Auf deiner Renteninformation steht eine Zahl. Sie wirkt solide, bis du sie neben deine Miete legst. Wer die Rentenlücke berechnen will, merkt schnell: Die Zahl ist brutto, sie ist eine Prognose, und sie sagt nichts darüber, was du im Alter wirklich brauchst.
Die Lücke ist kein persönliches Versagen. Sie ist im System angelegt. Die gesetzliche Rente soll den Lebensstandard nicht mehr allein sichern. Teilzeit, Elternzeit oder ein Sabbatical machen sie kleiner, ob bei Frauen oder bei Männern.
Hier rechnest du Schritt für Schritt, von der Nettorente bis zum Entnahmeplan. Mit den Werten für 2026 und einem durchgerechneten Beispiel.
Betrifft dich, wenn du an die Rente denkst du deine Arbeitszeit reduzierst du Vermögen aufbauen willst die Rente näher rückt
Das Wichtigste in Kürze
- Die Rentenlücke ist der Unterschied zwischen dem, was du im Alter netto brauchst, und dem, was du netto an Renten bekommst. Rechne sie in heutigem Geld.
- Die Zahl in der Renteninformation ist brutto. Davon gehen Kranken- und Pflegeversicherung ab, bei durchschnittlichem Zusatzbeitrag rund 12 bis 13 Prozent, und je nach Höhe Steuern.
- Wer 2026 in Rente geht, versteuert 84 Prozent der gesetzlichen Rente. Ab einem Rentenbeginn 2058 sind es 100 Prozent, Stand: Februar 2026.
- Aus der monatlichen Lücke wird ein Kapitalbedarf. Für 25 Jahre Ruhestand ist das grob das 240- bis 300-Fache der Monatslücke, je nachdem, was das Geld im Alter noch erwirtschaftet.
- Rechne alle drei bis fünf Jahre neu und nach jedem großen Einschnitt im Leben, zum Beispiel einem Jobwechsel, Teilzeit oder einer Trennung.
Inhalt
- Was ist die Rentenlücke?
- Was bleibt dir, wenn du nichts zusätzlich tust?
- Rentenlücke berechnen: die Rechnung in sechs Schritten mit Lisa
- Wie viel Geld brauchst du im Alter wirklich?
- Von brutto zu netto: was von deiner Rente abgeht
- Inflation: warum du in heutigem Geld rechnen solltest
- Wie viel Kapital du brauchst, um die Rentenlücke zu schließen
- Was kostet es, die Rentenlücke zu schließen?
- So gehst du vor, wenn du deine Rentenlücke schließen willst
- Wenn die Rente beginnt: so wird aus deinem Kapital ein Einkommen
- Selbständige, Beamtinnen und Beamte, Hausfrauen und Hausmänner, Paare: was anders ist
- Typische Rechenfehler bei der Rentenlücke
- Was bei deiner Rentenlücke als Nächstes zählt
- Häufig gestellte Fragen
Was ist die Rentenlücke?
Die kurze Antwort: Die Rentenlücke ist der Betrag, der dir im Ruhestand jeden Monat fehlt, um so zu leben, wie du es dir vorstellst. Sie ergibt sich aus deinem Bedarf im Alter minus allen Renten, die du netto erwarten kannst.
Oft hörst du auch Versorgungslücke. Der Begriff ist weiter gefasst und meint auch die Lücke bei Berufsunfähigkeit oder im Todesfall.
Wichtig ist die Abgrenzung zum Rentenniveau. Das Rentenniveau beschreibt, wie hoch eine Standardrente nach 45 Jahren mit Durchschnittsverdienst im Verhältnis zum Durchschnittslohn ist. Das Gesetz nennt ein Mindestsicherungsniveau von 48 Prozent (§ 154 SGB VI), Stand: 2026. Über deine eigene Lücke sagt es wenig.
Deine wichtigste Unterlage ist die Renteninformation. Die Deutsche Rentenversicherung schickt sie einmal im Jahr an Versicherte zwischen 27 und 54 Jahren, die mindestens fünf Jahre Beiträge gezahlt haben. Ab 55 bekommst du alle drei Jahre eine ausführlichere Rentenauskunft. Wie die gesetzliche Rente entsteht, erklärt unsere Seite zur gesetzlichen Rente.
Sie rechnet so, als würdest du bis zur Regelaltersgrenze weiter so verdienen wie im Schnitt der letzten fünf Jahre. Sie zeigt einen Bruttobetrag ohne künftige Rentenerhöhungen und Varianten mit 1 oder 2 Prozent Rentenanpassung im Jahr. Betriebsrenten und private Verträge kannst du in der Digitalen Rentenübersicht unter rentenuebersicht.de bündeln, sofern deine Anbieter dort angeschlossen sind.
