Manchmal geht gar nichts mehr. Keine Stunde Arbeit am Tag, in keinem Job. Genau für diesen Fall gibt es die Erwerbsunfähigkeitsversicherung. Sie zahlt dir eine monatliche Rente, wenn du wegen Krankheit oder Unfall weniger als drei Stunden täglich arbeiten kannst.
Der Staat hilft in diesem Fall nur knapp. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente ist im Schnitt niedriger als viele Mieten. Und sie fließt nur, wenn du vorher lange genug Pflichtbeiträge gezahlt hast.
Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung ist kein Ersatz für eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie ist die Absicherung für alle, die keine bekommen oder sie sich nicht leisten können. Hier erfährst du, wann sie zahlt, wann nicht, und worauf es im Vertrag wirklich ankommt.
Betrifft dich, wenn du ins Berufsleben startest du dich selbstständig machst du länger ausfällst du krank wirst
Das Wichtigste in Kürze
- Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung zahlt erst, wenn du in keinem Beruf mehr mindestens drei Stunden am Tag arbeiten kannst. Dein bisheriger Beruf zählt dabei nicht.
- Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente lag bei neuen Renten 2025 im Schnitt bei 1.067 Euro im Monat. Sie setzt fünf Jahre Versicherung und drei Jahre Pflichtbeiträge in den letzten fünf Jahren voraus.
- Sie ist günstiger als eine Berufsunfähigkeitsversicherung, vor allem in körperlichen Berufen, und oft leichter zu bekommen. Dafür zahlt sie deutlich seltener.
- Sinnvoll ist sie, wenn eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgelehnt wurde oder zu teuer ist. Für Studierende und Auszubildende zählt ein Recht, sie später ohne neue Gesundheitsfragen in eine Berufsunfähigkeitsversicherung umzuwandeln.
- Im Vertrag entscheiden Prognosezeitraum, rückwirkende Leistung, Nachversicherung und ehrlich beantwortete Gesundheitsfragen darüber, ob sie im Ernstfall zahlt.
Inhalt
- Was ist eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung?
- Erwerbsunfähig oder berufsunfähig: der Unterschied an Lisas Beispiel
- Was gilt ohne Erwerbsunfähigkeitsversicherung? Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente
- Wann du überhaupt Anspruch auf die gesetzliche Erwerbsminderungsrente hast
- Für wen eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung sinnvoll ist
- Worauf es im Vertrag einer Erwerbsunfähigkeitsversicherung ankommt
- Was eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung kostet und wie die Rente besteuert wird
- So läuft der Abschluss einer Erwerbsunfähigkeitsversicherung ab
- Wenn du erwerbsunfähig wirst: so bekommst du deine Rente
- Wie sich die Erwerbsunfähigkeitsversicherung von anderen Absicherungen unterscheidet
- Was bei der Erwerbsunfähigkeitsversicherung als Nächstes zählt
- Häufig gestellte Fragen
Was ist eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung?
Die kurze Antwort: Eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung ist eine private Versicherung, die dir eine vereinbarte Monatsrente zahlt, wenn du wegen Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfall nicht mehr arbeiten kannst. Gemeint ist: in keiner Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt mehr als drei Stunden täglich.
Den Begriff Erwerbsunfähigkeit gibt es heute nur noch in privaten Verträgen. Die gesetzliche Rentenversicherung spricht seit dem 1. Januar 2001 von Erwerbsminderung. Die Versicherer haben die Drei-Stunden-Grenze aus dem Gesetz übernommen, formulieren aber jeweils eigene Bedingungen.
Typisch ist diese Definition: Du bist voraussichtlich sechs Monate ununterbrochen außerstande, mehr als drei Stunden am Tag irgendeiner Erwerbstätigkeit nachzugehen. Ärztinnen und Ärzte müssen das belegen. Manche Verträge zahlen zusätzlich, wenn du pflegebedürftig wirst.
Der allgemeine Arbeitsmarkt meint jede denkbare Tätigkeit, egal ob sie zu deiner Ausbildung passt oder ob es freie Stellen gibt. Das ist der große Unterschied zur Berufsunfähigkeitsversicherung, die auf deinen zuletzt ausgeübten Beruf schaut.
