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Titelbild zur Grundfähigkeitsversicherung: ein goldener Schutzbogen über Auge, offener Hand und Fußspuren als Zeichen für Sehen, Greifen und Gehen.

Grundfähigkeitsversicherung: Schutz, Kosten, Grenzen

Samira HarkatSamira HarkatStand: 16. Oktober 2026

Eine Grundfähigkeitsversicherung zahlt dir eine monatliche Rente, wenn du eine grundlegende Fähigkeit verlierst: sehen, hören, sprechen, gehen, greifen, Treppen steigen. Sie fragt nicht, ob du deinen Beruf noch schaffst. Sie fragt nur, ob dein Körper eine genau beschriebene Sache noch kann.

Das kann sie für Menschen interessant machen, die keine Berufsunfähigkeitsversicherung bekommen oder sie nicht bezahlen können. Handwerkerinnen und Handwerker gehören dazu, Pflegekräfte, Menschen mit Vorerkrankungen, Hausfrauen und Hausmänner und Kinder. Es macht sie aber auch eng. Wer an der Psyche erkrankt, kann leer ausgehen.

Hier liest du, welche Fähigkeiten versichert sind, wie streng die Bedingungen sie beschreiben, was der Schutz kostet und woran Anträge scheitern können.

Betrifft dich, wenn du ins Berufsleben startest du dich selbstständig machst du für dein Kind vorsorgen willst du länger ausfällst

Das Wichtigste in Kürze

  • Sie zahlt eine Monatsrente, wenn du eine versicherte Fähigkeit wie Sehen, Gehen oder den Gebrauch einer Hand verlierst. Dein Beruf spielt keine Rolle.
  • Sie kann laut Verbraucherzentrale günstiger sein als eine BU. Psychische Erkrankungen sind aber in vielen Tarifen nicht oder nur unzureichend versichert.
  • Jeder Versicherer beschreibt die Fähigkeiten selbst. Einen Standard gibt es nicht. Der genaue Wortlaut entscheidet, ob du Geld bekommst.
  • Die Hürde im Leistungsfall kann hoch sein, weil jede Fähigkeit eng beschrieben ist.
  • Laut Verbraucherzentrale ersetzt sie in der Regel nicht den umfassenden Schutz einer BU. Die Grundfähigkeitsversicherung passt, wenn die BU nicht geht oder zu teuer ist, und für Kinder mit späterem Wechselrecht.
Inhalt
  1. Was ist eine Grundfähigkeitsversicherung?
  2. Welche Grundfähigkeiten versichert sind und wie streng sie beschrieben werden
  3. Was gilt ohne Grundfähigkeitsversicherung?
  4. Grundfähigkeit oder Berufsunfähigkeit: wann welche Absicherung passt
  5. Für wen eine Grundfähigkeitsversicherung infrage kommt
  6. Zusatzbausteine: Pflege, Arbeitsunfähigkeit, schwere Krankheiten und Psyche
  7. Worauf es im Vertrag einer Grundfähigkeitsversicherung ankommt
  8. Was kostet eine Grundfähigkeitsversicherung und wie wird sie versteuert?
  9. So läuft der Abschluss einer Grundfähigkeitsversicherung ab
  10. Wenn du eine Grundfähigkeit verlierst: so bekommst du deine Rente
  11. Was bei der Grundfähigkeitsversicherung jetzt zählt
  12. Häufig gestellte Fragen

Was ist eine Grundfähigkeitsversicherung?

Die kurze Antwort: Eine Grundfähigkeitsversicherung ist eine private Versicherung, die dir eine feste Monatsrente zahlt, solange du eine im Vertrag genannte Fähigkeit verloren hast. Die Ursache ist egal. Krankheit, Unfall oder Kräfteverfall zählen gleich.

Im Leistungsfall bekommst du zwei Dinge. Erstens die vereinbarte Rente. Zweitens die Beitragsbefreiung: Du musst keine Beiträge mehr zahlen, der Vertrag läuft trotzdem weiter. Die Rente fließt, bis die Fähigkeit zurückkommt, bis das vereinbarte Endalter erreicht ist oder bis zum Tod, je nachdem, was zuerst eintritt.

