Eine Schwere-Krankheiten-Versicherung, auch Dread-Disease-Versicherung genannt, zahlt dir einmal eine feste Summe, wenn eine Ärztin oder ein Arzt bei dir eine schwere Krankheit feststellt. Typisch sind Krebs, Herzinfarkt und Schlaganfall. Ob du danach arbeiten kannst, spielt keine Rolle.
Eine solche Diagnose stellt das Leben auf den Kopf. Die Behandlung bezahlt die Krankenkasse. Was sie nicht bezahlt, ist die Zeit danach: weniger Einkommen, Hilfe im Haushalt, ein Kredit, der weiterläuft, oder der Wunsch, erst einmal kürzerzutreten.
Hier liest du, welche Krankheiten versichert sind, wie streng die Verträge Krebs, Herzinfarkt und Schlaganfall beschreiben, was Wartezeit und Überlebenszeit bedeuten, wie sich der Schutz von BU und Grundfähigkeit unterscheidet und was er kostet.
Betrifft dich, wenn du länger ausfällst du dich selbstständig machst du ein Zuhause kaufst du für dein Kind vorsorgen willst
Das Wichtigste in Kürze
- Die Versicherung zahlt eine vorher vereinbarte Summe auf einmal, sobald eine Krankheit aus dem Vertragskatalog so festgestellt ist, wie die Bedingungen sie beschreiben. Dein Beruf und deine Arbeitsfähigkeit zählen nicht.
- Entscheidend sind die Definitionen. Frühstadien von Krebs, ein leichter Herzinfarkt oder eine kurze Durchblutungsstörung im Gehirn lösen oft keine oder nur eine Teilleistung aus.
- Nach dem Abschluss gilt meist eine Wartezeit von einigen Monaten. Nach der Diagnose verlangen viele Verträge eine Überlebenszeit, bevor sie zahlen.
- Sie ersetzt keine Berufsunfähigkeitsversicherung. Psychische Erkrankungen und Rückenleiden, die häufigsten Gründe für Berufsunfähigkeit, sind kaum versichert.
- Sinnvoll ist sie als Ergänzung: für Selbständige, bei Krediten, für Schlüsselpersonen in Firmen oder wenn eine BU an der Gesundheit scheitert.
Inhalt
- Was ist eine Schwere-Krankheiten-Versicherung?
- Welche Krankheiten versichert sind und wie Krebs, Herzinfarkt und Schlaganfall definiert werden
- Was gilt ohne Schwere-Krankheiten-Versicherung?
- Schwere-Krankheiten-Versicherung, BU oder Grundfähigkeit: was zahlt wann?
- Für wen eine Schwere-Krankheiten-Versicherung sinnvoll sein kann
- Worauf es im Vertrag einer Schwere-Krankheiten-Versicherung ankommt
- Was kostet eine Schwere-Krankheiten-Versicherung und wie hoch sollte die Summe sein?
- Wie die Einmalzahlung und die Beiträge versteuert werden
- So läuft der Abschluss einer Schwere-Krankheiten-Versicherung ab
- Wenn die Diagnose kommt: so bekommst du die Einmalzahlung
- Was bei der Schwere-Krankheiten-Versicherung jetzt zählt
- Häufig gestellte Fragen
Was ist eine Schwere-Krankheiten-Versicherung?
Die kurze Antwort: Eine Schwere-Krankheiten-Versicherung ist eine private Personenversicherung, die dir einen festen Geldbetrag auszahlt, wenn bei dir eine im Vertrag aufgezählte schwere Krankheit diagnostiziert wird. Du legst die Summe beim Abschluss fest, zum Beispiel 100.000 Euro.
Das Geld ist nicht zweckgebunden. Du entscheidest, ob es fehlendes Einkommen ersetzt, eine Haushaltshilfe bezahlt oder dir Zeit kauft, um gesund zu werden.
Fachleute sprechen auch von Dread Disease, auf Deutsch gefürchtete Krankheit, oder von Critical Illness. Gemeint ist immer dasselbe. Die erste Police entstand 1983 in Südafrika. In Deutschland gibt es solche Verträge seit den 1990er-Jahren, angeboten von nur wenigen Versicherern.
Diese Formen gibt es
Am Markt findest du die Schwere-Krankheiten-Versicherung in zwei Grundformen. Als eigenständigen Vertrag, oft mit einem Todesfallschutz verbunden. Dann zahlt der Versicherer entweder bei Diagnose oder, wenn du vorher stirbst, an die Hinterbliebenen. Oder als Zusatzbaustein zu einer anderen Versicherung, etwa zu einer Risikolebensversicherung, einer Berufsunfähigkeits- oder einer Grundfähigkeitsversicherung.