Du bekommst sie als eigenen Vertrag oder als Zusatzbaustein, etwa zu einer Risikolebensversicherung. Die Rente fließt, solange die Erwerbsunfähigkeit besteht, längstens bis zum vereinbarten Endalter.
Erwerbsunfähig oder berufsunfähig: der Unterschied an Lisas Beispiel
Berufsunfähig bist du, wenn du deinen zuletzt ausgeübten Beruf voraussichtlich sechs Monate lang zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben kannst. Erwerbsunfähig bist du erst, wenn du überhaupt nicht mehr nennenswert arbeiten kannst. Zwischen beiden liegt eine große Lücke.
„Lisa Logisch ist unsere Beispielperson. Sie ist erfunden, ihr Verlauf ist alltagsecht.“ Lisa ist 31, Projektmanagerin in Vollzeit, verdient 3.850 Euro brutto und 2.500 Euro netto im Monat. Ihre Fixkosten liegen bei 1.600 Euro. Seit 2019 hat sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung über 1.500 Euro Monatsrente.
Stell dir vor: Lisa hat einen schweren Bandscheibenvorfall. Langes Sitzen, Termine beim Kunden, Vollzeit im Projektgeschäft gehen dauerhaft nicht mehr. Eine leichte Tätigkeit im Wechsel von Sitzen und Stehen könnte sie aber sechs Stunden am Tag schaffen. Sie ist berufsunfähig, aber nicht erwerbsunfähig.
In diesem Fall zahlt ihre Berufsunfähigkeitsversicherung 1.500 Euro. Eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung würde nichts zahlen. Auch die gesetzliche Rentenversicherung zahlt keine Erwerbsminderungsrente, weil Lisa mehr als sechs Stunden täglich irgendeine Arbeit leisten könnte.
Anders sieht es aus, wenn Lisa schwer psychisch erkrankt und auch nach Therapie und Reha weniger als drei Stunden am Tag belastbar ist. Dann zahlen Berufsunfähigkeitsversicherung, Erwerbsunfähigkeitsversicherung und gesetzliche Rente. Psychische Erkrankungen sind damit der Bereich, in dem beide Versicherungen am ehesten gleich gut schützen.
| Berufsunfähigkeitsversicherung | Erwerbsunfähigkeitsversicherung | Gesetzliche Erwerbsminderungsrente | |
|---|---|---|---|
| Maßstab | Dein zuletzt ausgeübter Beruf | Jede Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt | Jede Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt |
| Wann gezahlt wird | Ab 50 Prozent Berufsunfähigkeit, voraussichtlich sechs Monate | Unter drei Stunden täglich, meist voraussichtlich sechs Monate | Voll unter drei Stunden, teilweise drei bis unter sechs Stunden täglich, auf nicht absehbare Zeit |
| Höhe | Frei vereinbart | Frei vereinbart | Abhängig von deinen Beiträgen, im Zugang 2025 im Schnitt 1.067 Euro |
| Vorversicherungszeit | Keine | Keine | Fünf Jahre Wartezeit, drei Jahre Pflichtbeiträge in den letzten fünf Jahren |
| Gesundheitsprüfung | Ausführlich | Oft etwas weniger streng | Keine beim Eintritt |
| Preis | Höher, je nach Beruf stark unterschiedlich | Niedriger, Vorteil vor allem in körperlichen Berufen | Über deine Rentenbeiträge |
Was gilt ohne Erwerbsunfähigkeitsversicherung? Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente
Ohne private Absicherung bleibt dir bei Erwerbsunfähigkeit nur die gesetzliche Rente wegen Erwerbsminderung. Neu bewilligte Renten lagen 2025 im Schnitt bei 1.067 Euro im Monat, Stand: Rentenzugang 2025 laut Deutscher Rentenversicherung. Für den Zugang 2024 nennt der Rentenversicherungsbericht 1.041 Euro.
Nach § 43 SGB VI gibt es die volle Rente unter drei Stunden täglich, die halbe Rente bei drei bis unter sechs Stunden. Wer sechs Stunden oder mehr arbeiten kann, bekommt nichts.