Was bleibt dir, wenn du nichts zusätzlich tust?
Ohne eigene Vorsorge bleibt dir die gesetzliche Rente, abzüglich Kranken- und Pflegeversicherung und gegebenenfalls Steuer. Wie wenig das sein kann, zeigen die Durchschnittswerte der Deutschen Rentenversicherung. Altersrentnerinnen bekamen 2025 im Bestand im Schnitt 994 Euro ausgezahlt, Altersrentner 1.449 Euro, Stand: 2025.
Dahinter stecken Lebensläufe. Frauen kamen 2025 beim Rentenbeginn im Schnitt auf 38,1 Versicherungsjahre, 2005 waren es 25,5. Teilzeit, Pausen für Kinder oder Pflege kosten Rentenpunkte, auch wenn die Entscheidung dafür richtig war.
Reicht das Einkommen im Alter nicht für den Grundbedarf, springt die Grundsicherung im Alter ein. Sie besteht aus dem Regelsatz und angemessenen Kosten für Wohnung und Heizung. Eigenes Einkommen wird angerechnet.
Eine Ausnahme schützt private Vorsorge: Von Renten aus einer zusätzlichen Altersvorsorge bleiben bei der Grundsicherung 100 Euro frei, dazu 30 Prozent vom Rest. Die Obergrenze ist die Hälfte des Regelsatzes. Das regelt § 82 Absatz 4 SGB XII.
Rentenlücke berechnen: die Rechnung in sechs Schritten mit Lisa
Du brauchst deine Renteninformation, die Standmitteilungen deiner Verträge und eine ehrliche Vorstellung von deinem Leben im Alter.
Lisa Logisch ist unsere Beispielperson. Sie ist erfunden, ihr Verlauf ist alltagsecht. Lisa ist Jahrgang 1995, also 2026 31 Jahre alt, und arbeitet Vollzeit als Projektmanagerin. Sie verdient 3.850 Euro brutto und 2.500 Euro netto im Monat. Ihre Renteninformation schätzt 1.333 Euro brutto. Andere Altersvorsorge hat sie noch nicht, ihr Erspartes liegt auf dem Tagesgeld.
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Den Bedarf im Alter festlegen
Überlege, wie viel Geld du im Monat netto brauchst, in heutigen Preisen. Lisa will ihren Lebensstil halten: Fixkosten von 1.600 Euro, Reisen, der Sonntag im Café. Sie setzt 2.500 Euro an, also ihr heutiges Netto. Zum Vergleich rechnet sie auch mit 80 Prozent davon, also 2.000 Euro.
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Alle Renten brutto sammeln
Trag zusammen, was du erwarten kannst: gesetzliche Rente, Betriebsrente, Riester, Rürup, private Renten. Nimm die Werte ohne künftige Erhöhungen, dann stehen sie wie dein Bedarf in heutigem Geld. Bei Lisa sind es 1.333 Euro gesetzliche Rente.
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Brutto in netto umrechnen
Lisa ist gesetzlich versichert und kinderlos. Auf die Rente zahlt sie 8,75 Prozent Krankenversicherung und 4,2 Prozent Pflegeversicherung, zusammen rund 173 Euro. Lisa geht 2062 in Rente und versteuert dann die volle Rente. Nach heutigem Steuerrecht und ohne Kirchensteuer sind das rund 18 Euro im Monat. Netto bleiben gut 1.140 Euro.
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Die monatliche Lücke ausrechnen
Bedarf minus Nettorente: 2.500 minus 1.142 Euro ergibt rund 1.360 Euro im Monat, in heutiger Kaufkraft. Mit dem Bedarf von 2.000 Euro wären es rund 860 Euro.
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Die Lücke in Kapital übersetzen
Lisa plant mit 25 Jahren Ruhestand, also bis 92. Bringt ihr Geld im Alter nach Inflation noch 1 Prozent im Jahr, braucht sie zu Rentenbeginn rund 360.000 Euro in heutiger Kaufkraft. Ohne jeden Ertrag wären es rund 407.000 Euro.
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Die Sparrate bestimmen
Bis zur Rente hat Lisa 36 Jahre. Wegen der Inflation entsprechen die 360.000 Euro im Jahr 2062 rund 735.000 Euro, bei 2 Prozent Teuerung im Jahr. Bei 5 Prozent Rendite nach Kosten braucht sie dafür gleichbleibend rund 625 Euro im Monat, bei 3 Prozent rund 955 Euro.