Eine enge Verwandte ist die Krebsversicherung. Sie zahlt nur bei einer Krebsdiagnose, ist dafür günstiger. Der Katalog einer Schwere-Krankheiten-Versicherung ist deutlich breiter.
Welche Krankheiten versichert sind und wie Krebs, Herzinfarkt und Schlaganfall definiert werden
Jeder Vertrag hat einen festen Krankheitskatalog. Je nach Versicherer umfasst er eine Handvoll oder mehrere Dutzend Krankheiten. Fast immer dabei sind diese:
- Krebs, also ein bösartiger Tumor, sowie Leukämie und Lymphome
- Herzinfarkt, Bypass-Operation am Herzen und Herzklappen-Operation
- Schlaganfall
- Multiple Sklerose, Parkinson und Alzheimer-Demenz
- Nierenversagen mit Dialyse und eine Organtransplantation
- Querschnittslähmung, Blindheit, Taubheit und Verlust von Sprache oder Gliedmaßen
Was nicht auf der Liste steht, ist nicht versichert. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen nennt als typische Lücken psychische Leiden, Rheuma und schwere Erkrankungen des Bewegungsapparats, Stand: März 2023. Stiftung Warentest gibt ein Beispiel: Ist nur der Herzinfarkt versichert, gibt es bei einer Herzmuskelentzündung nichts, Stand: Juni 2025.
Warum gerade Krebs, Herzinfarkt und Schlaganfall zählen
Diese drei Krankheiten machen den größten Teil der Leistungsfälle aus. Laut Zentrum für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut erkrankten 2023 in Deutschland rund 517.800 Menschen neu an Krebs, davon rund 241.400 Frauen, Stand: März 2026. Etwa jede achte Frau bekommt im Laufe ihres Lebens Brustkrebs. Jede sechste Betroffene ist bei der Diagnose jünger als 50, Stand: August 2026. Einen Schlaganfall erleiden laut Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe jedes Jahr rund 270.000 Menschen, Stand der Angabe: Oktober 2026.
Gleichzeitig überleben immer mehr Menschen eine solche Diagnose. Die relative Fünf-Jahres-Überlebensrate bei Krebs liegt laut Robert Koch-Institut bei 65 Prozent für Frauen und 61 Prozent für Männer, bei Brustkrebs sogar bei 88 Prozent. Für dieses Leben nach der Diagnose ist die Versicherung gedacht.
So eng können die Definitionen sein
Ob du Geld bekommst, entscheidet nicht der Name der Krankheit, sondern ihre Beschreibung in den Bedingungen. Bei Krebs verlangen viele Verträge einen bösartigen Tumor, der unkontrolliert wächst und in umliegendes Gewebe eindringt. Der Befund muss feingeweblich gesichert sein, also durch eine Gewebeprobe unter dem Mikroskop.
Frühstadien sind oft ausgeschlossen. Ein Beispiel ist das Carcinoma in situ, ein Krebs, der noch nicht in tieferes Gewebe eingewachsen ist. Manche Verträge zahlen für solche Frühformen eine Teilleistung, etwa einen Teil der Summe, und bleiben danach bestehen.
Beim Herzinfarkt verlangen die Bedingungen meist mehrere Befunde zugleich: typische Beschwerden, Veränderungen im EKG und erhöhte Herzwerte im Blut. Ein Infarkt, der nur in einem dieser Punkte auffällt, reicht dann nicht. Bei der Bypass-Operation zählt oft nur der Eingriff am offenen Herzen, nicht eine Aufdehnung mit Ballon oder ein Stent.
Beim Schlaganfall geht es um neurologische Ausfälle, zum Beispiel Lähmungen oder Sprachstörungen, die eine Mindestzeit anhalten oder dauerhaft bleiben. Eine flüchtige Durchblutungsstörung, die nach Stunden wieder verschwindet, ist meist ausgeschlossen. Ärztinnen und Ärzte nennen sie transitorische ischämische Attacke.
Vor dem Abschluss die Definitionen lesen
Lass dir die Bedingungen zeigen und lies die drei wichtigsten Definitionen: Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall. Achte darauf, welche Frühstadien ausgeschlossen sind und ob es dafür eine Teilleistung gibt.