Eine Besonderheit ist die Arbeitsmarktrente. Bist du teilweise erwerbsgemindert und findest keine passende Teilzeitstelle, zahlt die Rentenversicherung die volle Rente. Private Erwerbsunfähigkeitsversicherungen kennen diese Regel in der Regel nicht. Für sie zählt nur, was du gesundheitlich noch kannst.
So wird die Erwerbsminderungsrente berechnet
Die Rente beruht auf deinen bisherigen Rentenpunkten. Damit junge Menschen nicht leer ausgehen, rechnet die Rentenversicherung eine Zurechnungszeit hinzu. Du wirst so gestellt, als hättest du bis zu einem bestimmten Alter weiter eingezahlt. Bei Rentenbeginn 2026 ist das ein Alter von 66 Jahren und 3 Monaten, Stand: September 2025 laut Stiftung Warentest.
Gleichzeitig gibt es einen Abschlag von 0,3 Prozent für jeden Monat vor der Altersgrenze, höchstens 10,8 Prozent. Bei einer Erwerbsminderung in jungen Jahren greift fast immer der volle Abschlag. Für 2027 ist im Gesetz schon festgelegt, dass die Zurechnungszeit auf 66 Jahre und 4 Monate steigt. Das ist beschlossen, gilt ab 1. Januar 2027 und kann sich durch neue Gesetze noch ändern.
Pauschale Faustregeln wie „ein Drittel vom letzten Brutto“ führen in die Irre. Sie gelten nur bei lückenloser Erwerbsbiografie mit Durchschnittsverdienst. Verlässlich ist deine eigene Renteninformation. Dort steht, wie hoch deine Rente wegen voller Erwerbsminderung heute wäre.
Bei Lisa schätzen wir grob: Ihre Renteninformation nennt 1.333 Euro Altersrente. Nach Abschlag und mit der etwas kürzeren Zurechnungszeit käme sie bei voller Erwerbsminderung auf rund 1.150 Euro brutto. Nach Kranken- und Pflegeversicherung blieben rund 1.000 Euro. Ihr fehlten jeden Monat rund 1.500 Euro, bei teilweiser Erwerbsminderung noch deutlich mehr.
Kranken- und Pflegeversicherung, Steuer und Hinzuverdienst
Mit der Rente wirst du meist in der Krankenversicherung der Rentner pflichtversichert. Von der Bruttorente gehen dann die Hälfte des allgemeinen Beitragssatzes und des Zusatzbeitrags ab, dazu der volle Pflegebeitrag. Den anderen Teil trägt die Rentenversicherung.
Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente wird nachgelagert besteuert. Bei Rentenbeginn 2026 sind 84 Prozent steuerpflichtig, Stand: Rechengrößen 2026. Ob tatsächlich Steuer anfällt, hängt von deinen übrigen Einkünften ab.
Neben der Rente darfst du hinzuverdienen. Seit 2023 gelten dafür jährliche Grenzen. 2026 sind es 20.763,75 Euro im Jahr bei voller Erwerbsminderung und mindestens 41.527,50 Euro bei teilweiser Erwerbsminderung, Stand: Mai 2026 laut Deutscher Rentenversicherung. Angerechnet werden Lohn, Gewinn aus Selbständigkeit und bestimmte Sozialleistungen. Eine private Erwerbsunfähigkeitsrente gehört nicht dazu.
Die meisten Erwerbsminderungsrenten sind befristet
Die Rentenversicherung bewilligt die Rente meist auf Zeit, jeweils für höchstens drei Jahre. Eine befristete Rente beginnt frühestens im siebten Kalendermonat nach Eintritt der Erwerbsminderung. Für die Verlängerung stellst du einen Weiterzahlungsantrag. Nach insgesamt neun Jahren Befristung aus medizinischen Gründen wird sie unbefristet gezahlt, so regelt es § 102 SGB VI.
Ist die Rente zu niedrig zum Leben und bist du dauerhaft voll erwerbsgemindert, kannst du ergänzend Grundsicherung bei Erwerbsminderung beim Sozialamt beantragen. Der Regelsatz für Alleinstehende liegt 2026 bei 563 Euro, dazu kommen Miete und Heizung. Ab der Regelaltersgrenze wird die Erwerbsminderungsrente automatisch zur Altersrente. Mehr dazu auf unserer Seite zur gesetzlichen Erwerbsminderungsrente.
