Eine Grundfähigkeitsversicherung zahlt dir eine monatliche Rente, wenn du eine grundlegende Fähigkeit verlierst: sehen, hören, sprechen, gehen, greifen, Treppen steigen. Sie fragt nicht, ob du deinen Beruf noch schaffst. Sie fragt nur, ob dein Körper eine genau beschriebene Sache noch kann.
Das macht sie für viele interessant, die keine Berufsunfähigkeitsversicherung bekommen oder sie nicht bezahlen können. Handwerkerinnen und Handwerker gehören dazu, Pflegekräfte, Menschen mit Vorerkrankungen, Hausfrauen und Hausmänner und Kinder. Es macht sie aber auch eng. Wer an der Psyche erkrankt, geht oft leer aus.
Hier liest du, welche Fähigkeiten versichert sind, wie streng die Bedingungen sie beschreiben, was der Schutz kostet und warum so viele Anträge scheitern.
Betrifft dich, wenn du ins Berufsleben startest du dich selbstständig machst du für dein Kind vorsorgen willst du länger ausfällst
Das Wichtigste in Kürze
- Sie zahlt eine Monatsrente, wenn du eine versicherte Fähigkeit wie Sehen, Gehen oder den Gebrauch einer Hand verlierst. Dein Beruf spielt keine Rolle.
- Sie ist meist günstiger als eine BU, vor allem in körperlichen Berufen. Psychische Erkrankungen sind aber in der Regel nicht oder nur sehr eng versichert.
- Jeder Versicherer beschreibt die Fähigkeiten selbst. Einen Standard gibt es nicht. Der genaue Wortlaut entscheidet, ob du Geld bekommst.
- Die Hürde im Leistungsfall ist hoch. Laut dem Analysehaus Franke und Bornberg werden rund 36 Prozent der Anträge anerkannt, Stand September 2026. In der BU sind es rund 80 Prozent.
- Für die meisten Angestellten bleibt die BU erste Wahl. Die Grundfähigkeitsversicherung passt, wenn die BU nicht geht oder zu teuer ist, und für Kinder mit späterem Wechselrecht.
Inhalt
- Was ist eine Grundfähigkeitsversicherung?
- Welche Grundfähigkeiten versichert sind und wie streng sie beschrieben werden
- Was gilt ohne Grundfähigkeitsversicherung?
- Grundfähigkeit oder Berufsunfähigkeit: wann welche Absicherung passt
- Für wen eine Grundfähigkeitsversicherung infrage kommt
- Zusatzbausteine: Pflege, Arbeitsunfähigkeit, schwere Krankheiten und Psyche
- Worauf es im Vertrag einer Grundfähigkeitsversicherung ankommt
- Was kostet eine Grundfähigkeitsversicherung und wie wird sie versteuert?
- So läuft der Abschluss einer Grundfähigkeitsversicherung ab
- Wenn du eine Grundfähigkeit verlierst: so bekommst du deine Rente
- Was bei der Grundfähigkeitsversicherung jetzt zählt
- Häufig gestellte Fragen
Was ist eine Grundfähigkeitsversicherung?
Die kurze Antwort: Eine Grundfähigkeitsversicherung ist eine private Versicherung, die dir eine feste Monatsrente zahlt, solange du eine im Vertrag genannte Fähigkeit verloren hast. Die Ursache ist egal. Krankheit, Unfall oder Kräfteverfall zählen gleich.
Im Leistungsfall bekommst du zwei Dinge. Erstens die vereinbarte Rente. Zweitens die Beitragsbefreiung: Du musst keine Beiträge mehr zahlen, der Vertrag läuft trotzdem weiter. Die Rente fließt, bis die Fähigkeit zurückkommt, bis das vereinbarte Endalter erreicht ist oder bis zum Tod, je nachdem, was zuerst eintritt.
Sie gehört zur Arbeitskraftabsicherung, schaut aber anders als die Berufsunfähigkeitsversicherung auf den Körper, nicht auf den Arbeitsplatz.