Die ganze Rechnung auf einen Blick:
| Schritt | Lisa, Bedarf 2.500 € | Lisa, Bedarf 2.000 € |
|---|---|---|
| Bedarf netto, heutiges Geld | 2.500 € | 2.000 € |
| Gesetzliche Rente brutto | 1.333 € | 1.333 € |
| Minus Kranken- und Pflegeversicherung | rund 173 € | rund 173 € |
| Minus Einkommensteuer | rund 18 € | rund 18 € |
| Nettorente | rund 1.142 € | rund 1.142 € |
| Monatliche Lücke | rund 1.358 € | rund 858 € |
| Kapital zu Rentenbeginn, heutiges Geld, 1 % Realrendite, 25 Jahre | rund 360.500 € | rund 227.800 € |
| Sparrate über 36 Jahre bei 5 % Rendite | rund 625 € | rund 395 € |
Das sind Modellrechnungen mit Annahmen, keine Vorhersage. Krankenkassenbeitrag und Steuer sind mit den Werten 2026 gerechnet, der Zusatzbeitrag mit dem Durchschnitt von 2,9 Prozent. Die Last sinkt, sobald Lisa Zuschüsse und Förderung nutzt.
Wie viel Geld brauchst du im Alter wirklich?
Am genauesten ist dein heutiger Haushalt, Posten für Posten, angepasst an das Leben im Ruhestand. Faustregeln helfen nur für einen ersten Blick. Eine Annahme wie 80 Prozent vom heutigen Netto ist nur ein Startpunkt.
Eine niedrigere Annahme geht davon aus, dass einiges wegfällt: Sparen fürs Alter, Fahrten zur Arbeit, die Beiträge zur Berufsunfähigkeitsversicherung. Andere Ausgaben wachsen dagegen:
- Gesundheit: Zuzahlungen, Brille, Zahnersatz, Physiotherapie und Leistungen, die die Kasse nicht zahlt.
- Freizeit: Reisen und Hobbys können in den ersten Rentenjahren mehr kosten als vorher.
- Wohnen: Die Miete läuft weiter, ein barrierearmer Umbau kostet extra.
- Pflege: Ein Heimplatz kann einen hohen Eigenanteil kosten, den eine Rente allein kaum deckt.
Lisa wohnt zur Miete. Ihre Fixkosten von 1.600 Euro fallen also auch im Alter an. Darum wären 80 Prozent für sie zu knapp, wenn sie weiter reisen will. Ihre 2.500 Euro sind kein Luxus, sondern ihr heutiges Leben.
Das Pflegerisiko gehört in eine eigene Rechnung. Es lässt sich kaum aus einem Sparplan bezahlen, aber gezielt absichern. Mehr dazu auf unserer Seite zur Pflegezusatzversicherung.
Von brutto zu netto: was von deiner Rente abgeht
Von deiner Rente gehen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ab, dazu je nach Höhe Einkommensteuer. Wie viel, hängt davon ab, wie du im Alter versichert bist und aus welcher Quelle das Geld kommt.
Kranken- und Pflegeversicherung im Ruhestand
Gesetzlich Versicherte können in die Krankenversicherung der Rentner kommen, kurz KVdR. Voraussetzung ist, dass du in der zweiten Hälfte deines Erwerbslebens mindestens 90 Prozent der Zeit gesetzlich versichert warst. Für jedes Kind werden dir dabei drei Jahre gutgeschrieben.
In der KVdR teilst du dir den Beitrag mit der Rentenversicherung, so steht es in § 249a SGB V. Du zahlst die Hälfte von 14,6 Prozent und die Hälfte des Zusatzbeitrags deiner Kasse. Beim durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 2,9 Prozent sind das 8,75 Prozent, Stand: 2026.
Die Pflegeversicherung zahlst du als Rentnerin oder Rentner allein. Der Satz liegt 2026 bei 3,6 Prozent, ohne Kinder bei 4,2 Prozent. Ab dem zweiten Kind unter 25 sinkt er weiter. Auf die gesetzliche Rente gehen damit beim durchschnittlichen Zusatzbeitrag rund 12 bis 13 Prozent ab.
Bist du freiwillig gesetzlich versichert, zahlst du auf fast alle Einnahmen Beiträge, auch auf Mieten, Kapitalerträge und Privatrenten. Bist du privat versichert, zahlt die Rentenversicherung einen Zuschuss von 8,75 Prozent deiner gesetzlichen Rente, höchstens die Hälfte deines Beitrags.
