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Titelbild zum Thema Notgroschen: eine stilisierte Person hält einen Schirm über ein Glas mit goldenen Münzen, während daneben Regen fällt.

Notgroschen: wie hoch, wo parken, wann auffüllen

Samira HarkatSamira HarkatStand: 16. Oktober 2026

Die Waschmaschine gibt auf, die Werkstatt ruft mit einer Rechnung an, oder dein Arbeitgeber kündigt Kurzarbeit an. In solchen Momenten zeigt sich, ob du einen Notgroschen hast. Gemeint ist Geld, das nur für das Unerwartete da ist und das du sofort erreichst.

Ohne dieses Polster wird aus einer Rechnung schnell ein Kredit. Der Dispo springt ein, die Ratenzahlung lockt, oder du verkaufst Wertpapiere zum falschen Zeitpunkt. Das muss nicht an fehlender Disziplin liegen. Unser Alltag ist auf ein Gehalt pro Monat gebaut, nicht auf Überraschungen.

Hier liest du, wie hoch dein Notgroschen in deiner Lebenslage sein sollte, wo er sicher liegt, was er dich an Rendite kostet und wie du ihn aufbaust, nutzt und wieder auffüllst. Mit Werten für 2026.

Betrifft dich, wenn du Vermögen aufbauen willst du dich selbstständig machst ein Kind kommt du eine Auszeit nimmst

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Notgroschen ist eine Rücklage für ungeplante Ausgaben und Einkommenslücken. Er ist kein Sparziel und kein Investment.
  • Die Höhe richtet sich nach dem teuersten Ereignis, das bei dir realistisch ist. Nicht nach der Summe aller Ereignisse. Rechne sie in Nettogehältern. Wer allein verdient, Kinder hat, Eigentum besitzt oder selbständig ist, plant eher mehr.
  • Der beste Ort ist ein eigenes Tagesgeldkonto. Bis 100.000 Euro je Person und Bank schützt dich die gesetzliche Einlagensicherung, Stand: Oktober 2026.
  • Erst der Notgroschen, dann das Investieren. So musst du im Notfall kein Depot im Kurstief verkaufen.
  • Hast du ihn genutzt, füllst du ihn als Erstes wieder auf. Geplante Auszeiten wie Elternzeit oder Sabbatical bekommen einen eigenen Spartopf.
Inhalt
  1. Was ist ein Notgroschen?
  2. Was passiert ohne Notgroschen?
  3. Wie hoch sollte dein Notgroschen sein?
  4. Warum Selbständige einen größeren Notgroschen brauchen
  5. Wo du deinen Notgroschen am besten parkst
  6. Wie sicher ist dein Notgroschen auf dem Konto?
  7. Was kostet ein Notgroschen?
  8. Erst der Notgroschen, dann das Investieren
  9. So baust du deinen Notgroschen auf
  10. Wenn du deinen Notgroschen brauchst: so nutzt du ihn und füllst ihn wieder auf
  11. Notgroschen bei Kurzarbeit, Jobverlust, Elternzeit und Sabbatical
  12. Was beim Notgroschen als Nächstes zählt
  13. Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Notgroschen?

Die kurze Antwort: Ein Notgroschen ist Geld, das du ausschließlich für unvorhersehbare Ausgaben und für Zeiten mit weniger Einkommen zurücklegst. Er liegt sicher, schwankt nicht im Wert und ist innerhalb von ein bis zwei Tagen auf deinem Girokonto.

Andere Namen sind Notreserve, eiserne Reserve oder Liquiditätsreserve. Liquidität heißt Verfügbarkeit: wie schnell du an dein Geld kommst. In unserem Kurs sprechen wir von Rücklagen und sehen sie als eigenen Raum im Fundament deiner Finanzen, direkt neben den Versicherungen für die großen Risiken.

Wichtig ist die Abgrenzung. Ein Sparziel hat einen Betrag und ein Datum, zum Beispiel ein Urlaub, ein neues Auto oder eine Weiterbildung. Vermögensaufbau ist Geld, das du viele Jahre nicht brauchst und darum in Aktien oder Fonds anlegen kannst. Der Notgroschen ist keins von beiden. Er wartet einfach, bis etwas passiert.

Es gibt zwei Arten von Notfällen, die er abfedert. Erstens die einmalige Rechnung: der kaputte Kühlschrank, die Autoreparatur, eine Selbstbeteiligung bei der Versicherung, eine Nebenkostennachzahlung. Zweitens die Einkommenslücke: Krankheit über sechs Wochen hinaus, Kurzarbeit, Jobverlust oder eine Phase, in der weniger Geld hereinkommt.