Sie gehört zur Arbeitskraftabsicherung, schaut aber anders als die Berufsunfähigkeitsversicherung auf den Körper, nicht auf den Arbeitsplatz.

So unterscheidet sie sich von BU, EU, schweren Krankheiten, Pflegerente und Unfall

Ähnliche Versicherungen lösen bei ganz unterschiedlichen Ereignissen aus. Ausführlich erklärt sind sie auf den Seiten zur Berufsunfähigkeitsversicherung, zur Erwerbsunfähigkeitsversicherung und zur Schwere-Krankheiten-Versicherung.

AbsicherungWann sie zahltWie sie zahltPsychische Erkrankungen
BerufsunfähigkeitsversicherungDu kannst deinen zuletzt ausgeübten Beruf voraussichtlich mindestens sechs Monate zu mindestens 50 Prozent nicht ausübenMonatsrenteversichert
ErwerbsunfähigkeitsversicherungDu kannst voraussichtlich mindestens sechs Monate auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nicht mehr als drei Stunden täglich arbeitenMonatsrenteversichert, aber hohe Hürde
GrundfähigkeitsversicherungDu verlierst eine im Vertrag beschriebene Fähigkeit, zum Beispiel für mindestens sechs oder zwölf MonateMonatsrentein vielen Tarifen nicht oder nur gegen Mehrbeitrag
Schwere-Krankheiten-VersicherungEin Arzt oder eine Ärztin stellt eine Krankheit von der Vertragsliste fest, etwa Krebs oder SchlaganfallEinmalbetragnur einzelne Diagnosen
PflegerentenversicherungDu bist pflegebedürftig, zum Beispiel gemessen am PflegegradMonatsrentenur, wenn ein Pflegegrad erreicht ist
Private UnfallversicherungEin Unfall hinterlässt eine bleibende InvaliditätEinmalbetrag, teils Rentenein, Krankheiten zählen nicht

Ein Unterschied geht leicht unter. Nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall zahlt die BU nur, wenn du deinen Beruf zu mindestens 50 Prozent nicht mehr schaffst. Die Unfallversicherung zahlt gar nicht, weil ein Herzinfarkt kein Unfall ist, sondern ein Vorgang im Körper. Die Grundfähigkeitsversicherung zahlt, wenn der Schlaganfall zum Beispiel eine Hand dauerhaft lähmt.

Welche Grundfähigkeiten versichert sind und wie streng sie beschrieben werden

Jeder Vertrag versichert eine feste Liste von Fähigkeiten. Einen gesetzlichen oder branchenweiten Standard gibt es nicht. Jeder Versicherer legt selbst fest, welche Fähigkeiten drin sind und ab wann ein Verlust zählt.

Die Fähigkeiten lassen sich in Gruppen ordnen, zum Beispiel:

  • Sinne: Sehen, Hören, Sprechen, Gleichgewichtssinn, Orientierung.
  • Bewegung: Gehen, Stehen, Sitzen, Treppensteigen, Knien und Bücken, Heben und Tragen, Ziehen und Schieben.
  • Hände und Arme: Gebrauch einer Hand, Greifen, Schreiben, Fingerfertigkeit, Bedienen von Tastatur oder Smartphone.
  • Kopf: geistige Leistungsfähigkeit, eigenverantwortliches Handeln.
  • Mobilität im Alltag: Autofahren, Nutzen öffentlicher Verkehrsmittel.

Stiftung Warentest hat in ihrem Test von 2025 einen Mindestschutz festgelegt. Ein Vertrag sollte motorische, sinnliche und geistige Fähigkeiten abdecken, darunter den Gebrauch von Händen und Armen, Gehen, Treppensteigen, Autofahren, Sehen, Hören und Sprechen. Dazu gehört eine Leistung bei Pflegebedürftigkeit.

So eng können die Definitionen sein

Eine Fähigkeit gilt nicht schon als verloren, wenn sie schwerfällt. Die Bedingungen können eine messbare Grenze nennen. Beim Gehen kann es zum Beispiel heißen, du kannst keine 400 Meter mehr am Stück gehen. Beim Treppensteigen kann es eine bestimmte Zahl von Stufen sein.