Auf Betriebsrenten zahlst du auch in der KVdR den vollen Beitragssatz samt vollem Zusatzbeitrag. Für die Krankenversicherung gibt es einen Freibetrag von 197,75 Euro im Monat, Stand: 2026. Für die Pflegeversicherung ist es nur eine Freigrenze: Liegt die Betriebsrente darüber, ist sie voll beitragspflichtig.
Steuern auf die Rente
Gesetzliche Renten werden nachgelagert besteuert. Wie viel davon steuerpflichtig ist, hängt vom Jahr deines Rentenbeginns ab. Wer 2026 in Rente geht, versteuert 84 Prozent. Jedes Jahr kommen 0,5 Prozentpunkte dazu, ab einem Rentenbeginn 2058 sind es 100 Prozent, Stand: Februar 2026.
Der steuerfreie Teil wird im Jahr nach dem Rentenbeginn als fester Eurobetrag eingefroren, der Rentenfreibetrag. Jede spätere Rentenerhöhung ist darum voll steuerpflichtig. Steuer zahlst du erst, wenn dein zu versteuerndes Einkommen über dem Grundfreibetrag liegt, 2026 sind das 12.348 Euro im Jahr. Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ziehst du vorher ab.
Bei Lisa sieht das so aus: 1.333 Euro mal 12 ergeben 15.996 Euro im Jahr. Abzüglich Pauschbeträgen und rund 2.070 Euro Kassenbeiträgen bleiben rund 13.790 Euro zu versteuern. Die Steuer beträgt nach dem Tarif 2026 rund 220 Euro im Jahr.
Jede Art von Altersvorsorge wird anders behandelt. Für die Rechnung zählt, was am Ende auf dem Konto ankommt:
| Einkommen im Alter | Steuer | Kranken- und Pflegeversicherung in der KVdR |
|---|---|---|
| Gesetzliche Rente | Besteuerungsanteil nach Rentenbeginn, 2026: 84 % | halber Beitrag plus volle Pflegeversicherung |
| Basisrente, Rürup | wie gesetzliche Rente | keine Beiträge |
| Betriebsrente aus steuerfreien Beiträgen | voll steuerpflichtig | voller Beitrag, Freibetrag 197,75 € in der Krankenversicherung |
| Riester-Rente, privat | voll steuerpflichtig | keine Beiträge |
| Private Rentenversicherung | Ertragsanteil, bei Rentenbeginn mit 67: 17 % | keine Beiträge |
| Entnahmen aus einem ETF-Depot | Abgeltungsteuer nur auf Gewinne, Aktienfonds mit 30 % Teilfreistellung, Sparerpauschbetrag 1.000 € | keine Beiträge |
Stand der Werte: 2026, Ertragsanteil nach § 22 EStG. Wer freiwillig gesetzlich versichert ist, zahlt dagegen auch auf Privatrenten und Kapitalerträge Beiträge. Wie die Bausteine zusammenspielen, zeigt die Seite zu den drei Schichten der Altersvorsorge.
Inflation: warum du in heutigem Geld rechnen solltest
Inflation heißt: Dein Geld kauft mit jedem Jahr etwas weniger. Im September 2026 lagen die Verbraucherpreise 3,3 Prozent über dem Vorjahr, Stand: 13. Oktober 2026. Langfristig strebt die Europäische Zentralbank 2 Prozent an.
Schon 2 Prozent im Jahr halbieren die Kaufkraft in rund 35 Jahren. Lisas 2.500 Euro von heute entsprechen 2062 also rund 5.100 Euro. Umgekehrt sind 2.500 Euro im Jahr 2062 nur noch etwa 1.230 Euro von heute wert.
Rechnest du nur den Bedarf hoch, wirkt die Lücke riesig. Die Renten steigen aber auch, mit den jährlichen Rentenanpassungen. Seit Juli 2026 ist ein Rentenpunkt 42,52 Euro wert. Darum rechnest du am besten alles in heutigem Geld: Bedarf heute, Rente ohne künftige Erhöhungen laut Renteninformation.
Steigen die Renten langsamer als die Preise, wird die Lücke größer. Darum lohnt ein Blick auf die Variante mit 1 Prozent Rentenanpassung.
Die Inflation steckt dann in der Realrendite, also der Rendite nach Abzug der Inflation. Bringt eine Anlage 5 Prozent und die Preise steigen um 2 Prozent, wächst die Kaufkraft um etwa 3 Prozent. Mit dieser Zahl rechnest du in heutigem Geld weiter.