Was er nicht leisten kann: ein großes Lebensrisiko dauerhaft tragen. Wenn du über Jahre nicht arbeiten kannst, reicht kein Polster. Dafür gibt es die Berufsunfähigkeitsversicherung. Notgroschen und Absicherung ergänzen sich, sie ersetzen sich nicht.

Was passiert ohne Notgroschen?

Ohne Rücklage bezahlst du jede Überraschung mit geliehenem Geld oder mit deinem Vermögen. Der Dispokredit ist schnell da, aber teuer. Seine Zinsen können weit über dem liegen, was dir ein Tagesgeldkonto bringt. Ratenkäufe verteilen das Problem nur auf die nächsten Monate.

Die zweite Falle ist das Depot. Wer kein Polster hat, muss Fondsanteile verkaufen, wenn die Rechnung kommt. Das kann genau in einem Kurstief sein. Ein Verlust, der auf dem Papier nur vorübergehend war, wird dann endgültig.

Die dritte Folge ist leiser: Abhängigkeit. Wer nicht flüssig ist, fragt Eltern, Partnerin oder Partner. Das nimmt Spielraum, etwa bei einer Trennung oder einem Jobwechsel.

Und der Staat? Er hilft bei Einkommenslücken, aber nicht in voller Höhe und nicht immer sofort. Das Arbeitslosengeld beträgt 60 Prozent deines pauschal berechneten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent, Stand: Oktober 2026 laut Bundesagentur für Arbeit. Kündigst du selbst, kann es bis zu zwölf Wochen ruhen. Das ist die sogenannte Sperrzeit.

Bist du länger als sechs Wochen krank, zahlt die Krankenkasse Krankengeld. Es liegt unter deinem Netto. Für einmalige Ausgaben wie die kaputte Waschmaschine gibt es keine staatliche Leistung. Die zahlst du immer selbst.

Lisa Logisch ist unsere Beispielperson. Sie ist erfunden, ihr Verlauf ist alltagsecht. Lisa ist 31, Projektmanagerin in Vollzeit und verdient 2.500 Euro netto im Monat. Wird sie länger krank, bekommt sie rund 1.960 Euro Krankengeld netto im Monat. Ihr fehlen also rund 540 Euro im Monat. Krankengeld gibt es für dieselbe Krankheit bis zu 78 Wochen in drei Jahren. Die sechs Wochen Lohnfortzahlung zählen mit. Danach bleiben also bis zu 72 Wochen. Im ungünstigsten Fall fehlen ihr damit grob gerechnet rund 9.100 Euro, Stand: 2026.

Wie hoch sollte dein Notgroschen sein?

Die kurze Antwort: So hoch wie das teuerste Ereignis, das bei dir realistisch ist. Nicht die Summe aller möglichen Ereignisse. Rechne den Betrag in Nettogehältern.

Die Verbraucherzentrale nennt als Daumenregel einen Puffer von zwei bis drei Monatsgehältern auf dem Tagesgeldkonto, Stand: 12.02.2026. Hier ist die Seite der Verbraucherzentrale.

Diese Daumenregel ist nur ein Startpunkt. Genauer wird es, wenn du von deinen Fixkosten ausgehst, also von dem, was jeden Monat sicher abgeht: Miete, Strom, Versicherungen, Mobilität, Kredite. Dazu kommt ein Betrag zum Leben. Ein Notgroschen auf Basis deiner Ausgaben kann kleiner sein als einer auf Basis deines Nettogehalts, weil du im Notfall nicht mehr sparst.

Zieh danach ab, was im Notfall sicher hereinkommt. Umgekehrt gilt: Je mehr Verantwortung du allein trägst, desto größer sollte das Polster sein.

LebenslageTeuerstes Ereignis, an das du denken solltest
Angestellt, allein, ohne Kinder, MietwohnungLängere Krankheit oder Jobverlust
Paar mit zwei Einkommen, ohne KinderAusfall eines Einkommens
Paar mit einem EinkommenAusfall der Hauptverdienerin oder des Hauptverdieners
Mit Kind, auch alleinerziehendAusfall eines Einkommens
Ohne eigenes Einkommen, etwa Hausfrauen und HausmännerEine Trennung. Dafür brauchst du einen eigenen Notgroschen auf deinen Namen.
Eigentümerinnen und Eigentümer einer ImmobilieEine große Reparatur, etwa Dach, Heizung oder Rohrbruch
Beamtinnen und BeamteEine große ungeplante Ausgabe. Die Besoldung läuft bei Krankheit weiter.
SelbständigMonate ohne Aufträge plus Steuer
Studierende und AuszubildendeEine große Einzelausgabe, etwa Laptop oder Kaution

Die Tabelle ist unsere Einordnung, kein amtlicher Wert. Du addierst nicht alle denkbaren Notfälle, sondern sicherst den größten realistischen Einzelfall ab.