So unterscheidet sie sich von BU, EU, schweren Krankheiten, Pflegerente und Unfall
Ähnliche Versicherungen lösen bei ganz unterschiedlichen Ereignissen aus. Ausführlich erklärt sind sie auf den Seiten zur Berufsunfähigkeitsversicherung, zur Erwerbsunfähigkeitsversicherung und zur Schwere-Krankheiten-Versicherung.
| Absicherung | Wann sie zahlt | Wie sie zahlt | Psychische Erkrankungen |
|---|---|---|---|
| Berufsunfähigkeitsversicherung | Du kannst deinen zuletzt ausgeübten Beruf voraussichtlich mindestens sechs Monate zu mindestens 50 Prozent nicht ausüben | Monatsrente | versichert |
| Erwerbsunfähigkeitsversicherung | Du kannst voraussichtlich mindestens sechs Monate auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nicht mehr als drei Stunden täglich arbeiten | Monatsrente | versichert, aber hohe Hürde |
| Grundfähigkeitsversicherung | Du verlierst eine im Vertrag beschriebene Fähigkeit, meist für mindestens sechs oder zwölf Monate | Monatsrente | meist nicht oder nur über einen engen Zusatzbaustein |
| Schwere-Krankheiten-Versicherung | Ein Arzt oder eine Ärztin stellt eine Krankheit von der Vertragsliste fest, etwa Krebs oder Schlaganfall | Einmalbetrag | nur einzelne Diagnosen |
| Pflegerentenversicherung | Du bist pflegebedürftig, meist gemessen am Pflegegrad | Monatsrente | nur, wenn ein Pflegegrad erreicht ist |
| Private Unfallversicherung | Ein Unfall hinterlässt eine bleibende Invalidität | Einmalbetrag, teils Rente | nein, Krankheiten zählen nicht |
Ein Unterschied wird oft übersehen. Nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall zahlt die BU nur, wenn du deinen Beruf zu mindestens 50 Prozent nicht mehr schaffst. Die Unfallversicherung zahlt gar nicht, weil ein Herzinfarkt kein Unfall ist, sondern ein Vorgang im Körper. Die Grundfähigkeitsversicherung zahlt, wenn der Schlaganfall zum Beispiel eine Hand dauerhaft lähmt.
Welche Grundfähigkeiten versichert sind und wie streng sie beschrieben werden
Jeder Vertrag versichert eine feste Liste von Fähigkeiten. Am Markt gibt es laut Franke und Bornberg mehr als 40 verschiedene, Stand September 2025. Einen gesetzlichen oder branchenweiten Standard gibt es nicht. Jeder Versicherer legt selbst fest, welche Fähigkeiten drin sind und ab wann ein Verlust zählt.
Das Analysehaus prüft einen festen Kern von Fähigkeiten, den ein guter Vertrag enthalten sollte. 2025 kam Ziehen und Schieben dazu, 2026 der Gleichgewichtssinn. Typisch sind diese Gruppen:
- Sinne: Sehen, Hören, Sprechen, Gleichgewichtssinn, Orientierung.
- Bewegung: Gehen, Stehen, Sitzen, Treppensteigen, Knien und Bücken, Heben und Tragen, Ziehen und Schieben.
- Hände und Arme: Gebrauch einer Hand, Greifen, Schreiben, Fingerfertigkeit, Bedienen von Tastatur oder Smartphone.
- Kopf: geistige Leistungsfähigkeit, eigenverantwortliches Handeln.
- Mobilität im Alltag: Autofahren, Nutzen öffentlicher Verkehrsmittel.
Stiftung Warentest hat in ihrem Test von 2025 einen Mindestschutz festgelegt. Ein Vertrag sollte motorische, sinnliche und geistige Fähigkeiten abdecken, darunter Heben und Tragen, Knien und Bücken, Autofahren, Sehen, Hören und Sprechen. Dazu gehört eine Leistung bei Pflegebedürftigkeit.
So eng können die Definitionen sein
Eine Fähigkeit gilt nicht schon als verloren, wenn sie schwerfällt. Die Bedingungen nennen meist eine messbare Grenze. Beim Gehen heißt es oft, du kannst keine 400 Meter mehr am Stück gehen. Beim Treppensteigen kann es eine bestimmte Zahl von Stufen sein.
Beim Sehen verlangen manche Verträge, dass die Sehschärfe auf jedem Auge auf höchstens 5 Prozent sinkt oder das Gesichtsfeld stark eingeengt ist. Beim Hören zahlen bessere Verträge schon bei schwerer Schwerhörigkeit, schwächere erst bei Taubheit. Beim Gebrauch der Hände reicht in manchen Verträgen eine Hand, in anderen müssen beide betroffen sein.