Beim Sehen verlangen manche Verträge, dass die Sehschärfe auf jedem Auge auf höchstens 5 Prozent sinkt oder das Gesichtsfeld stark eingeengt ist. Beim Hören zahlen bessere Verträge schon bei schwerer Schwerhörigkeit, schwächere erst bei Taubheit. Beim Gebrauch der Hände reicht in manchen Verträgen eine Hand, in anderen müssen beide betroffen sein.

Genau hier kann ein Antrag scheitern, wenn der vereinbarte Grad der Einschränkung nicht erreicht ist. Lies deshalb die Definitionen, nicht nur die Liste.

Brille, Hörgerät, Rollator: wie Hilfsmittel zählen

Bedingungen können die Fähigkeit mit den üblichen Hilfsmitteln prüfen. Wer mit Brille gut sieht, bekommt keine Rente fürs Sehen. Das schreibt auch die Verbraucherzentrale. Bei Gehhilfen, Hörgeräten oder Prothesen kommt es auf den Wortlaut an.

Ein Urteil stärkt hier die Versicherten. Das Oberlandesgericht Köln hat am 11.07.2025 unter dem Aktenzeichen 20 U 163/23 entschieden: Steht in den Bedingungen „aus eigener Kraft“, ist eine Bewegung ohne Hilfsmittel gemeint. Im Fall ging es ums Knien und Bücken, der Versicherer musste zahlen.

Wie lange der Verlust dauern muss

Der Verlust muss voraussichtlich eine Mindestzeit andauern, den Prognosezeitraum. Manche Verträge verlangen zwölf Monate, andere sechs Monate. Stiftung Warentest nennt sechs Monate als typischen Prognosezeitraum, Stand Juli 2025. Wichtig ist auch, ob die Rente rückwirkend ab Beginn des Verlusts gezahlt wird, wenn du den Fall später meldest.

Was gilt ohne Grundfähigkeitsversicherung?

Ohne private Absicherung gibt es befristet Krankengeld und danach unter strengen Bedingungen eine Erwerbsminderungsrente. Ob du eine Fähigkeit verloren hast, spielt keine Rolle. Es zählt nur, wie viele Stunden du noch arbeiten kannst.

„Lisa Logisch ist unsere Beispielperson. Sie ist erfunden, ihr Verlauf ist alltagsecht.“ Lisa ist 31, Projektmanagerin in Vollzeit und verdient 3.850 Euro brutto, 2.500 Euro netto. Ihre Fixkosten liegen bei 1.600 Euro im Monat.

Wird Lisa krank, zahlt ihr Arbeitgeber sechs Wochen lang das volle Gehalt. Danach bekommt sie Krankengeld von rund 1.960 Euro netto im Monat. Ihr fehlen rund 540 Euro. Krankengeld gibt es höchstens 78 Wochen innerhalb von drei Jahren für dieselbe Krankheit, die sechs Wochen Lohnfortzahlung eingerechnet.

Danach bleibt die Erwerbsminderungsrente der gesetzlichen Rentenversicherung. Nach § 43 SGB VI bekommt die volle Rente, wer auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt weniger als drei Stunden täglich arbeiten kann. Wer drei bis unter sechs Stunden schafft, bekommt die halbe Rente. Vorher müssen fünf Jahre Wartezeit erfüllt sein und drei Jahre Pflichtbeiträge in den letzten fünf Jahren.

Im Rentenzugang 2025 lag die Erwerbsminderungsrente im Schnitt bei 1.037 Euro im Monat für Frauen und 1.118 Euro für Männer, so die Bundesregierung in der Drucksache 21/7357. Für Lisa würde selbst dieser Durchschnitt ihre Fixkosten von 1.600 Euro nicht decken. Und wer nach einem Unfall eine Hand nicht mehr nutzen kann, aber im Büro sechs Stunden arbeitet, bekommt vom Staat gar keine Rente.

Kinder, Studierende, Hausfrauen und Hausmänner sowie Selbständige ohne Pflichtbeiträge können ohne Anspruch dastehen. Eine Ausnahme regelt § 53 SGB VI: Wer innerhalb von sechs Jahren nach der Ausbildung voll erwerbsgemindert wird, braucht nur ein Jahr Pflichtbeiträge.