Zwei Verträge mit gleich langer Liste können im Ernstfall sehr unterschiedlich zahlen. Die Länge des Katalogs sagt wenig, die Wortwahl sagt viel.
Was gilt ohne Schwere-Krankheiten-Versicherung?
Ohne Vertrag tragen die gesetzlichen Systeme die Behandlung, aber nicht die Folgen für dein Geld. Die gesetzliche Krankenversicherung zahlt Operation, Chemotherapie, Bestrahlung und Reha. Du zahlst Zuzahlungen, höchstens 2 Prozent deiner jährlichen Bruttoeinnahmen, bei chronischer Krankheit 1 Prozent, so steht es in § 62 SGB V, Stand: Oktober 2026.
Für dein Einkommen gilt: Sechs Wochen zahlt der Arbeitgeber das Gehalt weiter. Danach kommt das Krankengeld der Kasse, 70 Prozent vom Brutto, höchstens 90 Prozent vom Netto, für längstens 78 Wochen innerhalb von drei Jahren, die sechs Wochen Lohnfortzahlung eingerechnet. Beschlossen ist außerdem: Ab dem 1. Januar 2027 sinkt das Krankengeld auf 60 Prozent des Nettoentgelts, mit Kindern auf 67 Prozent, wenn dein Arbeitsverhältnis während der Krankschreibung endet. Bis dahin kann sich daran noch etwas ändern.
„Lisa Logisch ist unsere Beispielperson. Sie ist erfunden, ihr Verlauf ist alltagsecht.“ Lisa ist 31, Projektmanagerin in Vollzeit und verdient 3.850 Euro brutto, 2.500 Euro netto. Wird sie länger krank, bekommt sie rund 1.980 Euro Krankengeld im Monat. Es fehlen ihr also rund 520 Euro, Stand: 2026. Ihre Zuzahlungen sind bei 2 Prozent von 46.200 Euro Jahresbrutto gedeckelt, also bei 924 Euro im Jahr.
Nach den 78 Wochen endet das Krankengeld. Wer dann nicht mehr arbeiten kann, ist auf die Erwerbsminderungsrente angewiesen. Laut Deutscher Rentenversicherung lag sie bei Rentenbeginn 2025 im Schnitt bei 1.067 Euro im Monat. Eine Summe für die Zeit nach einer schweren Diagnose gibt es vom Staat nicht.
Selbständige trifft es härter. Ohne freiwilligen Krankengeld-Anspruch oder private Krankentagegeldversicherung fällt ihr Einkommen ab dem ersten Tag weg, während Miete, Büro und Kreditraten weiterlaufen.
Schwere-Krankheiten-Versicherung, BU oder Grundfähigkeit: was zahlt wann?
Die drei Versicherungen schauen auf ganz verschiedene Dinge. Die BU fragt nach deinem Beruf, die Grundfähigkeitsversicherung nach deinem Körper, die Schwere-Krankheiten-Versicherung nach deiner Diagnose. Darum können sie sich ergänzen, aber nur selten ersetzen.
| Absicherung | Wann sie zahlt | Wie sie zahlt | Psyche und Rücken |
|---|---|---|---|
| Berufsunfähigkeitsversicherung | Du kannst deinen zuletzt ausgeübten Beruf voraussichtlich mindestens sechs Monate zu mindestens 50 Prozent nicht ausüben | Monatsrente bis zum Endalter | versichert |
| Grundfähigkeitsversicherung | Du verlierst eine im Vertrag beschriebene Fähigkeit wie Sehen, Gehen oder den Gebrauch der Hände | Monatsrente | Psyche meist nicht versichert |
| Schwere-Krankheiten-Versicherung | Eine Krankheit aus dem Vertragskatalog wird so festgestellt, wie die Bedingungen sie beschreiben | Einmalbetrag | kaum versichert |
| Risikolebensversicherung | Du stirbst während der Laufzeit | Einmalbetrag an die Hinterbliebenen | nicht relevant |
| Private Unfallversicherung | Ein Unfall hinterlässt eine bleibende Invalidität | Einmalbetrag, teils Rente | nein, Krankheiten zählen nicht |
| Krankengeld der Kasse | Du bist arbeitsunfähig krankgeschrieben | 70 Prozent vom Brutto, gedeckelt, höchstens 78 Wochen | versichert |
Ein Herzinfarkt zeigt den Unterschied. Die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt nur, wenn du danach deinen Beruf zu mindestens 50 Prozent nicht mehr schaffst. Viele Menschen kehren aber nach einigen Monaten zurück. Die Unfallversicherung zahlt gar nicht, weil ein Herzinfarkt ein Vorgang im Körper ist und kein Unfall. Die Grundfähigkeitsversicherung zahlt nur, wenn eine Fähigkeit dauerhaft verloren geht. Die Schwere-Krankheiten-Versicherung zahlt, sobald der Infarkt die Definition erfüllt.