Genau hier scheitern viele Anträge. Laut Franke und Bornberg wird häufig der vereinbarte Grad der Einschränkung nicht erreicht, Stand Dezember 2024. Lies deshalb die Definitionen, nicht nur die Liste.
Brille, Hörgerät, Rollator: wie Hilfsmittel zählen
Viele Bedingungen prüfen die Fähigkeit mit den üblichen Hilfsmitteln. Wer mit Brille gut sieht, bekommt keine Rente fürs Sehen. Das schreibt auch die Verbraucherzentrale. Bei Gehhilfen, Hörgeräten oder Prothesen kommt es auf den Wortlaut an.
Ein Urteil stärkt hier die Versicherten. Das Oberlandesgericht Köln hat am 11.07.2025 unter dem Aktenzeichen 20 U 163/23 entschieden: Steht in den Bedingungen „aus eigener Kraft“, ist eine Bewegung ohne Hilfsmittel gemeint. Im Fall ging es ums Knien und Bücken, der Versicherer musste zahlen.
Wie lange der Verlust dauern muss
Der Verlust muss voraussichtlich eine Mindestzeit andauern, den Prognosezeitraum. Viele Verträge verlangen zwölf Monate, gute begnügen sich mit sechs Monaten. Stiftung Warentest nennt sechs Monate als typischen Prognosezeitraum, Stand Juli 2025. Wichtig ist auch, ob die Rente rückwirkend ab Beginn des Verlusts gezahlt wird, wenn du den Fall später meldest.
Was gilt ohne Grundfähigkeitsversicherung?
Ohne private Absicherung gibt es befristet Krankengeld und danach unter strengen Bedingungen eine Erwerbsminderungsrente. Ob du eine Fähigkeit verloren hast, spielt keine Rolle. Es zählt nur, wie viele Stunden du noch arbeiten kannst.
„Lisa Logisch ist unsere Beispielperson. Sie ist erfunden, ihr Verlauf ist alltagsecht.“ Lisa ist 31, Projektmanagerin in Vollzeit und verdient 3.850 Euro brutto, 2.500 Euro netto. Ihre Fixkosten liegen bei 1.600 Euro im Monat.
Wird Lisa krank, zahlt ihr Arbeitgeber sechs Wochen lang das volle Gehalt. Danach bekommt sie Krankengeld von rund 1.980 Euro netto im Monat. Ihr fehlen rund 520 Euro. Krankengeld gibt es höchstens 78 Wochen innerhalb von drei Jahren für dieselbe Krankheit, die sechs Wochen Lohnfortzahlung eingerechnet.
Danach bleibt die Erwerbsminderungsrente der gesetzlichen Rentenversicherung. Nach § 43 SGB VI bekommt die volle Rente, wer auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt weniger als drei Stunden täglich arbeiten kann. Wer drei bis unter sechs Stunden schafft, bekommt die halbe Rente. Vorher müssen fünf Jahre Wartezeit erfüllt sein und drei Jahre Pflichtbeiträge in den letzten fünf Jahren.
Im Schnitt lag die neue Erwerbsminderungsrente 2025 bei rund 1.067 Euro im Monat, so der Jahresbericht der Deutschen Rentenversicherung, Stand 2026. Für Lisa würde selbst dieser Durchschnitt ihre Fixkosten von 1.600 Euro nicht decken. Und wer nach einem Unfall eine Hand nicht mehr nutzen kann, aber im Büro sechs Stunden arbeitet, bekommt vom Staat gar keine Rente.
Kinder, Studierende, Hausfrauen und Hausmänner sowie viele Selbständige haben oft keinen Anspruch, weil Pflichtbeiträge fehlen. Eine Ausnahme regelt § 53 SGB VI: Wer innerhalb von sechs Jahren nach der Ausbildung voll erwerbsgemindert wird, braucht nur ein Jahr Pflichtbeiträge.
Grundfähigkeit oder Berufsunfähigkeit: wann welche Absicherung passt
Die BU schützt breiter, die Grundfähigkeitsversicherung ist oft günstiger und leichter zu bekommen. Welche besser passt, hängt davon ab, was dich wahrscheinlicher trifft und was du überhaupt abschließen kannst.
