist es danach erledigt? Dann ist es ein Notfall.
Die Reihenfolge ist Absicht. So landet ein großes Risiko nicht aus Versehen im kleinsten Typ.
So sieht das mit Beispielen aus dem Alltag aus:
| Was passiert | Was wird getroffen | Typ |
|---|---|---|
| Du bist ein Jahr lang krank | Einkommen | existenziell |
| Du kannst deinen Beruf nicht mehr ausüben | Einkommen | existenziell |
| Du verlierst deinen Job | Geldordnung | lebensverändernd |
| Ihr trennt euch, du zahlst die Miete allein | Geldordnung | lebensverändernd |
| Ein Kind kommt, du arbeitest weniger | Geldordnung | lebensverändernd |
| Die Waschmaschine ist kaputt | Konto, einmalig | Notfall |
| Das Handy fällt herunter | Konto, einmalig | Notfall |
Ein Kind ist kein Unglück. Finanziell verschiebt es trotzdem die Ordnung. Darum steht es hier.
Beim Jobverlust springt der Staat zum Teil ein. Das Arbeitslosengeld beträgt 60 Prozent vom Leistungsentgelt, mit Kind 67 Prozent. Das Leistungsentgelt ist ein pauschal berechnetes Netto aus deinem früheren Brutto. Quelle: § 149 SGB III.
Was du nach einem Jobverlust zuerst klärst, steht im Artikel Jobverlust: Was Geld, Kopf und Alltag jetzt brauchen. Was eine Trennung kostet, zeigt Kosten der Trennung.
Beispiel: So sieht das bei Lisa aus
Lisa Logisch ist unsere Beispielperson. Sie ist erfunden, ihr Verlauf ist alltagsecht.
- Mit 24 Lisa startet als Projektmanagerin. Sie schließt eine Berufsunfähigkeitsversicherung ab, kurz BU, mit 1.500 € Monatsrente.
- Mit 26 Sie spart auf Tagesgeld.
- Mit 29 Eine Kollegin hat sieben Versicherungen. Lisa fragt sich, ob ihr etwas fehlt.
- Im Beispiel jetzt · 31 Sie verdient 3.850 € brutto und 2.500 € netto. Ihre Fixkosten liegen bei 1.600 €. Sie schreibt alle Sorgen auf eine Liste.
Auf Lisas Liste stehen: Handy, Waschmaschine, lange Krankheit, Berufsunfähigkeit, Jobverlust und ein Schaden bei anderen. Zuerst wollte sie mit dem Handy anfangen. Das war gerade heruntergefallen.
Dann stellt sie die drei Fragen. Das Handy und die Waschmaschine werden zum Notfall. Krankheit und Berufsunfähigkeit sind existenziell. Der Jobverlust ist lebensverändernd.
Welcher Typ wiegt bei Lisa am schwersten?
Die kurze Antwort: Die existenziellen Risiken. Sie wiegen bei Lisa ein Vielfaches der Notfälle.
Wir messen in Nettogehältern. Lisas Nettogehalt ist 2.500 €. Die Notfall-Beträge sind angenommen. Die übrigen Werte sind grob gerechnet.
| Risiko auf Lisas Liste | Typ | Größe in Nettogehältern |
|---|---|---|
| Handy kaputt, angenommen 600 € | Notfall | 0,24 |
| Waschmaschine kaputt, angenommen 700 € | Notfall | 0,28 |
| Jobverlust, Lücke pro Monat, vereinfacht | lebensverändernd | 0,4 pro Monat |
| Krankheit, Lücke über 72 Wochen | existenziell | rund 3,6 |
| Berufsunfähig, zehn Jahre ohne Einkommen | existenziell | 120 |
So kommen die Werte zustande. 600 € geteilt durch 2.500 € ergibt 0,24. 700 € ergeben 0,28.
Jobverlust, vereinfacht: Angenommen, das Leistungsentgelt entspricht Lisas Netto. Dann bekommt sie 60 Prozent, also 1.500 €. Es fehlen 1.000 € im Monat. Das sind 0,4 Nettogehälter. Ihre Fixkosten von 1.600 € wären dann nicht ganz gedeckt.
Krankheit: In den ersten sechs Wochen zahlt in der Regel der Arbeitgeber weiter. Danach kommt Krankengeld. Bei Lisa fehlen dann 542,50 € im Monat. Über bis zu 72 Wochen sind das grob 9.100 €. Wie das gerechnet ist, steht im Artikel Krankengeld.