Umgekehrt gilt: Die häufigsten Gründe für Berufsunfähigkeit sind psychische Erkrankungen und Leiden an Rücken und Gelenken. Genau die deckt eine Schwere-Krankheiten-Versicherung kaum ab. Darum bleibt die BU für Angestellte die erste Wahl. Stiftung Warentest nennt die BU ebenfalls die erste Wahl und die anderen Formen Alternativen, Stand: Juni 2025. Einen Überblick über alle Bausteine findest du auf der Seite Was ist Einkommenssicherung?.
Ein Vorteil, den die BU nicht hat: Tempo
Bei der BU muss der Versicherer prüfen, ob du voraussichtlich mindestens sechs Monate zu 50 Prozent berufsunfähig bist. Das dauert. Wird eine BU abgelehnt, liegt es laut dem Analysehaus Franke und Bornberg in rund 60 Prozent der Fälle daran, dass dieser Grad nicht erreicht ist, Stand: September 2026. Die Schwere-Krankheiten-Versicherung fragt nicht nach einer Prognose. Sie braucht einen gesicherten Befund und, je nach Vertrag, das Ende der Überlebenszeit.
Stell dir vor: Lisa bekommt mit 31 die Diagnose Brustkrebs. Es folgen Operation, Chemotherapie und Bestrahlung. Nach sechs Wochen Lohnfortzahlung fehlen ihr jeden Monat rund 520 Euro. Ob ihre BU mit 1.500 Euro Monatsrente zahlt, hängt davon ab, ob sie voraussichtlich mindestens sechs Monate zu mindestens 50 Prozent nicht arbeiten kann. Hätte Lisa zusätzlich eine Schwere-Krankheiten-Versicherung über 100.000 Euro, käme diese Summe, sobald der Befund die Definition erfüllt. Damit könnte sie die Lücke beim Krankengeld schließen, eine Haushaltshilfe bezahlen und nach der Rückkehr eine Zeit lang in Teilzeit arbeiten, ohne zu rechnen.
Für wen eine Schwere-Krankheiten-Versicherung sinnvoll sein kann
Die kurze Antwort: für alle, die nach einer schweren Diagnose schnell viel Geld brauchen würden, und für alle, die keine passende BU bekommen. Im Alltag sind das vor allem diese Gruppen.
Selbständige und Freiberuflerinnen und Freiberufler
Selbständige haben keinen Arbeitgeber, der sechs Wochen weiterzahlt. Fällt die Inhaberin oder der Inhaber aus, laufen Miete, Leasing, Personal und Kreditraten weiter. Eine Einmalzahlung kann eine Vertretung finanzieren oder den Betrieb über die Behandlung tragen. Mehr dazu auf der Seite Absicherung für Selbständige.
Für Ärztinnen und Ärzte, Apothekerinnen und Apotheker, Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte mit eigener Praxis oder Kanzlei gilt das besonders. Viele berufsständische Versorgungswerke zahlen eine Berufsunfähigkeitsrente nur, wenn der Beruf ganz aufgegeben wird. Wie streng das ist, regelt die Satzung des jeweiligen Versorgungswerks. Wer die Praxis halten will, braucht Geld für Vertretung, Gehälter und Darlehen.
Wer einen Kredit abzahlt
Bei einer Baufinanzierung oder einem Geschäftskredit kann die Summe die Restschuld senken oder einige Jahre Raten sichern. So muss nach einer Diagnose niemand das Zuhause oder die Firma verkaufen. Den Todesfall deckt das nicht automatisch. Dafür gibt es die Risikolebensversicherung oder einen Vertrag mit Todesfallschutz. Frag deine Bank, ob sie den Vertrag als Sicherheit annimmt.
Firmen mit Schlüsselpersonen sowie Teilhaberinnen und Teilhaber
Fällt eine Geschäftsführerin, ein Gesellschafter oder eine wichtige Fachkraft aus, fehlt oft mehr als ein Gehalt. Firmen versichern deshalb Schlüsselpersonen, damit sie handlungsfähig bleiben. Steuerlich gelten dann eigene Regeln, das gehört in die Hände der Steuerberatung.
