Zwei ETFs auf denselben Index sehen von außen gleich aus. Im ETF-Factsheet zeigen sich die Unterschiede: wie der Fonds den Index nachbaut, wo er zu Hause ist, was er wirklich kostet und in welcher Währung dein Geld am Ende steckt.
Hier steht, welche Angaben auf dem Factsheet zählen und welche du überspringen kannst. Mit allen Begriffen in einfachen Worten, Stand: 11.10.2026. Danach brauchst du für einen ETF-Vergleich keine zehn Minuten mehr.
Betrifft dich, wenn du Vermögen aufbauen willst du an die Rente denkst du deine Finanzen im Blick behalten möchtest
Hier geht es nur um das Lesen des Factsheets
Diese Seite erklärt die Angaben auf dem Datenblatt eines ETF. Was ein ETF grundsätzlich ist und wie er in deinen Vermögensaufbau passt, steht auf der Seite ETF einfach erklärt. Wie die Erträge versteuert werden, steht unter Steuern auf Kapitalerträge.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Factsheet ist ein Datenblatt des Anbieters mit den wichtigsten Kennzahlen. Gesetzlich vorgeschrieben ist das Basisinformationsblatt. Dort müssen Kosten, Risiken und Herkunftsland stehen.
- Die laufenden Kosten (TER) sind der Anteil, der jedes Jahr aus dem Fonds genommen wird. Wie gut ein ETF seinen Index trifft, zeigt die Tracking Difference.
- Replikation heißt: wie der ETF den Index nachbaut. Physisch kauft er die Aktien, synthetisch tauscht er die Rendite über einen Vertrag mit einer Bank.
- Die Währung des ETF ist kein Auswahlkriterium. Das Währungsrisiko steckt in den Aktien im Fonds.
- Die Verbraucherzentrale nennt als Faustregel ein Fondsvolumen ab rund 500 Millionen Euro. Kleine Fonds werden eher geschlossen oder verschmolzen.
Inhalt
- Was ist ein ETF-Factsheet?
- Was muss dir der Anbieter zeigen, auch ohne Factsheet?
- Was kostet ein ETF und wo steht das auf dem Factsheet?
- Was heißt physische oder synthetische Replikation?
- Beispiel: So sieht das bei Lisa aus
- Was bedeutet das Fondsdomizil?
- Welche Rolle spielt die Fondswährung?
- Was heißen DIS und ACC im Namen?
- So liest du ein ETF-Factsheet Schritt für Schritt
- Was beim ETF-Factsheet jetzt zählt
- Häufig gestellte Fragen
Was ist ein ETF-Factsheet?
Die kurze Antwort: Ein Factsheet ist das Datenblatt eines Fonds, meist ein bis zwei Seiten. Der Anbieter fasst darin Kennzahlen, Zusammensetzung und Wertentwicklung zusammen und aktualisiert es regelmäßig.
Ein ETF ist ein Fonds, der an der Börse gehandelt wird und meist einen Index nachbildet. Ein Index ist ein Korb aus Aktien oder Anleihen, zum Beispiel der DAX oder der MSCI World. Das Factsheet zeigt, wie ein bestimmter ETF diesen Korb umsetzt.
Neben dem Factsheet gibt es drei weitere Unterlagen. Sie unterscheiden sich darin, wie verbindlich sie sind.
| Unterlage | Was drinsteht | Pflicht? |
|---|---|---|
| Basisinformationsblatt | Art, Risiken, Kosten, Herkunftsland, Aufsichtsbehörde | ja, vor jedem Kauf |
| Verkaufsprospekt | alle Regeln des Fonds im Detail | ja, auf Wunsch |
| Jahres- und Halbjahresbericht | Bestände, Kosten und Ergebnisse des Geschäftsjahres | ja, auf Wunsch |
| Factsheet | Kennzahlen, größte Positionen, Länder, Branchen, Wertentwicklung | nein, freiwillige Unterlage des Anbieters |
Stand: BaFin, geprüft am 12.10.2026. Das Factsheet ist praktisch, aber Pflicht ist das Basisinformationsblatt. Es muss dir vor jedem Kauf vorliegen.
Was muss dir der Anbieter zeigen, auch ohne Factsheet?
Die kurze Antwort: Das Basisinformationsblatt bekommst du vor jedem Kauf unaufgefordert. Dazu muss deine Bank dir alle Kosten vorab und mindestens einmal im Jahr zusammengefasst nennen.
Im Basisinformationsblatt müssen die laufenden Kosten, das Herkunftsland und die zuständige Aufsichtsbehörde stehen. Die Fondsgesellschaft muss die laufenden Kosten als eine einzige Zahl angeben, berechnet auf Basis des letzten Geschäftsjahres (§ 166 KAGB).