Lisa hat seit 2019 eine BU mit 1.500 Euro Monatsrente. Stell dir vor: Lisa fällt wegen einer schweren Erschöpfungsdepression monatelang aus. Sehen, Gehen und Greifen funktionieren. Eine Grundfähigkeitsversicherung würde nicht zahlen. Ihre BU kann zahlen, wenn sie ihren Job voraussichtlich mindestens sechs Monate zu mindestens 50 Prozent nicht schafft.
Jetzt der umgekehrte Fall. Lisa hat einen Schlaganfall, ihre rechte Hand bleibt gelähmt. Mit Spracheingabe kann sie ihre Projekte nach einer Weile wieder leiten. Die BU zahlt dann womöglich nicht mehr, weil Lisa ihren Beruf zu mehr als der Hälfte schafft. Eine Grundfähigkeitsversicherung würde weiterzahlen, solange die Hand nicht wieder einsatzfähig ist.
Die Zahlen sprechen trotzdem meist für die BU. Psychische Erkrankungen sind seit Jahren die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit. Das Analysehaus Morgen & Morgen nennt für 2026 einen Anteil von 32,3 Prozent. Genau diese Fälle deckt die Grundfähigkeitsversicherung kaum ab. Dazu kommt die niedrigere Anerkennungsquote von rund 36 Prozent gegenüber rund 80 Prozent in der BU.
Die Verbraucherzentrale nennt die Grundfähigkeitsversicherung deshalb eine Notlösung, Stand Mai 2025. Sie ersetze in der Regel nicht den umfassenden Schutz einer BU. Wer keine BU bekommt, ist mit einer Notlösung aber deutlich besser dran als ganz ohne Schutz.
Deutlich günstiger wird die Grundfähigkeitsversicherung vor allem in körperlichen Berufen. Wer im Büro arbeitet, prüft deshalb zuerst die BU.
Für wen eine Grundfähigkeitsversicherung infrage kommt
Sie passt vor allem, wenn eine BU nicht möglich, zu teuer oder wenig passend ist.
Körperlich arbeitende Berufe
Dachdeckerinnen und Dachdecker, Pflegekräfte, Erzieherinnen und Erzieher, Hebammen und Entbindungspfleger oder Handwerkerinnen und Handwerker zahlen für eine BU oft hohe Beiträge, weil ihr Beruf als riskant gilt. Wer nicht mehr knien, heben oder Treppen steigen kann, verliert hier oft auch den Job. Die Logik der Grundfähigkeiten passt gut zu diesem Alltag.
Menschen mit Vorerkrankungen
Eine frühere Psychotherapie, Rückenprobleme oder eine chronische Erkrankung führen in der BU oft zu Ausschlüssen, Zuschlägen oder einer Ablehnung. Die Grundfähigkeitsversicherung fragt teils weniger ab. Vorerkrankungen können aber auch hier zu Zuschlägen oder Ausschlüssen führen. Eine anonyme Risikovoranfrage zeigt vorher, was möglich ist.
Kinder, Schülerinnen und Schüler, Studierende
Für Kinder gibt es Verträge teils schon ab einem Alter von sechs Monaten. Der große Vorteil ist ein Umtauschrecht: Später darfst du den Vertrag ohne neue Gesundheitsprüfung in eine BU umwandeln, etwa zum Ausbildungs- oder Studienstart. Erkrankungen aus der Kindheit stehen dem dann nicht mehr im Weg.
Stell dir vor: Lisa bekommt ein Kind. Mit einem Kindervertrag sichert sie eine Rente, falls ihr Kind eine Grundfähigkeit verliert, und die Chance auf eine spätere BU ohne Gesundheitsfragen. Fristen und Altersgrenzen für den Umtausch stehen in den Bedingungen.
Hausfrauen und Hausmänner, Menschen in Elternzeit oder Sabbatical
Wer gerade keinen Beruf ausübt, bekommt eine BU oft schwer. Die Grundfähigkeitsversicherung braucht keinen Beruf als Maßstab. Sie zahlt auch, wenn du Kinder betreust, eine Auszeit nimmst oder dich weiterbildest. Das passt zu Lebenswegen, die bewusst nicht geradeaus laufen.
Selbständige
Viele Selbständige zahlen nicht in die gesetzliche Rentenversicherung ein und haben deshalb keinen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente. Für sie kann die Grundfähigkeitsversicherung eine Grundsicherung für den Körper sein, wenn eine BU zu teuer ist oder abgelehnt wurde.