Hausfrauen und Hausmänner, Eltern und Kinder
Wer zu Hause Kinder betreut oder Angehörige pflegt, bekommt oft keine oder nur eine kleine BU. Fällt diese Arbeit weg, kosten Kinderbetreuung und Haushaltshilfe trotzdem Geld. Hier kann eine Einmalzahlung eine echte Lücke schließen, für Frauen wie für Männer.
Bei manchen Verträgen sind Kinder der versicherten Eltern beitragsfrei mitversichert, meist mit einem Teil der Summe und nur bis zur Volljährigkeit. Eine eigene Police für das Kind ist wertvoller, weil sie unabhängig von den Eltern läuft und später ohne neue Gesundheitsprüfung weitergeführt werden kann, wenn der Vertrag das vorsieht.
Wer keine BU bekommt
Psychische Vorerkrankungen, eine frühere Therapie oder Rückenprobleme führen bei der BU oft zu Ausschlüssen oder einer Ablehnung. Bei der Schwere-Krankheiten-Versicherung fallen sie meist weniger ins Gewicht, weil diese Leiden ohnehin kaum versichert sind. Dann ist sie besser als nichts, ersetzt aber kein laufendes Einkommen. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen nennt sie darum einen letzten Ausweg, Stand: März 2023.
Worauf es im Vertrag einer Schwere-Krankheiten-Versicherung ankommt
Die Bedingungen unterscheiden sich stark. Diese Punkte entscheiden darüber, ob und wann du Geld bekommst.
| Merkmal | Was es bedeutet | Darauf achten |
|---|---|---|
| Krankheitskatalog | Liste der versicherten Krankheiten | Krebs, Herzinfarkt und Schlaganfall mit fairen Definitionen sind wichtiger als eine lange Liste |
| Definitionen | Wann eine Krankheit als eingetreten gilt | Welche Frühstadien ausgeschlossen sind, welche Befunde verlangt werden |
| Teilleistung | Ein Teil der Summe bei leichteren Formen | Ob der Vertrag danach mit voller Summe weiterläuft |
| Wartezeit | Frist nach Vertragsbeginn ohne Schutz | Je kürzer, desto besser, und nur für bestimmte Krankheiten |
| Überlebenszeit | Frist nach der Diagnose, die du überleben musst | Möglichst kurz oder ganz ohne |
| Vertragsende nach Leistung | Ob der Schutz nach der Zahlung erlischt | Ob eine zweite, andere Krankheit noch versichert bleibt |
| Laufzeit und Endalter | Bis wann der Schutz gilt | Mindestens bis zum Rentenbeginn, besser länger |
| Todesfallschutz | Zahlung, wenn du vorher stirbst | Ob du ihn brauchst oder schon eine Risikolebensversicherung hast |
| Nachversicherung | Summe später ohne neue Gesundheitsprüfung erhöhen | Anlässe wie Heirat, Kind, Kredit oder Selbständigkeit |
| Kinder | Mitversicherung der eigenen Kinder | Höhe der Kindersumme und bis zu welchem Alter |
Wartezeit: wann der Schutz beginnt
Die Wartezeit ist die Frist nach Vertragsbeginn, in der eine Diagnose noch nicht zählt. Stiftung Warentest nennt eine mehrmonatige Wartefrist als typisch, Stand: Juni 2025. Wird die Krankheit in dieser Zeit festgestellt, gibt es nichts, und der Vertrag endet meist.
Überlebenszeit: warum der Versicherer abwartet
Die Überlebenszeit ist die Frist nach der Diagnose, die du überleben musst, bevor der Versicherer zahlt. Damit grenzt er die Versicherung vom Todesfallschutz ab. Manche Verträge verzichten ganz darauf, andere verlangen einige Tage oder Wochen. Stirbst du vorher, gibt es aus dem Krankheitsschutz nichts. Nur ein vereinbarter Todesfallschutz zahlt dann an die Hinterbliebenen.
Manche Verträge verlangen zusätzlich einen bestimmten Schweregrad, darauf weist die Verbraucherzentrale Niedersachsen hin. Dass die Versicherung immer sofort und ohne Frist zahlt, stimmt also nicht.
Nach der Zahlung endet der Vertrag oft
Bei vielen Verträgen erlischt der Schutz, sobald die volle Summe ausgezahlt ist, Stand: März 2023 laut Verbraucherzentrale Niedersachsen. Erkrankst du später an etwas anderem, bist du nicht mehr versichert. Einige Verträge erlauben eine zweite Leistung für eine andere Krankheit. Nach einer Teilleistung läuft der Vertrag meist weiter.