Berufsunfähigkeit: Zehn Jahre ohne Einkommen sind 120 Nettogehälter. Lisas BU zahlt 1.500 € im Monat und fängt den größten Teil davon auf.
Das Handy stand oben auf ihrer Liste. Nach Größe steht es ganz unten.
Tipp
Schreib hinter jede Versicherung, die du hast, den Typ des Risikos: E, L oder N. Steht hinter keiner ein E, schau dort zuerst hin.
Warum fühlt sich alles gleich wichtig an?
Die kurze Antwort: Weil das Gefühl nicht nach Größe sortiert, sondern nach Nähe. Was gerade passiert ist, wirkt am dringendsten.
In der Beratung sehe ich diese Muster:
- Alles steht auf einer Liste. Die Handyversicherung und die BU werden behandelt, als wären sie gleich wichtig.
- Klein ist versichert, groß nicht. Für Handy, Brille oder Reisegepäck gibt es einen Vertrag. Für das Einkommen gibt es keinen.
- Der Notfall wird zur Existenzfrage. Eine kaputte Waschmaschine wird behandelt, als ginge es um alles.
- Gesichert wird die Angst. Abgeschlossen wird, was gerade Angst macht. Nicht das, was am teuersten wäre.
Die Verbraucherzentrale Hamburg sieht das ähnlich. Ein Gerätedefekt nach der Garantie treibt laut ihr niemanden in den Ruin. Versicherungen lohnen sich vor allem gegen Risiken, die dich existenziell bedrohen. Welche Verträge du dir sparen kannst, steht im Artikel Versicherungen, die du nicht brauchst.

Samiras Blick
Samira Harkat
Angst ist ein schlechter Buchhalter. Sie zählt, was nah ist, nicht was groß ist. Die kaputte Waschmaschine steht vor mir, die Berufsunfähigkeit ist eine Möglichkeit in ferner Zukunft. Deshalb fühlt sich das Kleine dringender an. Die drei Typen sind für mich kein Schema, sondern ein Gegengewicht. Sie fragen nicht, wovor du Angst hast. Sie fragen, was getroffen wird. Wer das einmal sortiert hat, entscheidet ruhiger. Und manchmal anders, als das Bauchgefühl wollte.
Wann wechselt ein Risiko den Typ?
Die kurze Antwort: Wenn sich die Größe ändert. Derselbe Auslöser kann ein Notfall sein oder dein Leben verändern.
Haftpflicht: Du lässt das Handy einer Freundin fallen. Das ist ein Notfall. Du fährst mit dem Rad eine Fußgängerin an, und sie wird schwer verletzt. Dann musst du den Schaden ersetzen. So regelt es § 823 BGB.
Bei einem schweren Personenschaden kann die Summe dein Leben dauerhaft verändern. Deshalb gehört die Haftpflicht zu den wichtigsten Verträgen, sagt die Verbraucherzentrale Hamburg.
Krankheit: Eine Grippe von einer Woche ist kein Risiko für dein Geld. Der Arbeitgeber zahlt weiter. Dauert die Krankheit über sechs Wochen, sinkt dein Einkommen. Dann wird sie existenziell.
Notfall ohne Rücklage: Die Waschmaschine bleibt ein Notfall, auch ohne Rücklage. Aber ohne Polster musst du sie über einen Kredit oder das Konto im Minus zahlen. Der Typ bleibt gleich. Nur das Werkzeug fehlt.
Der häufigste Denkfehler: „Was mir gerade Angst macht, ist mein größtes Risiko.“ Das Gefühl misst Nähe, nicht Größe. Ein Schaden, der gerade passiert ist, wirkt riesig. Ein Einkommensverlust, der noch nie passiert ist, wirkt klein. Prüf jedes Risiko mit den drei Fragen. Erst dann zählt die Größe.
Was folgt aus dem Typ?
Die kurze Antwort: Der Typ zeigt dir das Werkzeug. Existenziell heißt absichern prüfen. Lebensverändernd heißt planen. Notfall heißt Rücklage.
- Das kannst du so lassen: Deine existenziellen Risiken sind abgesichert, du hast eine Rücklage, und du weißt, was bei Jobverlust oder Trennung passiert. Dann prüfst du nur bei Veränderungen neu.