Wann du überhaupt Anspruch auf die gesetzliche Erwerbsminderungsrente hast
Anspruch hast du nur, wenn drei Dinge zusammenkommen: die medizinische Erwerbsminderung, die allgemeine Wartezeit von fünf Jahren und mindestens drei Jahre Pflichtbeiträge in den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung. Fehlt eines davon, zahlt die Rentenversicherung nichts, egal wie krank du bist.
Für die Wartezeit zählen auch Kindererziehung, Pflege von Angehörigen, freiwillige Beiträge, Versorgungsausgleich und Minijob-Zuschläge. Für die drei Jahre Pflichtbeiträge zählen freiwillige Beiträge nicht, Krankengeld und Arbeitslosengeld I dagegen meist schon.
Die Drei-aus-fünf-Regel trifft oft Menschen mit gewollten Pausen. Ein Sabbatical, ein Auslandsjahr oder ein Minijob ohne Aufstockung können den Anspruch kosten. Das ist eine Lücke im System, kein Fehler derer, die eine Pause machen.
Für Eltern gibt es Schutz. Kindererziehungszeiten gelten als Pflichtbeiträge, 36 Monate je Kind. Außerdem verlängert sich das Fünf-Jahres-Fenster um Berücksichtigungszeiten für Kinder bis zehn Jahre, um Anrechnungszeiten wie Krankheit und um bis zu sieben Jahre schulischer Ausbildung ab 17. So steht es in § 43 Abs. 4 SGB VI.
Wann die Wartezeit schon früher erfüllt ist
In einigen Fällen ist die Wartezeit vorzeitig erfüllt, so regelt es § 53 SGB VI. Das gilt nach einem Arbeitsunfall oder einer Berufskrankheit. Dann reicht ein einziger Pflichtbeitrag, wenn du zum Zeitpunkt des Unfalls versicherungspflichtig warst.
Für junge Menschen wichtig: Wirst du innerhalb von sechs Jahren nach dem Ende einer Ausbildung oder eines Studiums voll erwerbsgemindert, genügt ein Jahr Pflichtbeiträge in den letzten zwei Jahren. Dieser Zeitraum verlängert sich um schulische Ausbildung nach dem 17. Geburtstag, längstens um sieben Jahre.
Wer vor dem 2. Januar 1961 geboren ist, hat noch einen Vertrauensschutz: eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung bei Berufsunfähigkeit. Für alle Jüngeren gibt es keinen gesetzlichen Berufsschutz mehr.
Für wen eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung sinnvoll ist
Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung ist die zweitbeste Lösung. Erste Wahl bleibt eine Berufsunfähigkeitsversicherung, weil sie viel früher zahlt. Verbraucherzentralen und Stiftung Warentest sehen das genauso. Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung lohnt sich vor allem in diesen Lagen.
- Nach einer Ablehnung: Eine Psychotherapie, Rückenprobleme oder andere Vorerkrankungen führen oft zur Ablehnung einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Bei der Erwerbsunfähigkeitsversicherung prüfen manche Versicherer weniger streng.
- Körperliche Berufe: Handwerkerinnen und Handwerker, Pflegekräfte, Dachdeckerinnen und Dachdecker zahlen für eine Berufsunfähigkeitsversicherung oft sehr hohe Beiträge. Hier ist der Preisvorteil am größten.
- Schülerinnen und Schüler, Auszubildende und Studierende: Sie haben meist noch keinen gesetzlichen Anspruch. Wichtig ist hier ein Recht, den Vertrag später ohne neue Gesundheitsprüfung in eine Berufsunfähigkeitsversicherung umzuwandeln.
- Hausfrauen und Hausmänner: Für sie bieten viele Versicherer nur eingeschränkte Berufsunfähigkeitsrenten an, und ein gesetzlicher Anspruch fehlt oft. Eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung kann eine Grundabsicherung sein.
- Selbständige ohne Rentenversicherungspflicht: Ihnen fehlen meist die Pflichtbeiträge für die gesetzliche Rente. Ohne private Absicherung bleibt dann nichts außer Grundsicherung.
Für Büroberufe ist der Preisvorteil meist klein, die Berufsunfähigkeitsversicherung dort fast immer besser. Für Selbständige lohnt zusätzlich ein Blick auf unsere Seite zur Absicherung von Selbständigen.