Was kostet eine Schwere-Krankheiten-Versicherung und wie hoch sollte die Summe sein?
Die kurze Antwort: deutlich mehr als eine Risikolebensversicherung und oft ähnlich viel wie eine BU. Stiftung Warentest nennt für einen 25-jährigen Industriemechaniker mit 300.000 Euro Summe und Laufzeit bis 67 einen Beitrag ab 1.100 Euro im Jahr, Stand: Juni 2025. Raucherinnen und Raucher zahlen dort etwa das Doppelte.
Der Preis hängt vor allem von diesen Punkten ab: Alter beim Abschluss, Höhe der Summe, Laufzeit, Rauchen, Gesundheitszustand und wie breit der Katalog ist. Ein Todesfallschutz kostet extra. Der Beruf spielt meist eine kleinere Rolle als bei der BU, weil die Diagnose zählt und nicht die Arbeit.
Rechenbeispiel: welche Summe Lisa wirklich brauchen würde
Eine feste Regel für die Summe gibt es nicht. Rechne vom eigenen Leben aus. Lisa hat Fixkosten von 1.600 Euro im Monat. Eine Summe von 100.000 Euro würde diese Kosten gut fünf Jahre lang tragen. Die Lücke beim Krankengeld von rund 520 Euro im Monat über die gut 16 Monate nach der Lohnfortzahlung macht knapp 8.800 Euro aus.
Der Rest bliebe für Haushaltshilfe, Therapien oder eine längere Zeit in Teilzeit. Wer einen Kredit tilgen will, rechnet die Restschuld dazu, Selbständige die Kosten einer Vertretung.
Wie die Einmalzahlung und die Beiträge versteuert werden
Die Beiträge kannst du meist nicht absetzen. § 10 Absatz 1 Nummer 3a EStG nennt Beiträge zu Berufs- und Erwerbsunfähigkeits-, Unfall- und Haftpflichtversicherungen sowie zu Risikoversicherungen nur für den Todesfall. Die Schwere-Krankheiten-Versicherung steht dort nicht. Außerdem ist der Höchstbetrag von 1.900 Euro für Angestellte und 2.800 Euro für Selbständige meist schon mit den Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung ausgeschöpft, Stand: Oktober 2026.
Zahlt der Vertrag eine Todesfallleistung, kann Erbschaftsteuer anfallen. Nach § 3 Absatz 1 Nummer 4 ErbStG zählt Geld aus einem Vertrag, das jemand beim Tod der versicherten Person erhält, als Erwerb von Todes wegen. Die Freibeträge nach § 16 ErbStG liegen bei 500.000 Euro für Ehe- und eingetragene Lebenspartner, 400.000 Euro für Kinder und nur 20.000 Euro für Partnerinnen und Partner ohne Trauschein. Für unverheiratete Paare lohnt deshalb die Gestaltung über Kreuz: Jede Person versichert die andere und zahlt selbst.
So läuft der Abschluss einer Schwere-Krankheiten-Versicherung ab
Am Anfang steht die Frage, was das Geld im Ernstfall leisten soll. Daraus ergeben sich Summe, Laufzeit und ob du einen Todesfallschutz brauchst.
Der Versicherer fragt nach Krankheiten, Behandlungen und Untersuchungen der letzten Jahre, nach Größe, Gewicht und Rauchen. Bei dieser Versicherung achtet er besonders auf Herz und Kreislauf, Blutdruck, Blutzucker, Krebsvorsorge und auffällige Befunde. Nach § 19 VVG musst du alles angeben, wonach er in Textform fragt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Mehr dazu auf der Seite Gesundheitsfragen und vorvertragliche Anzeigepflicht.
Gibst du etwas falsch oder unvollständig an, kann der Versicherer zurücktreten oder den Vertrag anpassen. Das Recht dazu erlischt nach fünf Jahren, bei Arglist nach zehn Jahren. Im Leistungsfall prüft er die Angaben anhand der Arztberichte.

Samiras Blick
Samira Harkat
„Gesundheitsfragen werden oft im Termin beim Abschluss ausgefüllt und gleich unterschrieben. Im Leistungsfall droht dann Leistungsfreiheit, also 0 Euro.“
Nimm dir für die Fragen Zeit. Fordere deine Patientenakte bei der Hausarztpraxis an und lass dir die Abrechnungsdaten von der Krankenkasse geben. Bist du unsicher, ob du angenommen wirst, hilft eine anonyme Risikovoranfrage. Dabei fragt eine Maklerin oder ein Makler bei mehreren Versicherern ohne deinen Namen an. So entsteht kein Eintrag, falls ein Versicherer ablehnt.