Und so sieht es bei Lisa aus. Ihr Netto liegt bei 2.500 Euro. Ihr teuerstes realistisches Ereignis ist eine längere Krankheit. Die Lücke zum Krankengeld beträgt grob gerechnet rund 9.100 Euro, gut 3,6 Nettogehälter.

Lisa rundet auf 4 Nettogehälter auf und setzt ihr Ziel bei 10.000 Euro an. Die Rechnung steht im Artikel Risiken absichern, puffern oder bewusst ignorieren.

Warum Selbständige einen größeren Notgroschen brauchen

Selbständige tragen Risiken, die bei Angestellten der Arbeitgeber oder die Sozialversicherung abfängt. Es gibt keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Krankengeld bekommen freiwillig gesetzlich versicherte Selbständige nur, wenn sie es mit einer Wahlerklärung abgeschlossen haben, und dann erst ab der siebten Woche der Arbeitsunfähigkeit. Das gilt auch für Versicherte der Künstlersozialkasse, außer sie haben einen Wahltarif.

Arbeitslosengeld gibt es nur, wenn du dich freiwillig in der Arbeitslosenversicherung weiterversichert hast. Dazu kommen Einnahmen, die schwanken, Kundinnen und Kunden, die spät zahlen, und Steuervorauszahlungen, die sich nach guten Jahren erhöhen.

Darum gilt für Selbständige: Rechne mit den Monaten, die du realistisch ohne Aufträge überbrücken musst, plus Rücklage für die Steuer. Wichtig ist die Trennung in drei Töpfe. Der private Notgroschen deckt deine Lebenshaltung. Eine betriebliche Reserve deckt Miete für Büro oder Praxis, Software, Leasing und andere laufende Betriebskosten.

Der dritte Topf ist das Steuerkonto. Umsatzsteuer und Einkommensteuer-Rücklagen sind nie Teil des Notgroschens. Dieses Geld gehört dir nur auf dem Papier. Wer es im Notfall verbraucht, hat ein Jahr später ein zweites Problem.

Wo du deinen Notgroschen am besten parkst

Die kurze Antwort: auf einem eigenen Tagesgeldkonto. Ein Notgroschen braucht drei Eigenschaften. Er muss sofort verfügbar sein, er darf nicht schwanken, und er soll getrennt von deinem Alltagsgeld liegen, damit du ihn nicht nebenbei ausgibst.

Ein Tagesgeldkonto erfüllt alle drei. Es ist ein Sparkonto ohne feste Laufzeit, du kannst jeden Tag Geld abheben, und es bringt Zinsen, die die Bank jederzeit ändern darf. Geld überweist du in der Regel nur auf dein hinterlegtes Girokonto, das Referenzkonto. Mehr Details findest du auf unserer Seite zu Tagesgeld und Festgeld.

OrtVerfügbarWertschwankungEignung für den Notgroschen
Tagesgeldkontoje nach Bank am selben oder nächsten Bankarbeitstagkeineerste Wahl
Unterkonto beim Girokontosofortkeinegut, wenn du es konsequent trennst
Girokontosofortkeineschwach, das Geld verschwimmt mit dem Alltag
Bargeld zu Hausesofortkeine, aber Diebstahl und Feuernur ein kleiner Betrag für wenige Tage
Festgelderst am Ende der Laufzeitkeinenur für einen Teil über dem Kernbetrag
Geldmarktfondsnach Verkauf in wenigen Tagengeringmöglich als Ergänzung, keine Einlagensicherung
Aktien, Aktienfonds, ETFnach Verkauf in wenigen Tagenhochungeeignet
Kryptowerte, Goldunterschiedlichhochungeeignet
Bausparvertrag, Lebensversicherungnur mit Kündigung und Verlustkeine bis geringungeeignet

Achte bei einem neuen Tagesgeldkonto auf den Zins nach dem Lockangebot. Ein Neukundenzins kann nach wenigen Monaten enden.

Seit Oktober 2025 müssen Banken im Euroraum Echtzeitüberweisungen anbieten, und zwar nicht teurer als normale Überweisungen. Das ist eine EU-Regel. Ob du sie vom Tagesgeldkonto aus nutzen kannst, hängt von der Bank ab. Frag danach, wenn dir schneller Zugriff wichtig ist.

Ein Geldmarktfonds schwankt wenig, ist aber ein Wertpapier. Er fällt nicht unter die Einlagensicherung. Für den Kern deines Notgroschens bleibt Tagesgeld die ruhigere Lösung.