Grundfähigkeit oder Berufsunfähigkeit: wann welche Absicherung passt

Die BU schützt breiter, die Grundfähigkeitsversicherung kann günstiger und leichter zu bekommen sein. Welche besser passt, hängt davon ab, was dich wahrscheinlicher trifft und was du überhaupt abschließen kannst.

Lisa hat seit 2019 eine BU mit 1.500 Euro Monatsrente. Stell dir vor: Lisa fällt wegen einer schweren Erschöpfungsdepression monatelang aus. Sehen, Gehen und Greifen funktionieren. Eine Grundfähigkeitsversicherung würde nicht zahlen. Ihre BU kann zahlen, wenn sie ihren Job voraussichtlich mindestens sechs Monate zu mindestens 50 Prozent nicht schafft.

Jetzt der umgekehrte Fall. Lisa hat einen Schlaganfall, ihre rechte Hand bleibt gelähmt. Mit Spracheingabe kann sie ihre Projekte nach einer Weile wieder leiten. Die BU zahlt dann womöglich nicht mehr, weil Lisa ihren Beruf zu mehr als der Hälfte schafft. Eine Grundfähigkeitsversicherung würde weiterzahlen, solange die Hand nicht wieder einsatzfähig ist.

Trotzdem spricht viel für die BU. Psychische Erkrankungen sind laut Verbraucherzentrale eine der Hauptursachen für Berufsunfähigkeit. Laut Bundestag gingen 41,7 Prozent der 2020 bewilligten Erwerbsminderungsrenten auf psychische Erkrankungen zurück. Genau diese Fälle deckt die Grundfähigkeitsversicherung in vielen Tarifen nicht oder nur unzureichend ab.

Die Verbraucherzentrale nennt die Grundfähigkeitsversicherung deshalb eine Notlösung, Stand Mai 2025. Sie ersetze in der Regel nicht den umfassenden Schutz einer BU. Wer keine BU bekommt, ist mit einer Notlösung aber deutlich besser dran als ganz ohne Schutz.

Wie viel günstiger die Grundfähigkeitsversicherung ist, hängt auch vom Beruf ab. Wer im Büro arbeitet, prüft deshalb zuerst die BU.

Für wen eine Grundfähigkeitsversicherung infrage kommt

Sie passt vor allem, wenn eine BU nicht möglich, zu teuer oder wenig passend ist.

Körperlich arbeitende Berufe

Dachdeckerinnen und Dachdecker, Pflegekräfte, Erzieherinnen und Erzieher, Hebammen und Entbindungspfleger oder Handwerkerinnen und Handwerker können für eine BU hohe Beiträge zahlen, wenn ihr Beruf als riskant gilt. Wer nicht mehr knien, heben oder Treppen steigen kann, kann hier auch den Job verlieren. Die Logik der Grundfähigkeiten passt gut zu diesem Alltag.

Menschen mit Vorerkrankungen

Eine frühere Psychotherapie, Rückenprobleme oder eine chronische Erkrankung können in der BU zu Ausschlüssen, Zuschlägen oder einer Ablehnung führen. Die Grundfähigkeitsversicherung fragt teils weniger ab. Vorerkrankungen können aber auch hier zu Zuschlägen oder Ausschlüssen führen. Eine anonyme Risikovoranfrage zeigt vorher, was möglich ist.

Kinder, Schülerinnen und Schüler, Studierende

Für Kinder gibt es eigene Verträge. Der große Vorteil ist ein Umtauschrecht: Später darfst du den Vertrag ohne neue Gesundheitsprüfung in eine BU umwandeln, etwa zum Ausbildungs- oder Studienstart. Erkrankungen aus der Kindheit stehen dem dann nicht mehr im Weg.

Stell dir vor: Lisa bekommt ein Kind. Mit einem Kindervertrag sichert sie eine Rente, falls ihr Kind eine Grundfähigkeit verliert, und die Chance auf eine spätere BU ohne Gesundheitsfragen. Fristen und Altersgrenzen für den Umtausch stehen in den Bedingungen.