Bei Selbständigen gibt es eine Besonderheit. Handwerkerinnen und Handwerker in der Handwerksrolle sind in den ersten 18 Jahren rentenversicherungspflichtig, Künstlerinnen und Künstler über die Künstlersozialkasse ebenfalls. Sie können einen gesetzlichen Anspruch haben. Viele andere Selbständige haben keinen.
Ein Gedanke zu Lisa: Stell dir vor, Lisa hätte 2019 wegen einer kurzen Psychotherapie im Studium keine Berufsunfähigkeitsversicherung bekommen. Eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung über 1.500 Euro hätte ihr im Fall der schweren psychischen Erkrankung gemeinsam mit der gesetzlichen Rente ihr Netto gesichert. Beim Bandscheibenvorfall hätte sie nicht geholfen.
Worauf es im Vertrag einer Erwerbsunfähigkeitsversicherung ankommt
Die Bedingungen unterscheiden sich stark. Diese Punkte entscheiden, ob und ab wann gezahlt wird.
| Punkt | Gute Regelung | Worauf du achtest |
|---|---|---|
| Prognosezeitraum | Voraussichtlich sechs Monate | Längere Zeiträume oder „auf Dauer“ verzögern oder verhindern die Leistung. |
| Zeitliche Definition | Nach sechs Monaten ununterbrochener Erwerbsunfähigkeit wird rückwirkend ab Beginn gezahlt | Ob auch gezahlt wird, wenn eine Prognose anfangs fehlt. |
| Rückwirkende Leistung bei später Meldung | Zahlung ab Beginn der Erwerbsunfähigkeit, auch wenn du sie verspätet meldest | Manche Verträge zahlen erst ab dem Monat der Meldung. |
| Erwerbsunfähigkeit durch Pflegebedürftigkeit | Leistung auch, wenn du pflegebedürftig bist | Wie Pflegebedürftigkeit im Vertrag definiert ist. |
| Nachversicherungsgarantie | Rente bei Heirat, Geburt, Gehaltssprung oder Immobilienkauf ohne neue Gesundheitsfragen erhöhen | Fristen und Höchstgrenzen der Erhöhung. |
| Umwandlungsrecht | Wechsel in eine Berufsunfähigkeitsversicherung ohne neue Gesundheitsprüfung | Bis wann und unter welchen Bedingungen du umwandeln darfst. |
| Dynamik | Beitrag und Rente steigen jährlich, auch eine Dynamik der laufenden Rente | Ob mehrfaches Ablehnen das Recht auf Dynamik beendet. |
| Laufzeit | Versicherung und Leistung bis 67 | Ein Endalter von 60 lässt Jahre ohne Schutz. |
| Beitragsbefreiung | Im Leistungsfall musst du keine Beiträge zahlen | Bei Zusatzbausteinen, ob auch der Hauptvertrag beitragsfrei wird. |
| Nachweis | Ein Bescheid über volle Erwerbsminderung der Rentenversicherung reicht als Nachweis | Ob der Versicherer eigene Gutachten verlangt. |
Zwei Begriffe aus der Tabelle brauchen eine Erklärung. Der Prognosezeitraum ist die Zeit, für die Ärztinnen und Ärzte vorhersagen müssen, dass du erwerbsunfähig bleibst. Je kürzer er ist, desto früher zahlt der Versicherer.

Samiras Blick
Samira Harkat
„Verträge werden nach dem Abschluss fast nie geprüft.“
Bei einer Erwerbsunfähigkeitsversicherung aus Studium oder Ausbildung heißt das konkret: Das Recht auf Umwandlung in eine Berufsunfähigkeitsversicherung läuft oft ungenutzt ab. Ein Blick in den Vertrag nach dem ersten festen Job lohnt sich.
Was eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung kostet und wie die Rente besteuert wird
Eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung kostet spürbar weniger als eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Stiftung Warentest nennt ein Beispiel: Ein Industriemechaniker zahlt für 1.500 Euro Monatsrente ab 600 Euro im Jahr, für eine Berufsunfähigkeitsversicherung ab 900 Euro, Stand: Juni 2025.