Möglich sind dann eine normale Annahme, ein Risikozuschlag oder ein Ausschluss einzelner Krankheiten. Ein Ausschluss trifft bei dieser Versicherung genau den Kern. Wer zum Beispiel wegen eines Herzfehlers alle Herzkrankheiten ausgeschlossen bekommt, sollte prüfen, ob der Rest den Preis noch wert ist.
Wenn die Diagnose kommt: so bekommst du die Einmalzahlung
Die kurze Antwort: Du meldest die Diagnose, reichst die Befunde ein und wartest die Überlebenszeit ab. Danach zahlt der Versicherer die Summe auf einmal. Diese Schritte haben eine feste Reihenfolge.
1
Diagnose sichern und Versicherer zügig informieren
Melde die Diagnose so bald wie möglich. Viele Bedingungen verlangen, dass du den Versicherer unverzüglich informierst. Eine Angehörige oder ein Angehöriger kann das für dich tun, wenn du gerade keine Kraft dafür hast.
2
Befunde zusammenstellen
Der Versicherer braucht die Befunde, die seine Definition verlangt. Bei Krebs ist das meist der feingewebliche Befund aus der Pathologie mit Angaben zu Art und Stadium. Beim Herzinfarkt sind es EKG, Laborwerte und der Entlassbericht aus der Klinik. Beim Schlaganfall ist es der neurologische Befund mit Bildgebung.
3
Schweigepflichtentbindung und Prüfung
Meist unterschreibst du eine Erklärung, mit der Ärztinnen und Ärzte dem Versicherer Auskunft geben dürfen. Du kannst sie auf einzelne Anfragen beschränken. Der Versicherer prüft dann, ob die Definition erfüllt ist und ob deine Gesundheitsangaben beim Abschluss vollständig waren.
4
Auszahlung nach der Überlebenszeit
Ist alles erfüllt und die Überlebenszeit abgelaufen, zahlt der Versicherer die volle Summe oder die vereinbarte Teilleistung. Lehnt er ab, lass dir die Gründe schriftlich geben und prüfe die Definition mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Hilfe gibt es bei der Verbraucherzentrale, beim Versicherungsombudsmann oder bei einer Fachanwältin oder einem Fachanwalt für Versicherungsrecht.
Wie lange die Prüfung dauert, hängt vor allem davon ab, wie schnell die Befunde vorliegen. Belastbare Leistungsquoten für diese Versicherung gibt es bisher nicht.
Was bei der Schwere-Krankheiten-Versicherung jetzt zählt
Die Schwere-Krankheiten-Versicherung ist kein Ersatz für eine BU, aber ein Baustein, der eine besondere Lücke schließt: die Zeit direkt nach einer schweren Diagnose, in der niemand weiß, wie es beruflich weitergeht.
Ob sie zu dir passt, hängt davon ab, was schon da ist. Wer eine gute BU hat und keinen Kredit, braucht sie oft nicht. Wer selbständig ist, eine Firma trägt, ein Zuhause abbezahlt oder keine BU bekommt, sollte sie ernsthaft prüfen. Entscheidend sind die Definitionen von Krebs, Herzinfarkt und Schlaganfall, die Wartezeit, die Überlebenszeit und ehrlich beantwortete Gesundheitsfragen. Wenn du das mit uns gemeinsam ansehen willst, sprich uns an.
Lass uns deine Absicherung bei schwerer Krankheit einmal durchgehen.
Die Prüfung ist unabhängig davon, ob am Ende ein neuer Vertrag steht. Oft ist der alte Vertrag mit Lücken besser als ein neuer mit neuen Gesundheitsfragen.
Beratung durch die FemininFinance GmbH & Co. KG, Versicherungsmaklerin nach § 34d Abs. 1 GewO, Register-Nr. D-TAJS-4I8JO-48, und ihre Kooperationspartner:innen mit eigener Erlaubnis und eigener Registrierung bei der IHK.
Häufig gestellte Fragen
Das hängt von den Bedingungen ab. Ein DCIS ist ein Carcinoma in situ, also ein Krebs, der noch nicht in tieferes Gewebe eingewachsen ist. Viele Verträge schließen solche Frühstadien von der vollen Leistung aus. Manche zahlen eine Teilleistung, etwa einen Teil der Summe, und der Vertrag läuft weiter. Schau in die Definition von Krebs in deinem Vertrag.
