Anleihen sind die stille Hälfte der Geldanlage. Über Aktien und ETFs wird viel geredet, über Anleihen kaum. Dabei leihen sich Staaten, Unternehmen und Banken jeden Tag Milliarden bei Anlegerinnen und Anlegern. Wer eine Anleihe kauft, ist Geldgeberin auf Zeit und bekommt dafür Zinsen.
Viele merken erst bei steigenden Zinsen, dass auch eine „sichere“ Anleihe an Wert verlieren kann. Das liegt nicht an dir. Die Begriffe sind sperrig, und kaum jemand erklärt sie in Ruhe.
Hier steht alles, was du über Anleihen wissen musst: Arten, Kupon, Kurs und Rendite, das Zinsänderungsrisiko, Rating, Stückzinsen, Bundeswertpapiere, Anleihe-ETFs, Steuer und ihre Rolle in deinem Depot. Stand: Oktober 2026.
Betrifft dich, wenn du Vermögen aufbauen willst die Rente näher rückt du eine Auszeit nimmst du erbst
Das Wichtigste in Kürze
- Mit einer Anleihe leihst du einem Staat, einem Unternehmen oder einer Bank Geld. Du bekommst feste Zinsen und am Ende der Laufzeit den Nennwert zurück, solange der Herausgeber zahlen kann.
- Steigen die Marktzinsen, fällt der Kurs bestehender Anleihen. Hältst du bis zum Ende, bekommst du trotzdem 100 Prozent zurück. Verkaufst du vorher, kann es ein Verlust werden.
- Für Anleihen gibt es keine Einlagensicherung. Wie sicher dein Geld ist, hängt allein an der Bonität des Herausgebers. Das Rating ist ein Hinweis darauf, keine Garantie.
- Zinsen und Kursgewinne kosten 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag, oberhalb des Sparerpauschbetrags von 1.000 Euro im Jahr. Anleihe-ETFs haben keine Teilfreistellung. Stand: 2026.
Inhalt
- Was ist eine Anleihe?
- Die wichtigsten Arten von Anleihen
- Kupon, Kurs und Rendite
- Warum Kurse fallen, wenn Zinsen steigen
- Bonität und Rating
- Was gilt ohne Einlagensicherung?
- Bundeswertpapiere über die Finanzagentur
- So kaufst du eine Anleihe
- Zinszahlung, Fälligkeit, Kündigung, Ausfall
- Was Anleihen kosten und was Stückzinsen sind
- Steuer auf Anleihen und Anleihe-ETFs
- Anleihe-ETF oder einzelne Anleihe
- Welche Rolle Anleihen im Depot spielen
- Was bei Anleihen als Nächstes zählt
- Häufig gestellte Fragen
Was ist eine Anleihe?
Die kurze Antwort: Eine Anleihe ist ein Kredit, den du gibst. Ein Staat, ein Unternehmen oder eine Bank braucht Geld und teilt den Kredit in viele kleine Wertpapiere auf. Du kaufst einen Teil davon, bekommst regelmäßig Zinsen und am Ende der Laufzeit dein Geld zurück.
Wer die Anleihe herausgibt, heißt Emittent. Andere Wörter für dasselbe Wertpapier sind Rente, Bond, Schuldverschreibung oder festverzinsliches Wertpapier. Ein Rentenfonds hat also nichts mit der gesetzlichen Rente zu tun. Er ist ein Fonds, der in Anleihen anlegt.
Jede Anleihe hat feste Eckdaten. Der Nennwert ist der Betrag, den der Emittent am Ende zurückzahlt. Der Kupon ist der feste Zins auf diesen Nennwert. Die Laufzeit endet an einem festen Tag, der Fälligkeit. Alles steht vorher in den Anleihebedingungen.
Der große Unterschied zur Aktie: Mit einer Aktie wirst du Miteigentümerin eines Unternehmens, ohne festen Ertrag und ohne Rückzahlungstag. Mit einer Anleihe bist du Gläubigerin, mit Anspruch auf Zinsen und Rückzahlung, egal wie viel das Unternehmen verdient. Mehr dazu auf unserer Seite zu Aktien.
Festgeld ist eine gesetzlich geschützte Einlage bei einer Bank. Eine Anleihe ist ein Wertpapier im Depot mit täglich neuem Börsenpreis. Du kannst sie vor dem Ende verkaufen, aber nicht zu einem garantierten Preis. Wie Festgeld funktioniert, steht auf unserer Seite zu Tagesgeld und Festgeld.
Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und Pfandbriefe: die wichtigsten Arten von Anleihen
Die kurze Antwort: Anleihen unterscheiden sich vor allem darin, wer sich das Geld leiht und was im Ernstfall dahintersteht. Davon hängen Risiko und Zins ab.