Wie viel Kapital du brauchst, um die Rentenlücke zu schließen
Wie viel Kapital du brauchst, hängt von drei Dingen ab: der Lücke im Monat, der Dauer deines Ruhestands und dem, was dein Geld im Alter noch erwirtschaftet. Die einfachste Rechnung ist die Monatslücke mal 12 mal die Zahl der Jahre.
Wie lange plant man? Die Lebenserwartung bei Geburt lag für Mädchen zuletzt bei 83,4 Jahren, Stand: Juli 2026. Wer 67 wird, hat statistisch noch mehr Jahre vor sich, weil frühe Todesfälle schon hinter ihr liegen. Plane lieber bis 90 oder 95 als bis zum Durchschnitt.
Lisa rechnet mit 25 Jahren, von 67 bis 92. Wie viel sie braucht, zeigt die Tabelle in heutigem Geld:
| Realrendite im Ruhestand | Kapital für 1.358 € im Monat, 25 Jahre | Kapital für 858 € im Monat, 25 Jahre |
|---|---|---|
| 0 %, Geld liegt nur da | rund 407.400 € | rund 257.400 € |
| 1 %, zum Beispiel vorsichtige Mischung | rund 360.500 € | rund 227.800 € |
| 2 %, mit höherem Aktienanteil | rund 321.100 € | rund 202.800 € |
Das Kapital ist dabei am Ende aufgebraucht. Wer es erhalten will, braucht deutlich mehr. Ein Rechenbeispiel: Soll die Entnahme im Jahr nur 4 Prozent des Kapitals betragen, sind das für Lisa 1.358 mal 12 geteilt durch 0,04, also rund 407.000 Euro.
Bei 3 Prozent wären es rund 543.000 Euro.
Plane für Steuern und Kassenbeiträge auf die Entnahmen einen Puffer ein.
Was kostet es, die Rentenlücke zu schließen?
Die Kosten sind vor allem deine Sparrate. Sie hängt davon ab, wie früh du anfängst und welche Rendite nach Kosten übrig bleibt. Lisa braucht 2062 rund 735.000 Euro, das entspricht den 360.500 Euro in heutigem Geld bei 2 Prozent Inflation.
| Rendite nach Kosten im Jahr | Sparrate ab 31, 36 Jahre | Sparrate ab 36, 31 Jahre | Sparrate ab 41, 26 Jahre |
|---|---|---|---|
| 3 % | rund 955 € | – | – |
| 5 % | rund 625 € | rund 847 € | rund 1.172 € |
| 7 % | rund 399 € | – | – |
Gerechnet mit gleichbleibender Sparrate und monatlicher Verzinsung, ohne Steuern in der Sparphase. Fünf Jahre Warten machen Lisas Rate bei 5 Prozent um mehr als ein Drittel teurer. Zehn Jahre fast doppelt so teuer.
Die Kosten des Produkts sind der zweite Hebel. Ein Prozentpunkt mehr Kosten im Jahr wirkt über 36 Jahre wie ein Prozentpunkt weniger Rendite. Bei Lisa ist das der Unterschied zwischen 625 und 776 Euro im Monat. Achte auf die Effektivkosten, die jeder Anbieter in seinen Unterlagen nennen muss.
Förderung senkt die Last. Bei einer Betriebsrente sind 2026 bis 676 Euro im Monat steuerfrei und bis 338 Euro sozialabgabenfrei. Der Arbeitgeber muss bei Entgeltumwandlung 15 Prozent dazugeben, soweit er Sozialabgaben spart (§ 1a BetrAVG). Für 100 Euro Beitrag sinkt Lisas Netto um weniger als 100 Euro, weil dafür Steuer und Sozialabgaben wegfallen.
Ab dem 1. Januar 2027 soll das neue Altersvorsorgedepot starten, mit einer Grundzulage von bis zu 540 Euro im Jahr. Das Gesetz ist beschlossen, der Bundesrat hat am 8. Mai 2026 zugestimmt. Einzelheiten können sich bis zum Start noch ändern. Neue Riester-Verträge gibt es ab 2027 nicht mehr.
So gehst du vor, wenn du deine Rentenlücke schließen willst
Erst der Überblick, dann das Produkt. Sammle Renteninformation, Standmitteilungen und deine Kontoauszüge der letzten Monate. Prüfe in der Renteninformation auch den Versicherungsverlauf. Fehlen Zeiten wie Ausbildung, Studium oder Kindererziehung, kannst du sie bei der Rentenversicherung nachmelden.