Hausfrauen und Hausmänner, Menschen in Elternzeit oder Sabbatical

Wer gerade keinen Beruf ausübt, kann eine BU schwer bekommen. Die Grundfähigkeitsversicherung braucht keinen Beruf als Maßstab. Sie zahlt auch, wenn du Kinder betreust, eine Auszeit nimmst oder dich weiterbildest. Das passt zu Lebenswegen, die bewusst nicht geradeaus laufen.

Selbständige

Selbständige, die nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, haben deshalb keinen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente. Für sie kann die Grundfähigkeitsversicherung eine Grundsicherung für den Körper sein, wenn eine BU zu teuer ist oder abgelehnt wurde.

Beamtinnen und Beamte, Ärztinnen und Ärzte, Musikerinnen und Musiker

Beamtinnen und Beamte brauchen vor allem eine Absicherung der Dienstunfähigkeit, die Grundfähigkeitsversicherung ergänzt sie höchstens. Mehr dazu auf der Seite zur Dienstunfähigkeitsversicherung. Wer wie Ärztinnen und Ärzte oder Musikerinnen und Musiker von feiner Fingerarbeit lebt, prüft genau, ob der Vertrag Fingerfertigkeit schon bei teilweisem Verlust versichert.

Zusatzbausteine: Pflege, Arbeitsunfähigkeit, schwere Krankheiten und Psyche

Versicherer können Bausteine anbieten, die Lücken der reinen Fähigkeitenliste schließen. Jeder kostet extra.

Der wichtigste ist die Pflegebedürftigkeit. Verträge können auch zahlen, wenn du einen bestimmten Pflegegrad der gesetzlichen Pflegeversicherung erreichst. Stiftung Warentest zählt die Leistung bei Pflegebedürftigkeit zum Mindestschutz.

Der Baustein Arbeitsunfähigkeit zahlt, wenn du so lange am Stück krankgeschrieben bist, wie der Vertrag es festlegt. Er überbrückt die Zeit bis zur Prüfung und zahlt nur befristet.

Ein Baustein für schwere Krankheiten zahlt bei Diagnosen wie Krebs, Herzinfarkt oder Schlaganfall, auch wenn noch keine Fähigkeit verloren ist. Das ist wichtig, weil eine Krebserkrankung zwar arbeitsunfähig macht, aber nicht unbedingt eine Grundfähigkeit dauerhaft nimmt.

Ein Baustein für die Psyche kann sehr eng sein. Er kann zum Beispiel auf schwere, fachärztlich festgestellte Krankheiten wie eine schwere Depression, Schizophrenie oder Demenz beschränkt sein. Andere Bausteine decken einen Unfall mit bleibender Invalidität ab oder den Verlust des Führerscheins aus gesundheitlichen Gründen.

Worauf es im Vertrag einer Grundfähigkeitsversicherung ankommt

Weil es keinen Standard gibt, unterscheiden sich die Verträge stark. Stiftung Warentest hat 2025 37 Tarife von 19 Versicherern verglichen. Diese Punkte entscheiden, ob dein Vertrag im Ernstfall trägt:

Punkt im VertragGute LösungWarum das zählt
Liste der FähigkeitenViele Fähigkeiten, dazu PflegebedürftigkeitWas nicht drinsteht, ist nicht versichert
Definition jeder FähigkeitErreichbare, klare Grenzen, eine Hand statt beide HändeEin Grund für Ablehnungen
HilfsmittelPrüfung ohne Hilfsmittel, wo es sinnvoll istSonst zählt die Fähigkeit mit Gehhilfe als erhalten
PrognosezeitraumSechs statt zwölf MonateDie Rente beginnt früher
Rückwirkende LeistungZahlung ab Beginn des Verlusts, auch bei später MeldungSchützt dich, wenn du erst spät einen Antrag stellst
EndalterRente bis 67Schützt das ganze Erwerbsleben
UmtauschrechtWechsel in eine BU ohne neue GesundheitsprüfungWichtig für Kinder und junge Menschen
NachversicherungRente erhöhen ohne Gesundheitsfragen, etwa bei Heirat, Geburt oder GehaltssprungEin früher Vertrag wird sonst zu klein
DynamikBeitrag und Rente steigen jährlich, auch im LeistungsfallGleicht die Inflation aus
BeitragspauseStundung ohne Verlust des SchutzesHilft bei Elternzeit, Sabbatical oder Arbeitslosigkeit