Staatsanleihen geben Staaten heraus, in Deutschland der Bund, die Länder und manche Städte. Der Bund gilt als einer der sichersten Schuldner der Welt. Darum zahlt er weniger Zinsen als andere. Staaten mit schwächerer Wirtschaft zahlen mehr, können aber auch ausfallen, wie Griechenland 2012 gezeigt hat.
Unternehmensanleihen geben Firmen heraus, um Fabriken, Übernahmen oder alte Schulden zu bezahlen. Ihr Zins liegt meist über dem von Bundesanleihen. Der Aufschlag heißt Risikoaufschlag oder Spread. Er ist der Preis dafür, dass ein Unternehmen eher pleitegehen kann als der Bund.
Pfandbriefe sind Anleihen von Banken mit einer doppelten Sicherung. Hinter ihnen stehen die Bank selbst und ein eigener Topf an Sicherheiten, die Deckungsmasse. Das sind vor allem Immobilienkredite oder Kredite an Staaten und Gemeinden, geregelt im Pfandbriefgesetz. Für Hypothekenpfandbriefe dürfen Immobilienkredite nur bis 60 Prozent des vorsichtig ermittelten Beleihungswerts in die Deckung. Die Deckung muss die ausstehenden Pfandbriefe dauerhaft um mindestens 2 Prozent übersteigen, und die Bank muss Geld für die nächsten 180 Tage bereithalten. Stand: Oktober 2026.
| Art | Wer leiht sich Geld | Was dahintersteht | Typisches Risiko |
|---|---|---|---|
| Bundeswertpapiere | Bundesrepublik Deutschland | Steuerkraft des Bundes | sehr geringes Ausfallrisiko, Zinsänderungsrisiko bleibt |
| Staatsanleihen anderer Länder | andere Staaten | Steuerkraft des Staates | je nach Land gering bis hoch, bei Fremdwährung Wechselkursrisiko |
| Pfandbriefe | Banken | Bank und gesetzlich geregelte Deckungsmasse | gering, aber höher als beim Bund |
| Unternehmensanleihen | Unternehmen | allein das Unternehmen | je nach Bonität gering bis hoch |
| Hochzinsanleihen | Unternehmen oder Staaten mit schwacher Bonität | allein der Emittent | hohes Ausfallrisiko |
| Nachranganleihen | meist Banken und Versicherer | werden im Insolvenzfall erst nach allen anderen bedient | Totalverlust möglich, oft lange oder ewige Laufzeit |
| Nullkuponanleihen | Staaten oder Unternehmen | keine laufenden Zinsen, Kauf unter dem Nennwert | besonders starke Kursschwankung |
| Inflationsindexierte Anleihen | meist Staaten | Nennwert und Zins steigen mit der Inflation | niedriger Grundzins, verliert bei sinkender Inflation |
Bei Nachranganleihen, Hybridanleihen und vielen Mittelstandsanleihen ist ein hoher Kupon fast immer der Ausgleich für ein höheres Risiko. Auch eine Aktienanleihe ist trotz des Namens keine klassische Anleihe, sondern ein Zertifikat, das an einer Aktie hängt.
Kupon, Kurs und Rendite: so bringt eine Anleihe Geld
Die kurze Antwort: Der Kupon ist der feste Zins auf den Nennwert. Die Rendite ist das, was du tatsächlich verdienst. Beides ist nur gleich, wenn du genau zu 100 Prozent kaufst.
Anleihen werden in Prozent vom Nennwert gehandelt, nicht in Euro pro Stück. Ein Kurs von 100 heißt: Du zahlst genau den Nennwert. Bei 97 zahlst du für 1.000 Euro Nennwert 970 Euro, bei 103 sind es 1.030 Euro. Fachleute sagen „unter pari“ und „über pari“.
Am Ende zahlt der Emittent immer 100 Prozent zurück, egal was du bezahlt hast. Kaufst du unter 100, verdienst du zusätzlich zum Kupon an der Differenz. Kaufst du über 100, verlierst du diesen Aufpreis bis zum Ende wieder. Die Rendite bis zur Fälligkeit rechnet beides zusammen und verteilt es auf die Jahre.
Ein Rechenbeispiel mit angenommenen Zahlen: Eine Anleihe hat 1 Prozent Kupon, noch drei Jahre Laufzeit und steht bei 95. Dazu kommen am Ende 5 Punkte Kursgewinn. Zusammen sind das gerechnet rund 2,8 Prozent Rendite im Jahr, vor Kosten und Steuern. Der niedrige Kupon täuscht also.