Beamtinnen und Beamte, Ärztinnen und Ärzte, Musikerinnen und Musiker
Beamtinnen und Beamte brauchen vor allem eine Absicherung der Dienstunfähigkeit, die Grundfähigkeitsversicherung ergänzt sie höchstens. Mehr dazu auf der Seite zur Dienstunfähigkeitsversicherung. Wer wie Ärztinnen und Ärzte oder Musikerinnen und Musiker von feiner Fingerarbeit lebt, prüft genau, ob der Vertrag Fingerfertigkeit schon bei teilweisem Verlust versichert.
Zusatzbausteine: Pflege, Arbeitsunfähigkeit, schwere Krankheiten und Psyche
Viele Versicherer bieten Bausteine an, die Lücken der reinen Fähigkeitenliste schließen. Jeder kostet extra.
Der wichtigste ist die Pflegebedürftigkeit. Viele Verträge zahlen auch, wenn du einen bestimmten Pflegegrad der gesetzlichen Pflegeversicherung erreichst. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen nennt als Beispiel die Pflegegrade 3 und 4. Stiftung Warentest zählt die Leistung bei Pflegebedürftigkeit zum Mindestschutz.
Der Baustein Arbeitsunfähigkeit zahlt, wenn du so lange am Stück krankgeschrieben bist, wie der Vertrag es festlegt. Er überbrückt die Zeit bis zur Prüfung und zahlt nur befristet. Franke und Bornberg berichtet im Dezember 2025, dass ein großer Teil der gemeldeten Leistungsfälle aus solchen Bausteinen stammt.
Ein Baustein für schwere Krankheiten zahlt bei Diagnosen wie Krebs, Herzinfarkt oder Schlaganfall, auch wenn noch keine Fähigkeit verloren ist. Das ist wichtig, weil eine Krebserkrankung zwar arbeitsunfähig macht, aber oft keine Grundfähigkeit dauerhaft nimmt.
Ein Baustein für die Psyche ist meist sehr eng. Oft zahlt er nur bei schweren, fachärztlich festgestellten Krankheiten wie einer schweren Depression, Schizophrenie oder Demenz. Andere Bausteine decken einen Unfall mit bleibender Invalidität ab oder den Verlust des Führerscheins aus gesundheitlichen Gründen.
Worauf es im Vertrag einer Grundfähigkeitsversicherung ankommt
Weil es keinen Standard gibt, unterscheiden sich die Verträge stark. Franke und Bornberg hat im September 2026 Tarife von 26 Versicherern bewertet. Nur 15,6 Prozent erreichten die Bestnote. Diese Punkte entscheiden, ob dein Vertrag im Ernstfall trägt:
| Punkt im Vertrag | Gute Lösung | Warum das zählt |
|---|---|---|
| Liste der Fähigkeiten | Viele Fähigkeiten, dazu Pflegebedürftigkeit | Was nicht drinsteht, ist nicht versichert |
| Definition jeder Fähigkeit | Erreichbare, klare Grenzen, eine Hand statt beide Hände | Häufigster Grund für Ablehnungen |
| Hilfsmittel | Prüfung ohne Hilfsmittel, wo es sinnvoll ist | Sonst zählt die Fähigkeit mit Gehhilfe als erhalten |
| Prognosezeitraum | Sechs statt zwölf Monate | Die Rente beginnt früher |
| Rückwirkende Leistung | Zahlung ab Beginn des Verlusts, auch bei später Meldung | Schützt dich, wenn du erst spät einen Antrag stellst |
| Endalter | Rente bis 67 | Schützt das ganze Erwerbsleben |
| Umtauschrecht | Wechsel in eine BU ohne neue Gesundheitsprüfung | Wichtig für Kinder und junge Menschen |
| Nachversicherung | Rente erhöhen ohne Gesundheitsfragen, etwa bei Heirat, Geburt oder Gehaltssprung | Ein früher Vertrag wird sonst zu klein |
| Dynamik | Beitrag und Rente steigen jährlich, auch im Leistungsfall | Gleicht die Inflation aus |
| Beitragspause | Stundung ohne Verlust des Schutzes | Hilft bei Elternzeit, Sabbatical oder Arbeitslosigkeit |
Der Versicherer darf später prüfen, ob die Fähigkeit zurückgekommen ist. Dann endet die Rente. Verlierst du mehrere Fähigkeiten, gibt es in der Regel trotzdem nur eine Rente. Gute Verträge sehen zudem weltweiten Schutz vor.