Der Versicherer darf später prüfen, ob die Fähigkeit zurückgekommen ist. Dann endet die Rente. Verlierst du mehrere Fähigkeiten, gibt es je nach Vertrag trotzdem nur eine Rente. Gute Verträge sehen zudem weltweiten Schutz vor.

Was kostet eine Grundfähigkeitsversicherung und wie wird sie versteuert?

Der Preis hängt von Alter, Beruf, Gesundheit, Rentenhöhe, Endalter und Bausteinen ab. Ein belegtes Beispiel:

Stiftung Warentest hat für einen Modellkunden mit 25 Jahren gerechnet, mit 1.500 Euro Monatsrente bis zum 67. Geburtstag. Tarife mit sehr hohem Leistungsniveau gab es schon für unter 1.000 Euro im Jahr, Stand Juli 2025. Das sind weniger als 84 Euro im Monat.

Die passende Rentenhöhe ergibt sich aus deinen echten Ausgaben, bei Lisa aus 1.600 Euro Fixkosten plus Puffer. Manche Versicherer begrenzen die Rente im Verhältnis zum Einkommen, einige haben ein Höchsteintrittsalter.

So werden Beiträge und Rente versteuert

Die Beiträge zählen zu den sonstigen Vorsorgeaufwendungen nach § 10 EStG. Absetzbar sind sie nur bis zu einem gemeinsamen Höchstbetrag von 1.900 Euro im Jahr für Angestellte und 2.800 Euro für Selbständige ohne steuerfreien Zuschuss, Stand 2026. Diesen Rahmen können schon die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung füllen.

So ist es auch bei Lisa. Ihr Anteil an Kranken- und Pflegeversicherung liegt bei rund 429 Euro im Monat, also gut 5.150 Euro im Jahr. Das ist mehr als der Höchstbetrag. Die Beiträge zur Grundfähigkeitsversicherung bringen ihr steuerlich nichts.

Die Rente ist nicht steuerfrei. Sie gilt nach § 22 EStG und § 55 EStDV als abgekürzte Leibrente, also als Rente mit festem Ende. Versteuert wird nur der Ertragsanteil, und der hängt von der höchstmöglichen Laufzeit ab.

Ein Rechenbeispiel: Bekäme Lisa ab 31 eine Rente von 1.500 Euro bis 67, wären das bis zu 36 Jahre Laufzeit. Der Ertragsanteil liegt dann laut § 55 EStDV bei 35 Prozent. Steuerpflichtig wären 525 Euro im Monat, nicht 1.500 Euro.

Auf private Renten wie die BU-Rente zahlen Pflichtversicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung in der Regel keine Beiträge, freiwillig Versicherte den vollen Satz. Für die Grundfähigkeitsrente gilt nach unserem Verständnis dasselbe. Lass es dir von deiner Krankenkasse bestätigen.

So läuft der Abschluss einer Grundfähigkeitsversicherung ab

Erst klärst du den Bedarf: Rente, Endalter, Bausteine. Dann kommen die Gesundheitsfragen, an ihnen hängt später am meisten. Nach dem Abschluss prüfst du den Versicherungsschein und notierst dir die Fristen für Nachversicherung und Umtausch.

Nach § 19 VVG musst du nur angeben, wonach der Versicherer in Textform fragt. Das aber vollständig und richtig. Verschweigst du etwas, kann der Versicherer vom Vertrag zurücktreten, kündigen oder ihn rückwirkend anpassen. Diese Rechte erlöschen nach fünf Jahren, bei Arglist nach zehn Jahren. Hatte die verschwiegene Erkrankung nichts mit dem Leistungsfall zu tun, muss er grundsätzlich trotzdem zahlen, außer bei Arglist, so § 21 Abs. 2 VVG.