Eine Anleihe mit 6 Prozent Kupon bei einem Kurs von 110 bringt dagegen deutlich weniger als 6 Prozent. Vergleiche darum nie Kupons, sondern immer die Rendite bis zur Fälligkeit, und zwar bei Anleihen mit ähnlicher Laufzeit und ähnlicher Bonität.
Ob sich eine Anleihe für dich lohnt, zeigt erst der Blick auf die Inflation. Liegt die Rendite darunter, verliert dein Geld trotz Zinsen an Kaufkraft. Laut Statistischem Bundesamt lag die Inflation im September 2026 vorläufig bei 3,3 Prozent, Stand: 30. September 2026.
Warum Anleihekurse fallen, wenn die Zinsen steigen
Die kurze Antwort: Steigen die Zinsen am Markt, gibt es neue Anleihen mit höherem Kupon. Deine alte Anleihe mit niedrigem Kupon will dann niemand mehr zum vollen Preis kaufen. Ihr Kurs fällt so weit, bis ihre Rendite zu den neuen Zinsen passt. Das ist das Zinsänderungsrisiko.
Sinken die Zinsen, läuft es umgekehrt, und der Kurs steigt.
„Lisa Logisch ist unsere Beispielperson. Sie ist erfunden, ihr Verlauf ist alltagsecht.“ Lisa ist 31, Projektmanagerin, verdient 2.500 Euro netto und will verstehen, bevor sie handelt.
Stell dir vor: Lisa kauft für 10.000 Euro eine Anleihe mit zehn Jahren Laufzeit und 2,5 Prozent Kupon, genau zu 100. Ein Jahr später sind die Zinsen für vergleichbare Anleihen um einen Prozentpunkt gestiegen, auf 3,5 Prozent. Ihre Anleihe steht dann gerechnet bei rund 92. Auf dem Papier hat Lisa rund 800 Euro verloren, obwohl der Emittent kerngesund ist. Alle Zahlen sind angenommen.
Muss Lisa jetzt verkaufen, ist der Verlust echt. Hält sie bis zum Ende, bekommt sie jedes Jahr 250 Euro Zinsen und am Schluss die vollen 10.000 Euro zurück.
Die Duration einfach erklärt: wie stark eine Anleihe auf Zinsen reagiert
Wie stark der Kurs schwankt, misst eine Kennzahl: die Duration. Sie wird in Jahren angegeben und zeigt, wie lange es im Schnitt dauert, bis Zinsen und Rückzahlung dein Geld zurückgebracht haben. Steigen die Zinsen um einen Prozentpunkt, fällt der Kurs um ungefähr so viele Prozent, wie die Duration Jahre hat.
Bei Lisas zehnjähriger Anleihe liegt die Duration bei knapp 9 Jahren. Darum fiel der Kurs um rund 8 Prozent. Eine zweijährige Anleihe mit demselben Kupon hätte nur rund 2 Prozent verloren, eine dreißigjährige rund 18 Prozent.
Zwei Regeln reichen dir für den Alltag. Je länger die Restlaufzeit, desto größer die Schwankung. Und je niedriger der Kupon, desto größer die Schwankung. Bei Anleihe-ETFs steht die Duration im Factsheet des Fonds.
Wie heftig das werden kann, zeigte 2022. Die Europäische Zentralbank hob ihren Einlagenzins ab Juli 2022 von minus 0,5 Prozent bis auf 4 Prozent im September 2023. Lange Anleihen mit fast null Prozent Kupon verloren einen großen Teil ihres Kurswerts.
Seit dem 16. September 2026 liegt der Einlagenzins der Europäischen Zentralbank bei 2,50 Prozent, Stand: Oktober 2026. Wohin die Zinsen gehen, weiß niemand. Darum passt die Laufzeit einer Anleihe am besten zu dem Zeitpunkt, an dem du das Geld brauchst.
Bonität und Rating: wie sicher ist dein Geld bei einer Anleihe?
Die kurze Antwort: So sicher wie der Emittent. Seine Bonität, also die Fähigkeit, Zinsen und Rückzahlung pünktlich zu leisten, entscheidet über dein Risiko. Ratingagenturen bewerten sie mit Buchstaben-Noten.