Was kostet eine Grundfähigkeitsversicherung und wie wird sie versteuert?
Der Preis hängt von Alter, Beruf, Gesundheit, Rentenhöhe, Endalter und Bausteinen ab. Zwei belegte Beispiele:
Stiftung Warentest hat für einen Modellkunden mit 25 Jahren gerechnet, mit 1.500 Euro Monatsrente bis zum 67. Geburtstag. Tarife mit sehr hohem Leistungsniveau gab es schon für unter 1.000 Euro im Jahr, Stand Juli 2025. Das sind weniger als 84 Euro im Monat.
Franke und Bornberg nennt für einen Maurer oder eine Maurerin mit 30 Jahren und 1.500 Euro Rente rund 102 Euro netto im Monat für den Grundschutz, Stand September 2025. Mit allen Bausteinen für Arbeitsunfähigkeit, schwere Krankheiten und Psyche steigt der Beitrag auf rund 174 Euro.
Die passende Rentenhöhe ergibt sich aus deinen echten Ausgaben, bei Lisa aus 1.600 Euro Fixkosten plus Puffer. Manche Versicherer begrenzen die Rente im Verhältnis zum Einkommen, einige haben ein Höchsteintrittsalter.
So werden Beiträge und Rente versteuert
Die Beiträge zählen zu den sonstigen Vorsorgeaufwendungen nach § 10 EStG. Absetzbar sind sie nur bis zu einem gemeinsamen Höchstbetrag von 1.900 Euro im Jahr für Angestellte und 2.800 Euro für Selbständige ohne steuerfreien Zuschuss, Stand 2026. Diesen Rahmen füllen meist schon die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung.
So ist es auch bei Lisa. Ihr Anteil an Kranken- und Pflegeversicherung liegt bei rund 429 Euro im Monat, also gut 5.150 Euro im Jahr. Das ist mehr als der Höchstbetrag. Die Beiträge zur Grundfähigkeitsversicherung bringen ihr steuerlich nichts.
Die Rente ist nicht steuerfrei. Sie gilt nach § 22 EStG und § 55 EStDV als abgekürzte Leibrente, also als Rente mit festem Ende. Versteuert wird nur der Ertragsanteil, und der hängt von der höchstmöglichen Laufzeit ab.
Ein Rechenbeispiel: Bekäme Lisa ab 31 eine Rente von 1.500 Euro bis 67, wären das bis zu 36 Jahre Laufzeit. Der Ertragsanteil liegt dann laut § 55 EStDV bei 35 Prozent. Steuerpflichtig wären 525 Euro im Monat, nicht 1.500 Euro.
Auf private Renten wie die BU-Rente zahlen Pflichtversicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung in der Regel keine Beiträge, freiwillig Versicherte den vollen Satz. Für die Grundfähigkeitsrente gilt nach unserem Verständnis dasselbe. Lass es dir von deiner Krankenkasse bestätigen.
So läuft der Abschluss einer Grundfähigkeitsversicherung ab
Erst klärst du den Bedarf: Rente, Endalter, Bausteine. Dann kommen die Gesundheitsfragen, an ihnen hängt später am meisten. Nach dem Abschluss prüfst du den Versicherungsschein und notierst dir die Fristen für Nachversicherung und Umtausch.
Nach § 19 VVG musst du nur angeben, wonach der Versicherer in Textform fragt. Das aber vollständig und richtig. Verschweigst du etwas, kann der Versicherer vom Vertrag zurücktreten, kündigen oder ihn rückwirkend anpassen. Diese Rechte erlöschen nach fünf Jahren, bei Arglist nach zehn Jahren. Hatte die verschwiegene Erkrankung nichts mit dem Leistungsfall zu tun, muss er in vielen Fällen trotzdem zahlen, so § 21 Abs. 2 VVG.
Die Fragen fallen oft kürzer aus als bei der BU. Manche Versicherer bieten bis zu einer bestimmten Rentenhöhe vereinfachte Gesundheitsfragen an. Bevor du antwortest, hole dir am besten deine Patientenakte oder eine Leistungsauskunft deiner Krankenkasse. So vergisst du keine Behandlung. Mehr dazu steht auf der Seite zu Gesundheitsfragen und vorvertraglicher Anzeigepflicht.