Deine Bank oder dein Depotanbieter muss dir vor dem Kauf und danach mindestens jährlich alle Kosten zusammengefasst zeigen. Dazu gehören Ordergebühren, Depotgebühren und Fondskosten, jeweils mit ihrer Wirkung auf die Rendite (§ 63 WpHG). Auf Wunsch bekommst du die Kosten einzeln aufgeschlüsselt.
Und was passiert mit deinem Geld, wenn die Fondsgesellschaft pleitegeht? Ein Fonds nach deutschem Recht ist Sondervermögen. Er ist vom Vermögen der Gesellschaft getrennt und gehört nicht zur Insolvenzmasse (§ 99 KAGB). Das Risiko, dass die Kurse fallen, bleibt trotzdem bei dir.
Was kostet ein ETF und wo steht das auf dem Factsheet?
Die kurze Antwort: Auf dem Factsheet steht die TER oder „laufende Kosten“. Sie wird jedes Jahr aus dem Fondsvermögen genommen. Laut Verbraucherzentrale zahlst du bei ETFs meist mehr als 0,2 Prozent im Jahr, bei aktiven Aktienfonds im Schnitt gut 1,5 Prozent.
TER steht für Total Expense Ratio, die Gesamtkostenquote. Sie wird nicht extra abgebucht. Sie mindert still den Wert des Fonds. Die BaFin rechnet vor: Bei 10.000 Euro und 0,4 Prozent TER sind es im ersten Jahr 40 Euro.
Dazu kommen Kosten, die nicht im Factsheet stehen. Beim Kauf über die Börse fallen meist Ordergebühren von null bis einem Prozent an, je nach Anbieter. Einen Ausgabeaufschlag wie bei vielen aktiven Fonds gibt es an der Börse nicht. Was beim Depot sonst kostet, steht auf der Seite Depot.
Tracking Difference: die ehrlichere Kostenzahl
Die Tracking Difference ist der Unterschied zwischen der Rendite des ETF und der Rendite seines Index, meist über ein Jahr gerechnet. Sie zeigt, wie viel dir am Ende wirklich fehlt. In der Theorie ist sie etwa so hoch wie die TER. In der Praxis liegt sie mal darüber, mal darunter.
Darunter liegt sie zum Beispiel, wenn der Fonds Aktien gegen Gebühr verleiht. Diese Wertpapierleihe bringt Erträge, die einige Anbieter stärker an den Fonds weitergeben als andere. Vergleichen kannst du die Tracking Difference nur, wenn Fonds und Index in derselben Währung gerechnet sind.
Was heißt physische oder synthetische Replikation?
Die kurze Antwort: Replikation heißt Nachbildung. Physisch kauft der ETF die Aktien des Index, alle oder eine Auswahl. Synthetisch hält er andere Wertpapiere und tauscht deren Ertrag mit einer Bank gegen die Rendite des Index.
Bei der vollen Replikation hält der Fonds alle Aktien des Index im gleichen Verhältnis. Laut Verbraucherzentrale wird sie kaum angeboten, weil sie teuer ist. Häufiger ist die optimierte Nachbildung, auch Sampling genannt: Der Fonds kauft einen Teil der Aktien und ergänzt mit Derivaten.
Bei der synthetischen Replikation schließt der Fonds einen Tauschvertrag mit einer Bank, einen Swap. Er gibt die Erträge seiner eigenen Wertpapiere ab und bekommt dafür die Rendite des Index. Laut Verbraucherzentrale ist keines der Verfahren schlechter oder riskanter als die anderen.
Auf dem Factsheet steht das meist unter „Replikationsmethode“ mit Wörtern wie „physisch (optimiert)“, „vollständig“ oder „synthetisch (Swap)“.
Beispiel: So sieht das bei Lisa aus
Lisa Logisch ist unsere Beispielperson. Sie ist erfunden, ihr Verlauf ist alltagsecht.
Lisa ist 31 und arbeitet als Projektmanagerin in Vollzeit. Sie verdient 2.500 Euro netto. Ihr Erspartes liegt bisher auf dem Tagesgeld. Lange hat sie gezögert, mehr zu machen. Fachbegriffe schrecken sie ab, und sie will verstehen, bevor sie handelt.
Stell dir vor, Lisa hat ihren Notgroschen beisammen und will 10.000 Euro in einen weltweiten Aktien-ETF stecken. Sie legt die Factsheets von zwei ETFs auf denselben Index nebeneinander. Die Werte sind erfunden, damit die Rechnung einfach bleibt.
| Angabe | ETF A | ETF B |
|---|---|---|
| Laufende Kosten (TER) | 0,20 % | 0,25 % |
| Tracking Difference im letzten Jahr | –0,35 % | –0,20 % |
| Fondsvolumen | 180 Mio. € | 3,2 Mrd. € |
| Replikation | synthetisch (Swap) | physisch (optimiert) |
| Ertragsverwendung | ausschüttend (DIS) | thesaurierend (ACC) |
Annahme im Beispiel, keine echten Fonds. Auf den ersten Blick wirkt ETF A günstiger. Bei 10.000 Euro kostet er laut TER 20 Euro im Jahr, ETF B 25 Euro.