Die beste Note ist AAA, die schlechteste vor dem Ausfall C, ein Ausfall heißt D. Die wichtigste Grenze liegt zwischen BBB- und BB+. Darüber spricht man von Investment Grade, darunter von spekulativen Anleihen, Hochzinsanleihen oder High Yield.
| Ratingstufe | Bedeutung | Bereich |
|---|---|---|
| AAA | höchste Bonität | Investment Grade |
| AA | sehr gute Bonität | Investment Grade |
| A | gute Bonität, etwas anfälliger für schlechte Zeiten | Investment Grade |
| BBB | mittlere Bonität, unterste Stufe Investment Grade | Investment Grade |
| BB und B | spekulativ, Zahlung hängt stark von der Wirtschaftslage ab | Hochzins |
| CCC bis C | sehr hohes Ausfallrisiko | Hochzins |
| D | Emittent zahlt nicht mehr | Ausfall |
Ein Rating ist eine Meinung, keine Garantie. Wird eine Anleihe herabgestuft, fällt meist ihr Kurs. Viele kleinere Unternehmensanleihen haben gar kein Rating.
Die Faustregel heißt: Hohe Rendite gibt es nicht geschenkt. Bietet eine Anleihe deutlich mehr als vergleichbare Papiere, preist der Markt ein Risiko ein.
Was gilt ohne Einlagensicherung, wenn ein Emittent nicht zahlt?
Die kurze Antwort: Für Anleihen springt kein Sicherungsfonds ein. Die gesetzliche Einlagensicherung schützt nur Guthaben auf Konten, bis 100.000 Euro je Person und Bank, Stand: Oktober 2026. Fällt ein Emittent aus, bist du eine von vielen Gläubigerinnen und Gläubigern im Insolvenzverfahren.
Geht deine Depotbank pleite, ist das für deine Anleihen kein Problem. Wertpapiere im Depot sind dein Eigentum und werden nur verwahrt. Geht dagegen der Emittent pleite, also das Unternehmen oder die Bank, die die Anleihe herausgegeben hat, steht deine Forderung direkt im Risiko.
Im Insolvenzverfahren bekommst du eine Quote, die oft gering ist und Jahre auf sich warten lässt. Oft wird vorher umgeschuldet: niedrigerer Zins, längere Laufzeit oder Tausch in Aktien. Nach dem Schuldverschreibungsgesetz kann eine Mehrheit der Gläubigerinnen und Gläubiger das für alle beschließen, wenn die Anleihebedingungen es erlauben.
Bei Anleihen von Banken kommt eine Besonderheit dazu, die Gläubigerbeteiligung oder Bail-in. Gerät eine Bank in Schieflage, kann die Abwicklungsbehörde Anleihen herabschreiben oder in Aktien umwandeln, bevor Steuergeld fließt. Zuerst trifft es Aktionärinnen und Aktionäre, dann Nachranganleihen, dann einfache Bankanleihen. Gedeckte Pfandbriefe sind davon ausgenommen. Einlagen bis 100.000 Euro auch.
Bundeswertpapiere tragen dieses Ausfallrisiko praktisch nicht, solange der deutsche Staat zahlungsfähig ist. Ihr Kurs schwankt trotzdem mit den Zinsen. „Sicher“ heißt bei Anleihen also immer zweierlei: sicher vor Ausfall und sicher vor Kursschwankung. Beides zugleich bekommst du nur bei kurzen Laufzeiten.
Bundeswertpapiere direkt beim Bund kaufen: so funktioniert die Finanzagentur
Die kurze Antwort: Die Finanzagentur ist die Schuldenverwaltung des Bundes. Sie gibt alle Bundeswertpapiere heraus. Du kannst sie über deine Bank an der Börse kaufen oder direkt bei der Finanzagentur über ein Schuldbuchkonto.
Der Bund leiht sich Geld mit Papieren unterschiedlicher Laufzeit. Unverzinsliche Schatzanweisungen laufen bis zu zwölf Monate und haben keinen Kupon. Du kaufst sie unter 100, die Differenz ist dein Ertrag. Bundesschatzanweisungen laufen rund zwei Jahre, Bundesobligationen rund fünf Jahre. Bundesanleihen haben Laufzeiten von zehn, fünfzehn oder dreißig Jahren. Dazu kommen Grüne Bundeswertpapiere für Klima- und Umweltprojekte.
Beim Schuldbuchkonto werden deine Papiere direkt im Bundesschuldbuch eingetragen, ohne Bank dazwischen. Du kaufst neue Papiere zum Ausgabepreis bei ihrer Begebung. Kontoführung und Verwahrung sind dort für Privatkundinnen und Privatkunden kostenlos. Auch hier gibt es den Freistellungsauftrag.
Der Weg über das eigene Depot ist flexibler. Dort kannst du jede Bundesanleihe kaufen, die an der Börse gehandelt wird, auch ältere Papiere mit passender Restlaufzeit. Dafür fallen die üblichen Ordergebühren und der Spread an.