Wenn dein Polster größer ist als das, was du kurzfristig je brauchen wirst, kannst du einen Teil als Festgeld mit kurzer Laufzeit anlegen. So kannst du für diesen Teil etwas mehr Zins bekommen. Der Kernbetrag für die ersten Wochen bleibt täglich verfügbar.

Wie sicher ist dein Notgroschen auf dem Konto?

Die kurze Antwort: sehr sicher, bis 100.000 Euro je Person und Bank. Geht eine Bank in der Europäischen Union pleite, zahlt die gesetzliche Einlagensicherung dein Guthaben bis zu dieser Grenze zurück. Das gilt für Girokonto, Tagesgeld, Festgeld und Sparbuch, Stand: Oktober 2026 laut BaFin, der Finanzaufsicht.

Die Auszahlung muss innerhalb von sieben Arbeitstagen erfolgen. Bei einem Gemeinschaftskonto ist jede Kontoinhaberin und jeder Kontoinhaber mit 100.000 Euro geschützt, ein Paar also zusammen mit bis zu 200.000 Euro.

In besonderen Lebenslagen steigt der Schutz für sechs Monate auf bis zu 500.000 Euro. Das betrifft zum Beispiel Geld aus dem Verkauf einer privat genutzten Immobilie, aus Heirat, Scheidung, Geburt oder Ruhestand oder aus bestimmten Versicherungsleistungen. Das ist im Einlagensicherungsgesetz geregelt.

Gut zu wissen

Die 100.000 Euro gelten je Bank, nicht je Konto. Manche Banken treten unter mehreren Markennamen auf. Dann zählen alle Guthaben unter diesen Marken zusammen. Prüfe im Informationsbogen für Einleger, welche Bank hinter deinem Konto steht. Den Bogen muss dir jede Bank geben.

Bei Banken aus anderen EU-Ländern greift die Einlagensicherung des jeweiligen Landes. Die Grenze ist überall 100.000 Euro, aber im Ernstfall zahlt der Fonds dieses Landes. Wie gut der ausgestattet ist, kann auch von der Finanzkraft des Staates abhängen. Für den Notgroschen ist eine Bank mit Sitz in Deutschland darum die unkompliziertere Wahl.

Ein steuerlicher Unterschied kommt dazu. Eine Bank im Ausland zahlt die Zinsen in der Regel ohne Abzug deutscher Steuer aus. Einen Freistellungsauftrag nimmt sie nicht an. Dann musst du deine Zinsen selbst in der Steuererklärung angeben.

Darüber hinaus gibt es freiwillige Sicherungssysteme der privaten Banken sowie die Institutssicherung der Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Für einen Notgroschen unter 100.000 Euro brauchst du diese Ebene nicht.

Was kostet ein Notgroschen?

Die kurze Antwort: Er kostet dich keine Gebühr, aber entgangene Rendite. Geld auf dem Tagesgeld kann langfristig weniger bringen als Geld in breit gestreuten Aktienfonds. Garantiert ist das nicht. Diesen Unterschied nennt man Opportunitätskosten, also den Ertrag, auf den du zugunsten der Sicherheit verzichtest.

Ein Rechenbeispiel mit Annahmen, keine Prognose: Lisa parkt 10.000 Euro als Notgroschen. Angenommen, das Tagesgeld bringt über zehn Jahre im Schnitt 2 Prozent im Jahr und ein weltweit gestreuter Aktienfonds 6 Prozent. Dann wären aus dem Tagesgeld rund 12.190 Euro geworden, aus dem Fonds rund 17.910 Euro. Der Unterschied läge bei rund 5.700 Euro vor Steuern. Ob Tagesgeld und Fonds diese Werte erreichen, weiß niemand vorher.

Dazu kommt die Inflation. Bei 2 Prozent Teuerung im Jahr sind 10.000 Euro nach zehn Jahren nur noch so viel wert wie heute rund 8.200 Euro. Ein Tagesgeldzins in Höhe der Inflation hält die Kaufkraft gerade stabil.

Der Gegenwert ist trotzdem hoch. Ohne Notgroschen zahlst du Dispozinsen, oder du verkaufst dein Depot womöglich mit Verlust. Ein einziger Verkauf im Kurstief kann mehr kosten als viele Jahre entgangene Rendite auf das Polster. Darum sehen wir den Notgroschen als Versicherungsprämie für deine Ruhe, nicht als schlechte Geldanlage.

Zur Steuer: Zinsen sind Kapitalerträge. Bis zum Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro im Jahr, für zusammen veranlagte Paare 2.000 Euro, bleiben sie steuerfrei, wenn du deiner Bank einen Freistellungsauftrag gibst, Stand: 2026. Darüber fallen 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer an. Lisas Zinsen auf 10.000 Euro liegen bei 2 Prozent bei 200 Euro im Jahr, also weit unter der Grenze. Mehr dazu auf unserer Seite zu den Steuern auf Kapitalerträge.