- Wenn ein Risiko existenziell ist: Prüf, was der Staat zahlt und was danach fehlt. Diese Lücke ist der Kandidat für eine Versicherung.
- Wenn ein Risiko lebensverändernd ist: Hier hilft vor allem ein Plan. Rechne vorher durch, wie dein Monat danach aussähe. Und kenne die Leistungen, die dir zustehen.
- Wenn ein Risiko ein Notfall ist: Zahl ihn aus deiner Rücklage. Hast du dafür einen Vertrag, prüf, ob du den Schaden auch selbst tragen könntest.
- Wenn sich dein Leben ändert: Ordne deine Liste neu. Ein Kind, eine Trennung oder Teilzeit verschieben die Größen.
- Wenn du weißt, welcher Typ es ist: Entscheide im nächsten Schritt, ob du absicherst, pufferst oder bewusst trägst. So geht es im Artikel Risiken absichern, puffern oder bewusst ignorieren.
Sortieren wir deine Liste gemeinsam?
Wir schauen mit dir auf deine Risiken, ordnen jedes einem Typ zu und prüfen, ob deine Verträge zum größten Risiko passen. Die Prüfung ist unabhängig davon, ob am Ende ein neuer Vertrag steht. Oft ist der alte Vertrag mit Lücken besser als ein neuer mit neuen Gesundheitsfragen.
Beratung durch die FemininFinance GmbH & Co. KG, Versicherungsmaklerin nach § 34d Abs. 1 GewO, Register-Nr. D-TAJS-4I8JO-48, und ihre Kooperationspartner:innen mit eigener Erlaubnis und eigener Registrierung bei der IHK.
Häufig gestellte Fragen
Existenziell trifft dein Einkommen, weil du nicht mehr arbeiten kannst. Lebensverändernd ändert deine Geldordnung, etwa durch Jobverlust oder Trennung. Deine Arbeitskraft bleibt dabei erhalten.
Zum Teil fängt der Staat etwas auf, etwa mit Arbeitslosengeld beim Jobverlust. Für die Lücke, die bleibt, hilft vor allem ein Plan, wie dein Monat danach aussieht.
Ein Notfall. Sie kostet einmal Geld und ändert dein Leben nicht. Dafür ist die Rücklage da.
Ein kleiner Schaden ja. Ein schwerer Personenschaden kann aber dein Leben verändern. Darum zählt die Verbraucherzentrale Hamburg die Haftpflicht zu den wichtigsten Versicherungen.
Immer dann, wenn sich dein Leben ändert. Zum Beispiel bei einem neuen Job, einem Kind, einer Trennung oder Teilzeit.
Quellen: Verbraucherzentrale Hamburg: Welche Versicherung brauche ich wirklich?, Stand 15.04.2026 · § 149 SGB III, Arbeitslosengeld, Stand: Fassung seit 01.01.2013 · § 823 BGB, Schadensersatzpflicht, Stand: geltende Fassung · § 3 EntgFG, Entgeltfortzahlung, Stand: geltende Fassung · §§ 47, 48 SGB V, Krankengeld, Stand: geltende Fassung. Alle geprüft am 17.10.2026.
Haftungsausschluss: Dieser Artikel ist allgemeine Information und ersetzt keine persönliche Beratung. Welche Lösung zu dir passt, hängt von deiner Situation ab. Darüber sprechen wir am besten direkt. Alles Weitere steht im Haftungsausschluss.
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Unsere Beratung: Wir sind Versicherungsmaklerin. Vermitteln wir dir einen Vertrag, bekommen wir vom Versicherer eine Vergütung, die Courtage. Sie steckt im Beitrag. Vermittelt eine unserer Kooperationspartner:innen, bekommt sie die Courtage. Ob wir davon einen Anteil bekommen, ist unterschiedlich. Die Prüfung deines Vertrags ist unabhängig davon, ob am Ende ein neuer Vertrag steht. Mehr dazu: So verdienen wir Geld.
Tipps unter Fachkolleg:innen: Risikotypen
Für Versicherungsvermittlerinnen und -vermittler, Finanzberaterinnen und -berater mit IHK-Registrierung
- Die Frage „Was wird getroffen?“ sortiert schneller als jede Bedarfsliste.
- Bei lebensverändernden Risiken kann ein Plan für den Monat danach mehr bringen als ein weiterer Vertrag.
- Beim Haftpflichtschaden lohnt der Hinweis, dass derselbe Auslöser zwei Typen haben kann.