Gut möglich. Die Schwere-Krankheiten-Versicherung fragt nicht, ob er arbeiten kann. Sie zahlt, wenn der Infarkt die Definition im Vertrag erfüllt, meist typische Beschwerden, Veränderungen im EKG und erhöhte Herzwerte im Blut. Eine BU würde in diesem Fall eher nicht zahlen, weil er seinen Beruf wieder ausübt.
Oft nicht. Viele Verträge verlangen neurologische Ausfälle, die eine Mindestzeit anhalten oder dauerhaft bleiben. Eine flüchtige Durchblutungsstörung, die sich schnell zurückbildet, ist häufig ausgeschlossen. Lass dir den neurologischen Befund genau geben und gleiche ihn mit der Definition ab.
Dann prüfe die Wartezeit in deinem Vertrag. Viele Verträge haben eine Wartezeit von einigen Monaten, bei Krebs oft sechs Monate. Fällt die Diagnose in diese Zeit, zahlt der Versicherer in der Regel nicht. Melde die Diagnose trotzdem und lass dir die Entscheidung schriftlich geben.
In der Regel nicht. Die Auszahlung bei Diagnose gilt nicht als Einkommen im Sinne des Einkommensteuergesetzes. Anders ist es bei einer Todesfallleistung: Sie kann Erbschaftsteuer auslösen, wenn die Freibeträge überschritten sind.
Sie zahlt nur, wenn du stirbst. Bei einer schweren Krankheit, die du überlebst, laufen Kredit und Kosten weiter, während Einnahmen fehlen. Eine Schwere-Krankheiten-Versicherung oder ein Vertrag mit beidem kann diese Lücke schließen. Für dauerhaft fehlendes Einkommen bleibt die BU wichtig.
Sie kann eine Lösung sein, weil psychische Vorerkrankungen bei ihr meist weniger ins Gewicht fallen. Sie ersetzt aber kein laufendes Einkommen und zahlt bei einer neuen psychischen Erkrankung in der Regel nicht. Lass vorher eine anonyme Risikovoranfrage stellen und prüfe auch die Erwerbsunfähigkeits- und die Grundfähigkeitsversicherung.
Quellen: Stiftung Warentest: Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung, Stand 17.06.2025, geprüft am 07.10.2026 · Verbraucherzentrale Niedersachsen: Dread-Disease-Versicherung als letzter Ausweg?, Stand 23.03.2023, geprüft am 07.10.2026 · Robert Koch-Institut, Zentrum für Krebsregisterdaten: Krebs gesamt, Stand 04.03.2026, und Brustkrebs, Stand 25.08.2026, geprüft am 07.10.2026 · Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe: Was ist ein Schlaganfall?, ohne Datum, geprüft am 07.10.2026 · Gesetze: § 10 EStG, § 3 ErbStG, § 16 ErbStG, § 62 SGB V, Stand 2026, geprüft am 07.10.2026 · Verbraucherzentrale: Berufsunfähigkeit: Wie Sie sich gegen den Verlust des Einkommens absichern, Stand 02.01.2025, geprüft am 07.10.2026
Was sich geändert hat: 07.10.2026 – erste Fassung.
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Unsere Beratung: Wir sind Versicherungsmaklerin. Vermitteln wir dir einen Vertrag, bekommen wir vom Versicherer eine Vergütung, die Courtage. Sie steckt im Beitrag. Vermittelt eine unserer Kooperationspartner:innen, bekommt sie die Courtage. Ob wir davon einen Anteil bekommen, ist unterschiedlich. Die Prüfung deines Vertrags ist unabhängig davon, ob am Ende ein neuer Vertrag steht. Mehr dazu: So verdienen wir Geld.
Tipps unter Fachkolleg:innen: Schwere-Krankheiten-Versicherung
Für Versicherungsvermittlerinnen und -vermittler, Finanzberaterinnen und -berater mit IHK-Registrierung
- Schau in deinen Bestand: Wer hat eine BU, aber einen Kredit oder eine eigene Firma? Dort fehlt oft Geld für die Zeit direkt nach einer Diagnose.
- Sprich Selbständige mit Praxis oder Kanzlei von dir aus auf Vertretungskosten und Versorgungswerk an.
- Nach einer BU-Ablehnung wegen der Psyche lohnt eine anonyme Risikovoranfrage für schwere Krankheiten.