Erst der Notgroschen, dann das Investieren

Die kurze Antwort: Baue zuerst den Notgroschen auf und investiere erst danach. Der Grund ist der Zeithorizont. Geld in Aktien braucht viele Jahre Ruhe, um Schwankungen auszusitzen. Diese Ruhe hast du nur, wenn du für den Alltag nicht an das Depot musst.

Ganz starr ist die Reihenfolge nicht. Hast du teure Schulden, etwa im Dispo oder auf der Kreditkarte, tilge diese zuerst. Ein kleiner Startbetrag von einem Monatsnetto ist trotzdem sinnvoll, damit der nächste Notfall nicht direkt neue Schulden auslöst.

Auch eine Absicherung der großen Risiken gehört nach vorne. Eine private Haftpflicht deckt Schäden an anderen, die kein Notgroschen tragen kann. Bei der Absicherung deiner Arbeitskraft fragt der Versicherer nach Alter und Gesundheit. Bietet dein Arbeitgeber einen Zuschuss zur Betriebsrente, verschenkst du Geld, wenn du ihn wegen des Notgroschens aufschiebst.

Bei Lisa sieht die Reihenfolge so aus. Sie hat 10.000 Euro auf ihrem Tagesgeldkonto liegen und hat lange gezögert, mehr damit zu machen. Mit ihrem Ziel von 10.000 Euro ist der Notgroschen schon voll. Ihre künftigen Sparraten kann sie mit ruhigem Gewissen langfristig anlegen, zum Beispiel über einen ETF-Sparplan. Das Zögern hatte also einen guten Kern. Es war nur zu lang.

So baust du deinen Notgroschen auf

Die kurze Antwort: mit einem eigenen Konto und einem Dauerauftrag direkt nach dem Gehaltseingang. So sparst du, bevor das Geld im Alltag verschwindet.

1

Zielbetrag aus deinen echten Ausgaben ableiten

Schau in deine Kontoauszüge der letzten drei Monate. Addiere, was wirklich abgeht, nicht was du schätzt. Jährliche Beiträge teilst du durch zwölf. Multipliziere das mit der Zahl an Monaten, die zu deiner Lebenslage passt.

2

Ein eigenes Konto nur für den Notgroschen eröffnen

Ein Tagesgeldkonto oder ein klar benanntes Unterkonto. Gib ihm einen Namen, der dich erinnert, wofür es da ist. Eine Karte für Einkäufe hat dieses Konto nicht.

3

Einen Dauerauftrag kurz nach dem Gehaltseingang einrichten

Ein fester Betrag am zweiten oder dritten Tag nach dem Gehalt. Schon 100 Euro im Monat ergeben nach zwei Jahren 2.400 Euro. Sonderzahlungen wie Steuererstattung, Bonus oder Urlaubsgeld beschleunigen den Aufbau.

4

Den Dauerauftrag stoppen, wenn das Ziel erreicht ist

Ist der Notgroschen voll, leitest du die Rate um, zum Beispiel in einen Sparplan oder in ein Sparziel. Einmal im Jahr prüfst du, ob der Betrag noch zu deinem Leben passt.

Ein Monatsnetto ist ein gutes Zwischenziel. Hätte Lisa bei null angefangen, hätte sie mit 300 Euro im Monat nach gut acht Monaten ein Monatsnetto zusammen und nach knapp drei Jahren die vollen 10.000 Euro. Ihr Budget gibt das her: 2.500 Euro netto minus 1.600 Euro Fixkosten lassen 900 Euro für Alltag und Sparen.

Wenn du deinen Notgroschen brauchst: so nutzt du ihn und füllst ihn wieder auf

Die kurze Antwort: Nutze ihn ohne schlechtes Gewissen, wenn ein echter Notfall da ist, und fülle ihn danach als Erstes wieder auf. Dafür ist er da. Ein Notgroschen, den du aus Angst nie anfasst, verfehlt seinen Zweck genauso wie einer, den du für den Urlaub plünderst.

Ob etwas ein Notfall ist, prüfst du mit drei Fragen. Kam die Ausgabe unerwartet? Ist sie nicht aufschiebbar? Kannst du sie nicht aus deinem laufenden Monatsbudget zahlen? Lautet die Antwort dreimal ja, ist es ein Fall für den Notgroschen.