Der Preis hängt von Beruf, Eintrittsalter, Rentenhöhe, Laufzeit und Gesundheit ab. Weil der Beruf weniger zählt, ist der Abstand zur Berufsunfähigkeitsversicherung bei körperlichen Berufen groß und bei Büroberufen klein.
So wird die private Erwerbsunfähigkeitsrente besteuert
Eine private Erwerbsunfähigkeitsrente ist nicht steuerfrei. Versteuert wird nur ein Teil, der Ertragsanteil. Seine Höhe hängt davon ab, wie lange die Rente laut Vertrag noch höchstens laufen kann. Je länger die Restlaufzeit, desto höher der Anteil.
Die Beiträge sind sonstige Vorsorgeaufwendungen. Der Höchstbetrag von 1.900 Euro im Jahr für Angestellte und 2.800 Euro für Selbständige ist allerdings meist schon durch Kranken- und Pflegeversicherung ausgeschöpft.
Als Zusatz zu einer Basisrente sind die Beiträge dagegen absetzbar, wenn mehr als die Hälfte des Beitrags auf die Altersvorsorge entfällt. Die Rente wird dann nachgelagert besteuert.
Bist du in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert, zahlst du auf die private Rente in der Regel keine Beiträge. Freiwillig Versicherte zahlen darauf den vollen Beitrag.
So läuft der Abschluss einer Erwerbsunfähigkeitsversicherung ab
Der Weg zum Vertrag beginnt mit deinem Bedarf. Rechne mit deinen echten Ausgaben und ziehe ab, was du von der gesetzlichen Rente erwarten kannst. Das Ergebnis ist die Rente, die dir fehlt.
Dann folgen die Gesundheitsfragen. Sie sind bei der Erwerbsunfähigkeitsversicherung oft etwas kürzer als bei der Berufsunfähigkeitsversicherung, fragen aber trotzdem nach Behandlungen der letzten Jahre. Du musst nur das angeben, wonach der Versicherer in Textform fragt. Das regelt § 19 VVG. Diese Fragen beantwortest du aber vollständig und richtig.
Hol dir vorher deine Patientenquittung von der Krankenkasse und deine Arztakten. Mehr dazu auf unserer Seite zu Gesundheitsfragen und vorvertraglicher Anzeigepflicht.
Hast du Vorerkrankungen, ist eine anonyme Risikovoranfrage der sichere Weg. Dabei fragen wir bei mehreren Versicherern ohne deinen Namen an, ob und zu welchen Bedingungen sie dich versichern. Eine Ablehnung landet so nicht in Datenbanken unter deinem Namen.
Möglich sind Annahme, Risikozuschlag, Ausschluss einer Erkrankung oder Ablehnung. Erst danach stellst du den echten Antrag.
Bei falschen Angaben kann der Versicherer zurücktreten, kündigen oder den Vertrag anpassen, wenn er dich vorher in Textform auf die Folgen hingewiesen hat. Diese Rechte erlöschen nach fünf Jahren, bei Arglist nach zehn.
Wenn du erwerbsunfähig wirst: so bekommst du deine Rente
Melde den Leistungsfall früh, denn manche Verträge zahlen erst ab der Meldung. Die Prüfung beginnt mit einem Leistungsantrag, einem ausführlichen Fragebogen und einer Schweigepflichtentbindung für deine Ärztinnen und Ärzte.
Der Versicherer prüft Arzt- und Reha-Berichte und kann ein Gutachten verlangen. Danach muss er nach § 173 VVG erklären, ob er seine Leistungspflicht anerkennt. Ein befristetes Anerkenntnis ist nur einmal erlaubt. Diese Regeln gelten nach § 177 VVG auch für die Erwerbsunfähigkeitsversicherung.
Erkennt der Versicherer an, darf er später nachprüfen, ob du noch erwerbsunfähig bist. Fällt die Erwerbsunfähigkeit weg, muss er dir das in Textform mitteilen. Die Zahlung endet frühestens drei Monate danach, so regelt es § 174 VVG.
Der Antrag bei der Rentenversicherung läuft getrennt davon. Ein Bescheid über volle Erwerbsminderung hilft bei der privaten Prüfung, bindet den Versicherer aber nur, wenn das im Vertrag so steht. Umgekehrt zahlt die private Versicherung nicht automatisch, nur weil die Rentenversicherung zahlt.