Samiras Blick
Samira Harkat
„Gesundheitsfragen werden oft im Termin beim Abschluss ausgefüllt und gleich unterschrieben. Im Leistungsfall droht dann Leistungsfreiheit, also 0 Euro.“
Das ist bei der Grundfähigkeitsversicherung kein Randthema. Franke und Bornberg nennt eine verletzte Anzeigepflicht als einen der Hauptgründe für Ablehnungen, Stand Dezember 2024. Nimm dir für die Fragen also Zeit, auch wenn der Antrag kurz wirkt.
Hast du Vorerkrankungen, ist eine anonyme Risikovoranfrage der sichere Weg. Eine Maklerin oder ein Makler fragt dabei bei mehreren Versicherern ohne deinen Namen an, zu welchen Bedingungen sie dich annehmen würden. Erst mit einem guten Angebot stellst du den echten Antrag.
Wenn du eine Grundfähigkeit verlierst: so bekommst du deine Rente
Du stellst einen Antrag, belegst den Verlust ärztlich und wartest die Prüfung ab. Die Reihenfolge entscheidet mit über den Erfolg.
1
Bedingungen lesen, bevor du den Antrag stellst
Lies die Definition der Fähigkeit, die du verloren hast. Laut Franke und Bornberg stellen viele Versicherte den Antrag, bevor ein Auslöser erfüllt ist, Stand Dezember 2025. Melde dich trotzdem früh, wenn ein Verlust absehbar ist.
2
Ärztliche Nachweise in der Sprache des Vertrags
Ein Attest mit „Gehbehinderung“ reicht oft nicht. Bitte deine Ärztin oder deinen Arzt, die Einschränkung so zu beschreiben, wie der Vertrag sie misst: wie viele Meter du gehen kannst, wie viele Stufen, wie viel Sehschärfe.
3
Die Prüfung durch den Versicherer
Der Versicherer fordert Unterlagen an und kann ein Gutachten beauftragen. 2023 dauerte eine Leistungsentscheidung im Schnitt 137 Tage, rund 45 Tage weniger als in der BU. Das zeigt die Analyse von Franke und Bornberg, Stand Dezember 2024.
4
Entscheidung, Nachprüfung und was bei einer Ablehnung hilft
Rund 36 Prozent der Anträge werden laut Franke und Bornberg anerkannt, Stand September 2026. Am häufigsten erfolgreich sind Fälle mit Einschränkungen an Armen und Beinen. Lehnt der Versicherer ab, lass dir die Gründe schriftlich geben. Du kannst widersprechen, dich kostenlos an den Versicherungsombudsmann wenden oder eine Fachanwältin oder einen Fachanwalt für Versicherungsrecht fragen.
Für die BU regeln die §§ 172 bis 177 VVG genau, wie Anerkenntnis und Nachprüfung ablaufen. Ob diese Regeln über § 177 VVG auch für die Grundfähigkeitsversicherung gelten, ist rechtlich nicht abschließend geklärt.
Was bei der Grundfähigkeitsversicherung jetzt zählt
Die Grundfähigkeitsversicherung ist kein kleiner Bruder der BU. Sie ist ein eigenes Produkt mit eigener Logik. Sie zahlt, wenn der Körper eine klar beschriebene Sache nicht mehr kann, und sie zahlt nicht, wenn die Seele streikt.
Sie ist stark, wo die BU nicht hinkommt: in körperlichen Berufen, bei Vorerkrankungen, bei Kindern mit späterem Wechselrecht, für Hausfrauen und Hausmänner und für Selbständige ohne gesetzlichen Schutz. Sie ist schwach, wo die meisten Berufsunfähigkeiten entstehen, bei der Psyche.
Entscheidend ist der Wortlaut: Fähigkeiten, Grenzen, Hilfsmittel, Prognosezeitraum, Bausteine. Und eine saubere Antwort auf jede Gesundheitsfrage. Wenn du unsicher bist, ob ein Vertrag zu dir passt oder ob dein bestehender Vertrag noch trägt, schauen wir ihn gemeinsam an.
Lass uns deine Grundfähigkeitsversicherung einmal durchgehen.
Die Prüfung ist unabhängig davon, ob am Ende ein neuer Vertrag steht. Oft ist der alte Vertrag mit Lücken besser als ein neuer mit neuen Gesundheitsfragen.
Beratung durch die FemininFinance GmbH & Co. KG, Versicherungsmaklerin nach § 34d Abs. 1 GewO, Register-Nr. D-TAJS-4I8JO-48, und ihre Kooperationspartner:innen mit eigener Erlaubnis und eigener Registrierung bei der IHK.