  • Notfälle sind zum Beispiel: eine defekte Waschmaschine, eine Autoreparatur, eine Nebenkosten- oder Steuernachzahlung, die Selbstbeteiligung nach einem Schaden, ein Umzug nach einer Trennung, eine Einkommenslücke durch Krankheit, Kurzarbeit oder Jobverlust.
  • Keine Notfälle: Urlaub, ein neues Smartphone ohne Defekt, ein Schnäppchen, Weihnachtsgeschenke, die Kfz-Versicherung, die jedes Jahr im selben Monat fällig ist. Dafür gibt es Sparziele.

Bei einer Einkommenslücke hilft eine Reihenfolge. Beantrage zuerst alle Leistungen, die dir zustehen, also Krankengeld, Arbeitslosengeld oder Kurzarbeitergeld. Melde dich bei absehbarem Jobverlust spätestens drei Monate vorher arbeitsuchend, sonst droht eine Sperrzeit. Prüfe dann, welche Ausgaben du pausieren kannst, etwa einen Sparplan. Erst dann nimmst du monatlich nur so viel aus dem Notgroschen, wie wirklich fehlt.

Das Wiederauffüllen planst du wie den Aufbau: Dauerauftrag wieder aktivieren, gegebenenfalls höher als vorher. Ein laufender ETF-Sparplan darf dafür eine Weile pausieren. Ob das Aussetzen kostenlos ist, steht in den Bedingungen deines Anbieters. Sonderzahlungen fließen zuerst in den Notgroschen, bis er wieder voll ist.

Denk auch an die Steuer im Folgejahr. Krankengeld, Arbeitslosengeld, Kurzarbeitergeld und Elterngeld sind zwar steuerfrei. Sie erhöhen aber den Steuersatz auf dein übriges Einkommen, das nennt sich Progressionsvorbehalt. Hast du mehr als 410 Euro solcher Leistungen im Jahr bekommen, musst du eine Steuererklärung abgeben, und es kann eine Nachzahlung folgen. Plane dafür einen Teil des Polsters ein.

Notgroschen bei Kurzarbeit, Jobverlust, Elternzeit und Sabbatical

Die kurze Antwort: Ungeplante Einschnitte wie Kurzarbeit oder Jobverlust trägt der Notgroschen. Geplante Auszeiten wie Elternzeit oder ein Sabbatical finanzierst du besser aus einem eigenen Sparziel, damit der Notgroschen in dieser Zeit unangetastet bleibt. Gerade dann ist er besonders wertvoll.

Kurzarbeit: wenn die Arbeitszeit plötzlich sinkt

Bei Kurzarbeit zahlt die Agentur für Arbeit Kurzarbeitergeld. Es ersetzt 60 Prozent des ausgefallenen pauschalierten Nettolohns, mit Kind 67 Prozent, Stand: Oktober 2026 laut Bundesagentur für Arbeit. Gesetzlich gibt es Kurzarbeitergeld bis zu zwölf Monate. In Krisen kann die Bundesregierung die Dauer per Verordnung verlängern. Manche Tarifverträge sehen eine Aufstockung durch den Arbeitgeber vor.

Stell dir vor: Lisas Arbeitgeber schickt ihr Team für ein halbes Jahr in Kurzarbeit mit halber Arbeitszeit. Grob gerechnet fehlen ihr dann rund 500 Euro im Monat. Ihre Fixkosten von 1.600 Euro sind gedeckt, aber für Alltag und Sparen wird es eng. Über sechs Monate nimmt sie rund 3.000 Euro aus dem Notgroschen. Danach füllt sie ihn wieder auf.

Jobverlust: die Zeit bis zum neuen Job überbrücken

Das Arbeitslosengeld beträgt 60 Prozent des pauschalierten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent. Für Lisa wären das grob geschätzt rund 1.500 Euro im Monat, also weniger als ihre Fixkosten. Die erste Zahlung kann erst einige Wochen nach der Meldung kommen. Bei einer Eigenkündigung oder einem Aufhebungsvertrag kann der Anspruch bis zu zwölf Wochen ruhen. Mehr dazu auf unserer Seite, wenn du deinen Job verlierst.

Elternzeit: eine Auszeit, die du planen kannst

Elternzeit ist kein Notfall, sondern eine Entscheidung. Das Elterngeld ersetzt bei höheren Einkommen 65 Prozent des Nettoeinkommens vor der Geburt, mindestens 300 und höchstens 1.800 Euro im Monat. Beide Eltern zusammen bekommen bis zu 14 Monate Basiselterngeld, Stand: Oktober 2026 laut Bundesfamilienministerium. Den Antrag stellst du nach der Geburt. Rückwirkend gibt es Elterngeld nur für die letzten drei Monate vor dem Antrag.