Laut Verbraucherzentrale sind die Gesundheitsprüfungen teilweise weniger streng als bei der BU. Manche Versicherer bieten bis zu einer bestimmten Rentenhöhe vereinfachte Gesundheitsfragen an. Bevor du antwortest, hole dir am besten deine Patientenakte oder eine Leistungsauskunft deiner Krankenkasse. So vergisst du keine Behandlung. Mehr dazu steht auf der Seite zu Gesundheitsfragen und vorvertraglicher Anzeigepflicht.

Samira Harkat, Versicherungsmaklerin

Samiras Blick

Samira Harkat

„Ich erlebe, dass Gesundheitsfragen im Termin beim Abschluss ausgefüllt und gleich unterschrieben werden. Im Leistungsfall droht dann Leistungsfreiheit, also 0 Euro.“

Das ist bei der Grundfähigkeitsversicherung kein Randthema. Eine verletzte Anzeigepflicht kann den Schutz kosten (§§ 19, 21 VVG). Nimm dir für die Fragen also Zeit, auch wenn der Antrag kurz wirkt.

Hast du Vorerkrankungen, ist eine anonyme Risikovoranfrage der sichere Weg. Eine Maklerin oder ein Makler fragt dabei bei mehreren Versicherern ohne deinen Namen an, zu welchen Bedingungen sie dich annehmen würden. Erst mit einem guten Angebot stellst du den echten Antrag.

Wenn du eine Grundfähigkeit verlierst: so bekommst du deine Rente

Du stellst einen Antrag, belegst den Verlust ärztlich und wartest die Prüfung ab. Die Reihenfolge entscheidet mit über den Erfolg.

1

Bedingungen lesen, bevor du den Antrag stellst

Lies die Definition der Fähigkeit, die du verloren hast. Stellst du den Antrag, bevor ein Auslöser erfüllt ist, kann er abgelehnt werden. Melde dich trotzdem früh, wenn ein Verlust absehbar ist.

2

Ärztliche Nachweise in der Sprache des Vertrags

Ein Attest mit „Gehbehinderung“ reicht vielleicht nicht. Bitte deine Ärztin oder deinen Arzt, die Einschränkung so zu beschreiben, wie der Vertrag sie misst: wie viele Meter du gehen kannst, wie viele Stufen, wie viel Sehschärfe.

3

Die Prüfung durch den Versicherer

Der Versicherer fordert Unterlagen an und kann ein Gutachten beauftragen. Wie lange die Prüfung dauert, hängt vom Fall ab.

4

Entscheidung, Nachprüfung und was bei einer Ablehnung hilft

Lehnt der Versicherer ab, lass dir die Gründe schriftlich geben. Du kannst widersprechen, dich kostenlos an den Versicherungsombudsmann wenden oder eine Fachanwältin oder einen Fachanwalt für Versicherungsrecht fragen.

Für die BU regeln die §§ 172 bis 177 VVG genau, wie Anerkenntnis und Nachprüfung ablaufen. Ob diese Regeln über § 177 VVG auch für die Grundfähigkeitsversicherung gelten, ist rechtlich nicht abschließend geklärt.

Was bei der Grundfähigkeitsversicherung jetzt zählt

Die Grundfähigkeitsversicherung ist kein kleiner Bruder der BU. Sie ist ein eigenes Produkt mit eigener Logik. Sie zahlt, wenn der Körper eine klar beschriebene Sache nicht mehr kann, und sie zahlt nicht, wenn die Seele streikt.

Sie ist stark, wo die BU nicht hinkommt: in körperlichen Berufen, bei Vorerkrankungen, bei Kindern mit späterem Wechselrecht, für Hausfrauen und Hausmänner und für Selbständige ohne gesetzlichen Schutz. Sie ist schwach bei der Psyche, einer der Hauptursachen für Berufsunfähigkeit.

Entscheidend ist der Wortlaut: Fähigkeiten, Grenzen, Hilfsmittel, Prognosezeitraum, Bausteine. Und eine saubere Antwort auf jede Gesundheitsfrage. Wenn du unsicher bist, ob ein Vertrag zu dir passt oder ob dein bestehender Vertrag noch trägt, schauen wir ihn gemeinsam an.