Die Tracking Difference erzählt etwas anderes. ETF A lag im letzten Jahr 0,35 Prozent hinter seinem Index, das wären bei Lisa 35 Euro. ETF B lag nur 0,20 Prozent dahinter, also 20 Euro. Am Ende hat ETF B Lisa 15 Euro weniger gekostet, obwohl seine TER höher ist.
Dazu kommt das Fondsvolumen. ETF A liegt mit 180 Millionen Euro unter der Faustregel von rund 500 Millionen. Im Beispiel entscheidet sich Lisa für ETF B. Thesaurierend passt zu ihr, weil sie die Erträge ohnehin wieder anlegen will.
Das Depot ist für Lisa der Teil ihres Geldes, der über viele Jahre wachsen soll. Eingerichtet hat sie es mit einem Blick auf fünf Zeilen, nicht auf fünfzig.
Was bedeutet das Fondsdomizil?
Die kurze Antwort: Das Domizil ist das Land, in dem der Fonds aufgelegt ist. Die meisten in Deutschland verkauften ETFs werden laut BaFin nicht in Deutschland aufgelegt. Für sie ist die Aufsichtsbehörde des jeweiligen Landes zuständig.
Das Domizil steht im Factsheet meist als „Fondsdomizil“ oder „Domizil“, dazu im Basisinformationsblatt.
Wichtig wird das Domizil, wenn ein Anbieter zwei Fonds zusammenlegt.
Kommen sie aus verschiedenen Ländern, etwa aus Luxemburg und Irland, gilt die Verschmelzung laut Verbraucherzentrale steuerlich als Verkauf. Dann können Steuern auf die Gewinne fällig werden, die bis dahin aufgelaufen sind, sofern dein Sparerpauschbetrag schon ausgeschöpft ist.
Welche Rolle spielt die Fondswährung?
Die kurze Antwort: Für dein Risiko kaum eine. Entscheidend ist die Währung der Aktien im Fonds. Ein weltweiter ETF in Euro steckt trotzdem großteils in US-Dollar.
Auf dem Factsheet stehen oft zwei Währungen: die Fondswährung, in der der Fonds rechnet, und die Handelswährung an der Börse. Beide ändern nichts daran, was im Fonds steckt. Fällt der Dollar gegenüber dem Euro, verliert ein Fonds mit vielen US-Aktien an Wert, egal in welcher Währung er notiert.
Der häufigste Denkfehler: „Mein ETF wird in Euro gehandelt, also habe ich kein Währungsrisiko.“ Das Währungsrisiko steckt in den Aktien. Beim MSCI World kommen laut BaFin über 70 Prozent der Werte aus den USA. Wer Währungsschwankungen absichern will, findet ETFs mit dem Zusatz „EUR hedged“. Die Verbraucherzentralen raten bei langfristiger Anlage davon ab, weil die Absicherung teuer ist.
Was heißen DIS und ACC im Namen?
Die kurze Antwort: DIS steht für ausschüttend: Der ETF zahlt Dividenden aus, meist vierteljährlich oder jährlich. ACC steht für thesaurierend: Er legt sie im Fonds wieder an.
Steuerlich werden beide ähnlich behandelt. Ausschüttungen versteuerst du im Jahr, in dem sie kommen. Bei thesaurierenden Fonds fällt jedes Jahr die Vorabpauschale an, eine vorweggenommene Besteuerung, aber nur in Jahren mit Kursgewinn. Ausschüttungen im selben Jahr mindern die Vorabpauschale (§ 18 InvStG).
Bei Aktien-ETFs sind 30 Prozent der Erträge steuerfrei, die sogenannte Teilfreistellung (§ 20 InvStG). Ob ein Fonds als Aktienfonds gilt, entscheiden seine Anlagebedingungen: Er muss dauerhaft mehr als 50 Prozent in Aktien anlegen (§ 2 InvStG).
So liest du ein ETF-Factsheet Schritt für Schritt
Die kurze Antwort: Erst den Index prüfen, dann Kosten und Tracking Difference, dann Volumen, Replikation und Ertragsverwendung. Domizil und Währung schaust du dir zum Schluss an.
1
Index und Anlageziel
Ganz oben steht, welchen Index der ETF nachbildet. Prüfe, ob das der Korb ist, den du willst: weltweit, nur Industrieländer oder eine Region.