Stell dir vor: Lisa bekommt ein Kind und nimmt zwölf Monate Elternzeit. Ihr Elterngeld läge bei rund 1.625 Euro. Das deckt ihre Fixkosten knapp, aber nicht ihr bisheriges Leben. Ihr fehlen rund 875 Euro im Monat. Diese Lücke plant sie als Sparziel ab dem Moment, in dem der Kinderwunsch konkret wird. Der Notgroschen bleibt daneben voll, denn auch mit Kind kann Unerwartetes passieren. Das gilt für Mütter und Väter gleichermaßen.

Zur Absicherung in dieser Zeit: Berufsunfähigkeitsversicherung in der Elternzeit.

Sabbatical: die gewollte Pause gut vorbereiten

Ein Sabbatical ist eine bewusst gewählte Auszeit, für Reisen, Familie, Weiterbildung oder einfach Luft. Am einfachsten finanzierst du es über ein Zeitwertkonto, falls dein Arbeitgeber eines anbietet. Dann sparst du vorher Gehalt oder Überstunden an und bekommst in der Auszeit weiter ein Gehalt. Die Sozialversicherung läuft weiter.

Bei unbezahltem Urlaub endet die Pflichtversicherung in der Krankenkasse nach einem Monat. Danach musst du dich familienversichern oder freiwillig versichern. Freiwillig Versicherte zahlen mindestens einen Beitrag auf rund 1.318 Euro im Monat. Mit durchschnittlichem Zusatzbeitrag und Pflegeversicherung sind das ohne Kinder grob 280 Euro im Monat, Stand: 2026. Diesen Betrag rechnest du in dein Sabbatical-Budget ein.

Lisa liebt Reisen und denkt über drei Monate Auszeit nach. Sie rechnet: drei Monate Fixkosten, also 4.800 Euro, dazu ein Reisebudget und rund 560 Euro Krankenversicherung für den zweiten und dritten Monat. Das spart sie als eigenes Ziel an. Ihre 10.000 Euro Notgroschen nimmt sie nicht mit auf die Reise. Wer nach der Rückkehr einen Job sucht oder krank wird, braucht ihn dann vielleicht.

Was beim Notgroschen als Nächstes zählt

Ein Notgroschen ist unspektakulär, und genau das ist seine Stärke. Er macht aus Notfällen Rechnungen und aus Entscheidungen echte Wahlmöglichkeiten. Wer ihn hat, kann ruhiger investieren, ruhiger verhandeln und ruhiger neu anfangen. Das gilt in der Elternzeit genauso wie in der Selbständigkeit oder nach einer Trennung.

Entscheidend ist nicht die perfekte Zahl, sondern ein Betrag, der zu deinem Leben passt, ein eigenes Konto und eine feste Regel, was ein Notfall ist. Ändert sich dein Leben, ändert sich auch der Notgroschen. Ein Kind, eine eigene Immobilie, ein höheres Gehalt oder der Schritt in die Selbständigkeit sind gute Anlässe, ihn neu zu rechnen. Wenn du dabei Begleitung möchtest, schauen wir es uns gemeinsam an.

Lass uns deinen Notgroschen gemeinsam durchrechnen.

Die Prüfung ist unabhängig davon, ob am Ende ein neuer Vertrag steht. Ein alter Vertrag mit Lücken kann besser sein als ein neuer mit neuen Gesundheitsfragen.

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Beratung durch die FemininFinance GmbH & Co. KG, Versicherungsmaklerin nach § 34d Abs. 1 GewO, Register-Nr. D-TAJS-4I8JO-48, und ihre Kooperationspartner:innen mit eigener Erlaubnis und eigener Registrierung bei der IHK.

Häufig gestellte Fragen

Meine Waschmaschine ist kaputt. Darf ich dafür an meinen Notgroschen?

Ja. Eine kaputte Waschmaschine ist ein Notfall, wenn sie unerwartet kommt, nicht aufschiebbar ist und dein laufendes Monatsbudget übersteigt. Nimm den Betrag aus dem Notgroschen und richte danach einen Dauerauftrag ein, der ihn in den nächsten Monaten wieder auffüllt.

Mein Arbeitgeber hat Kurzarbeit angekündigt. Wie lange reicht mein Notgroschen?

Rechne die monatliche Lücke aus. Das Kurzarbeitergeld ersetzt 60 Prozent des ausgefallenen pauschalierten Nettolohns, mit Kind 67 Prozent. Teile deinen Notgroschen durch die Lücke, dann weißt du, wie viele Monate er reicht. Pausiere solange Sparpläne und prüfe, ob dein Arbeitgeber aufstockt.

Ich habe 2.000 Euro im Dispo. Soll ich zuerst den Notgroschen aufbauen oder den Dispo tilgen?