Stell dir vor: Lisa plant in zwei Jahren eine Auszeit und will dann 6.000 Euro bereithaben. Sie vergleicht ein Festgeld über zwei Jahre mit einer Bundesschatzanweisung, die genau dann fällig wird. Die Renditen sind in ihrem Beispiel ähnlich. Die Bundesschatzanweisung kann sie aber vorzeitig verkaufen, und der Bund steht dahinter. Kursschwankungen stören sie nicht, denn sie hält bis zum Ende.
So kaufst du eine Anleihe: von der Auswahl bis ins Depot
Die kurze Antwort: Du brauchst ein Depot, die Kennnummer der Anleihe und einen Plan, wie lange du das Geld nicht brauchst. Die Reihenfolge hilft, Fehler zu vermeiden.
1
Den Zeitraum festlegen, für den du das Geld nicht brauchst
Die Restlaufzeit der Anleihe sollte zu deinem Ziel passen. Wer in drei Jahren eine Wohnung kaufen will, braucht keine Anleihe mit zehn Jahren Laufzeit. Der Notgroschen bleibt auf dem Tagesgeld.
2
Emittent, Rating und Bedingungen prüfen
Wer gibt die Anleihe heraus, wie ist das Rating, ist sie nachrangig, darf der Emittent vorzeitig kündigen, in welcher Währung läuft sie? Antworten stehen im Wertpapierprospekt und kurz im Basisinformationsblatt, wenn es eins gibt.
3
Mindeststückelung und Handelbarkeit klären
Viele Unternehmensanleihen gibt es nur in Stücken zu 1.000 Euro, manche erst ab 100.000 Euro. Schau außerdem, ob die Anleihe an einer Börse gehandelt wird. Wenig Handel heißt großer Spread und im Zweifel kein Käufer, wenn du verkaufen willst.
4
Mit Limit kaufen und den Stückzins einplanen
Gib die Kennnummer ein, den Nennwert, den du kaufen willst, und einen Höchstkurs als Limit. In der Abrechnung siehst du Kurswert, Gebühren und die Stückzinsen. Neue Anleihen kannst du auch in der Zeichnungsfrist zum festen Ausgabepreis kaufen.
Bevor deine Bank dir eine Anleihe empfiehlt, muss sie prüfen, ob sie zu deinen Zielen, deiner Erfahrung und deiner Risikobereitschaft passt. Im HB-Kurs nennen wir das die persönliche Risikoklasse. Kaufst du ohne Beratung, prüft sie bei komplexen Papieren zumindest deine Kenntnisse und warnt dich sonst.
Was bei Zinszahlung, Fälligkeit, Kündigung oder Ausfall einer Anleihe passiert
Die kurze Antwort: Im Normalfall musst du nichts tun. Zinsen und Rückzahlung bucht die Bank automatisch auf dein Verrechnungskonto.
Die Zinsen kommen an festen Terminen, bei deutschen Anleihen meist einmal im Jahr. Die Bank zieht die Abgeltungsteuer gleich ab, soweit dein Freistellungsauftrag ausgeschöpft ist. Am Fälligkeitstag bekommst du den Nennwert zurück, die Anleihe verschwindet aus dem Depot.
Manche Anleihen sind kündbar. Der Emittent darf sie dann vor der Fälligkeit zu einem festgelegten Preis zurückzahlen. Das tut er vor allem, wenn die Zinsen gefallen sind. Du bekommst dein Geld dann zurück, wenn du es nur noch schlechter anlegen kannst. Rechne bei kündbaren Anleihen darum mit der Rendite bis zum frühesten Kündigungstermin.
Kommt ein Emittent in Schwierigkeiten, merkst du es meist zuerst am Kurs. Gibt es eine Gläubigerversammlung nach dem Schuldverschreibungsgesetz, informiert dich die Bank und leitet die Unterlagen weiter. Lass dich beraten, bevor du verkaufst oder abstimmst. Fällt die Anleihe ganz aus, ist der Verlust steuerlich ein Verlust aus Kapitalvermögen.
Was Anleihen kosten: Gebühren, Spread und Stückzinsen
Die kurze Antwort: Beim Kauf zahlst du den Kurswert, Ordergebühren der Bank und indirekt den Spread, also den Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Dazu kommen die Stückzinsen, die aber keine Kosten sind, sondern ein Ausgleich.
Die Ordergebühren hängen von deiner Bank ab, oft ein fester Betrag plus ein Anteil vom Kurswert. Kaufst du für 2.000 Euro eine Anleihe mit 2,5 Prozent Rendite und zahlst 10 Euro Gebühren, ist ein Fünftel des ersten Jahreszinses weg.