Dann die Reihenfolge. Zuerst eine Rücklage für das teuerste realistische Ereignis. Bei Lisa sind das vier Nettogehälter, also 10.000 Euro. Dann der Schutz deiner Arbeitskraft, denn ohne Einkommen gibt es keine Sparrate. Lisa hat seit 2019 eine Berufsunfähigkeitsversicherung über 1.500 Euro im Monat. Danach geförderte Wege wie die Betriebsrente mit Zuschuss, und für den Rest ein breit gestreuter Sparplan, zum Beispiel mit ETF.
Lisa nutzt die Betriebsrente mit Zuschuss und startet einen ETF-Sparplan. Das Tagesgeld bleibt ihr Notgroschen. So stemmt sie nicht die vollen 625 Euro aus dem Netto.
Stell dir vor: Lisa reduziert mit 35 für fünf Jahre auf 30 Stunden, für eine Weiterbildung oder ein Kind. Ein Vollzeitjahr bringt ihr heute rund 0,89 Rentenpunkte, also etwa 38 Euro Monatsrente brutto. Mit 75 Prozent Gehalt sammelt sie ein Viertel weniger. Nach fünf Jahren fehlen ihr rund 47 Euro brutto Rente im Monat, ein Leben lang.
Das spricht nicht gegen Teilzeit, nur dafür, danach neu zu rechnen. Bekommt Lisa ein Kind, schreibt ihr die Rentenversicherung für drei Jahre Kindererziehungszeit gut, im Wert von rund einem Rentenpunkt pro Jahr. Dann zahlt sie auch nur noch 3,6 Prozent Pflegebeitrag.

Samiras Blick
Samira Harkat
„In meiner Beratung sehe ich Verträge, die seit dem Abschluss niemand mehr geprüft hat.“
Für die Rentenlücke heißt das: Rechne sie alle drei bis fünf Jahre neu, nach jeder Gehaltserhöhung, jedem Jobwechsel und jeder Pause. Prüf dabei auch, ob deine Sparraten mitgewachsen sind.
Wenn die Rente beginnt: so wird aus deinem Kapital ein Einkommen
Im Ruhestand drehst du die Rechnung um: Aus einem Vermögen soll ein monatliches Einkommen werden. Dafür gibt es zwei Grundwege, die sich gut kombinieren lassen.
Beim Entnahmeplan bleibt das Geld angelegt, und du nimmst dir jeden Monat einen festen Betrag. Banken nennen das auch Auszahlplan. Das Geld bleibt flexibel und vererbbar. Das Risiko: Lebst du sehr lange oder fallen die Kurse gerade in den ersten Rentenjahren stark, kann das Geld zu früh aufgebraucht sein.
Bei der Leibrente gibst du das Kapital an eine Versicherung und bekommst lebenslang eine feste Rente, egal wie alt du wirst. Dafür ist das Geld gebunden, und stirbst du früh, bekommen deine Erben ohne vereinbarte Garantiezeit nichts. Die Rente wird mit dem Ertragsanteil besteuert, bei Beginn mit 67 sind das 17 Prozent.
Ein Mix kann passen: Eine Leibrente deckt die festen Kosten, der Rest bleibt im Entnahmeplan. Eine Möglichkeit ist die Aufteilung in Töpfe: Geld für die nächsten ein bis zwei Jahre auf dem Tagesgeld, Geld für die Jahre danach in schwankungsarmen Anlagen, der Rest langfristig in Aktien.
Bei Lisa könnte das so aussehen: Rund 33.000 Euro, also zwei Jahre Lücke, liegen auf dem Tagesgeld. Der Rest bleibt breit gestreut angelegt. Fallen die Kurse, lebt sie aus dem Tagesgeld und muss nichts im Tief verkaufen. Jedes Jahr erhöht sie ihre Entnahme um die Inflation.
Plane auch den Übergang. Den Rentenantrag stellst du am besten drei Monate vor dem Rentenbeginn. Wer früher in Rente geht, verliert für jeden Monat 0,3 Prozent, höchstens 14,4 Prozent, und zwar dauerhaft. Wer länger arbeitet, bekommt für jeden Monat 0,5 Prozent mehr. Seit 2026 bleiben mit der Aktivrente bis zu 2.000 Euro Arbeitslohn im Monat steuerfrei, wenn Angestellte über die Regelaltersgrenze hinaus arbeiten.
Selbständige, Beamtinnen und Beamte, Hausfrauen und Hausmänner, Paare: was anders ist
Selbständige sind nur in bestimmten Fällen gesetzlich rentenversichert. Ihre Lücke kann fast der ganze Bedarf sein. Sie bauen ihre Vorsorge selbst auf, zum Beispiel mit einer Basisrente, die 2026 bis 30.826 Euro im Jahr steuerlich absetzbar ist. Bestimmte Gruppen wie selbständige Lehrerinnen und Lehrer oder Hebammen sind trotzdem pflichtversichert. Wer über die Künstlersozialkasse versichert ist, zahlt nur die Hälfte des Beitrags.