Tilge zuerst den Dispo, denn seine Zinsen können viel höher sein als ein Tagesgeldzins. Lege parallel einen kleinen Startbetrag zurück, damit der nächste Notfall nicht direkt wieder im Dispo landet. Danach baust du den vollen Notgroschen auf.

Zählt mein ETF-Depot als Notgroschen?

Nein. Ein ETF kann in einem Börsentief deutlich im Minus stehen, genau dann, wenn du das Geld vielleicht brauchst. Der Notgroschen gehört auf ein Konto ohne Wertschwankung, am besten Tagesgeld. Das Depot ist für Geld da, das du viele Jahre nicht brauchst.

Wir sind verheiratet und haben ein Gemeinschaftskonto. Reicht ein gemeinsamer Notgroschen?

Für den Haushalt kann ein gemeinsamer Notgroschen reichen. Trotzdem lohnt es sich, wenn jede und jeder zusätzlich ein kleines eigenes Polster auf eigenen Namen hat. Das schützt deine Handlungsfähigkeit, zum Beispiel bei einer Trennung. Bei einem Gemeinschaftskonto ist jede Person mit 100.000 Euro durch die Einlagensicherung geschützt.

Ich mache mich selbständig. Wie viel Rücklage brauche ich?

Rechne mit den Monaten, die du realistisch ohne Aufträge überbrücken musst, plus Rücklage für die Steuer. Dazu kommt eine Reserve für die laufenden Betriebskosten und ein separates Steuerkonto für Umsatzsteuer und Einkommensteuer. Das Steuergeld ist nie Teil des Notgroschens.

Ich bekomme eine Steuererstattung von 800 Euro. Was mache ich damit?

Ist dein Notgroschen noch nicht voll, ist die Erstattung ein guter Turbo dafür. Ist er voll, kann das Geld in ein Sparziel oder in deinen Vermögensaufbau fließen. Hast du im Vorjahr Krankengeld, Elterngeld oder Kurzarbeitergeld bekommen, kann eine Nachzahlung folgen. Halte dafür etwas zurück.

Quellen:BaFin: Einlagensicherung, geprüft am 16.10.2026 · Bundesagentur für Arbeit: Arbeitslosengeld, Stand 2026, geprüft am 07.10.2026 · Bundesagentur für Arbeit: Kurzarbeitergeld, Stand 2026, geprüft am 07.10.2026 · Bundesfamilienministerium: Elterngeld, geprüft am 16.10.2026 · Verbraucherzentrale: Zwei bis drei Monatsgehälter gehören für Notfälle aufs Tagesgeldkonto, Stand 12.02.2026, geprüft am 16.10.2026 · BaFin: Überweisungen und Lastschriften, geprüft am 16.10.2026 · Haufe: Mindestbeitrag, geprüft am 16.10.2026 · Bundesministerium für Gesundheit: Bekanntmachung durchschnittlicher Zusatzbeitragssatz 2026, geprüft am 16.10.2026 · Bundesministerium für Gesundheit: Finanzierung der Pflegeversicherung, Stand 14.09.2026, geprüft am 16.10.2026 · Gesetze, alle geprüft am 16.10.2026: § 38 SGB III · § 104 SGB III · § 105 SGB III · § 109 SGB III · § 149 SGB III · § 159 SGB III · § 3 EntgFG · § 46 SGB V · § 47 SGB V · § 48 SGB V · § 240 SGB V · § 243 SGB V · § 55 SGB XI · § 7 SGB IV · § 7 BEEG · § 20 EStG · § 32b EStG · § 32d EStG · § 46 EStG · Stiftung Warentest: Tages- und Festgeld: Zinsen aus dem Ausland versteuern, 14.09.2026, geprüft am 16.10.2026

Was sich geändert hat: 07.10.2026 – erste Fassung.

Haftungsausschluss: Dieser Artikel ist allgemeine Information und ersetzt keine persönliche Beratung. Welche Lösung zu dir passt, hängt von deiner Situation ab. Darüber sprechen wir am besten direkt. Alles Weitere steht im Haftungsausschluss.

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Tipps unter Fachkolleg:innen: Notgroschen

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  • Nach Elternzeit, Kurzarbeit oder Krankheit kann der Notgroschen leer sein. Eine kurze Nachfrage, ob er wieder aufgefüllt ist, öffnet ein gutes Gespräch über Prioritäten.
  • Bei Selbständigen lohnt der gemeinsame Blick auf drei getrennte Töpfe: privat, betrieblich und Steuern.

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    © 2026 FemininFinance. Konzept des Ratgebers „Was zählt.“ und der Ansatz „Lage, Zahl, Entscheidung“ von Samira Harkat und Susanne Bartels.