Der Spread ist bei Bundesanleihen sehr klein, bei wenig gehandelten Unternehmensanleihen kann er deutlich größer sein. Kaufe darum zu den Haupthandelszeiten und immer mit Limit. Laufende Kosten gibt es bei einer Einzelanleihe nicht. Bei einem Anleihe-ETF zahlst du jedes Jahr die Gesamtkostenquote des Fonds.
Stückzinsen: warum du beim Kauf Zinsen bezahlst
Den Kupon bekommt, wer die Anleihe am Zahltag besitzt. Als Ausgleich gibt es Stückzinsen. Die Käuferin zahlt der Verkäuferin die Zinsen, die seit dem letzten Zinstermin aufgelaufen sind. Am nächsten Zinstermin bekommt sie dafür den vollen Kupon.
Ein Rechenbeispiel: Du kaufst Anleihen mit 5.000 Euro Nennwert und 3 Prozent Kupon. Seit dem letzten Zinstermin sind 146 von 365 Tagen vergangen. Du zahlst zum Kurswert 60 Euro Stückzinsen dazu. Ein halbes Jahr später bekommst du 150 Euro Zinsen. Davon gehören dir wirtschaftlich nur 90 Euro.
Der Börsenkurs enthält keine Stückzinsen. Darum ist die Abrechnung höher als Kurs mal Nennwert.
Wie Anleihen und Anleihe-ETFs besteuert werden
Die kurze Antwort: Zinsen und Kursgewinne aus Anleihen sind Kapitalerträge. Oberhalb des Sparerpauschbetrags kosten sie 25 Prozent Abgeltungsteuer, dazu 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag auf die Steuer und gegebenenfalls Kirchensteuer. Zusammen ohne Kirchensteuer sind das 26,375 Prozent, Stand: 2026.
Der Sparerpauschbetrag liegt bei 1.000 Euro im Jahr für Alleinstehende und 2.000 Euro für Ehepaare und eingetragene Lebenspartnerschaften. Damit deine Bank ihn berücksichtigt, gibst du ihr einen Freistellungsauftrag. Alles dazu steht auf unserer Seite zu Steuern auf Kapitalerträge.
Bei Anleihen gibt es drei Besonderheiten. Erstens zählen Kursgewinne genauso wie Zinsen. Kaufst du eine Anleihe zu 95 und bekommst am Ende 100, sind die 5 Punkte steuerpflichtig. Zweitens werden gezahlte Stückzinsen beim Kauf als negative Kapitalerträge verbucht. Sie mindern deine Steuer, und erhaltene Stückzinsen beim Verkauf sind steuerpflichtig. Drittens landen Verluste aus Anleihen im allgemeinen Verlustverrechnungstopf. Anders als Aktienverluste kannst du sie mit Zinsen, Dividenden und Fondsgewinnen verrechnen.
| Ertrag | Einzelanleihe | Anleihe-ETF |
|---|---|---|
| Laufende Zinsen oder Ausschüttungen | voll steuerpflichtig | voll steuerpflichtig, keine Teilfreistellung |
| Thesaurierung | gibt es nicht | jährliche Vorabpauschale, voll steuerpflichtig |
| Kursgewinn bei Verkauf oder Fälligkeit | voll steuerpflichtig | voll steuerpflichtig, abzüglich bereits versteuerter Vorabpauschalen |
| Gezahlte Stückzinsen | mindern die Steuer | spielen für dich keine Rolle |
| Verluste | allgemeiner Verlusttopf | allgemeiner Verlusttopf |
Bei Aktien-ETFs bleiben 30 Prozent der Erträge steuerfrei, die Teilfreistellung. Für Anleihe-ETFs gilt das nicht. Sie erreichen die Mindestquote an Aktien nicht. Ihre Teilfreistellung beträgt 0 Prozent, ihre Erträge sind also voll steuerpflichtig. Wie die Vorabpauschale bei thesaurierenden Fonds funktioniert, steht auf unserer Seite zum ETF.
Liegt dein persönlicher Steuersatz unter 25 Prozent, etwa im Studium, in Teilzeit, einer Elternzeit oder im Ruhestand, lohnt die Günstigerprüfung in der Steuererklärung. Das Finanzamt rechnet dann mit deinem niedrigeren Satz und erstattet die Differenz.
Anleihe-ETF oder einzelne Anleihe: was zu dir passt
Die kurze Antwort: Eine einzelne Anleihe hat ein festes Ende und einen bekannten Rückzahlungsbetrag. Ein Anleihe-ETF hat kein Ende und streut über hunderte Anleihen. Was besser passt, hängt davon ab, ob du einen festen Termin hast oder einen dauerhaften Baustein im Depot willst.