Lass uns deine Grundfähigkeitsversicherung einmal durchgehen.

Die Prüfung ist unabhängig davon, ob am Ende ein neuer Vertrag steht. Ein alter Vertrag mit Lücken kann besser sein als ein neuer mit neuen Gesundheitsfragen.

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Beratung durch die FemininFinance GmbH & Co. KG, Versicherungsmaklerin nach § 34d Abs. 1 GewO, Register-Nr. D-TAJS-4I8JO-48, und ihre Kooperationspartner:innen mit eigener Erlaubnis und eigener Registrierung bei der IHK.

Häufig gestellte Fragen

Ich bin Dachdeckerin und bekomme keine bezahlbare BU. Ist eine Grundfähigkeitsversicherung dann sinnvoll?

Sie kann dann die beste erreichbare Lösung sein. Sie kann günstiger sein als eine BU, und Auslöser wie Knien, Heben oder Treppensteigen passen zu deinem Arbeitsalltag. Achte auf Pflege als Auslöser, einen kurzen Prognosezeitraum und einen Baustein für schwere Krankheiten.

Mein Sohn ist zwei Jahre alt. Kann ich für ihn schon eine Grundfähigkeitsversicherung abschließen?

Ja, es gibt Kinderverträge. Wertvoll ist ein Umtauschrecht, mit dem dein Sohn später ohne neue Gesundheitsfragen in eine BU wechseln kann. Prüfe, bis wann der Wechsel möglich ist.

Nach einem Bandscheibenvorfall kann ich mich kaum noch bücken, arbeite aber weiter. Zahlt die Grundfähigkeitsversicherung?

Das hängt von der Definition in deinem Vertrag ab. Er zahlt, wenn das Bücken voraussichtlich mindestens sechs oder zwölf Monate so stark eingeschränkt ist, wie die Bedingungen es verlangen. Dass du weiterarbeitest, spielt keine Rolle. Lass dir die Einschränkung ärztlich so bescheinigen, wie der Vertrag sie misst.

Ich trage eine Brille mit starken Gläsern. Bekomme ich Geld, wenn meine Augen schlechter werden?

Wahrscheinlich nicht. Laut Verbraucherzentrale werden Hilfsmittel wie Brillen berücksichtigt. Erst wenn die Sehschärfe trotzdem unter eine sehr niedrige Grenze fällt, etwa 5 Prozent auf jedem Auge, gilt die Fähigkeit als verloren.

Zahlt die Grundfähigkeitsversicherung bei Depression oder Burnout?

In der Regel nicht. Ein Zusatzbaustein für die Psyche kann auf schwere, fachärztlich festgestellte Erkrankungen wie eine schwere Depression oder Schizophrenie beschränkt sein. Wer vor allem dieses Risiko absichern will, braucht eine BU.

Mein Mann hatte einen Schlaganfall, sein rechter Arm ist gelähmt. Er arbeitet aber wieder im Büro. Zahlt seine Grundfähigkeitsversicherung trotzdem?

Gut möglich. Sie fragt nicht, ob er arbeiten kann, sondern ob er die versicherte Fähigkeit verloren hat, hier den Gebrauch von Arm oder Hand. Ist die Lähmung voraussichtlich dauerhaft und erfüllt sie die Definition im Vertrag, gibt es die Rente zusätzlich zum Gehalt.

Quellen: Stiftung Warentest: Grundfähigkeitsversicherung im Vergleich, Stand 28.07.2025, geprüft am 07.10.2026 · Verbraucherzentrale: Grundfähigkeitsversicherung: Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung?, Stand 08.05.2025, geprüft am 07.10.2026 · IWW: OLG Köln, Urteil vom 11.07.2025, 20 U 163/23, geprüft am 07.10.2026 · Bundesregierung: BT-Drucksache 21/7357, Antwort der Bundesregierung, Stand 27.07.2026, geprüft am 16.10.2026 · Deutscher Bundestag: Erwerbsminderung wegen psychischer Erkrankung, Stand 17.06.2021, geprüft am 16.10.2026

Was sich geändert hat: 07.10.2026 – erste Fassung.

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