Häufig gestellte Fragen
Oft ist sie dann die beste erreichbare Lösung. In körperlichen Berufen ist sie meist deutlich günstiger als eine BU, und Auslöser wie Knien, Heben oder Treppensteigen passen zu deinem Arbeitsalltag. Achte auf Pflege als Auslöser, einen kurzen Prognosezeitraum und einen Baustein für schwere Krankheiten.
Ja, viele Versicherer bieten Kinderverträge an, teils ab sechs Monaten. Wertvoll ist ein Umtauschrecht, mit dem dein Sohn später ohne neue Gesundheitsfragen in eine BU wechseln kann. Prüfe, bis wann der Wechsel möglich ist.
Das hängt von der Definition in deinem Vertrag ab. Er zahlt, wenn das Bücken voraussichtlich mindestens sechs oder zwölf Monate so stark eingeschränkt ist, wie die Bedingungen es verlangen. Dass du weiterarbeitest, spielt keine Rolle. Lass dir die Einschränkung ärztlich so bescheinigen, wie der Vertrag sie misst.
Meist nicht. Viele Verträge prüfen das Sehen mit Brille oder Kontaktlinsen. Erst wenn die Sehschärfe trotzdem unter eine sehr niedrige Grenze fällt, etwa 5 Prozent auf jedem Auge, gilt die Fähigkeit als verloren.
In der Regel nicht. Ein Zusatzbaustein für die Psyche zahlt oft nur bei schweren, fachärztlich festgestellten Erkrankungen wie einer schweren Depression oder Schizophrenie. Wer vor allem dieses Risiko absichern will, braucht eine BU.
Gut möglich. Sie fragt nicht, ob er arbeiten kann, sondern ob er die versicherte Fähigkeit verloren hat, hier den Gebrauch von Arm oder Hand. Ist die Lähmung voraussichtlich dauerhaft und erfüllt sie die Definition im Vertrag, gibt es die Rente zusätzlich zum Gehalt.
Quellen: Stiftung Warentest: Grundfähigkeitsversicherung im Vergleich, Stand 28.07.2025, geprüft am 07.10.2026 · Verbraucherzentrale: Grundfähigkeitsversicherung: Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung?, Stand 08.05.2025, geprüft am 07.10.2026 · Franke und Bornberg: Leistungspraxis in der Grundfähigkeitsversicherung, Stand 10.12.2024, und Unternehmensrating Grundfähigkeit, Stand 11.12.2025, geprüft am 07.10.2026 · IWW: OLG Köln, Urteil vom 11.07.2025, 20 U 163/23, geprüft am 07.10.2026 · Deutsche Rentenversicherung: Jahresbericht 2025 in Zahlen, Stand 2026, geprüft am 07.10.2026
Was sich geändert hat: 07.10.2026 – erste Fassung.
Haftungsausschluss: Dieser Artikel ist allgemeine Information und ersetzt keine persönliche Beratung. Welche Lösung zu dir passt, hängt von deiner Situation ab. Darüber sprechen wir am besten direkt. Alles Weitere steht im Haftungsausschluss.
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Unsere Beratung: Wir sind Versicherungsmaklerin. Vermitteln wir dir einen Vertrag, bekommen wir vom Versicherer eine Vergütung, die Courtage. Sie steckt im Beitrag. Vermittelt eine unserer Kooperationspartner:innen, bekommt sie die Courtage. Ob wir davon einen Anteil bekommen, ist unterschiedlich. Die Prüfung deines Vertrags ist unabhängig davon, ob am Ende ein neuer Vertrag steht. Mehr dazu: So verdienen wir Geld.
Tipps unter Fachkolleg:innen: Grundfähigkeitsversicherung
Für Versicherungsvermittlerinnen und -vermittler, Finanzberaterinnen und -berater mit IHK-Registrierung
- Schau in deinen Bestand: Bei welchen Grundfähigkeitsverträgen läuft bald die Frist für das Umtauschrecht in die BU ab? Ein kurzer Anruf lohnt sich.
- Sprich Eltern junger Kinder von dir aus auf Kinderverträge mit Wechseloption an.
- Nach einer BU-Ablehnung bietet sich eine anonyme Risikovoranfrage für die Grundfähigkeit an.