Ein Anleihe-ETF bildet einen Anleihen-Index nach, zum Beispiel Staatsanleihen der Eurozone, deutsche Bundesanleihen oder Unternehmensanleihen mit Investment Grade. Laufen Anleihen aus, kauft er neue nach. Einen Fälligkeitstag mit sicheren 100 Prozent gibt es darum nicht. Steigen die Zinsen, sinkt sein Kurs und erholt sich erst über höhere laufende Erträge.
Dafür bekommst du breite Streuung für kleines Geld. Ein Ausfall eines einzelnen Emittenten fällt kaum ins Gewicht. Der ETF ist ein Sondervermögen und damit geschützt, wenn die Fondsgesellschaft pleitegeht. Laufzeit-ETFs, die an einem festen Tag enden, verbinden beides.
| Merkmal | Einzelanleihe | Anleihe-ETF |
|---|---|---|
| Laufzeit | fester Fälligkeitstag | unbegrenzt, Duration bleibt etwa gleich |
| Rückzahlung | 100 Prozent, wenn der Emittent zahlt | Verkauf zum aktuellen Kurs |
| Streuung | ein Emittent | viele Emittenten |
| Mindestbetrag | oft 1.000 Euro, teils viel mehr | ein Anteil, auch per Sparplan |
| Laufende Kosten | keine | jährliche Gesamtkostenquote |
| Passt gut für | Ziel mit festem Datum | dauerhaften stabilen Teil im Depot |
Achte bei Anleihe-ETFs auf die Währung. Ein ETF auf weltweite Anleihen ohne Währungsabsicherung schwankt mit dem Dollar und anderen Währungen oft stärker als mit den Zinsen. Daneben zählen Duration, Rating, Kosten und Fondsgröße.
Welche Rolle Anleihen in deinem Depot spielen
Die kurze Antwort: Anleihen sind der ruhige Teil eines Depots. Sie sollen Schwankungen abfedern und Geld für planbare Ausgaben bereithalten. Für das Wachstum über Jahrzehnte sind Aktien zuständig.
Im HB-Kurs teilen wir Geldanlage in Rendite, Sicherheit und Verfügbarkeit, das Dreieck der Geldanlage. Keine Anlage erfüllt alle drei Ecken gleichzeitig. Anleihen guter Bonität liegen nah an der Sicherheit, mit planbaren Zinsen. Aktien liegen nah an der Rendite. Das Mischverhältnis entscheidet, wie viel Schwankung du aushalten musst.
In Krisen steigen sichere Staatsanleihen oft, während Aktien fallen. Verlassen kannst du dich darauf nicht. 2022 fielen Aktien und Anleihen gleichzeitig, weil die Inflation und die Zinsen stiegen. Ein Mischdepot ist also ruhiger als ein reines Aktiendepot, aber nicht unverwundbar.
Wie viel Anleihen in ein Depot gehören, hat keine feste Formel. Es kommt auf drei Fragen an: Wann brauchst du das Geld? Wie hast du dich beim letzten Kurseinbruch gefühlt? Und gibt es schon sichere Bausteine wie Tagesgeld, Festgeld oder eine Rentenversicherung mit Garantie? Auch ein sicherer Teil ganz ohne Anleihen kann passen.
Bei Lisa sieht das so aus: Ihr Notgroschen von 7.500 Euro bleibt auf dem Tagesgeld. Ihr ETF-Sparplan über 200 Euro läuft für die Rente, die noch 36 Jahre entfernt ist. Für ihre Auszeit mit festem Termin passt ein kurzes Bundeswertpapier. Erst wenn ihr Depot groß wird oder der Ruhestand näher rückt, wird ein stabiler Anteil mit Anleihen für sie ein Thema.
Einmal im Jahr lohnt der Blick auf die Aufteilung. Ist der Aktienanteil stark gewachsen, schichtest du zurück, das sogenannte Rebalancing. Vor der Rente wird der stabile Anteil meist größer, damit ein Crash kurz vor dem Ruhestand nicht die Pläne verschiebt.
Was bei Anleihen als Nächstes zählt
Bei Anleihen zählt vor allem die Frage, wann du das Geld wieder brauchst. Passt die Laufzeit zu deinem Ziel, verlieren Kursschwankungen ihren Schrecken, denn am Ende zahlt ein solider Emittent 100 Prozent zurück. Passt sie nicht, kann selbst eine Bundesanleihe weh tun. Der zweite Blick gehört dem Emittenten, denn eine auffällig hohe Rendite ist eine Frage nach dem Risiko.
Wenn du deinen sicheren Teil ordnen willst, schau zuerst, was du schon hast: Notgroschen, Festgeld, Versicherungen mit Garantie, vielleicht ein geerbtes Depot mit alten Papieren. Erst dann lohnt die Frage, ob Anleihen dazukommen und in welcher Form. Wenn du das einmal gemeinsam durchgehen willst, findest du uns unter Beratung.