Wie lange es bis zum ersten Geld dauert
Bei Lisa sähe der Verlauf bei einer schweren psychischen Erkrankung so aus. In den ersten sechs Wochen zahlt der Arbeitgeber ihr volles Gehalt. Danach bekommt sie Krankengeld, rund 1.980 Euro netto im Monat. Ihr fehlen rund 520 Euro. Krankengeld gibt es für höchstens 78 Wochen in drei Jahren, die Lohnfortzahlung eingerechnet.
Die gesetzliche Rentenversicherung prüft zuerst, ob eine Reha ihre Erwerbsfähigkeit wiederherstellen kann. Der Grundsatz heißt Reha vor Rente. Das Verfahren kann Monate dauern. Endet das Krankengeld vorher, kann sie über die Nahtlosigkeitsregelung Arbeitslosengeld I bekommen, solange über ihre Erwerbsfähigkeit noch nicht entschieden ist.
Ihre private Versicherung kann schon früher zahlen. Steht nach ärztlicher Prognose fest, dass Lisa voraussichtlich sechs Monate nicht mehr als drei Stunden arbeiten kann, beginnt die Leistung. Mehr zur ersten Phase findest du auf unserer Seite zum Krankengeld.
Gegen eine Ablehnung der Rentenversicherung kannst du innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen. Beim Versicherer helfen eine Beschwerde, die Schlichtungsstelle Versicherungsombudsmann oder eine anwaltliche Prüfung.
Wie sich die Erwerbsunfähigkeitsversicherung von anderen Absicherungen unterscheidet
Die Grundfähigkeitsversicherung zahlt, wenn du eine körperliche oder geistige Fähigkeit verlierst, etwa Sehen, Hören, Gehen, Sprechen oder den Gebrauch der Hände. Psychische Erkrankungen sind meist ausgeschlossen. Genau dort ist die Erwerbsunfähigkeitsversicherung stärker.
Eine Schwere-Krankheiten-Versicherung zahlt einmal eine feste Summe bei Diagnosen wie Krebs oder Schlaganfall. Eine Pflegerentenversicherung zahlt bei Pflegebedürftigkeit, oft erst in höherem Alter. Eine private Unfallversicherung zahlt nur nach Unfällen.
Psychische Störungen waren 2024 mit 42,0 Prozent der häufigste Grund für neue Erwerbsminderungsrenten, Stand: September 2025 laut Antwort der Bundesregierung. Herz- und Kreislauferkrankungen sind in den letzten Jahren seltener geworden. Eine Absicherung, die Psyche ausklammert, lässt also die größte Lücke offen.
Die Krankenkasse zahlt nur für begrenzte Zeit Krankengeld. Wie alle Bausteine zusammenspielen, zeigt unsere Übersicht Was ist Einkommenssicherung?
Was bei der Erwerbsunfähigkeitsversicherung als Nächstes zählt
Bei der Erwerbsunfähigkeitsversicherung zählt zuerst eine ehrliche Frage: Bekommst du eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu fairen Bedingungen? Wenn ja, ist sie der bessere Schutz. Wenn nicht, ist die Erwerbsunfähigkeitsversicherung weit besser als gar nichts, gerade bei psychischen Erkrankungen.
Danach zählt deine Ausgangslage im gesetzlichen System. Ein Blick in die Renteninformation zeigt, ob du einen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente hast und wie hoch er wäre. Gerade nach Pausen, in der Selbständigkeit oder direkt nach dem Studium fehlt dieser Anspruch oft.
Und schließlich zählt der Vertrag selbst, vor allem Prognosezeitraum, Nachversicherung und für junge Menschen das Umwandlungsrecht. Ein Vertrag, der heute passt, braucht in ein paar Jahren einen zweiten Blick. Dafür sind wir da, sprich uns gerne an.
Lass uns deine Absicherung bei Erwerbsunfähigkeit einmal durchgehen.
Die Prüfung ist unabhängig davon, ob am Ende ein neuer Vertrag steht. Oft ist der alte Vertrag mit Lücken besser als ein neuer mit neuen Gesundheitsfragen.