2
Laufende Kosten und Tracking Difference
Vergleiche nur ETFs auf denselben Index. Die TER zeigt den Plan, die Tracking Difference das Ergebnis. Fehlt sie im Factsheet, vergleiche die Wertentwicklung von Fonds und Index über dieselben Jahre.
3
Fondsvolumen und Auflagedatum
Ein Volumen ab rund 500 Millionen Euro gilt als Faustregel. Das Auflagedatum zeigt, wie lange es den Fonds schon gibt und wie viele Jahre Tracking Difference du vergleichen kannst.
4
Replikation, Ertragsverwendung, Domizil
Diese Angaben entscheiden selten über gut oder schlecht. Sie entscheiden darüber, was zu dir passt: ausschüttend oder thesaurierend, physisch oder synthetisch.

Samiras Blick
Samira Harkat
„Ein Factsheet sieht aus wie eine Prüfung in Mathe. Dabei ist es eher ein Beipackzettel. Du musst nicht jede Zeile verstehen. Du musst wissen, welche fünf Zeilen über dein Geld entscheiden, und die anderen getrost überspringen. Wer das einmal geübt hat, merkt: Die Angst vor dem Depot war meist Angst vor den Wörtern, nicht vor der Entscheidung.“
Wenn ein ETF geschlossen oder verschmolzen wird
Wird ein ETF geschlossen oder mit einem anderen zusammengelegt, bekommst du dein Kapital zurück oder Anteile am neuen Fonds. Laut BaFin kann es aber Kosten verursachen, wenn du das Geld danach in einen anderen ETF umschichtest.
Kommen beide Fonds aus verschiedenen Ländern, kann zusätzlich Steuer anfallen. Ein großes Fondsvolumen macht beides unwahrscheinlicher.
Was beim ETF-Factsheet jetzt zählt
Ein Factsheet ist kein Urteil über einen Fonds. Es ist ein Werkzeug, um zwei ähnliche Fonds fair zu vergleichen. Der Index entscheidet über deine Streuung. Kosten und Tracking Difference entscheiden darüber, wie viel davon bei dir ankommt.
Alles andere sortierst du nach deinem Leben: Willst du Erträge ausgezahlt bekommen oder wieder anlegen? Wie lange bleibt das Geld liegen? Wie du regelmäßig investierst, steht auf der Seite Sparplan. Was vorher stehen sollte, zeigt Notgroschen.
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Häufig gestellte Fragen
Die TER zeigt nur die laufenden Kosten. Wie gut der Fonds den Index trifft, zeigt die Tracking Difference. Sie hängt nicht nur von der TER ab, Erträge aus Wertpapierleihe können sie zum Beispiel verringern. Vergleiche ETFs deshalb über mehrere Jahre Tracking Difference, nicht nur über die TER.
Laut Verbraucherzentrale ist keines der Verfahren schlechter oder riskanter als die anderen. Beim synthetischen ETF kommt ein Vertrag mit einer Bank dazu. Das Kursrisiko des Index trägst du bei beiden.
Nicht unbedingt. Die 500 Millionen Euro sind eine Faustregel der Verbraucherzentrale für die Auswahl. Kleine Fonds werden eher geschlossen oder verschmolzen. Dann bekommst du dein Geld zurück oder Anteile am neuen Fonds. Ein Verkauf kann Steuern auslösen, rechne das vorher durch.
Das ist meist die Fondswährung, in der der Fonds rechnet. Du kaufst ihn an der Börse trotzdem in Euro. Für dein Währungsrisiko zählt, in welchen Währungen die Aktien im Fonds notieren, nicht die Währung im Namen.
Meist auf der Internetseite der Fondsgesellschaft, wenn du dort die ISIN eingibst, die internationale Wertpapierkennnummer. Dort liegen auch Basisinformationsblatt, Prospekt und Jahresbericht. Das Basisinformationsblatt muss dir dein Depotanbieter vor dem Kauf ohnehin zeigen.
Quellen: ETFs: Was Sie wissen sollten, BaFin, ohne Datum, geprüft am 12.10.2026 · ETF-Kauf: Auf diese Kriterien sollten Sie bei der Auswahl achten, Verbraucherzentrale, Stand 12.03.2026, geprüft am 12.10.2026 · § 166 KAGB, laufende Kosten, dejure.org, Stand 2026, geprüft am 11.10.2026 · § 99 KAGB, Sondervermögen, Bundesministerium der Justiz, Stand 2026, geprüft am 11.10.2026 · § 63 WpHG, Kosteninformation, Bundesministerium der Justiz, Stand 2026, geprüft am 11.10.2026 · §§ 2, 18, 20 InvStG, Bundesministerium der Justiz, Stand 2026, geprüft am 11.10.2026
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