Lass uns den sicheren Teil deiner Geldanlage einmal gemeinsam ordnen.
Die Prüfung ist unabhängig davon, ob am Ende ein neuer Vertrag steht. Oft ist der alte Vertrag mit Lücken besser als ein neuer mit neuen Gesundheitsfragen.
Beratung durch die FemininFinance GmbH & Co. KG, Versicherungsmaklerin nach § 34d Abs. 1 GewO, Register-Nr. D-TAJS-4I8JO-48, und ihre Kooperationspartner:innen mit eigener Erlaubnis und eigener Registrierung bei der IHK.
Häufig gestellte Fragen
Nur wenn du jetzt verkaufst. Der Kurs ist gefallen, weil die Zinsen gestiegen sind. Hältst du die Anleihe bis zur Fälligkeit und zahlt der Herausgeber, bekommst du 100 Prozent des Nennwerts zurück. Der Kursverlust baut sich bis dahin Schritt für Schritt ab.
Lass das Depot auf deinen Namen umschreiben und gib der Bank einen Freistellungsauftrag. Schau dir die Fälligkeiten an. Am Fälligkeitstag kommt der Nennwert auf das Verrechnungskonto, oft ohne Zinsen. Überlege vorher, wohin das Geld danach soll. Kursgewinne und Zinsen ab dem Erbfall versteuerst du.
Nein. Stückzinsen sind die Zinsen, die seit dem letzten Zinstermin aufgelaufen sind. Du zahlst sie der Verkäuferin oder dem Verkäufer und bekommst sie am nächsten Zinstermin mit dem vollen Kupon zurück. Steuerlich mindern gezahlte Stückzinsen deine Kapitalerträge.
Nein. Die Einlagensicherung bis 100.000 Euro gilt nur für Guthaben auf Konten. Bei Anleihen trägst du das Risiko des Herausgebers. Geht deine Depotbank pleite, bleiben die Anleihen trotzdem dein Eigentum, weil Wertpapiere nur verwahrt werden.
Ein so hoher Zins liegt weit über dem, was solide Staaten und Unternehmen zahlen. Er ist meist der Ausgleich für ein hohes Ausfallrisiko, Nachrang oder fehlende Börsennotierung. Prüfe Rating, Rang, Kündigungsrechte und ob es einen gebilligten Prospekt gibt. Lege so etwas nie mit Geld an, das du brauchst.
Quellen: Bundesministerium der Justiz: Pfandbriefgesetz, §§ 4 und 14, Stand 2026 · Bundesministerium der Justiz: Einkommensteuergesetz, § 20, Stand 2026 · Bundesministerium der Justiz: Investmentsteuergesetz, § 20, Stand 2026 · Bundesministerium der Justiz: Schuldverschreibungsgesetz, Stand 2026 · Finanzagentur des Bundes: Bundeswertpapiere für Privatkundinnen und Privatkunden, Stand 2026 · Statistisches Bundesamt: Verbraucherpreisindex, Stand 30.09.2026 · Europäische Zentralbank: Leitzinsen der EZB, Stand 2026
Was sich geändert hat: 07.10.2026 – erste Fassung.
Haftungsausschluss: Dieser Artikel ist allgemeine Information und ersetzt keine persönliche Beratung. Welche Lösung zu dir passt, hängt von deiner Situation ab. Darüber sprechen wir am besten direkt. Alles Weitere steht im Haftungsausschluss.
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Unsere Beratung: Wir sind Versicherungsmaklerin. Vermitteln wir dir einen Vertrag, bekommen wir vom Versicherer eine Vergütung, die Courtage. Sie steckt im Beitrag. Vermittelt eine unserer Kooperationspartner:innen, bekommt sie die Courtage. Ob wir davon einen Anteil bekommen, ist unterschiedlich. Die Prüfung deines Vertrags ist unabhängig davon, ob am Ende ein neuer Vertrag steht. Mehr dazu: So verdienen wir Geld.
Tipps unter Fachkolleg:innen: Anleihen
Für Versicherungsvermittlerinnen und -vermittler, Finanzberaterinnen und -berater mit IHK-Registrierung
- Geerbte Depots enthalten oft alte Anleihen mit naher Fälligkeit. Ein kurzer Anruf vor dem Rückzahlungstag wird meist gern angenommen.
- Wer die Duration in einem Satz erklärt, nimmt Kundinnen und Kunden die Angst vor roten Zahlen bei Anleihe-ETFs.
- Bei Paaren lohnt die Frage, wessen Name auf dem sicheren Teil des Vermögens steht.