Beratung durch die FemininFinance GmbH & Co. KG, Versicherungsmaklerin nach § 34d Abs. 1 GewO, Register-Nr. D-TAJS-4I8JO-48, und ihre Kooperationspartner:innen mit eigener Erlaubnis und eigener Registrierung bei der IHK.
Häufig gestellte Fragen
Oft ja, manchmal mit Zuschlag. Eine Psychotherapie kann aber auch hier zur Ablehnung führen. Am sichersten ist eine anonyme Risikovoranfrage bei mehreren Versicherern, bevor du einen echten Antrag stellst.
Sie ist für körperliche Berufe die häufigste Alternative, weil der Preisvorteil dort am größten ist. Sie zahlt aber nur, wenn du auch keine leichte Tätigkeit mehr drei Stunden am Tag ausüben kannst. Kannst du wegen des Rückens nicht mehr aufs Dach, aber noch im Büro arbeiten, zahlt sie nicht.
In der Regel nicht. Wer mehr als drei Stunden täglich arbeiten kann, gilt bei den meisten Verträgen nicht als erwerbsunfähig. Von der Rentenversicherung kannst du bei drei bis unter sechs Stunden aber eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung bekommen, wenn du die Beitragszeiten erfüllst.
Das ist möglich, denn beide prüfen getrennt. Die Rentenversicherung lehnt etwa ab, wenn Beitragszeiten fehlen. Der Versicherer prüft nur seine eigenen Bedingungen. Gegen die Ablehnung der Rentenversicherung kannst du innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen.
Viele Versicherer bieten Studierenden bereits eine Berufsunfähigkeitsversicherung an, oft zu günstigen Beiträgen. Ist das nicht möglich, kann eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung mit Umwandlungsrecht sinnvoll sein. So wechselst du später ohne neue Gesundheitsfragen.
Ja. Die private Rente wird nicht auf die gesetzliche angerechnet und zählt nicht zum Hinzuverdienst. Die private Rente musst du aber mit dem Ertragsanteil versteuern, die gesetzliche nachgelagert.
Sehr wahrscheinlich ja. Teilzeit mit sozialversicherungspflichtigem Lohn bringt Pflichtbeiträge, Kindererziehungszeiten zählen 36 Monate je Kind dazu. Die Höhe siehst du in deiner Renteninformation.
Quellen: Gesetz: § 43 SGB VI, Rente wegen Erwerbsminderung, geltende Fassung, geprüft am 07.10.2026 · Deutsche Rentenversicherung: Erwerbsminderungsrente, Stand 17.05.2026, geprüft am 07.10.2026 · Deutscher Bundestag: Antwort der Bundesregierung, Drucksache 21/1792, zu Erwerbsminderungsrenten, Stand 23.09.2025, geprüft am 07.10.2026 · Deutscher Bundestag: Rentenversicherungsbericht 2025, Stand 22.12.2025, geprüft am 07.10.2026 · Stiftung Warentest: Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung, Stand 17.06.2025, geprüft am 07.10.2026 · Stiftung Warentest: Erwerbsminderungsrente, Stand 22.09.2025, geprüft am 07.10.2026 · Verbraucherzentrale Niedersachsen: Die Erwerbsunfähigkeit versichern, Stand 17.04.2025, geprüft am 07.10.2026 · GDV: Erwerbsunfähigkeitsversicherung, Stand 15.03.2024, geprüft am 07.10.2026
Was sich geändert hat: 07.10.2026 – erste Fassung.
Haftungsausschluss: Dieser Artikel ist allgemeine Information und ersetzt keine persönliche Beratung. Welche Lösung zu dir passt, hängt von deiner Situation ab. Darüber sprechen wir am besten direkt. Alles Weitere steht im Haftungsausschluss.
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- Kundinnen und Kunden mit EU aus Studium oder Ausbildung freuen sich über eine Erinnerung an das Umwandlungsrecht, bevor es ausläuft.
- Nach einer BU-Ablehnung lohnt ein Anruf: Mit einer anonymen Risikovoranfrage für eine EU findet sich oft doch noch ein Weg.
- Bei Selbständigen ohne Pflichtbeiträge gemeinsam in die Renteninformation schauen. Das macht die Lücke greifbar.