Beamtinnen und Beamte bekommen keine gesetzliche Rente, sondern eine Pension. Der Höchstsatz liegt bei 71,75 Prozent der letzten Bezüge nach rund 40 Dienstjahren. Die Pension ist voll steuerpflichtig, mit einem Versorgungsfreibetrag, der schrittweise sinkt.
Hausfrauen und Hausmänner bauen selbst kaum Ansprüche auf, außer über Kindererziehungs- und Pflegezeiten. Bei Paaren lohnt sich deshalb eine gemeinsame Rechnung, aber auch eine getrennte. Was passiert nach einer Trennung oder wenn einer stirbt? Eine Witwen- oder Witwerrente gibt es nur nach einer Ehe oder eingetragenen Lebenspartnerschaft, und eigenes Einkommen wird oberhalb eines Freibetrags angerechnet.
Typische Rechenfehler bei der Rentenlücke
Fehler können schon in den Annahmen stecken. Auf diese fünf lohnt ein Blick:
- Brutto mit netto vergleichen: Die Rente aus der Renteninformation wird direkt vom Wunsch-Netto abgezogen. Bei Lisa fehlen dann knapp 200 Euro Abzüge.
- Nur den Bedarf hochrechnen: Wer den Wunsch um 36 Jahre Inflation erhöht, muss das auch mit der Rente tun. Sonst wirkt die Lücke doppelt so groß.
- Zu kurz planen: 20 Jahre Ruhestand können zu knapp sein. Wer 92 oder 95 wird, braucht deutlich mehr.
- Die Renteninformation als sicher nehmen: Sie setzt voraus, dass du bis 67 so weiterverdienst. Teilzeit, Pausen oder Selbständigkeit senken den Wert.
- Steuern und Kassenbeiträge auf die private Vorsorge vergessen: Eine Betriebsrente von 300 Euro bringt netto spürbar weniger.
Was bei deiner Rentenlücke als Nächstes zählt
Die Rentenlücke macht aus einem diffusen Gefühl eine klare Größe. Lisas Rechnung zeigt, dass die Lücke nicht an Lisa liegt, sondern daran, wie die gesetzliche Rente gebaut ist. Und sie zeigt, dass Zeit der stärkste Hebel ist.
Was jetzt zählt, ist deine eigene Zahl. Nimm deine Renteninformation, rechne in heutigem Geld, zieh Kranken- und Pflegeversicherung und Steuer ab, und plane lieber ein paar Jahre zu lang als zu kurz. Danach geht es um die Wahl der Wege: geförderte Bausteine zuerst, dann flexible Anlagen. Wenn du die Rechnung lieber gemeinsam machst, sprich uns an.
Lass uns deine Rentenlücke einmal gemeinsam ausrechnen.
Die Prüfung ist unabhängig davon, ob am Ende ein neuer Vertrag steht. Ein alter Vertrag mit Lücken kann besser sein als ein neuer mit neuen Gesundheitsfragen.
Beratung durch die FemininFinance GmbH & Co. KG, Versicherungsmaklerin nach § 34d Abs. 1 GewO, Register-Nr. D-TAJS-4I8JO-48, und ihre Kooperationspartner:innen mit eigener Erlaubnis und eigener Registrierung bei der IHK.
Häufig gestellte Fragen
Nein. Die Renteninformation zeigt einen Bruttobetrag. Davon gehen Kranken- und Pflegeversicherung ab, in der Krankenversicherung der Rentner 2026 beim durchschnittlichen Zusatzbeitrag rund 12 bis 13 Prozent. Liegt dein Einkommen über dem Grundfreibetrag von 12.348 Euro im Jahr, kommt Einkommensteuer dazu. Von 1.400 Euro bleiben so rund 1.200 Euro, mit Steuer etwas weniger.
Deine Rentenpunkte sinken im gleichen Verhältnis wie dein Gehalt. Bei 25 statt 40 Stunden sammelst du rund 37 Prozent weniger. Für die ersten drei Lebensjahre deines Kindes bekommst du aber Kindererziehungszeiten gutgeschrieben, rund einen Rentenpunkt pro Jahr, zusätzlich zu deinem Teilzeitgehalt. Danach lohnt es sich, die Lücke neu zu rechnen.
Am besten beides. Gemeinsam seht ihr, ob der Haushalt im Alter reicht. Getrennt seht ihr, was jede und jeder allein hätte, zum Beispiel nach einer Trennung oder wenn einer stirbt. Ohne Ehe gibt es keine Witwenrente und keinen Versorgungsausgleich.
In der Krankenversicherung der Rentner zahlst du auf Betriebsrenten den vollen Beitrag. Für die Krankenversicherung bleiben 2026 197,75 Euro frei. Bei 14,6 Prozent plus 2,9 Prozent durchschnittlichem Zusatzbeitrag sind das auf die restlichen 102,25 Euro rund 18 Euro. Für die Pflegeversicherung gilt nur eine Freigrenze, darum zahlst du auf die ganzen 300 Euro, mit Kind rund 11 Euro. Dazu kommt die Einkommensteuer.
Das hängt von der Entnahme und der Rendite ab. Nimmst du in heutigem Geld 800 Euro im Monat und bringt das Geld nach Inflation 1 Prozent im Jahr, reicht es etwa 23 Jahre. Mit 600 Euro im Monat reicht es deutlich über 30 Jahre. Ein Teil auf dem Tagesgeld schützt davor, im Kurstief verkaufen zu müssen.
Quellen: Deutsche Rentenversicherung: Altersvorsorge-Reformgesetz, Stand 17.09.2026, geprüft am 16.10.2026 · Deutsche Rentenversicherung Rheinland: Steueranteil für Neurentner liegt 2026 bei 84 Prozent, Stand 20.02.2026, geprüft am 07.10.2026 · Deutsche Rentenversicherung: Jahresbericht 2025 in Zahlen, Stand 2026, geprüft am 07.10.2026 · Einkommensteuergesetz: § 22 EStG und § 32a EStG, Fassung ab 01.01.2026, geprüft am 07.10.2026 · Sozialgesetzbuch: § 249a SGB V, § 226 SGB V und § 82 SGB XII, Stand 2026, geprüft am 07.10.2026 · Bundesgesundheitsministerium: Finanzierung der Pflegeversicherung, Stand 14.09.2026, geprüft am 07.10.2026 · Statistisches Bundesamt: Verbraucherpreisindex, Stand 30.09.2026, geprüft am 07.10.2026, und Lebenserwartung, Stand 07.07.2026, geprüft am 07.10.2026 · Statistisches Bundesamt: Inflationsrate im September 2026 bei +3,3 %, Stand 13.10.2026, geprüft am 16.10.2026 · Deutsche Rentenversicherung: Sozialversicherungsrechengrößen 2026, Stand 10.09.2025, geprüft am 16.10.2026 · dejure.org: § 154 SGB VI Rentenversicherungsbericht, Sicherungsniveau, Stand 2026, geprüft am 16.10.2026 · dejure.org: § 109 SGB VI Renteninformation und Rentenauskunft, Stand 2026, geprüft am 16.10.2026 · dejure.org: § 1a BetrAVG Entgeltumwandlung, Stand 2026, geprüft am 16.10.2026
Was sich geändert hat: 07.10.2026 – erste Fassung. 16.10.2026 – Faktenprüfung, Inflationswert und Quellen aktualisiert, Verbandsquelle und ungeprüfte Zahlen entfernt, Rücklage auf das Lisa-Beispiel umgestellt.
Haftungsausschluss: Dieser Artikel ist allgemeine Information und ersetzt keine persönliche Beratung. Welche Lösung zu dir passt, hängt von deiner Situation ab. Darüber sprechen wir am besten direkt. Alles Weitere steht im Haftungsausschluss.
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Unsere Beratung: Wir sind Versicherungsmaklerin. Vermitteln wir dir einen Vertrag, bekommen wir vom Versicherer eine Vergütung, die Courtage. Sie steckt im Beitrag. Vermittelt eine unserer Kooperationspartner:innen, bekommt sie die Courtage. Ob wir davon einen Anteil bekommen, ist unterschiedlich. Die Prüfung deines Vertrags ist unabhängig davon, ob am Ende ein neuer Vertrag steht. Mehr dazu: So verdienen wir Geld.
Tipps unter Fachkolleg:innen: Rentenlücke
Für Versicherungsvermittlerinnen und -vermittler, Finanzberaterinnen und -berater mit IHK-Registrierung
- Manche Kundinnen und Kunden kennen ihre Renteninformation, aber nicht ihre Nettorente. Eine gemeinsame Brutto-netto-Rechnung ist ein guter Anlass für ein Gespräch.
- Nach Teilzeit, Elternzeit oder Jobwechsel lohnt sich ein Anruf mit dem Angebot, die Lücke neu zu rechnen.
